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Blu-ray-Besprechung - Countdown to Zero
Story:
„Countdown to Zero“ beschäftigt sich mit der weltweiten Gefahr durch Nuklearwaffen und deren potentieller, ungewollter Verbreitung. Die Dokumentation warnt dabei besonders vor der Inbesitznahme durch Terroristen oder undemokratische Regime, beleuchtet aber auch die Gefahr von Unfällen durch menschliches oder technisches Versagen und das Zustandekommen von fatalen Missverständnissen, das besonders zu Zeiten des Kalten Krieges ständig gegeben war. „Countdown to Zero“ stellt dar, dass es für Interessenten gar nicht so schwer ist, Atomwaffen zu kaufen, zu stehlen, oder selbst herzustellen. Nach Meinung der Produzenten schwebt das Damoklesschwert einer nuklearen Katastrophe in der heutigen Zeit ständig an einem seidenen Faden über der Menschheit.
Meinung zum Film:
„Countdown to Zero“ ist eine Dokumentation im Stil von Al Gores bzw. Davis Guggenheims „Eine unbequeme Wahrheit“, was auch nicht verwundern darf, da einige Verantwortliche, wie z.B. Lawrence Bender als Produzent, hier erneut involviert waren. Dementsprechend gestaltet sich „Countdown to Zero“ in weiten Teilen eigentlich eher wie ein Horrorfilm und entspinnt ein durch Nuklearwaffen induziertes, angsteinflößendes, apokalyptisches Schreckensszenario. Die Regisseurin Lucy Walker („Waste Land“) versteht es dabei meisterhaft, Experteninterviews, z.B. mit ehemaligen Politikern wie Michail Gorbatschow oder Jimmy Carter, Buchautoren, Nuklearphysikern, mit Bildern von katastrophalen Unfällen sowie aktuellen Aufnahmen von Überwachungskameras bzw. hochauflösenden Großstadtplänen mit eingezeichneten Zerstörungsradien nuklearer Attacken in einer Art und Weise zusammenzuschneiden, die beim Zuschauer ein deutliches Gefühl des Unwohlseins und der direkten Bedrohung heraufbeschwören. Dahinter müssen faktenbasierte Argumentationsketten allerdings deutlich zurückstehen und die Dokumentation nutzt immer wieder gerne das Mittel der Übertreibung. Außerdem verfolgt sie von Anfang bis Ende zielstrebig ihre Intention von der Abschaffung sämtlicher Atomwaffen weltweit und akzeptiert keinerlei Gegenpositionen, wobei der Gedanke, dass solche gigantischen Vernichtungspotentiale nicht in die Hände von Menschen gehören, natürlich trotzdem mehr als nachvollziehbar ausfällt.
Das Zugpferd der vorliegenden Dokumentation ist Valerie Plame Wilson, die als ehemalige CIA-Agentin selbst aktiv und undercover gegen die Verbreitung von Atomwaffen im Einsatz war und durch Doug Limans „Fair Game“ auch filmische Würdigung erfuhr. Die dominante Argumentationsbasis der gesamten Dokumentation ist dabei störenderweise extrem auf die USA und ihre Sicht der Dinge reduziert. So wird direkt zu Beginn erneut der Kampf gegen den Terror proklamiert und es wird so dargestellt, als wäre es für Terroristen ein Leichtes, an Atomwaffen zu gelangen. Entzieht sich der Zuschauer jedoch der Faszination der effektiv zusammengeschnittenen Bilder und der manipulativen „Expertenkommentare“, ergeben sich zahlreiche Ungereimtheiten und Widersprüche. So betont der Film beispielsweise immer wieder, wie einfach es doch wäre, primitive Atomwaffen herzustellen, verweist aber dann auf die Problematik, auch unabdingbares, hochangereichertes Uran zu beschaffen. Kurz darauf zeigt der Film hingegen auf, wie einfach es sein kann, solches Material, z.B. aus der Sowjetunion, zu beschaffen und ins Land zu schmuggeln. Abgesehen davon, dass diese Darstellung wohl keineswegs der Realität entspricht, da die Anreicherung von Uran einiges an Knowhow und zeitlichem Aufwand erfordert und nach dieser Argumentation ja bereits sehr viele Terrorgruppen mit Atomwaffen herumhantieren müssten, stellt sich die Frage, inwiefern die Intention des Films, die Abschaffung nuklearer Waffenpotentiale, sich unter diesen Voraussetzungen überhaupt auf nukleare terroristische Aktivitäten auswirken sollte.
Peinlich wird es in dieser Hinsicht auch, wenn gegen Ende lediglich in sehr knapper Manier Schritte hin zu einer atomwaffenfreien Welt aufgezeigt werden und dort auch Produktionsverbote für hochangereichertes Uran und Plutonium gefordert werden. Eben jene eminent wichtigen Ingredenzien also, die im Film zuvor noch aus weitgehend unkontrollierbaren Regionen als frei verfügbar aufgezeigt wurden. Die Rolle der USA als Erfinder der Bombe und einziger Nation, die diese tatsächlich jemals gegen Menschen eingesetzt hat, wird hingegen nie kritisch hinterfragt. Stattdessen werden deren typische Feindbilder beschworen, islamische Terroristen, der Iran und Nordkorea. Aber auch die Faktenarmut von „Countdown to Zero“ sorgt für Kopfschütteln. So fällt kein Wort über den Atomwaffensperrvertrag oder die START-Abrüstungsverträge, zudem wird ausgerechnet die Kubakrise, als einer der heikelsten Momente des Kalten Krieges bzw. des nuklearen Wettrüstens, komplett ausgespart. Letzteres geschieht jedoch offensichtlich aus reinem Kalkül, da ausgerechnet John F. Kennedy mit seiner Idee des „atomaren Damoklesschwertes“ hier gerne als Visionär und Friedensstifter gesehen würde. Zentrale Fragen zum Thema Atomwaffen werden ebenfalls ignoriert, z.B. warum eigentlich nur die USA das Recht auf Atomwaffen besitzen sollten oder wie es eigentlich tatsächlich um die Abschreckungskomponente von Nuklearwaffen bestellt ist.
Digitale Aufarbeitung:
Die Blu-ray liegt zwar im 1080p/24-Format vor, von den technischen Stärken des Mediums macht die vorliegende Veröffentlichung aber so gut wie keinen Gebrauch. Ein Großteil des Films besteht aus ziemlich altem Archivmaterial, teilweise auch in Schwarz-Weiß, das sich nicht gerade im besten Zustand befindet und keineswegs hochauflösende Ansichten auf den Bildschirm zaubert. Den besten Eindruck hinterlassen noch die optisch allerdings eher unspektakulären aktuellen Interviewsequenzen, da hier zumindest im Hinblick auf die Gesichter der Protagonisten eine weitergehende Detailzeichnung erkennbar ist. Die eingestreuten Landschaftsaufnahmen bzw. Überflüge sind hingegen von wechselhafter Qualität, erreichen aber auch nie wirkliches HD-Niveau. Die deutsche Tonspur gibt sich zwar gut verständlich, aber naturgemäß frontlastig und wurde im Voice-over-Verfahren aufgezeichnet. Die englischsprachige Originaltonspur befindet sich aber ebenfalls auf der Blu-ray, genau wie optionale deutsche Untertitel. Beide Fassungen liegen in DTS-HD Master Audio 5.1 vor.
Auf der Blu-ray befinden sich neben einem Kurzvortrag (3:55) der Atomwaffen-Expertin Xanthe Hall vom Verein IPPNW (Deutsche Sektion der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges / Ärzte in sozialer Verantwortung e.V.) lediglich noch der deutsche sowie der Originaltrailer zum Film. Die Veröffentlichung besitzt ein Wendecover.
Fazit:
„Countdown to Zero“ ist nicht objektiv, arm an Fakten, jedoch reich an Behauptungen und entspinnt ein horrorfilmartiges Bedrohungsszenario, das der zweifelsohne guten Sache, der sich diese angebliche Dokumentation verschrieben hat, nämlich der Abschaffung von Atomwaffen, eher schadet als nutzt. Inhaltlich verstrickt sich die Dokumentation zudem, bei aller handwerklichen Finesse, in zahlreiche Widersprüche und etliche ihrer Argumentationsschienen sind schlichtweg nicht nachvollziehbar. Technisch erfüllt die vorliegende Veröffentlichung zwar die Erwartungen an eine Dokumentation, nicht jedoch an eine aktuelle Blu-ray.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,78:1
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89:01 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch DTS-HD Master Audio 5.1 | Englisch DTS-HD Master Audio 5.1 |
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Untertitel:
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Deutsch |
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Bonusmaterial:
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- Deutscher Trailer
- Englischsprachiger Originaltrailer
- Beitrag "Atomwaffenfrei"
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Countdown to Zero
Countdown to Zero
Ein Horrorfilm im Dokumentarfilmgewand, der es mit der "unbequemen Wahrheit" und den Fakten nicht immer besonders genau nimmt
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 2010 Regie: Lucy Walker Darsteller: Graham Allison, Tony Blair, Jimmy Carter, Joseph Cirincione, Michail Gorbatschow, Ahmed Rashid, Valerie Plame Wilson, Pervez Musharraf
Label :
Ascot Elite
Verkaufsstart : 19.07.2011
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