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DVD-Besprechung - Hotel der toten Gäste

Story:
Als im Büro des Reporters Barney Blair (Joachim Fuchsberger) eine Leiche gefunden wird, legt ihm der Beamte von Scotland Yard nahe, auf eigene Faust nach dem Täter zu suchen, um sich selbst vom Mordverdacht zu befreien. Blair reist für seine Nachforschungen nach San Remo, wo gerade ein großes Schlagerfestival stattfindet. Nachdem dort ein weiterer Mord geschieht ist er nicht mehr alleine bei der Suche nach dem Täter, denn Inspektor Forbesa (Hans Nielsen) nimmt die Ermittlungen auf.

Meinung zum Film:
„Hotel der toten Gäste“ beruht auf dem Roman „Die rote Vase“ der Australierin Heather Gardiner. Regie bei der Verfilmung führte Eberhard Itzenplitz („Bambule“), der anschließend fast nur noch fürs Fernsehen tätig war. Der Film orientiert sich recht offensichtlich an den erfolgreichen Rialto-Filmen nach den Romanen von Edgar Wallace. In der deutsch-spanisch-französischen Koproduktion beginnt die Handlung auch entsprechend stilecht mit einem Mord in London, welches allerdings schon recht bald gen Italien verlassen wird. Doch Städtenamen sind hier nicht mehr als Schall und Rauch, da sich fast die gesamte Handlung in Studiokulissen abspielt. Die Handlung könnte genauso gut in Dortmund-Derne spielen, ohne dass dies optisch einen Unterschied machen würde. In den wenigen Momenten, in denen das Hotel, in dem rund 95% der Handlung stattfindeen von außen gezeigt wird, erinnert es sogar deutlich mehr an ein typisches Mehrfamilienhaus aus einer mitteldeutschen Wohnsiedlung, denn an ein Hotel im beschaulichen San Remo. Für mehr Stimmung sorgt da eindeutig der Soundtrack von Gert Wilden („Schulmädchen-Report“), der sich unverkennbar am Klang der Wallace-Filme orientiert, ohne dabei jedoch nur eine einfache Kopie zu erzeugen.

Bei der Besetzung der einzelnen Rollen wurden einige Edgar-Wallace-Veteranen verpflichtet, andere sollten später noch ihre Chance bekommen. Allen voran der beliebte Joachim Fuchsberger („Der Frosch mit der Maske“), der maßgeblich dabei half, die Krimis nach den Romane Edgar Wallace‘ im Kino zu etablieren. An seiner Seite ist die nicht minder beliebte Karin Dor („Der grüne Bogenschütze“) zu sehen, Hans Nielsen („Die Tür mit den 7 Schlössern“) spielt den im Hotel ermittelnden Kommissar. Auf Seiten der Darsteller spielen u.a. noch Ady Berber („Die toten Augen von London“) als Hotelangestellter und Wolfgang Kieling („Im Banne des Unheimlichen“) als potentieller Täter mit. Auf Seiten der Darstellerinnen sind Monika Peitsch („Der Bucklige von Soho“), Gisela Uhlen („Das indische Tuch“) und Renate Ewert („Der rote Kreis“) mit von der Partie. Der ebenfalls beteiligte Claus Biederstaedt hatte sich zwar nie in einer Edgar-Wallace-Kinoproduktion behaupten dürfen, konnte dafür aber 1963 in einer TV-Verfilmung von „Der Hexer“ den Kommissar geben. Ergänzt werden die Wallace-Veteranen noch durch Gus Backus („Unsere tollen Tanten“), Frank Latimore („Patton - Rebell in Uniform“) und Elke Sommer („Ein Schuss im Dunkeln“), die sich selbst als Teilnehmerin am Schlagerfestival spielt.

Doch trotz des an sich durchaus sehenswerten Ensembles, das sich vor der Kamera eingefunden hat, will sich nie ein rechtes Krimi-Gefühl oder gar Spannung einstellen. Der Film wechselt von einer Szene zur nächsten, ohne dabei die Handlung wirklich voranzutreiben. Die Polizei ist im Haus und scheint offensichtlich irgendwelche Ermittlungen anzustellen. Der Zuschauer bekommt von deren Fortschritten allerdings nur wenig mit. Der Täter ist ohne Frage ebenfalls vor Ort, doch bedrohlich wirkt seine Anwesenheit kaum. Selbst was die Verdächtigungen und das Rätselraten über dessen Identität anbetrifft, wird nur wenig dafür unternommen, das Publikum durch Fährten, geschweige denn falsche Fährten zum Mitraten zu animieren. Am ehesten schafft es der Film noch durch sein nostalgisches Flair für ein wenig Unterhaltung zu sorgen, was aber ganz sicher nicht dafür ausreicht, „Hotel der toten Gäste“ wirklich sehenswert zu machen. Und so stört es am Ende auch kaum, dass die Auflösung der Vorfälle alles andere als eine kriminalistische Meisterleistung darstellt und diese genauso spektakulär daher kommt, wie der Rest des Films.

Digitale Aufarbeitung:
Das Bild macht angesichts des Alters des Materials und der sicheren Annahme, dass keine allzu aufwendige Restauration betrieben werden konnte einen sehr guten Eindruck. Verschmutzungen und analoge Defekte sind nur höchst selten auszumachen und lediglich ein etwas unruhiger Bildstand ist Zeuge des Alters. Schärfe und Kontrast hinterlassen durchweg einen angenehmen Eindruck. Der deutsche Ton liegt in Dolby Digital 2.0 vor und ist gut zu verstehen. Wie oft bei Tonspuren aus den 60er-Jahren klingt er zwar ab und an ein wenig verhallt, was aber kein Problem darstellt.

Als Extra liegt der DVD ein Nachdruck der "Illustrierten Film-Bühne 7069" zum Film auf einem Faltblatt bei. Diese sollte allerdings keinesfalls vor der Sichtung des Films durchgelesen werden, da hier bereits die komplette Handlung vorweggenommen wird. Lediglich die Auflösung fehlt.

Fazit:
„Hotel der toten Gäste“ bemüht sich darum, die Atmosphäre der Edgar-Wallace-Rialto-Reihe einzufangen, schafft es aber leider nicht dabei Spannung aufzubauen. Mit einem Spannungsbogen auf der Nulllinie vergeht somit die Zeit vom ersten Mord bis zur Auflösung recht gemächlich und der Film entlässt den Zuschauer letztlich mit der Erkenntnis, dass außer eine großen Portion 60er-Jahre Nostalgie in diesem Hotel nichts zu erleben war.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
1,66:1
1,66:1
91:47 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Keine
Bonusmaterial:
  • Illustrierte Film-Bühne Nr. 7069 zum Film als Faltblatt
Hotel der toten Gäste - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Hotel der toten Gäste
Hotel der toten Gäste

Bild unseres Mitarbeiters Michael Tomiak
Die Spannung starb zuerst...


Autor der Besprechung:
Michael Tomiak

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland / Spanien / Frankreich, 1965
Regie:
Eberhard Itzenplitz
Drehbuch:
José María Alonso Pesquera, Adolfo Aznar, Michael Dreesen, Hannes-Karl Kubiak, Max Rottmann (basierend auf dem Roman "Die rote Vase" von Heather Gardiner)
Darsteller:
Joachim Fuchsberger, Karin Dor, Hans Nielsen, Ady Berber, Wolfgang Kieling, Monika Peitsch, Gisela Uhlen, Renate Ewert, Claus Biederstaedt, Gus Backus, Frank Latimore, Elke Sommer

Label Deutschland :
Pidax film
Verkaufsstart Deutschland :
05.08.2011