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DVD-Besprechung - Der Verdammte der Inseln
Story:
Der Engländer Peter Willems (Trevor Howard) ist ein Mensch von fragwürdigem Charakter. Das musste auch sein einstiger Förderer, Kapitän Tom Lingard (Ralph Richardson), schmerzlich erfahren. Als Willems jedoch wegen Unterschlagung Anstellung und Besitz in Singapur verliert, rettet ihn ausgerechnet wieder jener Lingard. Dieser besitzt in der Region mittlerweile ein Handelsmonopol, da er als einziger einen gefahrlosen Seeweg durch die gefährlichen Inselregionen kennt. Lingard vertraut Willems Elmer Almayer (Robert Morley), dem Verwalter seines Handelsstützpunktes in einem malayischen Inseldorf, an. Beide Männer können sich jedoch nicht ausstehen. Als sich Willems leidenschaftlich in Aissa (Kerima), die Tochter des Häuptlings, verliebt, droht Lingard erneut Verrat.
Meinung zum Film:
„Der Verdammte der Inseln“ beruht auf dem gleichnamigen Roman des britischen Erfolgsautors Joseph Conrad („Lord Jim“) aus dem Jahr 1896 , der sein zweites Werk darstellte. Regie führte Carol Reed, der zwei Jahre zuvor den Kultthriller und Erfolgsfilm „Der dritte Mann“, den das British Film Institute 1999 zum besten britischen Film aller Zeiten wählte, gedreht hatte. Das Drehbuch schrieb William Fairchild („Verliebt in eine Königin“), der allerdings in seiner Vita ansonsten keine weiteren Werke mit größerer Strahlkraft vorzuweisen hat. Die Hauptrollen des Films sind mit Ralph Richardson („Der Löwe von Sparta“), Trevor Howard („Meuterei auf der Bounty“) und Robert Morley („African Queen“) formidabel besetzt. Die weibliche Hauptrolle spielt die bis dahin als Darstellerin unerfahrene Kerima („Das Schiff der verlorenen Frauen“), eine junge Frau französisch-arabischer Herkunft.
„Der Verdammte der Inseln“ bewegt sich handlungstechnisch wie auf Schienen, was ihn nicht gerade zu einer Perle der Unterhaltungskunst erhebt. Peter Willems ist zudem wohl einer der am negativsten konnotierten Charaktere der Filmgeschichte, denn er wird von Anfang an als Mensch mit schlechtem Charakter geführt, der anderen Menschen lediglich Schaden zufügt, nur seinen eigenen Vorteil im Auge hat und offensichtlich auch einen Sklaven seiner Leidenschaften darstellt. Als er nicht nur von Lingard eine zweite Chance erhält, sondern unverständlicherweise auch noch direkt den geheimen Seeweg kennenlernen darf, ist ein erneuter Verrat Willems eigentlich nur noch eine Frage der Zeit. Zu diesem eindimensionalen Unsympathen in der Hauptrolle und der erzählerischen Einbahnstraße treten jedoch gerade in der ersten Hälfte des Films auch noch erstaunliche technische Mängel. Dabei handelt es sich vor allem um grausam schlechte Rückprojektionen und die dilettantische nachträgliche Montage von Darstellern in fertige Sequenzen. Daraus ergeben sich dann grausame „Schnitt-Flickschustereien“, um Sequenzen mit „Studiodarstellern“ und Einheimischen vor Ort innerhalb einer Szene zu realisieren (0:19). Ein weiterer Punkt für unfreiwillige Komik ist die Figur des Kapitän Lingard, Ralph Richardson ist hier unter völlig übertriebenem Make-Up bzw. ausufernder Bart- und Brauenpracht kaum noch wiederzuerkennen und erinnert stark an Kapitän Iglo, auch wenn er sich darstellerisch nichts vorzuwerfen hat.
Aber auch die Liebesbeziehung zwischen Willems und Aissa sorgt für einige Fragezeichen. Beide entstammen völlig verschiedenen Kulturen, sprechen nicht die gleiche Sprache und doch entsteht nur über Blicke eine Art leidenschaftliche Bindung - und das auch noch vor den Augen sämtlicher Dorfbewohner, obwohl sie die Tochter des Häuptlings ist. Da die Geschichte extrem auf der Stelle tritt - Almayer sieht Willems als Rivalen und behandelt ihn daher nur als Handlanger, weshalb dieser, obschon tödlich gelangweilt, sich jeglicher Mitarbeit verweigert -, reißen lediglich die kindischen Auseinandersetzungen der beiden den Zuschauer etwas aus dem Halbschlaf. Darstellerisch ergibt sich hier zumindest ein reizvolles Duell zwischen dem jähzornig-verletzenden Trevor Howard und dem trotzköpfig-eingeschnappten Robert Morley. Im weiteren Verlauf der Handlung wird Aissa zu einer Art Handelsgegenstand und ihr Preis für Willems soll in der Weitergabe der Koordinaten für eine sichere Seewegspassage zum Handelsplatz bestehen. Abgesehen von der Vertiefung der menschlichen Abgründe von Willems Charakter, was Trevor Howard allerdings immerhin zu schauspielerischen Glanztaten animiert, hat das Werk jedoch nicht mehr viel zu bieten und endet, wie erwartet, relativ tragisch für den Antihelden der Geschichte.
Digitale Aufarbeitung:
Der Film hat mittlerweile beinahe 60 Jahre auf dem Buckel, das macht sich allerdings bei der vorliegenden DVD kaum bemerkbar. Das Schwarz-Weiß-Bild besitzt eine überzeugende Schärfe, einen ausgewogenen Kontrast und einen guten Schwarzwert. Bildrauschen ist in geringerem Ausmaß vorhanden, stört allerdings nicht besonders. Auch die Kompression bietet keinen Anlass zur Klage und die Vorlage ist erstaunlich sauber, quasi ohne Verschmutzungen oder Beschädigungen. Lediglich der Bildstand weist leichte Unruhen auf. Die englische Tonspur fehlt leider auf der DVD, die frontlastige, deutsche Synchronfassung wurde aber gut abgemischt und klingt, außer einem leichten, altersbedingten Hallen, gut verständlich.
Das Bonusmaterial besteht aus einem beiliegenden vierseitigen Booklet. Dabei handelt es sich um einen zeitgenössischen Nachdruck des Filmprogramms „Illustrierte Film-Bühne Nr. 1326“. Es sollte jedoch keinesfalls vor der Betrachtung des Films gelesen werden, da es den kompletten Filminhalt wiedergibt. Die Veröffentlichung besitzt ein Wendecover.
Fazit:
„Der Verdammte der Inseln“ ist eine eher freie britische Adaption eines frühen Romans von Joseph Conrad, die mit technischen Unzulänglichkeiten, inhaltlicher Vorhersehbarkeit und einem Hauptcharakter ohne positive Eigenschaften zu kämpfen hat. Im Grunde handelt es sich hier um die fortgesetzte Studie eines menschlichen Niedergangs in Form eines Dramas, jedoch ins Gewand eines exotischen Abenteuerfilms gekleidet. Technisch hinterlässt die DVD einen wirklich guten Eindruck, das Bonusmaterial und die Ausstattung, ohne Originaltonspur, enttäuschen jedoch.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,33:1
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94:31 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 2.0 |
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Untertitel:
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Keine |
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Bonusmaterial:
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Der Verdammte der Inseln
Outcast of the Islands
Menschliche Abgründe im exotisch-tropischen Umfeld, die den Zuschauer jedoch trotzdem ziemlich kalt lassen
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Großbritannien, 1952 Regie: Carol Reed Drehbuch: William Fairchild (basierend auf einem Roman von Joseph Conrad) Darsteller: Ralph Richardson, Trevor Howard, Robert Morley, Wendy Hiller, Kerima, George Coulouris, Dharma Emmanuel, Peter Illing, A.V. Bramble
Label :
Pidax film
Verkaufsstart : 05.08.2011
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