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DVD-Besprechung - Die Nibelungen
Story:
Siegfried von Xanten (Gerd Seid), strahlender Held und Drachentöter, verliebt sich in Kriemhild (Antje Weisgerber), die Schwester des Königs der Burgunder, Gunther (Hans Caninenberg). Um sie heiraten zu dürfen, erweist er Gunther einen Dienst. Er täuscht mit Hilfe seiner Tarnkappe die bis dahin unbezwingbar erscheinende Brunhild (Lola Müthel). Durch diesen ergaunerten Sieg Gunthers, dem vermeintlichen Sieger im Kräftemessen mit Brunhild, ist sie verpflichtet, seine Frau zu werden. Als diese jedoch im Verlauf eines Streits mit Kriemhild von dem schändlichen Betrug erfährt, schwört sie Siegfried blutige Vergeltung. Das Instrument ihrer Rache wird Hagen Tronje (Alfred Schieske), der Kriemhilds Naivität ausnutzt, um ihr die einzige Schwachstelle des beinahe unverwundbaren Siegfrieds zu entlocken. Nach diesem Meuchelmord ist es an Kriemhild, den nächsten Rachefeldzug zu initiieren.
Meinung zum Film:
„Die Nibelungen“ ist eine deutsche TV-Verfilmung in Anlehnung an die weltbekannte Nibelungensage aus dem Jahr 1967, die im Auftrag des WDR entstand und von Wilhelm Semmelroth („Die Frau in Weiß“), der für Regie und Drehbuch verantwortlich zeichnete, in Szene gesetzt wurde. Das Drehbuch basiert dabei sehr vorlagengetreu auf dem gleichnamigen Theaterstück von Friedrich Hebbel aus dem Jahr 1861, das Semmelroth bereits 1954 für das WDR-Radio adaptierte und dessen Aufzeichnung mittlerweile auch als Hörbuch auf CD verfügbar ist. Der Schwarz-Weiß-Zweiteiler mit einer Gesamtlaufzeit von über vier Stunden entstand damit etwa 43 Jahre nach dem monumentalen Stummfilm-Epos von Fritz Lang („M – Eine Stadt sucht einen Mörder“) aus dem Jahr 1924, aber beinahe zeitgleich zu der neueren, deutlich trivialer sowie actionlastiger angelegten Verfilmung von Harald Reinl („Der Schatz im Silbersee“). Allerdings hinkt der Vergleich mit diesen Werken, da es sich bei der vorliegenden Verfilmung um klassisches Sprechtheater, und das auch noch in Schwarz-Weiß, handelt. Das bedeutet allerdings auch, dass die Vorteile und mannigfaltigen Möglichkeiten des Mediums Film weitgehend beiseite geschoben werden. Die Hauptrollen wurden dementsprechend mit bühnenerfahrenen Darstellern besetzt, zumindest Antje Weisgerber („Rittmeister Wronski“), Hans Caninenberg („Sandokan - Der Tiger von Malaysia“), Alfred Schieske („Michael Kohlhaas“) und Rolf Becker („Heinrich Heine“) sind aber auch durch ihre Film- und Fernsehrollen bekannt geworden.
„Die Nibelungen“ besteht aus den beiden Teilen „Siegfrieds Tod“ (128:58) und „Kriemhilds Rache“ (119:42). Die Inszenierung setzt sich ausschließlich aus Studioaufnahmen mit sehr spartanischer Ausstattung bzw. Dekoration zusammen. Auch die Kostüme und Rüstungen sind eher minimalistisch gehalten. Siegfrieds Heldentaten vollziehen sich komplett im Off oder werden nur in Dialogen abgehandelt. Sprechtheater bedeutet hier also auch das weitgehende Fehlen von Handlungs- respektive Actionsequenzen. Diese teilweise Marginalisierung des kriegerischen Charakters der Sage schlägt allerdings auch zusätzlich noch in unangemessener Weise auf die Besetzung der wichtigsten Protagonisten durch. So ist Gerd Seid als Siegfried in jeder Hinsicht eine Fehlbesetzung. Er wirkt körperlich alles andere als beeindruckend und schwankt in seinem Gebaren zwischen selbstverliebtem Aufschneider, eitlem Pfau und geradezu geckenhaftem Naivling hin und her. War es allerdings das Ziel der Produktion Siegfried zu entmythologisieren, so wurde zumindest dieses Ansinnen durchaus erreicht. Die Figuren des Stücks kommunizieren vor allem in heutzutage eher altmodisch anmutenden Blankversen, wobei allerdings gegenüber Hebbels Stück natürlich bereits eine deutliche sprachliche Modernisierung stattgefunden hat.
Das zweite Hauptmerkmal der vorliegenden Produktion ist das theatergemäße, sehr dick aufgetragene Schauspiel. Wer mit dieser Art von Mono- bzw. Dialog und Vortragsform vertraut ist, wird allerdings sehr hochwertiger schauspielerischer Darbietungen gewahr. Diese vollziehen sich vor allem in Form von Antje Weisgerber als Kriemhild, die mit der Veränderung dieser Figur von der naiven, sehr emotionalen und stolzen jungen Frau zur nach Vergeltung dürstenden, eiskalten und hasserfüllten Rachegöttin auch mimisch einen eindrucksvollen Wandlungsprozess durchläuft. Wichtigster Antagonist der Geschichte ist der meisterhafte, abgründige Ränkeschmied Hagen Tronje, der von Alfred Schieske ebenfalls eindrucksvoll zum Leben erweckt wird, dem jedoch hinsichtlich seiner Körperlichkeit die Rolle dieses großen Kriegers ebenfalls nur bedingt abgenommen werden kann. Das Nibelungenlied strotzt bekanntlich vor Dramatik und starken Emotionen, was sich auch in der vorliegenden Inszenierung spiegelt. Rein dramaturgisch enttäuscht der zweite Teil jedoch etwas, da Kriemhilds verbale Wutausbrüche und Hasstiraden mit dermaßen viel Spielzeit bedacht werden, dass viele andere Charaktere, wie z.B. der durch seinen Verrat an der eigenen Schwester innerlich gebrochene König Gunther oder das Instrument von Kriemhilds Rache, der Hunnenkönig Etzel (alias Attila), eher zu Randerscheinungen degradiert werden, wodurch auch die Handlung etwas auf der Stelle tritt.
Digitale Aufarbeitung:
Die vorliegende auf zwei DVDs verteilte, fast 36 Jahre alte Schwarz-Weiß-TV-Verfilmung hinterlässt insgesamt einen erstaunlich guten Eindruck. Bildschärfe, Kontrast und Schwarzwert gestalten sich sehr positiv. Bildrauschen ist zwar feststellbar, wirkt aber nie wirklich störend. Auch die Kompression schlägt sich wacker, während leichte Störmuster und kleine Defekte in Kauf genommen werden müssen, jedoch ebenfalls nie wirklich die Betrachtung beeinträchtigen. Die deutsche Tonspur klingt zwar altersgemäß etwas dumpf und wird teilweise von einem deutlichen Hintergrundrauschen begleitet, klingt aber insgesamt gut verständlich.
Die Veröffentlichung beinhaltet keinerlei Bonusmaterial, verfügt allerdings über ein Wendecover.
Fazit:
Die „Nibelungen“-Verfilmung von Wilhelm Semmelroth aus dem Jahr 1967 ist dem (Sprech-)Theater deutlich näher als dem Spielfilm und dokumentiert diese Tatsache u.a. mit ihren einfachen Studiokulissen, bühnenhaft limitierter Kameraarbeit und den Gesetzen der Theaterdarstellung folgenden Schauspielern. Die vorliegende Inszenierung des klassischen Stoffs überzeugt dabei mit sprachlicher Raffinesse, starken Emotionen, einer gehörigen Portion Dramatik und teilweise sehr starken Darstellerleistungen, besitzt aber dramaturgisch in der zweiten Hälfte auch den einen oder anderen Durchhänger. Technisch macht die DVD einen wirklich überzeugenden Eindruck, enttäuscht allerdings auch durch komplett fehlendes Bonusmaterial.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,33:1
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248:40 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 2.0 |
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Untertitel:
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Keine |
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Bonusmaterial:
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Die Nibelungen
Die Nibelungen
Weitgehend unbekannte, theaternahe Filmadaption der Nibelungensage mit Licht und Schatten
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland, 1967 Regie: Wilhelm Semmelroth Drehbuch: Wilhelm Semmelroth (basierend auf einem Theaterstück von Friedrich Hebbel) Darsteller: Gerd Seid, Antje Weisgerber, Hans Caninenberg, Alfred Schieske, Lola Müthel, Günther König, Ruth Baldor, Lutz Hochstraate, Rolf Becker
Label :
Pidax film
Verkaufsstart : 05.08.2011
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