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DVD-Besprechung - Der Rest ist Schweigen

Story:
John H. Claudius (Hardy Krüger), Alleinerbe der Claudius-Hütte, kehrt nach dem Krieg und längerem Exil in den USA ins Ruhrgebiet zurück. Sein Onkel Paul (Peter van Eyck) ist mittlerweile Geschäftsführer des Unternehmens und hat Johns Mutter Gertrud (Adelheid Seeck) geheiratet. Ihr Mann Johannes (Siegfried Schürenberg) starb während eines Bombenangriffs der Alliierten im werkseigenen Luftschutzbunker. John glaubt jedoch, gestützt von einer geisterhaften Erscheinung seines Vaters, an einen Mord. Er ist deshalb nur nach Deutschland zurückgekehrt, um den Täter zu enttarnen. Und er ist sich sicher, dass es sich dabei nur um Paul handeln kann, während er seine eigene Mutter als Komplizin oder zumindest Mitwisserin verdächtigt.

Meinung zum Film:
„Der Rest ist Schweigen“ stellt eine freie, modernisierte Adaption der Tragödie des „Hamlet“ von William Shakespeare dar. Gleichzeitig handelt es sich bei diesem Werk jedoch auch um eine Studie der deutschen Nachkriegsgesellschaft in der Zeit des Wirtschaftswunders. Der deutsche Vorzeigeregisseur Helmut Käutner („Des Teufels General“) inszenierte den Film nach seinem eigenen Drehbuch. In den Hauptrollen glänzen Hardy Krüger („Einer kam durch“), Peter van Eyck („Die 1000 Augen des Dr. Mabuse“) und Ingrid Andree („Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“) als Fee von Pohl, die sich auf eine Liaison mit John H. Claudius einlässt. In kleineren, aber keineswegs unwichtigen Rollen agieren Schauspielgrößen wie Adelheid Seeck („Teufel in Seide“), Rudolf Forster („Er kanns nicht lassen“), Heinz Drache („Der Hexer“), Boy Gobert („Monpti“), Rainer Penkert („08/15 – Zweiter Teil“), Siegfried Schürenberg („Neues vom Hexer“) und Charles Regnier („Canaris“). Der Film nahm im Jahr 1959 ohne zählbaren Erfolg an der Berlinale teil, wurde dafür aber immerhin von der FBW mit dem Prädikat „wertvoll“ ausgezeichnet.

Auch wenn der Film gerne die deutsche Nachkriegsgesellschaft portraitieren würde, bleibt seine Sozialkritik doch selten wirklich greifbar und erschöpft sich in kleineren Seitenhieben, z.B. gegen die neu erwachte Großmannssucht („Wir sind wieder da!“) oder das Mitläufertum zur Nazizeit, die allerdings eher zwischen den Zeilen transportiert werden. Natürlich enthält der Titel auch Elemente des Kriminalfilms, den Großteil seiner Spannung bezieht das Werk jedoch aus den zwischenmenschlichen Konflikten und nicht so sehr aus Johns Ermittlungen. Die Intrigen von Johns Gegenspielern, die später versuchen, ihn für verrückt zu erklären, das labile Wesen sowie der Seelenschmerz von Fee, oder auch der tragische Unfall eines alten Freundes von John, den dieser selbst versehentlich und im Überschwang der Gefühle verursacht, tragen jedoch deutlich stärker die Handschrift einer Tragödie von wahrhaft shakespeareschen Ausmaßen, was natürlich keineswegs gegen diese modernisierte deutsche Version spricht. Dazu tragen auch die starken Leistungen der Darsteller bei, die bis in die Nebenrollen brillieren.

Ein weiteres Plus ist die unheilvolle Atmosphäre, die von Anfang an auf dem Familienanwesen lastet. Sei es nun der Zwist mit der eigenen Mutter, der Verrat enger Vertrauter oder eine unglückselige Liebesaffäre, die Stimmungslage wirkt stets gedrückt und aussichtslos. Andererseits spiegelt sich jedoch auch in allen wichtigen Protagonisten eine Atmosphäre unterdrückter Gereiztheit, die sich in emotionalen Ausbrüchen oder direkter Aggression entlädt. Die virtuose, enervierende Kameraführung von Igor Oberberg („Unter den Brücken“) wirkt in dieser Hinsicht mehr als unterstützend. John selbst agiert zwar durchaus subtil und streut stetig Provokationen, sein Verhalten birgt jedoch auch ein gehöriges Maß an Unberechenbarkeit. In seinem Inneren brodelt es wie in einem Vulkan, was den Zuschauer ebenfalls nie zur Ruhe kommen lässt. Diese geradezu fanatische Suche nach Gewissheit und Sühne, gegen alle Widerstände, ist die tragische Komponente des Films, da sie letztendlich deutlich mehr Schaden anrichtet, als sie wiedergutzumachen in der Lage ist.

Digitale Aufarbeitung:
Die DVD dieses über 50 Jahre alten Schwarz-Weiß-Films im Vollbildformat überzeugt mit angenehmer Bildschärfe, gutem Schwarzwert und ausgewogenem Kontrast. Die Vorlage ist außerdem frei von Beschädigungen und Verschmutzungen, während die Kompression stets unauffällig arbeitet. Bildrauschen ist in nicht störendem Ausmaß vorhanden, allerdings weist der Bildstand hin und wieder leichte Unruhen auf. Die frontlastige deutsche Tonspur klingt altersbedingt leicht verzerrt und hallt auch etwas, bietet aber ansonsten eine gute Verständlichkeit.

Der DVD liegt ein achtseitiges Booklet bei, das einen zeitgenössischen Nachdruck des Filmprogramms, „Illustrierte Film-Bühne Nr. 4860“, darstellt. Es sollte allerdings erst nach der Betrachtung des Films gelesen werden, da es den kompletten Filminhalt, inklusive Auflösung, wiedergibt. Die Veröffentlichung besitzt ein Wendecover.

Fazit:
„Der Rest ist Schweigen“ stellt eine handwerklich effektiv inszenierte Tragödie mit stark aufspielenden Schauspielgrößen, einer gehörigen Portion Dramatik und einer relativ unberechenbaren Handlung dar. Es ist jedoch eher ein Werk für Freunde von Shakespeare oder tiefgründiger Familiendramen und weniger für Interessenten an Kriminalfilmen oder zeitgenössischen Gesellschaftsstudien. Technisch kann die DVD voll überzeugen, das Bonusmaterial ist hingegen sehr übersichtlich ausgefallen.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
1,33:1
1,33:1
99:25 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Keine
Bonusmaterial:
  • achtseitiges Booklet
Der Rest ist Schweigen - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Der Rest ist Schweigen
Der Rest ist Schweigen

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Shakespeares "Hamlet" auf der großen Bühne des Ruhrgebiets zur Wirtschaftswunderzeit


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland, 1959
Regie:
Helmut Käutner
Drehbuch:
Helmut Käutner (basierend auf Motiven von William Shakespeares "Hamlet")
Darsteller:
Hardy Krüger, Peter van Eyck, Ingrid Andree, Adelheid Seeck, Rudolf Forster, Heinz Drache, Boy Gobert, Rainer Penkert, Siegfried Schürenberg, Charles Regnier

Label Deutschland :
Pidax film
Verkaufsstart Deutschland :
05.08.2011