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Blu-ray-Besprechung - Shoot 'Em Down

Story:
Silvestras (Kestutis Jakstas) und Maksas (Ramunas Rudokas) werden von dem Gangsterboss Skambina damit beauftragt einen gestohlenen Koffer mit Drogen wiederzubeschaffen, und zwar inklusive dem daran geketteten „Schlitzauge“. Doch wer steckt wirklich hinter dem Überfall und wieso bestreitet Maksas den Auftrag eigentlich in einem Bademantel?

Meinung zum Film:
„Shoot 'Em Down“ ist eine Hommage an die Gangsterfilme von Quentin Tarantino („Pulp Fiction“) oder auch die Genre-Vertreter skandinavischer Herkunft („In China essen sie Hunde“) und wurde in Litauen produziert, das bisher im Bereich der Filmproduktionen weitgehendes Niemandsland darstellte. Der deutsche Titel erinnert zwar an „Shoot 'Em Up“ mit Clive Owen („Children of Men“), der Film heißt jedoch im Original schlichtweg „Zero 2“ und hat mit diesem Werk nichts weiter gemeinsam. Die Darsteller dürften im westeuropäischen Kulturkreis weitgehend unbeschriebene Blätter darstellen, zumindest Zemyna Asmontaite könnte allerdings durch ihren Auftritt in „Matrioshki – Mädchenhändler“ dem einen oder anderen Zuschauer geläufig sein. Regisseur Emilis Velyvis, der auch maßgeblich am Drehbuch beteiligt war, drehte bereits im Jahr 2006 den genreverwandten „Zero. Alyvine Lietuva“, der wohl, wenn man den Titel betrachtet, als Vorläufer von „Zero 2“ vermutet werden darf, jedoch offensichtlich nach seiner Veröffentlichung weitgehend in der Versenkung verschwand. Seine Deutschlandpremiere erlebte „Shoot 'Em Down“ auf dem Weekend of Fear 2011 und war in seiner litauischen Heimat ein großer Kinohit.

Zunächst sollte bei diesem Film die Inhaltsangabe des Vertriebs erst mal völlig beiseite geschoben werden, da deren Schilderungen offensichtlich zu einem ganz anderen Film gehören, da dort z.B. von konkurrierenden Gangsterbossen und einem zugehörigen Krieg die Rede ist. Den roten Faden beim Einstieg in den Film zu finden, ist dagegen gar nicht so einfach. Das Werk wirft den Zuschauer mitten ins Geschehen, steigt direkt mit seiner nicht-chronologischen Erzählweise ein und erläutert nicht einmal, welche Rolle die zu Beginn handelnden Personen eigentlich einnehmen. Das soll wohl von der äußerst simplen Geschichte ablenken, die sich im Grunde darin erschöpft, dass der Cop Silvestras und sein schießwütiger Partner Maksas einem Koffer mit Drogen hinterherjagen. Dabei treffen sie natürlich genretypisch auf diverse schräge Charaktere, allerdings sind deren Schicksale doch eher indirekt miteinander verknüpft und ragen als zweite Handlungsebene in die glänzende Welt des Fernsehens bzw. in die Scheinwelt der in Litauen anscheinend sehr prominenten Welt der Seifenoper hinein. Zwar werden am Ende der Geschichte die Geschehnisse auf allen Zeitebenen zusammengeführt und ergeben eine durchgängige Erzählung, die Verknüpfung der einzelnen Charaktere und ihrer Handlungen wirkt aber sehr gezwungen, unnötig kompliziert im Vortrag und in weiten Teilen nicht unbedingt handlungsrelevant.

Natürlich zitiert Velyvis die großen Vorbilder, indem er beispielsweise die beiden Auftragskiller absurde Gespräche über mehr oder weniger alltägliche Themen führen lässt, durchgehend dominant sind dabei die Frage über die Qualität von Silikontitten oder die moralische Dimension einer Affäre mit einem verheirateten Partner. Hier mangelt es dem Film aber ziemlich an der Lockerheit und schwarzhumorigen Trockenheit großer Vorbilder. Zudem verbleiben die meisten handelnden Figuren lediglich als zweidimensionale Schablonen, ohne jeden Background und fast ohne charakterliche Entwicklung. Da helfen auch die erfreulich professionellen Darbietungen der mitwirkenden Schauspieler nicht mehr viel. Rein handwerklich überzeugt der Film zwar, gibt sich aber visuell, im Vergleich zu den Genregrößen, äußerst bieder und gar nicht experimentell. Auf optische Spielereien, turbulente Kamerafahrten und ungezügelte Schnitttechnik muss daher verzichtet werden. Nette Running Gags, wie die ständige Titulierung Maksas durch Dritte als Bademantel-Schwuchtel, sind hingegen eher die Ausnahme, und auch die Altersfreigabe hat sich der Film nicht wirklich verdient. Nackte Tatsachen gibt es lediglich in einem kurzen Werbespot zu sehen, obwohl ständig über die weibliche Oberweite diskutiert wird, Gewalt ist eher die Ausnahme und wird selten explizit zelebriert, da die Kamera sich meistens vom Geschehen abwendet. Gegen Ende wird zwar eine Leiche zersägt, auch diese Aktion wird aber extrem ironisch aufbereitet. „Erwachsen“ präsentiert sich der actionarme, aber laberlastige Film da schon eher durch frauenfeindliche oder rassistische Zoten sowie ständiges Gefluche und Streitereien, was allerdings bereits nach kurzer Zeit einen eher schalen Beigeschmack hinterlässt.

Digitale Aufarbeitung:
Die Bildschärfe der vorliegenden Blu-ray macht insgesamt einen leicht überdurchschnittlichen Eindruck. Es gibt Sequenzen mit feinen Details, die auch sehr plastische Wirkung hinterlassen, andere Passagen wirken in Bewegung aber etwas weicher und weisen leichte Bewegungsunschärfen auf. Die Farbgebung wirkt kräftig, während die Kontrastwerte, offensichtlich als Stilmittel, bewusst sehr steil gewählt wurden. Das Bild wirkt dadurch tendenziell aufgehellt bis überbelichtet. Bildrauschen ist vorhanden, spielt sich aber nur selten wirklich in den Vordergrund. Auch die Kompression verhält sich weitgehend unauffällig. Die beiden Tonspuren im DTS-HD-Master-Audio-7.1-Format überzeugen mit einer ausgewogenen Abmischung und guten Verständlichkeit. Während bei der Musik auch die hinteren Lautsprecher atmosphäresteigernd einbezogen werden, enttäuschen die wenigen Actionsequenzen eher mit ihrer Frontlastigkeit.

Auf der Blu-ray befinden sich keinerlei Extras, nicht mal ein Trailer zum Film.

Fazit:
„Shoot 'Em Down“ bleibt als Hommage an Tarantino und Co., bzw. an den schwarzhumorigen Gangsterfilm, deutlich hinter seinen großen Vorbildern zurück. Die Hauptmankos des Films sind eindimensionale Charaktere, die sich nicht weiterentwickeln, eine sehr simple, aber unnötig kompliziert vorgetragene Rahmengeschichte, Gags, die nur selten wirklich zünden, und insgesamt zu wenig hervortretende Alleinstellungsmerkmale. Genrefans können bei dieser technisch guten Veröffentlichung durchaus einen Blick riskieren, sollten ihre Erwartungen jedoch im Vorfeld nicht zu sehr in die Höhe schrauben.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 18
1,85:1
1,85:1
85:54 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
DTS-HD Master Audio 7.1
DTS-HD Master Audio 7.1
Litauisch
DTS-HD Master Audio 7.1
DTS-HD Master Audio 7.1
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • -
Shoot 'Em Down - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Shoot 'Em Down
Zero 2

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Tarantino hat zwar auch in Litauen seine Fans, es mangelt hier jedoch an Coolness, Eigenständigkeit und Finesse


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Litauen, 2010
Regie:
Emilis Velyvis
Drehbuch:
Emilis Velyvis, Jonas Banys, Aidas Puklevicius
Darsteller:
Kestutis Jakstas, Ramunas Rudokas, Zemyna Asmontaite, Andrius Paulavicius, Inga Jankauskaite, Donatas Ivanauskas, Bronius Kindurys, Vytas Sapranaukas, Mindaugas Papinigis

Label Deutschland :
Sunfilm Entertainment
Verkaufsstart Deutschland :
11.08.2011