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DVD-Besprechung - Underworld Gangster
Story:
Paris Pritchert (Peter Facinelli) war einst ein aufstrebender junger Cop, der jedoch völlig aus der Bahn geworfen wurde und jetzt unter dem Schutz eines korrupten Polizisten Drogen vertickt, die er aber auch gerne selbst konsumiert. Mit Hilfe der Prostituierten Maya Gibbs (Simone Moore) beginnt Paris jedoch wie ein Besessener nach einem kürzlich verschwundenen Jungen zu suchen, wobei ihm seine Erfahrungen als Polizist natürlich äußerst dienlich sind. Aber kann ihn diese „Mission“ aus der stetigen Abwärtsspirale, in der sein Leben verläuft, wieder herausreißen?
Meinung zum Film:
„Underworld Gangster“, im Original schlichtweg „Arc“, ist eine Independent-Produktion von Robert Ethan Gunnerson, der nicht nur Regie führte, sondern auch das Drehbuch schrieb. Das Werk wurde mit einem Budget von lediglich rund 650.000 Dollar realisiert. Der Film stammt zwar bereits aus dem Jahr 2006, von Gunnerson gab es in der Zwischenzeit allerdings keine weiteren Arbeitsnachweise. Momentan arbeitet er jedoch an dem Drama „El Chico Blanco“. Der Grund, warum überhaupt noch ein deutscher Vertrieb auf den Titel aufmerksam wurde, war wohl Hauptdarsteller Peter Facinelli, der durch seine Auftritte als Dr. Carlisle Cullen in der „Twilight“-Trilogie, nach den Romanen von Stephenie Meyer, zwei Jahre später einen deutlichen Karriereschub erhielt. Für seine Leistung in dem vorliegenden Film wurde er mit dem „Indie Gathering Award“ ausgezeichnet. Der Rest der Besetzung ist deutlich weniger bekannt und eher in Fernsehproduktionen beiheimatet.
Bei seinem Erstling kann Robert Ethan Gunnerson zumindest eines nicht abgesprochen werden, nämlich Experimentierfreude im Hinblick auf die Stilmittel. Beim Zuschauer könnte der Eindruck entstehen, Gunnerson hätte gerade erst die Filmhochschule verlassen, um seiner Kreativität nun ungebrochen freien Lauf zu lassen. Visuelles Hauptmerkmal des Films ist der ständige Wechsel zwischen Schwarz-Weiß- und Farbfilmsequenzen. Zusätzlich werden bei ersteren teilweise bestimmte Gegenstände farblich hervorgehoben, ein Verfahren, dass spätestens seit „Schindlers Liste“ ein geläufiges Stilmittel sein dürfte. Gerade in den Schwarz-Weiß-Sequenzen sollten jedoch keine ästhetischen Spielereien mit Licht und Schatten erwartet werden, vielmehr dominiert ein harter, ungeschönter Independent-Look. Bezüglich der Figurenkonstellation ist „Underworld Gangster“ eher ein Drama, während die Story gegen Ende zunehmend auch die Ausgestaltung eines Thrillers annimmt. Das deutsche, auf „Gangsta“ getrimmte Cover der Veröffentlichung und die Altersfreigabe ab 18 Jahren erzeugen jedoch beim Kunden völlig falsche Erwartungen. Gewaltausbrüche gibt es erst relativ spät im Film und diese werden vollkommen unblutig ausgestaltet, sexuelle Handlungen oder nackte Tatsachen werden optisch ebenso ausgespart, und das obwohl der weibliche Hauptcharakter des Films eine Prostituierte darstellt.
Leider vergisst Gunnerson es irgendwie, den Zuschauer mit an Bord zu holen, und ergeht sich vor allem in optischen Spielereien, wie z.B. der Erklärung von Sachverhalten per Polaroid-Arrangement oder dem Herauszoomen aus einem sich verkleinernden Bild, während die Wechsel zwischen Farbe und Schwarz-Weiß immer ermüdender und willkürlicher erscheinen. Inhaltlich ist „Arc“ dagegen eine äußerst laue Nummer und wird auch absolut konservativ in chronologischer Abfolge innerhalb des Zeitraums einer Woche, also abschnittsweise von Tag 1 bis Tag 7, erzählt. Ein drogensüchtiger Ex-Cop und eine geschwätzige, aber ziemlich intelligente Prostituierte sind zwar ein recht ungewöhnliches Ermittlergespann, aufgrund der kargen, wiederkehrenden Locations, Actionarmut und Geschwätzigkeit des Films, der gerne mit Zitaten um sich wirft, stellt diese Konstellation aber keine wirkliche Auflockerung des dramaturgisch äußerst unzureichend aufbereiteten Geschehens dar. Auch die Suche nach dem „Wolf“, einem geheimnisvollen Gangster, der im Hintergrund überall seine Fäden zieht, mündet in ein enttäuschendes Finale mit äußerst unglaubwürdiger Auflösung. Peter Facinelli spielt den gebrochenen Cop zwar durchaus manierlich und Simone Moore dürfte, zumindest für die männlichen Zuschauer, einen echten Hingucker darstellen, gegen das ereignisarme, höhepunktlose Drehbuch können sich beide jedoch auch vereint nicht erfolgreich erwehren.
Digitale Aufarbeitung:
Die Schwarz-Weiß-Sequenzen des Films wirken eher hart und körnig, die Schärfe gibt sich hier ebenso wie der Kontrast zufriedenstellend, der Schwarzwert hätte allerdings deutlich kräftiger ausfallen können, es dominieren eher Grauabstufungen. Die Farbsequenzen wirken noch deutlich verrauschter, gerade dunklere Sequenzen liefern unterdurchschnittliche Kontrastwerte und verschlucken Details. Die Bildschärfe schwankt, wirkt aber gerade in Bewegung etwas weich. Die Farbgebung wirkt natürlich, aber nicht besonders kräftig. Akustisch überzeugen beide frontlastigen Tonspuren grundsätzlich mit einer harmonischen Abmischung und guter Verständlichkeit. Leider wird dieser Eindruck aber bei der deutschen Tonspur durch nervige, regelmäßig auftretende Tonschwankungen, z.B. bei (40:22), getrübt, die allerdings bei der Originaltonspur nicht vorhanden sind. Der Ton wird dann plötzlich kurze Zeit leise und sehr dumpf, was den Zuschauer ähnlich aus der Geschichte herausreißt wie die selbstzweckhaften optischen Spielereien.
Auf der DVD befindet sich keinerlei Bonusmaterial. Die Veröffentlichung besitzt ein Wendecover.
Fazit:
„Underworld Gangster“ wird vom Vertrieb weitgehend falsch beworben und ist weder ein actionreicher Copthriller mit Anleihen an Joel Schumachers „8 mm“ noch gibt es hier irgendwelche Gangs oder „Gangsta“ zu entdecken. Vielmehr ist der Film vor allem ein Copdrama mit Thrilleranteil, welcher gegen Ende stärker betont wird, der sich jedoch viel lieber in überflüssigen, experimentellen Spielereien mit der Visualisierung der Geschehnisse ergeht, als eine interessante, glaubwürdige Geschichte mit einer vernünftigen Dramaturgie zu entfalten. Technisch ist die DVD relativ durchschnittlich ausgefallen, enttäuscht aber durch Tonbugs und fehlendes Bonusmaterial.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,85:1
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107:56 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 5.1 | Englisch Dolby Digital 2.0 |
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Untertitel:
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Deutsch |
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Bonusmaterial:
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Underworld Gangster
Arc
Dröges Copdrama mit Thrilleranteilen und überflüssigen optischen Sperenzchen
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 2006 Regie: Robert Ethan Gunnerson Drehbuch: Robert Ethan Gunnerson Darsteller: Peter Facinelli, Simone Moore, Ken Howard, Ann Cusack, Logran Grove, Garrett M. Brown, Chris Hall, Jonah Blechman
Label :
Infopictures
Verkaufsstart : 26.08.2011
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