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DVD-Besprechung - Dementia 13

Story:
Louise Haloran (Luana Anders) muss mit ansehen, wie ihr Mann John (Peter Read) an einem Herzanfall verstirbt, was, wenn es bekannt wird, sie um ihr Erbe bringen würde. Sie verschleiert also sein Abtreten mit der Lüge einer angeblichen Dienstreise und beschließt seine Mutter, Lady Haloran (Eithne Dunne), zu beseitigen, um ihr Erbe zu sichern. Auf dem Familienanwesen in Irland sind jedoch nicht nur Johns Brüder Billy (Bart Patton) und Richard (William Campbell) sowie dessen amerikanische Geliebte Kane (Mary Mitchel) anwesend, sondern offensichtlich treibt dort auch noch ein brutaler Axtmörder sein Unwesen. Lady Halorans Hausarzt, Justin Caleb (Patrick Magee), scheint der Einzige zu sein, der in der Lage ist, dem mysteriösen Psychopathen auf die Schliche zu kommen.

Meinung zum Film:
„Dementia 13“ gilt als der erste ernstzunehmende Langfilmversuch der späteren Regielegende Francis Ford Coppola („Der Pate“) und war gleichzeitig eine Produktion der B-Film-Legende Roger Corman („The Terror – Schloss des Schreckens“). Während der Dreharbeiten hatte Coppola zwar weitgehend freie Hand, nach der Fertigstellung gab es jedoch erhebliche künstlerische Differenzen zwischen den beiden. Jack Hill („Foxy Brown“) drehte zusätzliche Szenen mit Karl Schanzer („Blood Bath“) nach und Monte Hellman („Asphaltrennen“) steuerte in Cormans Auftrag einen neuen, wie ein Fremdkörper wirkenden Prolog zum Film bei. Dieser fünfminütige Vorspann findet sich jedoch in keiner für das Heimkino veröffentlichten Fassung des Films, weshalb der vom Hersteller betonte Zusatz „Erstmalig als Director's Cut“ eigentlich keinerlei Sinn ergibt. Für die vorliegende Veröffentlichung wurde zudem eine qualitativ absolut grausame neue deutsche Synchronfassung erstellt, die um jeden Preis gemieden werden sollte. Die Sprecherqualität, deren Besetzung, ihr Timing und ihre Modulationsfähigkeit lassen stark zu wünschen übrig.

Auch wenn das Herrenhaus-/Schloss-Szenario eigentlich eher auf einen Horror-/Gruselfilm hindeutet und die Story sehr nach Psychothriller klingt, handelt es sich doch bei „Dementia 13“ in erster Linie um einen altmodischen Krimi in der Machart der „Edgar Wallace“-Verfilmungen oder sehr früher Giallos. Das alte Schloss wird dabei als Location allerdings leider nur unzureichend atmosphärefördernd genutzt. Auch die Dramaturgie lässt zu wünschen übrig und zielt eher auf billige Schocks in Form der Morde ab, die allerdings für diesen Effekt zu unblutig präsentiert werden, was auch einen der Gründe für das Zerwürfnis zwischen Coppola und Corman darstellte. Die Story selbst gibt sich zwar in ihrer kurzen Laufzeit von nur knapp über 70 Minuten leidlich unterhaltsam und möglichst mysteriös, der Mörder ist aber sehr zügig auszumachen und der Film kann auch keine wirklich überraschenden Wendungen liefern, da der Kreis der Verdächtigen einfach zu begrenzt ausfällt.

Dramaturgisch mündet das dünne Storygeflecht in ein leicht überhastetes Finale, das trotz aller Vorhersehbarkeit hinsichtlich der Auflösung auch viele Fragen offenlässt und teilweise an den Haaren herbeigezogen wirkt. Zugutehalten kann man Corman allerdings eine unkomplizierte Inszenierung mit guten darstellerischen Leistungen, einem gewissen nostalgischen Charme und einer sehr effizient eingesetzten Geräuschkulisse, die zumindest für leichten Grusel bürgen kann. Auch die dunklen Familiengeheimnisse der Halorans bergen durchaus Potential, das aber letztendlich zu wenig genutzt wird.

Digitale Aufarbeitung:
„Dementia 13“ ist in den USA ein Public-Domain-Titel und erfuhr dementsprechend in Deutschland bereits einige unterirdische DVD-Veröffentlichungen direkt für die Ramschkiste. Die vorliegende Fassung bewirbt der Hersteller als „Digital Remastered“ und tatsächlich geht diese Version auf eine in HD abgetastete Vorlage zurück, die auf der bereits erschienen US-Blu-ray des Labels „HD Cinema Classics“ erstmals Verwendung fand. Zwar sollten auch von dieser erstmals anamorphen Veröffentlichung im Widescreenformat 1,78:1 angesichts der schwierigen Materiallage und des beim Dreh verwendeten Equipments qualitativ keine Wunder erwartet werden, bisherige Veröffentlichungen des Titels werden aber schon deutlich in den Schatten gestellt. Allerdings wird bereits auf den ersten Blick deutlich, dass hier sehr aggressiv mit Rauschfiltern gearbeitet wurde, das Bildrauschen hält sich somit für einen fast 50 Jahre alten Schwarz-Weiß-Film sehr in Grenzen, die Bildschärfe hinterlässt dadurch aber einen eher weichen Eindruck. Unter Berücksichtigung des Alters liegen die Schärfewerte jedoch durchaus noch in einem zufriedenstellenden Bereich. Problematischer fallen da schon die Kontrastwerte aus, das Bild wirkt allgemein eher grell und tendiert zu starken Überstrahlungen (30:53), während in dunklen Bereichen kaum noch etwas zu erkennen ist (33:11) und auch der Schwarzwert zu wünschen übrig lässt. Hinzu kommen noch ärgerliche Kompressionsspuren, ein teils waberndes Bild und einige Bewegungsunschärfen bzw. Nachzieheffekte (44:02). Die Vorlage selbst ist hingegen erstaunlich sauber ausgefallen. Hinsichtlich der beiden Tonspuren sollte sich niemand irgendwelchen Illusionen hingeben. Die Soundeffekte klingen schwach auf der Brust und auch etwas verzerrt. Der Ton hallt stark und klingt sehr blechern, auch bei der neuen deutschen Synchronisation, die ebenfalls auf die alten Geräusche zurückgreifen muss, obwohl hier die Stimmen natürlich deutlich klarer klingen. Zudem sind hier aber auch sehr merkwürdige Hintergrund- bzw. Störgeräusche zu vernehmen (41:04), die bei der englischen Originaltonspur hingegen nicht zu hören sind, zudem klingt alles sehr nach Studioaufnahme. Dieser Studiocharakter ist jedoch bei der englischen Tonspur noch deutlicher zu erkennen. Diese klingt auch noch verzerrter und sehr dumpf, als hätten alle Beteiligten in einen Trichter gesprochen.

Auf der DVD befindet sich keinerlei Bonusmaterial. Die Veröffentlichung verfügt über ein Wendecover.

Fazit:
„Dementia 13“ ist eigentlich in erster Linie ein altmodischer Krimi, mit Anleihen an den Psychothriller, der sich auch um ein wenig Gruselatmosphäre bemüht. So wirklich hat der spätere Meisterregisseur hier allerdings noch keine aussagekräftige Handschrift hinterlassen und kämpft auch mit einem relativ leicht durchschaubaren Drehbuch, auch wenn der Film handwerklich ganz ordentlich ausgefallen ist. Technisch ist die DVD, auch unter Berücksichtigung des Filmalters, maximal durchschnittlich, steckt damit aber bereits alle bisherigen Veröffentlichungen des Films locker in die Tasche, obwohl die neue deutsche Synchronisation nicht überzeugen kann und auch kein Bonusmaterial geboten wird.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
1,78:1
1,78:1
71:51 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Englisch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Keine
Bonusmaterial:
  • -
Dementia 13 - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Dementia 13
Dementia 13

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Nicht jeder Coppola ist auch ein Meisterwerk!


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Großbritannien, 1963
Regie:
Francis Ford Coppola
Drehbuch:
Francis Ford Coppola, Jack Hill
Darsteller:
Luana Anders, William Campbell, Bart Patton, Mary Mitchel, Patrick Magee, Eithne Dunne, Peter Read, Karl Schanzer

Label Deutschland :
Savoy Film
Verkaufsstart Deutschland :
29.07.2011