 |
DVD-Besprechung - Mata Hari
Story:
Die exotische Tänzerin Mata Hari (Sylvia Kristel) wird während des ersten Weltkrieges durch ihre internationalen Kontakte vom Bundesnachrichtendienst angeworben, Frankreich auszuspionieren. Als sie dort jedoch die Folgen ihrer Spionage erkennt, bewirbt sie sich für den Französischen Nachrichtendienst Sûreté Nationale. Problematisch wird es, als der französische Offizier Georges Ladoux (Oliver Tobias) Haris Geliebten, den deutschen Offizier Karl von Bayerling (Christopher Cazenove), aufspürt und sie endgültig zwischen die Fronten gerät.
Meinung zum Film:
"Mata Hari" (= ursprünglich malaiisch für "Sonne") ist lange nicht die erste Adaption vom Schicksal der realen Margaretha Zelle, welche sich eine interessant klingende neue Identität ausdachte und so ihre Tänzer-Karriere antrieb. Über 250 Bücher behandeln ihren Fall und ein gutes Dutzend Filme. Da noch nicht alle Geheimakten über Hari, und ihre vermeintliche Aktivität als Doppelagentin, öffentlich zugänglich sind, müssen diese Werke als zumindest teilweise fiktiv betrachtet werden. Doch ihre diversen Liebschaften und ihre holländische Herkunft (anstatt ihrer indisch/indonesischen) sind belegt und somit Motiv genug für eine Aufarbeitung. Im Film wird weniger auf ihre falsche Herkunft hingewiesen, der Fokus liegt eher auf dem Hineinrutschen in die Spionage mit dem Schwerpunkt auf ihren Männerbekanntschaften. Dabei zeigt sich Hari lange kühl und taut erst gegen Ende auf, wenn es um das Leben eines Geliebten geht. Dies steigert sich zur Ironie, wenn die Frau, die alles inklusive ihrer eigenen Person inszeniert, am Ende beschuldigt wird, keine nachvollziehbaren Intentionen zu verfolgen. Diese Tatsache kann aber auch zum Nachteil des Filmes gereichen, da eine gefühlskalte Hari nicht wirklich zur Sympathiefigur taugt und ihr kühler Charakter manchmal fast wie schlechtes Schauspiel anmutet.
Hari wird im Laufe der Handlung immer mehr zum Spielball der Kriegsteilnehmer Deutschland und Frankreich, denen sie nicht einmal im fernen Spanien entkommen kann. Obwohl sie von beiden Seiten viele Aufträge bekommt, erfüllt sie nur wenige, unter anderem einen, für den sie in das Schlafzimmer eines deutschen Hauptmanns gelangen muss. Dort stiehlt sie die geheimen Unterlagen eines Sprengstoffs, während ihr Kontaktmann umgebracht wird. Dies geschah im Auftrag der Vorgesetzten von Bayerlings, welche nun auch den deutschen Hauptmann wegen dessen angenommenen Verrats beseitigen muss. Denn ihrer Meinung nach kann nur er es gewesen sein, der die Informationen weiterleitete, während sie Hari gar nicht erst verdächtigt. Doch das scheint auch nicht weiter wichtig zu sein, denn nur kurze Zeit darauf verabschiedet sich Mata Hari zu einer großen Feier zum Empfang vom Baron von Montmorency. Wie es das Drehbuch so will, handelt es sich bei der Festlichkeit um eine Swingerparty und führt zu einer weiteren der zahlreich vorhandenen Sex-Szenen.
Erotik ist, neben der Spionage, ganz unbestreitbar eines der Hauptthemen des Filmes. So erklärt sich auch das Casting der Hauptrolle mit Erotikstar Sylvia Kristel ("Emanuelle - Schule der Lust"), welche nicht nur beim Burlesque-Tanz mit Schleiern, sondern auch bei Herrenbesuch-Szenen bereitwillig ihren Körper präsentiert. Diese Szenen reichen aber nicht als Kaufgrund. Der Tanz wirkt heutzutage uninspiriert, da unmittelbare Vergleiche zu realen indischen Tänzen, die Hari inspirierten, gezogen werden können. Und die intimeren Szenen mit Hari lassen den Zuschauer ebenfalls weitgehend kalt, obwohl sie sehr viele solcher Szenen provoziert. Die geschmackloseste davon findet direkt an der Kriegsfront in einer kleinen Hütte statt. Während draußen der Kampf tobt und Menschen sterben, versüßt sich Mata Hari wenige Meter entfernt die Zeit. Szenen wie diese durchtrennen die Spannung, welche durch die Doppelspionage und den immer gegenwärtigen Krieg entsteht, mit einer Regelmäßigkeit, dass nicht nur der Reiz der Tänzerin mit der Zeit völlig verschwindet, sondern auch die emotionale Bindung zu ihren Bettpartnern, welche zuvor mühsam aufgebaut wurde.
Digitale Aufarbeitung:
Um Braun- und Beigetöne zu betonen, wurde der Film mit einem leichten Sepia-Filter versehen, ist aber ansonsten makellos. Der Ton ist klar verständlich, obwohl beim englischen Original viel mit Dialekten gearbeitet wurde.
Die Sonderausstattung ist etwas karg ausgefallen, neben dem englischen Trailer ist lediglich eine Bildergalerie mit Screencaps des Hauptfilms auswählbar. Die DVD verfügt über ein Wendecover.
Fazit:
"Mata Hari" ist ein erotischer Agentenfilm mit packender Story, welche von Sylvia Kristel leider nicht gut genug vermittelt wird. Die irrelevanten Sex-Szenen verwässern zwar die Spionage-Geschichte, aber nicht die Atmosphäre zur Kriegszeit. Sehenswert ist das Schicksal von Mata Hari aber allemal, wenn man diese Schwächen des Filmes akzeptieren kann.
Technische Daten:
|
FSK-Freigabe:
|
Bildformat:
|
Laufzeit:
|
|
|
1,85:1
|
104:00 Minuten
|
|
Sprachen / Tonformate:
|
Deutsch Dolby Digital 2.0 | Englisch Dolby Digital 2.0 |
|
Untertitel:
|
|
Keine |
|
Bonusmaterial:
|
- Englischer Trailer
- Bildergalerie
|
|  |
Mata Hari
Mata Hari
Ein kleiner fiktiver Blick auf das Schicksal der Burlesque-Tänzerin und "Königin der Spione".
Autor der Besprechung:
David Bühring
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 1985 Regie: Curtis Harrington Drehbuch: Joel Ziskin Darsteller: Sylvia Kristel, Christopher Cazenove, Oliver Tobias, Gaye Brown, Gottfried John, William Fox, Michael Anthony, Vernon Dobtcheff, Anthony Newlands, Brian Badcoe
Label :
Koch Media Entertainment
Verkaufsstart : 05.08.2011
|