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DVD-Besprechung - Geschichte des Deutschen Animationsfilms II - Animation in der Nazizeit
Story:
Die vorliegende Zusammenstellung beschäftigt sich mit der Geschichte des Deutschen Zeichentrickfilms kurz vor und während des Zweiten Weltkriegs. Enthalten sind die Filme „Vom Bäumlein, das andere Blätter hat gewollt“ (Heinz Tischmeyer, 1940) (7:08), „Der Störenfried“ (Hans Held, 1940) (12:06), „Die Abenteuer des Freiherrn von Münchhausen – Eine Winterreise“ (Hans Held, 1944) (7:12), „Armer Hansi“ (Frank Leberecht, 1943) (16:45), „Verwitterte Melodie“ (Hans Fischerkoesen, 1943) (8:56), „Der Schneemann“ (Hans Fischerkoesen, 1944) (12:04), „Das dumme Gänslein“ (Hans Fischerkoesen, 1944) (13:04), „Strich-Punkt-Ballett“ (Herbert Seggelke, 1943), „Weltraumschiff I startet...“ (Anton Kutter, 1937) (22:27) und „Die sieben Raben“ (Ferdinand, Hermann und Paul Diehl, 1937) (53:22). Weiterhin beinhaltet die Veröffentlichung noch zwei kurze, tonlose Ausschnitte der Titel „Die Schlacht um Miggershausen“ (Georg Woelz, 1937) (1:12) und „Hochzeit im Korallenmeer“ (Horst von Möllendorff, 1943/1944) (0:56), die aus rechtlichen Gründen nicht komplett präsentiert werden dürfen.
Meinung zum Film:
„Animation in der Nazizeit“ ist der zweite Teil der Reihe „Geschichte des Deutschen Animationsfilms“ von absolut MEDIEN. Die Gesamtausgabe wird sechs Teile enthalten, die nach chronologischen und thematischen Gesichtspunkten kategorisiert werden. Die vorliegende Veröffentlichung umfasst zehn Trickfilme und zwei Trickfilmausschnitte mit einer Gesamtlänge von ca. 158 Minuten, also mehr als zweieinhalb Stunden Laufzeit, die sich alle auf einer DVD befinden. Der längste enthaltene Animationsfilm läuft dabei rund 54 Minuten, der kürzeste nur knapp drei Minuten. Alle Filme stammen, wie der Titel bereits verdeutlicht aus der „Nazizeit“, genauer gesagt umfasst diese Veröffentlichung den Zeitraum von 1937 bis 1944. Abgesehen von „Weltraumschiff I startet“ und „Die Sieben Raben“ handelt es sich dabei durchgehend um Farbfilme. Joseph Goebbels, Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda sowie Leiter der Reichskulturkammer, selbst war ein großer Fan des Zeichentrickfilms und förderte den Aufbau einer entsprechenden deutschen Produktion. Das ehrgeizige Projekt, „Deutsche Zeichenfilm GmbH“, war jedoch, trotz des immensen Aufwands der für ihre ehrgeizigen Ziele betrieben wurde, weder künstlerisch noch kommerziell erfolgreich und produzierte bis zum Kriegsende lediglich einen Film, „Armer Hansi“, der auch auf dieser DVD enthalten ist.
Die Betonung der „Nazizeit“ im Titel der vorliegenden Veröffentlichung sollte grundsätzlich, abgesehen von der zeitlichen Komponente, nicht überbewertet werden. Im beiliegenden Booklet finden sich zwar zahlreiche Hintergrundinformationen zum Themenkomplex der Zeichentrickfilmproduktion im Dritten Reich, auf der DVD finden sich aber keine Propagandafilme, die beispielsweise ein Gegengewicht zu Walt-Disney-Produktionen wie „Der Fuehrer's Face“ darstellen würden, und auch von den im Text erwähnten zu Kriegsbeginn produzierten militärischen Lehr- und Unterrichtsfilmen fehlt jede Spur. Rein ideologisch sind die enthaltenen Filmtitel vielmehr weitgehend unspektakulär ausgefallen oder enthalten heutzutage weitgehend unverständliche Andeutungen bzw. rassistischen Subtext, der für heutige Betrachtet wohl nur noch mit Hilfe des beiliegenden Booklets entschlüsselt werden kann. Auffällig militaristisch gibt sich allerdings „Der Störenfried“, in dem sich die Tiere des Waldes gegen einen Widersacher, den Fuchs als titelgebendem Störenfried, zusammenschließen und mit wehrmachtshelmbewährten „Igelkompanien“ sowie mit durch „Stuka-Geräusche“ unterlegten „Wespengeschwadern“ gegen ihn zu Felde ziehen. Zudem enthält der Animationsfilm „Das Bäumlein, das andere Blätter gewollt hat“ eine auch optisch von den typischen Vorurteilen geprägte Figur eines Juden, die in räuberischer Manier dem titelgebenden Bäumlein seine goldenen Blätter stiehlt.
Ein Großteil der enthaltenen Trickfilme gibt sich ansonsten aber inhaltlich eher belanglos bis bieder. Ein besonders negatives Beispiel ist in letzterer Hinsicht der erste deutsche Puppenlangfilm, „Die sieben Raben“, der inhaltlich eher zu einem kleinen Nickerchen anregt, während er auch bezüglich der Animationen, trotz liebevoller Ausstattung, einen eher hölzernen, etwas abgehackten Eindruck hinterlässt. Bei den enthaltenen Zeichentrickfilmen, die insgesamt zeichnerisch relativ einfach gehalten sind, bezüglich der Animationen aber größtenteils schon einen ziemlich flüssigen Eindruck hinterlassen, fallen handwerklich besonders die Werke von Hans Fischerkoesen ins Auge, der z.B. in „Verwitterte Melodie“ bereits dreidimensionale Elemente integrierte. Eine Sonderstellung besitzt hingegen der Science-Fiction-Film „Weltraumschiff I startet... - Eine technische Fantasie“, der zwar als Realfilm konzipiert ist, die Raumschiffsequenzen jedoch mit Hilfe von Modellen und unter Verwendung des Stopptrick-Verfahrens realisiert. Auch inhaltlich wirkt der Film sehr professionell und nimmt beispielsweise in seiner Darstellung auch schon heutige Videokonferenzen vorweg.
Digitale Aufarbeitung:
Die auf der DVD enthaltenen Animationsfilme sind allesamt zwischen 67 und 74 Jahre alt und enthalten dementsprechend zahlreiche Alterserscheinungen, wie starkes Bildrauschen, Verschmutzungen, Beschädigungen, Laufstreifen, einen unruhigen Bildstand oder Helligkeitsschwankungen, deren Anzahl und Ausprägung aber von Film zu Film variieren. In den Bereichen Bildschärfe, Kontrast, Farbgebung und Kompression wurde allerdings ansonsten das momentan wohl bestmögliche Ergebnis erreicht, weshalb die visuelle Präsentation der Filme von dieser DVD dem geneigten Betrachter auch heute noch durchaus Freude bereiten wird. Auch an den enthaltenen Tonspuren hat der Zahn der Zeit etwas genagt. Hier zeigen sich Phänomene wie ein etwas blecherner Klang, leichtes Leiern der Tonspuren, starkes Hintergrundrauschen oder geringe Verzerrungen. Alle Filme sind jedoch ansonsten gut abgemischt und bieten insgesamt, unter Berücksichtigung des Alters, eine gute Verständlichkeit.
Der DVD liegt ein interessantes 32-seitiges Booklet mit zahlreichen Hintergrundinformationen bei. Es enthält Details zu den auf der DVD abgelegten Zeichentrickfilmen, biographische Informationen zu den wichtigsten deutschen Regisseuren/Zeichnern, Hintergründe zu Goebbels staatlich veordneter Trickfilmförderung, Ausführungen zu handwerklichen und inhaltlichen Entwicklungsströmungen dieser Zeit sowie Einschätzungen zum Einfluss der Filme von Walt Disney auf die deutsche Zeichentrickfilmproduktion.
Fazit:
„Animation in der Nazizeit“ ist eine filmhistorisch äußerst interessante Zusammenstellung von Zeichentrickfilmen, die unter nationalsozialistischer Ägide in den Jahren 1937 bis 1944 entstanden. Der Interessent sollte jedoch keine Propagandafilme im Disney-Stil oder militärische Lehr- und Unterrichtsfilme erwarten, sondern eine vielfältige Zusammenstellung unterschiedlichster Vertreter von Animationsfilmen, die keineswegs alle offensichtlich ideologisch durchtränkt wurden. Sowohl bei der technischen Aufarbeitung als auch bei dem Bonusmaterial in Form eines ausführlichen Booklets ist zudem die aufgewendete Sorgfalt und der Wunsch nach einer bestmöglichen Präsentation des Materials deutlich erkennbar.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,33:1
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157:56 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 2.0 |
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Untertitel:
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Keine |
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Bonusmaterial:
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Geschichte des Deutschen Animationsfilms II - Animation in der Nazizeit
Geschichte des Deutschen Animationsfilms II - Animation in der Nazizeit
Zeichentrickproduktion in der Zeit des Nationalsozialismus - Eine Mischung aus Vielfalt und Einfalt
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland, 1937 - 1944 Regie: Georg Woelz, Heinz Tischmeyer, Hans Held, Horst von Möllendorff, Frank Leberecht, Hans Fischerkoesen, Herbert Seggelke, Anton Kutter, Ferdinand Diehl, Hermann Diehl, Paul Diehl
Label :
absolut MEDIEN
Verkaufsstart : 19.08.2011
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