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DVD-Besprechung - Lederstrumpf - Der Wildtöter

Story:
Nathaniel "Nat" Bumppo (Lex Barker), besser bekannt als "Lederstrumpf" oder "Wildtöter", ist ein weißer Trapper, der sich eher am Rande der Zivilisation herumtreibt, vor allem in den riesigen Waldgebieten Nordamerikas. Stets an seiner Seite ist der Mohikaner-Häuptling Chingachgook (Carlos Rivas), sein indianischer Blutsbruder. Eines Tages geraten die beiden in einen Überfall einiger Krieger vom Stamme der Mingos, die es auf den Fallensteller Harry March (Forrest Tucker) abgesehen haben. Nach dessen Rettung erfahren die beiden, dass sich dieser Stamm gegenwärtig auf dem Kriegspfad befindet und es jetzt auf Harrys Geschäftspartner, den Pelzjäger Tom Hutter (Jay C. Flippen), und seine beiden Töchter Judith (Cathy O'Donnell) und Hetty (Rita Moreno) abgesehen hat. Die Gefährten eilen deshalb zu deren hölzerner Wasserburg inmitten des Glimmersees.

Meinung zum Film:
„Lederstrumpf – Der Wildtöter“ beruht auf der weltbekannten Romanvorlage von James Fenimore Cooper („Der letzte Mohikaner“) aus dem Jahr 1841. Eine Besonderheit seiner im Wilden Westen spielenden historischen Abenteuerromane ist der Versuch einer ausgewogenen und realistischen Darstellung der Indianer. Die bekanntesten Verfilmungen von Coopers Werken sind neben dem deutlich umfangreicheren, international produzierten TV-Vierteiler „Die Lederstrumpferzählungen“ aus dem Jahr 1969 wohl Harald Reinls („Die Nibelungen“) „Der letzte Mohikaner“ aus dem Jahr 1965 und vor allem Michael Manns („Insider“) US-Neuverfilmung aus dem Jahr 1992 mit Daniel Day-Lewis („There Will Be Blood“) in der Hauptrolle. Die vorliegende Verfilmung des Deutsch-Amerikaners Kurt Neumann („Die Fliege“) nach einem Drehbuch von Carroll Young („Tarzan und das Leopardenweib“) stammt aus dem Jahr 1957 und wurde in Madera County (Kalifornien), genauer am Bass Lake, in der Nähe des Yosemite-Nationalparks, gedreht. Lex Barker („Die Schlangengrube und das Pendel“) legte mit der Figur des weißen Trappers „Lederstrumpf“ bereits den Grundstein für seine spätere Vorzeigerolle als Karl-May-Figur „Old Shatterhand“. Weitere bekannte Mitwirkende sind Forrest Tucker („B29 - Höllenreiter der Nacht“), Rita Moreno („West Side Story“), Cathy O'Donnell („Der Mann aus Laramie“) und Jay C. Flippen („Die Rechnung ging nicht auf“).

Die Perspektive von „Lederstrumpf – Der Wildtöter“ wirkt etwas uneinheitlich. So schildert der Film in einer Art Einleitung die Auseinandersetzungen zwischen den Weißen und einigen Indianerstämmen, wobei eindeutig Kritik an der Vorgehensweise der Siedler und der US-Kavallerie deutlich wird. Mit Chingachgook gibt es zudem zumindest auf dem Papier auch noch eine indianische Hauptrolle, direkt an der Seite des titelgebenden Trappers. Carlos Rivas („Der König und Ich“) enttäuscht jedoch in dieser Rolle, da er der Figur des Mohikanerhäuptlings überhaupt keinen Stempel aufdrücken kann und stattdessen meistens eher passiv und weitgehend ausdruckslos im Abseits steht, was natürlich auch zum Teil dem Drehbuch zuzuschreiben ist, das seinen Charakter sträflich vernachlässigt. Während „Lederstrumpf“ eher die aalglatte, moralisch sattelfeste Heldenfigur darstellt und dank fehlender Ecken und Kanten nicht wirklich zur storytragenden Persönlichkeit taugt, entpuppen sich schon bald Harry March und Tom Hutter als die interessantesten Figuren der Geschichte.

Und auch diese beiden weißen Charaktere werden keineswegs nur positiv gezeichnet, vielmehr wird ihr Verhalten gegenüber ihren indianischen Nachbarn massiv kritisiert. Problematisch ist nur, dass der Film verlaufstechnisch vor allem in eine unterhaltsame, actionreiche, dramaturgisch mitreißende Auseinandersetzung mit dem Stamm der Mingos mündet. Somit werden auf dem Papier letztendlich doch wieder nur, wie in den meisten US-Western, indianische Aggressoren gewaltsam durch Weiße getötet. Mal abgesehen von dieser nicht immer ganz stimmigen Perspektive bietet „Lederstrumpf – Der Wildtöter“ aber einen erstaunlich hohen Unterhaltungswert und verwöhnt mit wunderschönen Landschaftsaufnahmen in feinstem CinemaScope. Auch die Wasserburg, das schwimmende Fort, ist keinesfalls eine über Nacht zusammengezimmerte Attrappe, sondern lässt durchaus handwerkliche Sorgfalt und ein solides Budget erkennen. Inhaltlich fallen die Frauenfiguren deutlich ab, was allerdings auch schon bei Coopers Romanen zu beobachten war. Umso interessanter sind allerdings die Spannungen innerhalb der Gruppe der weißen Verteidiger ausgefallen. Darstellerisch setzen hier Forrest Tucker und Jay C. Flippen ganz klar die Akzente, was eben auch ihren, abseits der genreüblichen Schwarz-Weiß-Malerei in Szene gesetzten, vielschichtigen Charakteren geschuldet ist.

Digitale Aufarbeitung:
Die vorliegende DVD präsentiert den Film erstmals seit seiner Kinopremiere wieder anamorph codiert im originalen Breitbildformat und greift auf eine aufwändige Restaurierung der neu abgetasteten Vorlage zurück. Auf der technischen Seite fällt zunächst neben dem korrekten Bildformat auch die saubere Vorlage positiv ins Auge. Das CinemaScope-Bild wirkt farblich relativ ausdrucksstark, hebt als typische Besonderheit in einigen Szenen aber bestimmte Farbtöne wie blau, grün oder gelb etwas unnatürlich hervor. Die Bildschärfe ist unter Berücksichtigung des Filmalters von über 50 Jahren gut bis ordentlich ausgefallen. Diese Bandbreite der Eindrücke resultiert aus gewissen Qualitätsschwankungen inklusive weicherer Sequenzen (11:18). Bildrauschen fällt nicht besonders ins Gewicht, die Vorlage weist aber leichte Unruhen in Form eines etwas wabernden Bildes (19:18) auf. Bei richtig dunklen Sequenzen ist der Kontrast nicht immer optimal, bewegt sich aber ansonsten auf einem ordentlichen Niveau. Die deutsche Tonspur klingt erstaunlich klar und wurde auch sehr ausgewogen abgemischt. Die englische Originaltonspur fehlt bei dieser Veröffentlichung.

Das Bonusmaterial besteht lediglich aus einem achtseitigen Booklet. Dieses beinhaltet eine Einführung zur Entstehung des Films von Reiner Boller (www.lex-barker.de), einen zeitgenössischen Nachdruck des Filmprogramms „Illustrierte Film-Bühne Nr. 4021“, das die komplette Geschichte wiedergibt, und Informationen zu den Hauptdarstellern sowie zum Regisseur. Die Veröffentlichung besitzt ein Wendecover.

Fazit:
„Lederstrumpf – Der Wildtöter“ ist ein etwas ungewöhnlicher Western bzw. Abenteuerfilm, in dem die Perspektive auf die Indianer keineswegs so einseitig negativ ausgefallen ist, wie bei typischen US-Western aus dieser Zeit. Zwar enttäuscht der Film mit einem zur Hälfte aalglatten, zur anderen Hälfte zu passiven Heldenduo, beinhaltet jedoch mit Harry March und Tom Hutter zwei deutlich vielschichtigere Charaktere, die das auch handwerklich rundum gelungene Werk dramaturgisch deutlich aufwerten. Technisch punktet die DVD zudem mit einer aufwändigen Restaurierung und der Präsentation im korrekten Breitbildformat.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
2,35:1
2,35:1
71:36 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Keine
Bonusmaterial:
  • Achtseitiges Booklet
Lederstrumpf - Der Wildtöter - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Lederstrumpf - Der Wildtöter
The Deerslayer

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Nicht unbedingt eine originalgetreue Literaturverfilmung, aber dafür ein spannender Indianer-Western bzw. Abenteuerfilm


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 1957
Regie:
Kurt Neumann
Drehbuch:
Carroll Young, Kurt Neumann, Dalton Trumbo (basierend auf einem Roman von James Fenimore Cooper)
Darsteller:
Lex Barker, Forrest Tucker, Rita Moreno, Jay C. Flippen, Cathy O'Donnell, Carlos Rivas, Joseph Vitale, John Halloran

Label Deutschland :
Pidax film
Verkaufsstart Deutschland :
02.09.2011