Splashpages  Home Movies  Rezensionen  Rezension  1066 - Die Schlacht um England
Partner von Entertain Web
http://www.splashmovies.de/php/images/spacer.gif
The DescendantsLucky TroubleDas Todesspiel

In der Datenbank befinden sich derzeit 3.899 Rezensionen. Alle Rezensionen anzeigen...

DVD-Besprechung - 1066 - Die Schlacht um England

Story:
Im Jahr 1066 sieht sich das Königreich England mit gleich zwei großen externen Gefahren konfrontiert. König Harald II. ist erst seit kurzer Zeit König, seine Legitimation ist jedoch mehr als umstritten. Zunächst fällt der norwegische König Harald Hardråde am 10. September mit einer gewaltigen Streitmacht von Wikingerschiffen in den Norden Englands ein und erhebt Anspruch auf den englischen Thron. Am 20. September werden die Engländer in der „Schlacht bei Fulford“ geschlagen, fügen der Streitmacht der Norweger aber bereits am 25. September durch einen Überraschungsangriff in der „Schlacht von Stamford Bridge“ eine vernichtende Niederlage zu. Allerdings landete bereits am 28. September Herzog Wilhelm von der Normandie mit seiner Normannenstreitmacht im jetzt ungeschützten Süden Englands, untermauerte seinen eigenen Herrschaftsanspruch und begann mit ausschweifenden Plünderungen. Er besiegte schließlich in der „Schlacht bei Hastings“ am 14. Oktober des gleichen Jahres das mittlerweile herbeigeeilte englische Heer und so wurde aus „Wilhelm dem Eroberer“ schließlich Wilhelm I., König von England.

Meinung zum Film:
„1066 – Die Schlacht um England“ ist eine britische Produktion aus dem Jahr 2009, im weltweiten Vertrieb der BBC, die von Polyband als Dokumentation beworben wird. Diese Einordnung trifft allerdings nicht wirklich ins Schwarze. Vielmehr bemüht sich der vorliegende Dreiteiler mit einer Laufzeit von rund zweieinhalb Stunden, der in der englischen Originalfassung lediglich zweigeteilt war, um die Nachstellung der Ereignisse im damaligen England des Jahres 1066, unter Betonung der Perspektive des „kleinen Mannes“ aus der einfachen Bevölkerung. Dabei verwendet er das sogenannte „Reenactment“, also die Nachstellung der historischen Ereignisse durch Spielszenen, allerdings keinesfalls nur als Einschub zwischen Dokumentarfilmsequenzen, sondern als durchgehende Erzählung, die sich vor allem auf historische Quellen wie Sagen, Lieder, allgemein ausgeschmückte, schriftliche Überlieferungen und den berühmten 70 Meter langen Wandteppich von Bayeux, der die Schlacht bei Hastings darstellt, stützt. Ein Erzähler, dessen Identität erst sehr spät enthüllt wird, führt dabei durch die Handlung, die immer wieder mit erläuternden Texteinblendungen ergänzt wird.

Um bessere Identifikationsmöglichkeiten für den Zuschauer zu bieten, wird der Vortrag durch fiktive Helden personalisiert, wobei hier jeweils drei Charaktere auf englischer und drei auf norwegischer Seite ausgewählt wurden. Letztere treten aber deutlich in den Hintergrund und die normannische Perspektive wird völlig unterschlagen. Ein wirklicher Einblick in die zeitgenössischen Lebenswelten dieser Figuren wird jedoch nicht gewährleistet. Das liegt auch allgemein an der Art der Darstellung, die eher so anmutet, als hätte sich eine Gruppe Laienschauspieler zu einem historischen Live-Action-Rollenspiel versammelt. So wirkt die deutsche Synchronisation zwar eher (mittel-)mäßig - mit Ausnahme des professionellen Erzählers -, findet jedoch bei der englischen Originaltonspur ihren laienhaften Widerhall. Auch die zeitgenössische Einfärbung der Sprache misslingt und wirkt sehr aufgesetzt. Die unprofessionelle, wackelige Kameraführung animiert ebenfalls eher zum Abschalten. Fatal ist dieser semi-professionelle Anstrich der Produktion aber vor allem für die Darstellung der drei angeführten Schlachten, die eigentlich den faktischen Mittelpunkt der Produktion bilden.

Über den historischen Verlauf der Schlachten, auftretende Waffengattungen, verwendete Taktiken oder gar Truppenstärken erfährt der Zuschauer so gut wie nichts. Die allgemein sehr oberflächliche Darstellung dieser Produktion wird noch durch den Erzähler unterstrichen, der parteiisch aus englischer Perspektive berichtet und zudem auch direkt die (heutigen) Engländer anspricht. Dabei geht es hinsichtlich der Wortwahl grundsätzlich zu wie in einem Groschenroman aus der Fantasyecke und der Dreiteiler trieft vor Pathos. Umso lächerlicher wirkt aber die Umsetzung der drei großen Schlachten. Wo in der Realität Tausende von Kriegern aufeinandertrafen, beharken sich hier lediglich kleine Grüppchen von 20-30 Personen, während das Kampfgeschehen durch Zeitrafferaufnahmen, Schnittgewitter und Wackeloptik verzweifelt die fehlende Dramaturgie und Choreographie zu überspielen versucht. Die selbstzweckhafte Verwendung von Bloodpacks und das grausam amateurhaft digital eingefügte Blut bescherten der deutschen Veröffentlichung direkt eine FSK 16, realistischer wird das Kampfgeschehen, nicht nur aufgrund der fehlenden Amputationen von Körperteilen, dadurch allerdings auch nicht.

Digitale Aufarbeitung:
Das Bild wird von einem wirklich störenden, starken Rauschen begleitet, das bei dunkleren Szenen bzw. Nachtsequenzen nochmal an Intensität gewinnt und gerade auch dort einen eher unschönen Eindruck hinterlässt. Die Bildschärfe fällt ebenfalls höchstens durchschnittlich aus und es gibt zudem Bewegungsunschärfen sowie Kompressionsartefakte. Dieser optische Eindruck wird durch den zu steilen Kontrast und die kraftlos wirkende Farbgebung weiter geschmälert. Das Bild wirkt dadurch teilweise regelrecht matschig. Weiterhin irritiert der relativ unruhige Bildstand der Produktion, wahrscheinlich resultiert dieser jedoch aus der Verwendung von Handkameras. Die deutsche Dolby-Digital-5.1-Tonspur stellt eine komplette Synchronisation dar und wurde nicht im Voice-over-Verfahren aufgezeichnet. Die Verständlichkeit ist gut und die Abmischung kann ebenfalls überzeugen. Zumindest hinsichtlich der Musikuntermalung wirkt die Tonspur auch durchaus druckvoll.

Auf der DVD gibt es leider keinerlei Bonusmaterial. Die Veröffentlichung befindet sich in einem Schuber mit aufgedrucktem FSK-Logo. Das darin enthaltene Digipak weist das gleiche Covermotiv auf, allerdings flatschenfrei. Alle drei Episoden befinden sich auf einer DVD.

Fazit:
„1066 – Die Schlacht um England“ wirkt, als hätte sich eine größere Gruppe Laiendarsteller zu einem historischen Live-Action-Rollenspiel versammelt und dann ein Kamerateam eingeladen. Die Erzählung ist dramaturgisch sparsam, geht bezüglich der vermittelten historischen Fakten gegen Null und wirkt gerade bezüglich der Darstellungen der Schlachten alles andere als authentisch. Aber auch technisch wirkt die vorliegende Veröffentlichung nicht überzeugend, was sicherlich auch der semi-professionellen Machart des Dreiteilers geschuldet ist. Zudem wurde das Bonusmaterial der englischen DVD-Veröffentlichung unverständlicherweise komplett unterschlagen.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
1,78:1
1,78:1
149:02 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Englisch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Keine
Bonusmaterial:
  • -
1066 - Die Schlacht um England - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
1066
1066

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Ein Königreich für mehr Professionalität bei den Dreharbeiten!


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Großbritannien, 2009
Regie:
Justin Hardy
Drehbuch:
Peter Harness
Darsteller:
Mike Bailey, Francis Magee, Tim Plester, Søren Byder, Ólafur Darri Ólafsson, Björn Thors, Peter Guinness, Hamish MacLeod, Kate Ambler, Gemma Lawrence

Label Deutschland :
Polyband
Verkaufsstart Deutschland :
26.08.2011