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Blu-ray-Besprechung - Die Herrschaft der Schatten

Story:
Nach einem gewaltigen Stromausfall sind bis auf Luke (Hayden Christensen), Paul (John Leguizamo), Rosemary (Thandie Newton) und den schwarzen Jungen James (Jacob Latimore) scheinbar alle Menschen aus Detroit verschwunden. Lediglich ihre Kleidung bzw. Habseligkeiten blieben zurück. Dafür scheint das Sonnenlicht immer stärker zu Gunsten der Dunkelheit zu schwinden, während sich alle künstlichen Energiequellen langsam entleeren und die Schatten an unheileinflößender Substanz gewinnen. Die vier Überlebenden verschanzen sich schließlich in dem Diner „Sonny's Happy Hour“ und sehen sich mit einer zunehmend prekärer werdenden, beinahe aussichtslosen Gefahrensituation konfrontiert.

Meinung zum Film:
Regie führte bei „Die Herrschaft der Schatten“ der Amerikaner Brad Anderson, der mit „The Machinist“ ein sowohl inhaltlich als auch handwerklich deutlich aus der Masse hervorstechendes Mystery-Thriller-Drama abgeliefert hat, seitdem allerdings nicht mehr die ganz großen Akzente im Filmgeschäft setzen konnte. Für den vorliegenden Film war eigentlich ein Budget von rund zehn Millionen Dollar vorgesehen, das letztendlich aber deutlich unterschritten wurde, während der Film außerdem in weniger als einem Monat abgedreht wurde. Finanziell wurde der Titel aber trotzdem zu einem Megaflop, der in den USA gerademal 22.000 US-Dollar und weltweit an den Kinokassen lediglich rund eine Million US-Dollar wieder einspielte. Das Drehbuch zum Film schrieb Anthony Jaswinski („Jasper Park - Ausflug in den Tod“), während die Hauptrollen von Hayden Christensen („Star Wars: Episode III - Die Rache der Sith“) alias Anakin Skywalker, John Leguizamo („The Ministers - Mein ist die Rache“) und Thandie Newton („2012“) weitgehend prominent bekleidet werden. Lediglich Jacob Latimore („One Tree Hill“) ist noch ein Frischling im Filmgeschäft.

„Die Herrschaft der Schatten“ ist ein Werk, das am besten nach exakt 20 Minuten direkt abgeschaltet werden sollte, um tiefergehende Verärgerungen über den weiteren Verlauf der Geschichte zu verrmeiden. Denn den Einstieg garniert Brad Anderson noch äußerst atmosphärisch und geheimnisvoll. Es gelingt ihm, die Verwirrung der übrig gebliebenen Protagonisten auf den Zuschauer zu übertragen, bei ihm eine gehörige Portion Neugier bezüglich der tatsächlichen Vorgänge sowie eine gewisse apokalyptische Endzeitstimmung hervorzurufen. Die menschenleere, verstummte Industriemetropole Detroit wirkt verstörend und die weiträumige Perspektive auf diesen entvölkerten Großstadtmoloch lässt hier noch ein sehr effektiv genutztes Budget vermuten. Nach den bereits angeführten ersten zwanzig Minuten ist dieser Zauber jedoch vollkommen verflogen, wenn sich das Geschehen zu weiten Teilen in das Diner verlagert, wo sich nach und nach alle vier Hauptprotagonisten der Geschichte einfinden. Bereits die oberflächlichen Charakterisierungen dieser Akteure wecken nicht gerade die Lust auf mehr, richtig übel wird es jedoch erst, wenn diese Figuren ihre stumpfsinnigen Dialoge beginnen. Schauspielerisch Akzente setzen kann hier eigentlich niemand. Am ehesten überzeugt noch Hayden Christensen mit seinem dominanten Überlebenswillen, während Thandie Newton als religiöse Eiferin kaum zu ertragen ist.

Zwar versucht Anderson hier mit natürlichen Ängsten vor der Dunkelheit zu spielen, eine tierisch anmutende Geräuschkulisse einzuflechten und die Schatten in Maßen zum Leben zu erwecken, landet aber nicht einen echten Schockmoment und verharrt innerhalb ausgewalzter Genrekonventionen. Das schützende Licht fällt somit natürlich immer in den ungünstigsten Momenten aus und die Akteure agieren fernab jeglicher Logik. So versagen mehr oder weniger alle elektrischen Energiequellen, es dauert aber trotzdem tatsächlich über eine Stunde, bis Luke tatsächlich einmal auf die Idee kommt, natürliches Feuer bzw. eine Fackel zu nutzen. Dass er natürlich ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt sein Feuerzeug vergessen hat, demonstriert nur die gesammelte Armut des Drehbuchs. Überhaupt tritt diese potentielle Loseblattsammlung durchgehend völlig auf der Stelle und offeriert eine beinahe siebzigminütige Planungsphase für eine Flucht aus der Stadt. Die beinahe einzige, extrem dröge Location ist dabei das Diner, wenn es nicht gerade hinaus in die Dunkelheit geht. Optisch kocht der Film also auf absoluter Sparflamme, da können auch die atmosphäresteigernden Soundeffekte nicht mehr viel helfen. Wären das allerdings alle genannten Probleme des Films, könnte der Zuschauer einfach bequem wegdämmern und irgendwann zum Abspann hin wieder entspannt aufwachen. Doch gerade hier droht das größte Ärgernis, denn die Geschehnisse werden in keinster Weise aufgelöst oder gar erklärt. Zudem gibt es zwar kein Happy End, aber es gibt auch keine böse Wendung gegen Ende. Der Abschluss des Films ist einfach das absolute Nichts und unterstreicht den ab der zwanzigsten Minute beim Zuschauer vorherrschenden Eindruck, dass hier ein unfertiges, wenig durchdachtes Produkt, quasi über Nacht, überhastet zu einem abgeschlossenen Film zusammengestümpert wurde.

Digitale Aufarbeitung:
„Die Herrschaft der Schatten“ wurde aus Budgetgründen mit der „Red One“-Kamera gedreht. Die Grundschärfe ist zwar zufriedenstellend ausgefallen, es mangelt dem digitalen Bild aber an Details. Nicht nur aufgrund der weitgehend dominierenden dunklen Außenszenen und den unspektakulären Innenraumaufnahmen des Diners gibt es dadurch keinerlei echte Aha-Effekte in HD. Ein weiteres Problem mit dem verwendeten Equipment, das Brad Anderson im Audiokommentar selbst anspricht, sind die Kontrastwerte. Die Kamera ist für so dunkle Umgebungen eigentlich nicht geeignet, weshalb sehr stark künstliche ausgeleuchtet werden musste. Eigentlich sehr finster angelegte Sequenzen werden dadurch deutlich aufgehellt und führen zu ziemlich steilen Kontrastwerten. Das fördert zwar die Erkennbarkeit der Geschehnisse, schadet allerdings der intendierten Schaueratmosphäre. Die Farbgebung hinterlässt zwar einen weitgehend natürlichen Eindruck, wirkt allerdings auch etwas ausgewaschen. Bildrauschen ist nur in minimaler Form erkennbar und die Vorlage macht einen sehr sauberen Eindruck. Akustisch kann die Blu-ray hingegen voll überzeugen und bietet neben der ausgewogenen Abmischung der Tonspuren bei den Effekten und der Musik auch einen guten räumlichen Eindruck und ordentlich Basseinsatz.

Das Bonusmaterial ist leider größtenteils enttäuschend ausgefallen. Die oberflächlichen Mini-Features - Die Stimmung zu „Die Herrschaft der Schatten“ (4:22), Ein Blick hinter „Die Herrschaft der Schatten“ (4:20) und „Die Herrschaft der Schatten” aufgedeckt (7:03) -, allesamt deutsch untertitelt, enthalten so gut wie keine Infos, stellen vor allem gegenseitige Lobhudeleien der Verantwortlichen bzw. Mitwirkenden in kurzen O-Tönen dar und sind technisch außerdem noch stark verrauscht. Die alternativen Endsequenzen (8:20) sind ebenfalls Augenwischerei, da sie lediglich marginale Abweichungen zum eigentlichen Filmende enthalten. Das Behind-the-Scenes-Feature (2:12) ist nicht nur extrem kurz, sondern auch komplett unkommentiert und somit weitgehend nutzlos. Neben dem deutschen Trailer und dem originalen Kinotrailer gibt es außerdem noch einen Audiokommentar von Regisseur Brad Anderson auf der BD, der zumindest inhaltlich das sonstige Bonusmaterial komplett in den Schatten stellt. Leider klingt dieser Vortrag akustisch aber so, als würde Anderson im Halbschlaf vor sich hinnuscheln, erschwerend treten in dieser Hinsicht auch noch die fehlenden Untertitel hinzu. Inhaltlich durchaus ergiebig, wirkt dieses Feature somit leider eher einschläfernd. Die Veröffentlichung besitzt kein Wendecover, der FSK-Flatschen ist allerdings nur ein Aufkleber und scheint ablösbar zu sein.

Fazit:
„Die Herrschaft der Schatten“ bietet viel Schatten und ganz wenig Licht, und das bezieht sich keineswegs nur auf den Inhalt des Drehbuchs, sondern vor allem auf die erzählerischen und handwerklichen Qualitäten des Films. Die Story ist dramaturgisch, ausgenommen die ersten zwanzig Minuten des Titels, ein Totalausfall und verärgert die Zuschauer mit unlogischen Handlungsweisen der Protagonisten, in Genrekonventionen verhafteten und somit absolut vorhersehbaren Bedrohungsmomenten sowie mit einem Filmende, das für sich genommen bereits eine neue Kategorie für die Goldene Himbeere begründen müsste. Technisch ist die Blu-ray in optischer Hinsicht nur Durchschnitt, akustisch hingegen sehr überzeugend ausgefallen, das Bonusmaterial enttäuscht dafür allerdings wieder.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
2,35:1
2,35:1
91:13 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
DTS-HD  Master Audio 5.1
DTS-HD Master Audio 5.1
Englisch
DTS-HD  Master Audio 5.1
DTS-HD Master Audio 5.1
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Alternative Endsequenzen
  • Behind the Scenes
  • Die Stimmung zu "Die Herrschaft der Schatten"
  • Ein Blick hinter "Die Herrschaft der Schatten"
  • "Die Herrschaft der Schatten" aufgedeckt
  • Deutscher Trailer
  • Original Kinotrailer
  • Audiokommentar von Regisseur Brad Anderson
Die Herrschaft der Schatten - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Die Herrschaft der Schatten
Vanishing on 7th Street

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Dieser Film stellt alles in den Schatten, allerdings leider nur in negativer Hinsicht!


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 2010
Regie:
Brad Anderson
Drehbuch:
Anthony Jaswinski
Darsteller:
Hayden Christensen, John Leguizamo, Thandie Newton, Jacob Latimore, Taylor Groothuis, Jordan Trovillion, Jacob Latimore, Arthur Cartwright

Label Deutschland :
Koch Media Entertainment
Verkaufsstart Deutschland :
26.08.2011