Splashpages  Home Movies  Rezensionen  Rezension  Ecstasy Bandits
Partner von Entertain Web
http://www.splashmovies.de/php/images/spacer.gif
The DescendantsLucky TroubleDas Todesspiel

In der Datenbank befinden sich derzeit 3.899 Rezensionen. Alle Rezensionen anzeigen...

Blu-ray-Besprechung - Ecstasy Bandits

Story:
Alexander „Sasha“ Shulgin, alias Dr. Shulgin, gilt als der Erfinder von über einhundert chemischen, genauer psychedelischen oder bewusstseinserweiternden Verbindungen. Im Bereich der synthetischen Halluzinogene ist Shulgin allerdings besonders durch seine Entdeckung von MDMA, besser bekannt als Mode- und Partydroge Ecstasy, bekannt geworden. Allerdings stammt diese Formel ursprünglich keineswegs von ihm, sondern er hat sie lediglich wiederentdeckt und deren Wirksamkeit erkannt. Seine im eigenen Labor entwickelten „Drogen“ testet der ehemalige Pharmakologe und Forschungschemiker Shulgin im Selbstversuch oder auch mit seiner Frau. Für viele Esoteriker, Freigeister oder auch Befürworter des Einsatzes vergleichbarer Substanzen zu Therapiezwecken in der Psychatrie ist Shulgin eine Art Idol und Galeonsfigur.

Meinung zum Film:
Der französische Dokumentarfilmer Étienne Sauret („Ground Zero - Die ersten 24 Stunden“) findet mit seiner vorliegenden Arbeit zumindest in Deutschland zunächst keine Freunde. Die hohe Altersfreigabe, ab 18 Jahren, ergibt sich aus dem Standpunkt der vorliegenden Dokumentation, die sich vor allem auf die Person von Alexander Shulgin stützt, der nicht gerade das optimale Aushängeschild für die Kampagne „Keine Macht den Drogen“ darstellt. Dabei lernte Sauret Shulgin zunächst eher zufällig kennen, als er auf Einladung eines Freundes diesen besuchte und beide schließlich einen Kurzfilm über ihn, für eine Konferenz, drehten. Durch diesen persönlichen Kontakt entstand schließlich die Idee zu einem Dokumentarfilm über Shulgin, worauf Sauret ihn eine ganze Weile auf Reisen begleitete und auch Material an dessen Wirkungs- und Wohnstätte filmte. Eine wirkliche Struktur hatte der Franzose dabei allerdings noch nicht im Hinterkopf, was sich leider auch während der gesamten Spielzeit der Dokumentation bemerkbar macht. Erschwerend kommt hinzu, dass es auch keinen Erzähler gibt, der die zusammengeschnittenen Sequenzen weiterführend kommentiert oder einordnet.

„Ecstasy Bandits“ besteht aus aktuellen Sequenzen, die Shulgin und seine Frau auf Konferenzen, nach Ägypten, oder zum „Burning Man“ in der Black-Rock-Wüste von Nevada begleiten oder schlichtweg Interviews mit den Shulgins sowie einigen Wissenschaftlern darstellen. Darunter befinden sich Personen wie Dr. David Nichols, der an einer Universität die Wirkung von LSD erforscht, oder Dr. Roland Griffiths, ein Psychopharmakologe, der sich wissenschaftlich mit der Wirkung stimulierender Substanzen auf das Nervensystem auseinandersetzt und auch deren Verwendung zu Therapiezwecken aufgeschlossen gegenüber steht. Weiterhin kommen auch der ehemalige DEA-Agent Bob Sager und Shulgins rebellischer Sohn zu Wort. Letztendlich fehlen in Saurets völlig einseitiger Darstellung jedoch kritische Stimmen mit größerem Gewicht. Ansonsten besteht der Film aus altem Archivmaterial, das vor allem biographische Hintergründe zur Hauptperson illustrieren soll oder historische Eintwicklungslinien nachzeichnet.

Zusammenfassend kann also bisher festgestellt werden, dass der vorliegenden Arbeit für eine Dokumentation bereits die gebotene Neutralität völlig abgeht und außerdem nie eine wirkliche narrative Struktur erkennbar ist, was durch das Fehlen eines Erzählers noch verstärkt wird. Zudem wirken viele der Reisebegleitungssequenzen wie reine Pausenfüller, um die anvisierte Spielfilmlaufzeit zu erreichen. Auch die biographischen Details zu Shulgin werden eher häppchenweise und wenig tiefschürfend serviert, so bleiben z.B. seine die Neugier des Zuschauers weckenden Auseinandersetzungen mit der DEA weitgehend im Dunkeln. Auch die wissenschaftliche Basis seiner Forschung wird nur rudimentär angeschnitten und der Film bemüht sich vielmehr, Shulgin als freigeistigen Sonderling darzustellen, der in seiner privaten Alchimistenküche, von der eigenen Arbeit im wahrsten Sinne des Wortes berauscht, vor sich hin experimentiert. Unabhängig von dessen Fachkenntnissen sowie potentiell nützlichen, zielgerichteten Wirkungen bewusstseinserweiterender Drogen, ist die innerhalb der Dokumentation an den Tag gelegte Geisteshaltung zu diesen Substanzen, unter Ausblendung jeglicher schädlichen Folgen durch deren Einnahme, jedoch insgesamt mehr als bedenklich ausgefallen.

Digitale Aufarbeitung:
„Ecstasy Bandits“ enttäuscht technisch leider auf ganzer Linie und erweckt nie den Eindruck einer Blu-ray-Veröffentlichung. Selbst bei den aktuellen Sequenzen bewegt sich die Bildschärfe lediglich auf dem Niveau einer durchschnittlichen DVD, wirkliche Detailzeichnung Fehlanzeige. Das Bild wirkt zudem ziemlich verrauscht. Die Farbgebung und Kontrastwerte bewegen sich auf einem soliden Niveau, ohne jedoch zu glänzen. Deutlich problematischer wird die Sache jedoch beim nicht mehr ganz taufrischen Archivmaterial, das offensichtlich aus verschiedenen, nicht besonders guten Quellen, wie z.B. Videokassetten stammt, und überhaupt nicht überarbeitet wurde. Das geht sogar so weit, dass die Dokumentation störenderweise für diese Sequenzen von ihrem Breitbildformat 2,35:1 ins Vollbildformat wechselt. Auch bezüglich des Sounds gibt es keine Ausreißer nach oben, die beiden DTS-HD-Master-Audio-2.0-Tonspuren klingen erwartungsgemäß völlig unspektakulär und frontlastig, wenn auch immerhin gut verständlich. Die deutsche Voice-over-Fassung ist allerdings leider für Englischverweigerer alternativlos, da keinerlei Untertitel auf der Blu-ray vorhanden sind.

Auf der BD befindet sich lediglich der Originaltrailer. Die Veröffentlichung beinhaltet kein Wendecover.

Fazit:
„Ecstasy Bandits“ ist strenggenommen keine Dokumentation, sondern ein überlanger Werbefilm für die potentiellen Einsatzmöglichkeiten bewusstseinserweiternder synthetischer Substanzen, bei dem eigentlich so gut wie kein kritisches Wort zu deren Verwendung fällt, obwohl hier auch über LSD und Ecstasy referiert wird. Leider ist auch der Informationsgehalt, sowohl auf biographischer als auch auf wissenschaftlicher Ebene, sehr bescheiden ausgefallen und die Strukturlosigkeit des Vortrags ist ein weiteres nicht zu vernachlässigendes Ärgernis. Technisch macht die vorliegende Blu-ray einen äußerst bescheidenen Eindruck und auch das beinahe völlige Fehlen von Bonusmaterial ist keine wirkliche Bewusstseinserweiterung.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 18
2,35:1
2,35:1
90:08 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
DTS-HD Master Audio 2.0
DTS-HD Master Audio 2.0
Englisch
DTS-HD Master Audio 2.0
DTS-HD Master Audio 2.0
Untertitel:
Keine
Bonusmaterial:
  • Originaltrailer
Ecstasy Bandits - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Ecstasy Bandits
Dirty Pictures

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Trotz massivem "Chemiedoping" weitgehend "substanzlos"!


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 2010
Regie:
Étienne Sauret
Darsteller:
Alexander Shulgin, Ann Shulgin, Dr. David Nichols, Dr. William Fantegrossi, Dr. Roland Griffiths, Dr. Solomon H. Snyder, John E. Mendelson, William Richards, Bob Sager, Ted Shulgin

Label Deutschland :
Ascot Elite
Verkaufsstart Deutschland :
19.08.2011