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Blu-ray-Besprechung - Deep End

Story:
Michael (John Moulder-Brown) ist gerade mit der Schule fertig und beginnt eine Tätigkeit als Servicekraft in der örtlichen Badeanstalt. Dort lernt er auch die Mitarbeiterin Susan (Jane Asher) kennen, für die er bald mehr als nur kollegiale Gefühle empfindet. Allerdings ist sie nicht nur deutlich älter als er, sondern auch bereits mit Chris (Christopher Sandford), einem reichen Playboy, verlobt. Das hindert die sexuell ziemlich aufgeschlossene Susan allerdings nicht daran, auch mit anderen Männern zu verkehren, wie z.B. mit Michaels ehemaligem Sportlehrer (Karl Michael Vogler). Aus anfänglicher naiver Liebe entwickelt sich bei Michael schnell eine krankhafte Obsession für Susan und er beginnt ihr nachzustellen und ihre Liebhaber zu sabotieren.

Meinung zum Film:
„Deep End“ ist eine deutsch-britische Koproduktion mit der „Bavaria Film“ unter der Regie des Polen Jerzy Skolimowski („Essential Killing“) aus dem Jahr 1970. Am Drehbuch schrieben neben Skolimowski auch noch seine beiden Landsleute Jerzy Gruza („Tygrysy Europy“) und Boleslaw Sulik („Die Schattenlinie“). Die Hauptrollen wurden mit den Briten John Moulder-Brown („Das Versteck“) und Jane Asher („Satanas - Das Schloss der blutigen Bestie“), der damaligen Freundin von Ex-„Beatle“ Paul McCartney, besetzt. Weitere prominente Mitspieler in kleineren Rollen sind der Deutsche Karl Michael Vogler („Brüll den Teufel an“), Christopher Sandford („Schrei nach Leben“) und die britische Marilyn Monroe, Diana Dors („In einem Sattel mit dem Tod“). Gedreht wurde zu großen Teilen in Deutschland, genauer München, aber auch in Englands Hauptstadt London. Dementsprechend sind auch auch viele Nebendarsteller Deutsche und hinter der Kamera stand mit Charly Steinberger („Einer von uns beiden“) ein Österreicher. Der Film wurde erst kürzlich aufwendig restauriert und die weltweite Blu-ray-Premiere dieser Fassung realisierte „BFI Films“ im Juli 2011 in England, kurz zuvor lief der Film jedoch bereits auf dem „Filmfest München“. Jane Asher wurde für ihre Leistung im Jahr 1972 für den „BAFTA Film Award“ als beste Nebendarstellerin nominiert.

„Deep End“ ist ein Coming-of-age-Drama im London der Swinging Swixties, genauer im sleazigen Stadtteil Soho, welcher im Film witzigerweise, allerdings auch erstaunlich überzeugend, in München nachgestellt wurde. Auch wenn der Film durch die dominante Handkamera, die schrille Optik und den tollen, enervierenden Soundtrack von Cat Stevens sowie der innovativen deutschen Rockband „Can“ vor Lebendigkeit sprüht und zudem auch viele humorvolle Untertöne erweist, beispielsweise in den Sequenzen, in denen sich ältere Frauen um den jungen, unerfahrenen Michael bemühen, gibt es durch den gesamten Film hindurch Hinweise bzw. Vorzeichen auf eine sich abzeichnende finale Tragödie. So dominiert häufiger die Farbe Rot, wie Blut, und Michaels anfangs naive, unschuldige Liebe für Susan nimmt immer mehr die Züge einer krankhaften Obsession an.

Dabei liefert nicht nur John Moulder-Brown als fünfzehnjähriger Junge in den Fängen der Pubertät, sondern auch Jane Asher als sprunghafte, sexuell aufgeschlossene und immer etwas verspielt wirkende Susan eine tolle schauspielerische Leistung ab. Sie ist sich ihrer Wirkung auf Männer voll bewusst, was bei Michael letztendlich hormonell eine fatal verlaufende Unruhe hervorruft. Trotz seines Arthouse-Anstrichs und des leicht surrealistischen Charakters ist der Film aber extrem flüssig sowie unterhaltsam inszeniert und transportiert in äußerst mitreißender Manier das Lebensgefühl der ausgehenden 60er-Jahre. Diese Leichtfüßigkeit gepaart mit Subtilität sind Garanten für eine beinahe neunzigminütige Zeitreise gespickt mit guter Unterhaltung.

Digitale Aufarbeitung:
Die Restauration und Neuabtastung des Films hat sich absolut gelohnt und die Blu-ray präsentiert den über 40 Jahre alten Titel in äußerst überzeugender Qualität. Die Bildschärfe ist richtig gut ausgefallen, auch wenn sie leichten Schwankungen unterliegt, und bietet teilweise auch eine erstaunliche Detailzeichnung (1:04). Lediglich Plastizität sollte nicht erwartet werden. Die Farbgebung wirkt sehr frisch und kräftig, was natürlich gerade für diese Zeit einen herrlich schrillen Anstrich bedeutet, und auch die Kontrastwerte bewegen sich auf einem ausgewogenen Niveau. Lediglich Hasser von Filmkorn und Freunde weichgefilterter Hochglanzoptik werden mit dieser Veröffentlichung nicht glücklich werden, denn das Bild wird von einem entsprechenden, ziemlich starken Rauschen begleitet. Etwas störend wirkt es lediglich in sehr dunklen Sequenzen (0:28). Beide Tonspuren bieten eine gut austarierte Abmischung, einwandfreie Verständlichkeit und eine sehr dynamische Musikuntermalung, die den tollen Soundtrack sehr gut zur Geltung bringt. Untertitel gibt es allerdings keine.

Auf der Blu-ray befindet sich neben dem englischen Filmtrailer, einer Bildergalerie mit seltenem Werbematerial und den Deleted Scenes (12:15) auch noch die Dokumentation „Starting Out“ (74:54). Die Deleted Scenes wurden dabei etwas ungewöhnlich aufbereitet. Da von ihnen kein Filmmaterial mehr vorlag, werden sie quasi in Form eines Features durch die Macher des Films nacherzählt/vorgestellt. Dabei werden auch die Gründe dafür angeführt, warum es diese Sequenzen letztendlich nicht in den fertigen Film geschafft haben. „Starting Out“ ist nicht nur sehr lang geraten, sondern auch extrem informativ und unterhaltsam. So treffen sich hier die beiden Hauptdarsteller des Films erstmals nach 40 Jahren wieder und mit dem damaligen Kameramann Charly Steinberger kommt es auch zu einer aktuellen Begehung der damaligen Badeanstalt in München, die die wichtigste Location des Films darstellte. Neben den Hauptdarstellern kommen auch die Macher des Films, u.a. Skolimowski selbst und der Filmeditor Barrie Vince, ausführlich zu Wort. So wird die Nachzeichnung der Entstehungsgeschichte des Films zum Erlebnis und das Feature bietet auch viel Hintergrundmaterial zu Aspekten wie den Drehorten, der musikalischen Untermalung, der Kameraführung oder zu improvisierten Szenen. Beide Features bieten deutsche Untertitel und stammen aus dem Jahr 2010. Die Veröffentlichung besitzt ein Wendecover.

Fazit:
„Deep End“ präsentiert sich als leichtfüßig inszeniertes Coming-of-age-Drama mit humorvollem Unterton und tragischem Ende. Dabei gibt sich der Film betont surreal, subtil und schrill in der Aufmachung und trumpft dabei mit einem tollen Soundtrack, sehr guten Hauptdarstellern und einer äußerst lebhaften Kameraführung auf. Technisch offeriert die Blu-ray den Film dank der Restaurierung in einer wirklich überzeugenden Qualität und bietet zudem mit der Dokumentation „Starting Out“ ein Feature, das dem Hauptfilm im Unterhaltungswert kaum nachsteht.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
1,85:1
1,85:1
87:52 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
DTS-HD Master Audio 2.0
DTS-HD Master Audio 2.0
Englisch
DTS-HD Master Audio 2.0
DTS-HD Master Audio 2.0
Untertitel:
Keine
Bonusmaterial:
  • Englischer Trailer
  • Dokumentation "Starting Out"
  • Deleted Scenes
  • Bildergalerie
Deep End - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Deep End
Deep End

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
The "Swinging Sixties" are here again!


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland / Großbritannien / Polen, 1970
Regie:
Jerzy Skolimowski
Drehbuch:
Jerzy Skolimowski, Jerzy Gruza, Boleslaw Sulik
Darsteller:
John Moulder-Brown, Jane Asher, Karl Michael Vogler, Christopher Sandford, Erica Beer, Diana Dors, Louise Martini, Burt Kwouk

Label Deutschland :
Koch Media Entertainment
Verkaufsstart Deutschland :
26.08.2011