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DVD-Besprechung - Die Kinder von Paris

Story:
Paris im Sommer 1942: Der elfjährige Jo (Hugo Leverdez) freut sich gemeinsam mit seinen Freunden auf einen langen, ereignisreichen Sommer. Er ahnt nicht, dass sich aufgrund der Besetzung Frankreichs durch die Truppen des Deutschen Reichs, das Leben der Juden in diesem Land komplett verändern wird. Hitler verlangt von der Vichy-Regierung die Auslieferung von ca. 250000 Juden zur Deportation in die Konzentrationslager. In einer Nacht- und Nebelaktion unter dem Namen „Operation Frühlingswind“ werden in Paris jüdische Mitmenschen verhaftet und in der dortigen Radrennbahn ohne Lebensmittel, Wasser und nur mit notdürftiger medizinischer Versorgung eingepfercht. Unter ihnen befindet sich auch Jo mit seiner Familie, aber auch der jüdische Arzt David Sheinbaum (Jean Reno) und die protestantische Krankenschwester Annette Monod (Mèlanie Laurent), die das Leid der Menschen zu lindern versuchen, ohne zu ahnen, dass das Martyrium der Juden noch lange kein Ende gefunden hat.

Meinung zum Film:
Filme über die Gräueltaten der Nationalsozialisten im Dritten Reich gibt es viele und dazu gehört nun auch „Die Kinder von Paris“. Doch Regisseurin und Drehbuchautorin Rose Bosch („Pakt des Schweigens“) bietet dem Zuschauer mehr, als er bis jetzt auf der Kinoleinwand erwarten konnte, nämlich die Schilderung der Kollaboration der Vichy-Regierung mit den Nazis bei der Vernichtung der Juden und zwar aus französischer Sicht. Dazu addiert sich die Tatsache, dass sich Rose Bosch bei ihren Recherchen auf die Augenzeugenberichte der wenigen Überlebenden stützte. Somit gewährleistete der Film eine Authentizität, die den historischen Tatsachen gerecht wird. Für das französische Volk ist die Auseinandersetzung mit dem Holocaust kein alltägliches Phänomen, wie es beispielsweise in Deutschland der Fall ist. Umso bewundernswerter ist die Tatsache, dass sich die französische Regisseurin mit diesem Film offen zur Mitschuld des Vichyregimes äußert, zu der sich erstmalig 1995 Jacques Chirac öffentlich äußerte.

Die historisch verbürgte Handlung wird aus zwei verschiedenen Blickwinkeln erzählt. Hierbei scheint es für die Macher wichtig gewesen zu sein, zum einen den Opfern eine Stimme zu geben, zum anderen aber auch unbeteiligte Beobachter zu Worte kommen zu lassen, um dem Zuschauer einen Überblick der Ereignisse zu ermöglichen. Die eine Sicht wird durch Jo (Hugo Leverdez) präsentiert, wobei dessen unbekümmerte, kindliche Art die Machtlosigkeit der Opfer demonstriert. Die protestantische Krankenschwester Annette übernimmt die Perspektive der Außenstehenden, die zwar alles Menschenmögliche tut, um den Inhaftierten zu helfen, letztlich aber doch scheitert, weil sie die Deportation nicht verhindern kann. Die Ereignisse um den 16. Juni 1942, die mittlerweile unter dem Namen La Rafle in die französischen Geschichtsbücher eingegangen sind, zählen zu den größten Schandtaten des Vichyregimes. Heute, nachdem das Velodrom, in dem 7000 Juden festgehalten wurden, abgerissen worden ist, erinnert lediglich noch ein Mahnmal an das entsetzliche Verbrechen.

Das Velodrom und das Gefangenlager Beaune-la-Rolande wurden mit viel Liebe zum Detail wieder aufgebaut und Tausende von Statisten wurden zur Teilnahme verpflichtet um eine größtmögliche Authentizität zu gewährleisten. Auffällig ist auch, dass die deutschen Soldaten nicht unbedingt im Mittelpunkt der Deportationsszenen stehen, sondern die französische Polizei. Damit sollte der Blick des Zuschauers auf die Kooperation und Mithilfe der französischen Behörden fallen, die teilweise sogar noch ohne Order der deutschen Besatzer gegen die jüdische Bevölkerung agierten. Aber der Film wäre ohne die engagierte und hochkarätige schauspielerische Leistung der Darsteller nicht so eindringlich geworden, wie er sich nun präsentiert. Jean Reno („Der Da Vinci Code“) in der Rolle als Dr. Sheinbaum leistet dabei ebenso hervorragende Arbeit wie der 10jährige Hugo Leverdez, der mit seinem Debüt Jo Weismann verkörpert. Ingesamt entstand dadurch ein Film, der sich auf einzigartige Art und Weise mit einem der schrecklichsten Ereignisse der europäischen Geschichte befasst.

Digitale Aufarbeitung:
Das Bild besitzt eine hohe Qualität. Die Farben sind klar und kräftig. Die Konturen werden zudem scharf abgegrenzt. Der Kontrast hält ein gutes Niveau, was besonders bei den Nachtaufnahmen positiv zur Geltung kommt. Der Ton klingt deutlich vernehmbar und gleichmäßig aus allen Boxen. Der Mix zwischen Musik, Dialogen und Hintergrundgeräuschen ist hervorragend gelungen.

Als Extras bietet die DVD ein ausführliches Making Of, bei dem die Regisseurin Rose Bosch über die historischen Hintergründe des Film referiert und die Darsteller ihre Erfahrungen beim Dreh darlegen. Außerdem kann der Zuschauer noch auf den Originaltrailer zurückgreifen.

Fazit:
„Die Kinder von Paris“ ist ein eindringlicher Film aus zwei verschiedenen Perspektiven, die dem Zuschauer einen äußerst breiten Überblick über die historisch verbürgten Ereignisse des La Rafle ermöglichen. Die engagierte Regisseurin und Drehbuchautorin Rose Bosch scheute keine Mühen um bei der Inszenierung des Films eine hohe Authentizität zu gewährleisten, indem sie Augenzeugenberichte und historische Dokumente mit in ihr Drehbuch einbezogen hat. Die hervorragende schauspielerische Darstellung erhöht die Qualität der Produktion nochmals, so dass insgesamt von einem gelungenen Filmereignis gesprochen werden kann.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
2,35:1
2,35:1
115:32 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Deutsch
DTS 5.1
DTS 5.1
Untertitel:
Keine
Bonusmaterial:
  • Making Of
  • Originaltrailer
Die Kinder von Paris - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Die Kinder von Paris
La Raflè

Bild unseres Mitarbeiters Yatiker Yildiz
Eine Schande für die Menschheit


Autor der Besprechung:
Yatiker Yildiz

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Frankreich, 2010
Regie:
Rose Bosch
Drehbuch:
Rose Bosch
Darsteller:
Jean Reno, Mèlanie Laurent, Gad Elmaleh, Raphaelle Agoguè, Hugo Leverdez, Joseph Weismann, Mathieu Di Concerto, Romain Di Concerto, Oliver Cywie, Sylvie Testud, Anne Brochet, Denis Menochet, Roland Copè, Jean-Michel Noirey, Rebecca Marder

Label Deutschland :
Constantin Film
Verkaufsstart Deutschland :
08.09.2011