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Blu-ray-Besprechung - Bigger Stronger Faster
Story:
Chris Bell war als Kind ein großer Fan von Wrestlern wie Hulk Hogan oder Actionstars wie Arnold Schwarzenegger und Sylvester Stallone, die für ihn den amerikanischen Traum verkörperten. Es waren für ihn charakterlich einwandfreie Gewinnertypen, die sich nur mit Fleiß und harter Arbeit nach oben gekämpft haben und somit als Vorzeigeamerikaner gelten können. Chris, selbst eher ein schmächtiger, dicklicher Junge, beschließt seinen Idolen nachzueifern und steigt selbst in den Kraftsport ein, anfangs auch mit durchaus ansehnlichen Erfolgen. Anders als seine Brüder verzichtet er jedoch nach kurzer Zeit auf den Einsatz leistungssteigernder Drogen und versucht es auf ehrliche Art und Weise, damit verbaut er sich jedoch auch jede Chance, in die Spitze dieses Leistungssports aufzusteigen, egal wie hart er auch trainiert. Desillusioniert muss Chris erkennen, dass sich zum Siegen im Normalfall auch das Betrügen hinzugesellt und dass der Erhalt dieser Scheinwelt mit dem massenhaften Konsum von Drogen verbunden ist.
Meinung zum Film:
Der Amerikaner Chris Bell wählte mit seiner Dokumentation „Bigger, Stronger, Faster“ aus dem Jahr 2008 einen ungewöhnlich persönlichen Ansatz, um sich dem Thema des Einsatzes anaboler Steroide im Spitzensport, aber auch dem massiven Missbrauch von „Alltagsdrogen“ in den USA allgemein, quer durch alle Gesellschaftsschichten und Berufsgruppen, anzunähern. Denn Chris Bell behandelt das Thema nicht nur aus seiner Perspektive, und somit eher als Laie, sondern er ist durch seine beiden Brüder Mike „Mad Dog“ Bell, einen Profiwrestler, und Mark „Smelly“ Bell, einen Gewichtheber, direkt vom Missbrauch anaboler Steroide betroffen, da diese offen zugeben, in ihrem Metier ohne diese Hilfsmittel nicht mit der Spitze mithalten zu können. Chris Bell, kurzzeitiger WWE-Writer, beginnt also eine Odyssee durch die amerikanische Gesellschaft, hinterfragt kritisch die einstigen Idole seiner Kindheit und deren Message, untersucht die Gefahren anaboler Steroide mit Hilfe von Fachleuten und Betroffenen, bekommt Zweifel an der amerikanischen Siegermentalität und wirft auch einen Blick auf die gesamtgesellschaftliche Akzeptanz anderer leistungssteigernder Substanzen bzw. Drogen. Die Dokumentation besteht dabei vor allem aus aktuellen Interviews von Chris Bell mit verschiedenen Gesprächspartnern, diversem Archivmaterial aus allen möglichen Quellen, beispielsweise TV-Mitschnitte von Sportübertragungen und Anhörungen vor dem US-Kongress, oder auch persönlichen Familienaufnahmen. Bell selbst fungiert aber auch als durchgehender Erzähler bzw. Kommentator.
Es muss Chris Bell zugute gehalten werden, dass er sich in seiner Dokumentation um thematische Abwechslung bemüht, durch den persönlichen Vortrag eine gesteigerte Aufmerksamkeit des Zuschauers erreicht und er weiterhin auch durchaus von kritischer Distanz genährte Ironie einfließen lässt. Allerdings drückt sich sein Werk zum einen auch um eine klare Aussage und verliert zum anderen schon recht bald jeglichen roten Faden. Der Autor argumentiert zunächst damit, dass der Konsum leistungssteigernder Substanzen den Fairnessgedanken untergräbt, der gerade im Sport eine große Rolle spielt, und dessen Leistungsspitze somit auch nicht mehr als Vorbild für Jugendliche geeignet ist. Der krankhafte Gedanke, alle anderen übertreffen zu müssen, geht nicht nur mit dem Betrug anderer aufgrund des Bruchs von (gesellschaftlichen) Spielregeln einher, sondern auch mit einem eminenten Selbstbetrug. Die Brüder von Chris sind dafür sehr gute Beispiele, denn obwohl Steroide für sie wichtige Lebensinhalte darstellen bzw. ihre „Karrieren“ garantieren, verschweigen sie diesen Missbrauch aus Scham vor ihrer Mutter. Bis zu diesem Zeitpunkt könnte der Zuschauer denken, Chris Bells Ziel wäre es, einen persönlichen Feldzug gegen anabole Steroide zu führen, aber plötzlich wandelt sich die angebliche Dokumentation und vollführt eine Wendung um 180 Grad.
Zunächst fährt der Regisseur diverse Experten mit Doktortitel auf, die mit Worten zu belegen versuchen, dass der regelmäßige Gebrauch anaboler Steroide doch gar nicht besonders schlimm sei. Bekannte gesundheitliche Folgen wie Psychosen, hormonelle Störungen, z.B. auch der Fruchtbarkeit, Krebs, erhöhtes Herzinfarktrisiko, oder Leberschäden werden dabei marginalisiert oder ins Reich der Fabeln verwiesen. Der einzige Experte, der diese Folgen betont, erhält hingegen kaum Redezeit. Zumindest ergeht es ihm aber besser als anderen kritischen Stimmen, denn im Stile eines Michael Moore gelingt es Bell, z.B. Politiker, die sich gesetzlich für den „Anabolic Steroid Control Act“ - also gegen den Missbrauch dieser Substanzen - eingesetzt haben, als unwissende Idioten darzustellen. Der Tiefpunkt ist jedoch, wenn Bell den sichtlich verstörten, trauernden Vater eines verstorbenen Jungen, der dessen Tod mit dem Missbrauch dieser Steroide in Verbindung bringt, vor der Kamera regelrecht lächerlich macht. Immer abenteuerlicher wird die angebliche Dokumentation dann, wenn sie beginnt, Todesfälle aufgrund von Steroiden mit entsprechenden Statistiken zu Alkohol- und Tabakopfern aufzurechnen, negative Nebenwirkungen dieser Substanzen mit denen von Vitamin C vergleicht oder schließlich darauf abzielt, es als unfair darzustellen, dass überall in der Gesellschaft Drogen dominieren, ausgerechnet der Spitzensport aber sauber bleiben soll. Gerade die Bodybuilder- und Gewichtheberszene, in der Chris offensichtlich viele Buddies besitzt, wird jedoch aufgrund ihrer Darstellung viel Beifall zollen, obwohl diese Menschen bereits aufgrund ihres krankhaft gesteigerten Körperbaus selbst, und wenn nur ästhetisch, die besten Argumente gegen diese Drogen liefern. Leider ist auch der pseudo-coole, leicht humorvolle Tonfall der Dokumentation dem Thema nicht angemessen und leistet weitere Lobbyarbeit für die Verharmlosung der Steroide. Den traurigen Schlusspunkt dieses Selbstbetrugs und der zugehörigen Irreführung des Zuschauers stellt allerdings wohl der bedauerliche Tod von Mike „Mad Dog“ Bell im Alter von nur 37 Jahren innerhalb einer Entzugsklinik dar.
Digitale Aufarbeitung:
Die Blu-ray liegt im 1080p-Bildformat vor, allerdings stellt sich hier zu keiner Zeit ein HD-Gefühl ein und es wirkt auch nicht so, als hätte die vorliegende Dokumentation notwendigerweise auf diesem Medium erscheinen müssen. Die Bildschärfe der aktuellen Aufnahmen ist zwar grundsätzlich in Ordnung, zumal hier wohl auch in erster Linie mit Handkamera gearbeitet wurde, übersteigt aber auch keineswegs das Niveau aktueller Dokumentationen auf DVDs. Das Bildrauschen ist zudem relativ stark ausgefallen und die Farben wirken eher matt und etwas kraftlos. Der Dokumentarfilm besteht aber auch zu größeren Teilen aus altem Archivmaterial und dieses wurde keineswegs immer aufwändig überarbeitet. Diese Sequenzen erreichen dann auch durchaus schon mal bestenfalls noch VHS-Niveau. Die deutsche DTS-HD-Master-Audio-5.1-Tonspur liegt im Voice-over-Verfahren vor, dank der deutschen Untertitel ist aber auch die englische Tonspur, ebenfalls im DTS-HD-Master-Audio-5.1-Verfahren aufgezeichnet, eine ernsthafte Option. Eine gute Verständlichkeit ist stets gegeben und auch die Abmischung hinterlässt einen ausgewogenen Eindruck. Abgesehen von der ziemlich druckvollen Musikuntermalung gibt es aber technisch erwartungsgemäß keine weiteren Besonderheiten.
Auf der Blu-ray befinden sich lediglich der deutsche Trailer und der Originaltrailer. Die Veröffentlichung besitzt ein Wendecover.
Fazit:
„Bigger, Stronger, Faster“ beginnt als augenzwinkernder Blick hinter die Kulissen des amerikanischen Traums und als Abrechnung mit der zugehörigen amerikanischen Siegermentalität. Schon bald verliert die angebliche Dokumentation jedoch nicht nur inhaltlich ihren roten Faden, sondern widerspricht sich zunehmend selbst und gerät schließlich zu einer Art verharmlosenden Lobby-Arbeit für den Einsatz anaboler Steroide. Technisch wäre die vorliegenden Dokumentation in dieser Qualität wohl auch auf einer DVD zu realisieren gewesen, bedauerlich ist zudem das beinahe komplette Fehlen von Bonusmaterial.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,78:1
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106:45 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch DTS-HD Master Audio 5.1 | Englisch DTS-HD Master Audio 5.1 |
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Untertitel:
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Deutsch |
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Bonusmaterial:
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- Deutscher Trailer
- Originaltrailer
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Bigger, Stonger, Faster
Bigger Stronger Faster*
Gelobt sei, was stark macht?
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 2008 Regie: Chris Bell Drehbuch: Chris Bell, Alexander Buono, Tamsin Rawady Darsteller: Chris Bell, Mark Bell, Mike Bell, Rosemary Bell, Sheldon Bell, Christian Boeving, Floyd Landis, Carl Lewis, Dr. Wade Exum, Dr. Eric Dodson, Dr. Mark Gordon, John Romano
Label :
Ascot Elite
Verkaufsstart : 06.09.2011
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