 |
Blu-ray-Besprechung - Bergblut
Story:
Augsburg, Anfang des 19. Jahrhunderts: Der durch die Lande reisende Tyroler Schreiner Franz Egger (Wolfgang Menardi) kommt beim Haus des Arztes Ludwig Heimstedt (Gerd Anthoff) vorbei und verliebt sich in dessen Tochter Katharina (Inga Birkenfeld). Die beiden heiraten nach einiger Zeit und Katharina erwartet ein Kind. Doch als sie bei einem Stadtrundgang von einem ungeduldigen französischen Soldaten geschubst wird und ihr ungeborenes Kind verliert, brennt bei ihrem Mann eine Sicherung durch und er bringt den Angreifer im Affekt um. Das Leben in Bayern ist fortan nicht mehr sicher für die beiden und so fliehen sie in Franz' Heimat Tyrol. Für Stadtmensch Katharina bedeutet das Leben in der kleinen Almhütte von Franz' Familie eine große Umstellung, doch als wäre das noch nicht genug, zieht ihr Mann kurz darauf auch noch in die Schlacht gegen die bayrischen und französischen Besatzer. Ein Aufstand, zu dem der im Dorf lebende Gastwirt Andreas Hofer (Klaus Gurschler) aufgerufen hat ... und den die Bauern im Endeffekt natürlich nicht gewinnen können, auch wenn es zunächst eigentlich noch ganz gut aussieht.
Meinung zum Film:
Im Frühjahr 1809 kam es unter der Bevölkerung Tirols zu einem Aufstand gegen die französische und bayrische Besatzung. Federführend dabei war der Gastwirt Andreas Hofer, der dazu aufrief, die Herrschaft der Fremdbesatzung nicht weiter hinzunehmen. Die vornehmlich aus Bauern und anderen einfachen Leuten bestehende Einwohnerschaft der Region zog also in die Schlacht gegen die Besatzer und schaffte es zunächst auch, diese zu vertreiben. Doch die Stellung konnte nur bis zum Herbst gehalten werden, danach rückten die Bayern und Franzosen mit aufgestocktem Truppenkontingent erneut an, sorgten für ein Blutbad unter denjenigen, die sich weiterhin nicht freiwillig ergeben wollten, und stellten das Land schließlich wieder unter französische Herrschaft.
Aus Anlass des 200. Jahrestags dieser Schlachten drehte nun der Südtiroler Jungregisseur und Autor Philipp J. Pamer den Film "Bergblut", der in deutsch-italienischer Koproduktion entstand und unter seinen Mitwirkenden Landsleute aller einstmals verfeindeten Nationen vereinigte. In den Hauptrollen des ebenfalls von Pamer geschriebenen Werks sind Inga Birkenfeld ("Das Leben der Anderen") als Katharina und Wolfgang Menardi als Franz zu sehen. Weitere Rollen übernahmen unter anderem Mathieu Carrière ("Luther") und Manfred-Anton Algrang ("Operation Walküre").
"Bergblut" macht es dem Zuschauer nicht gerade leicht, sofort Gefallen an dem Film zu finden. Zwar verwöhnen gleich von Beginn an wunderschöne Landschaftsaufnahmen und das authentische, originalgetreue Flair das Auge ds Betrachters, doch inhaltlich wirkt das Ganze zunächst reichlich mau und lahm. Die Story, dass irgendjemand wegen eines Affektverbrechens fliehen muss, kennen wir schon seit Moses und die Dialoge zu Anfang des Films spotten jeder Beschreibung. Hier wird deutlich, dass Hochdeutsch nicht die Muttersprache des Tiroler Regisseurs und Drehbuchautors darstellt, denn sämtliche vorgetragenen Zeilen wirken peinlich gestelzt und unnatürlich. Doch sobald die Handlung Augsburg verlässt und so langsam der Tiroler Dialekt, für den dankenswerterweise optionale hochdeutsche Untertitel vorliegen, die Überhand gewinnt, entspannt sich die Sache und wirkt bald schon deutlich stimmiger.
Ein großes Problem ist aber, dass einem keine der Figuren so recht sympathisch werden will. Besonders Franz macht es einem nicht leicht, irgendeine Art von Sympathie oder Mitleid für ihn zu empfinden und auch das Schicksal von Katharina, die in Heidi-Manier das Leben auf der Alm kennen und meistern lernt, berührt einen nicht so recht. Das lässt leider auch bis zum Schluss des Films nicht so ganz nach, obwohl Pamer durch Elemente aus der abgestandensten Klischeekiste noch mal auf die Tränendrüse zu drücken versucht. So wird Katharina am Ende natürlich doch noch mal schwanger, wodurch sich der Kreis endgültig schließt. Zum Glück sorgt aber der straffere und spannendere Erzählstrang, der ab dem Aufbruch zum ersten Aufstand einsetzt, trotzdem dafür, dass sich der Zuschauer nie langweilt. Während sich die erste halbe Stunde noch endlos lang hinzuziehen scheint, vergehen die restlichen 90 Minuten des Films wie im Flug und wissen dank der guten Inszenierung, der jederzeit überzeugenden Kameraführung und großartigen Filmmusik sowie der meistens soliden darstellerischen Leistungen zu unterhalten. So ist "Bergblut" ein stimmiges Historiendrama, das allerdings erst zu schätzen wissen wird, wer die furchtbar lahme erste halbe Stunde mit ihren grauenhaften Dialogen überstanden hat.
Digitale Aufarbeitung:
Es ist erstaunlich, wie viele analoge Defekte und Aussetzer der Bildtransfer eines derart neuen Filmes aufweisen kann. Doch wie auch immer Sunfilm das geschafft es - das Label beweist, dass es tatsächlich möglich ist, was natürlich alles andere als einen positiven Eindruck hinterlässt. Die immer wieder auftauchenden Fehler in Form weißer Blitzer u.Ä. fallen deutlich auf und trüben den sowieso schon mittelprächtigen Eindruck des Bildtransfers. Dieser wirkt einfach nur "okay", ohne sich aber in irgendeinem Bereich besonders hervorzuheben. Die Schärfe ist in Ordnung, denn das Bild wirkt nicht weich, könnte aber deutlich besser sein, vor allem im Detailbereich. Das mittelmäßig bis ziemlich starke Rauschen sorgt zusammen mit den immer wieder auftauchenden Bildfehlern für einen sehr unruhigen Eindruck. Die Farben wirken natürlich, sind aber nicht sonderlich leuchtend und scheinen (bewusst?) entsättigt worden zu sein. Und bei beleuchteten Innenszenen entsteht immer ein bisschen der Eindruck, als würden Details in dunklen Bereichen unterschlagen, obwohl der Kontrast insgesamt nicht zu steil zu sein scheint. Die Tonspur in dts-HD Master Audio 7.1 ist deutlich erfreulicher ausgefallen als das Bild. Die großartige Filmmusik wird immer wunderbar räumlich wiedergegeben und es entsteht auch dank diverser Hintergrundgeräusche insgesamt ein gutes Klangbild. Die Dialoge sind ebenfalls jederzeit klar verständlich, mit Ausnahme des Stadtbummels ganz am Anfang, wo das Hintergrundgeräusch der umherlaufenden und sich unterhaltenden Menschen zu laut abgemischt wurde, was das Verfolgen der Dialoge zu einer größeren Anstrengung macht, weil sie im Gemurmel regelrecht untergehen.
Das interessanteste Bonusmaterial ist sicherlich der Audiokommentar von Regisseur und Autor Philipp Pamer, der zahlreiche Hintergrundinfos über Castingentscheidungen, Story, Historie und vieles mehr zum Besten gibt. Leider spricht er in einem furchtbar monotonem Tonfall in stets gleichen Stimmlage, wodurch der Kommentar zwar nicht weniger interessant, aber deutlich weniger unterhaltsam ausfällt, da es anstrengend ist, jemanden zwei Stunden lang in exakt dem gleichen Tonfall sprechen zu hören. Ansonsten gibt es noch drei Minuten an verpatzten Szenen, die aber weder sonderlich lustig sind noch wirklich gut zu einem Film mit derart ernster Thematik passen wollen. Das neunminütige "Hinter den Kulissen" in SD ist ganz interessant, aber aufgrund der kurzen Laufzeit nicht sehr umfassend ausgefallen. Des Weiteren bekommt der Zuschauer vier entfernte Szenen (insgesamt sechs Minuten) in SD und im Letterbox-Format mit Timecode zu sehen sowie den Trailer zum Film in einer sehr verpixelten Version. Der Film wird in zwei verschiedenen Covervarianten (eigenständiges Blu-ray-Cover und Cover, das auf dem Kinoplakat basiert) angeboten, die beide wendbar sind, um dem FSK-Logo zu entkommen.
Fazit:
"Bergblut" ist ein deutsch-italienisches Historiendrama, das nach einer recht lahmen ersten halben Stunde voller furchtbarer Dialoge den Zuschauer im Verlauf der Handlung doch noch auf seine Seite zu ziehen weiß. Zwar werden die Hauptfiguren bis ganz zum Schluss nie so wirklich sympathisch, doch sorgen die recht spannende Geschichte sowie die tolle Optik und der großartige Score für gute Unterhaltung. In technischer Hinsicht ist die Blu-ray allerdings mittelprächtig ausgefallen. Die Bildqualität kann weder beim Film selbst noch bei den Extras überzeugen, die zudem umfangreicher hätten ausfallen können, dafür ist der Ton allerdings ziemlich gut gelungen.
Technische Daten:
|
FSK-Freigabe:
|
Bildformat:
|
Laufzeit:
|
|
|
1,85:1
|
122:29 Minuten
|
|
Sprachen / Tonformate:
|
Deutsch DTS-HD Master Audio 7.1 |
|
Untertitel:
|
|
Deutsch, Italienisch |
|
Bonusmaterial:
|
- Trailer
- Verpatzte Szenen
- Entfernte Szenen
- Hinter den Kulissen
- Audiokommentar des Regisseurs
|
|  |
Bergblut
Bergblut
Nicht ganz unproblematisches, aber trotzdem recht spannendes Historiendrama
Autor der Besprechung:
Jano Rohleder
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland/Italien, 2010 Regie: Philipp J. Pamer Drehbuch: Philipp J. Pamer Darsteller: Inga Birkenfeld, Wolfgang Menardi, Manfred-Anton Algrang, Verena Plangger, Martin Abram, Verena Buratti, Gerd Anthoff, Eisi Gulp
Label :
Sunfilm Entertainment
Verkaufsstart : 22.09.2011
|