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Blu-ray-Besprechung - Sturm auf Festung Brest
Story:
Am 22. Juni 1941 beginnt die Wehrmacht das „Unternehmen Barbarossa“. Der überraschende Überfall auf die Sowjetunion trifft als eines der ersten Ziele auch die Festung Brest, wo sich neben 9000 Mann Besatzung auch etwa 300 Offiziersfamilien, also viele Zivilisten, befanden. Die Festung wird von den deutschen Truppen eingeschlossen und von der Strom- sowie Wasserversorgung abgeschnitten, ergeben will sich innerhalb der Festung jedoch niemand. Die Lage in der Festung wird jedoch immer aussichtsloser und die drei leitenden Offiziere, Major Fomin (Pavel Derevyanko), Major Gawrilow (Aleksandr Korshunov) und Lieutenant Kischewatow (Andrey Merzlikin) planen einen gemeinsamen Ausbruchsversuch, während sich die Zivilisten ergeben sollen. Dieser scheitert jedoch und eine 2-Tonnen-Bombe der Deutschen bricht schließlich am 26. Juni, nach tagelangem erbitterten Widerstand, die letzten Verteidigungsbestrebungen.
Meinung zum Film:
„Schlacht um Festung Brest“ ist eine russisch-weissrussische Koproduktion aus dem Jahr 2010, die von den entsprechenden Regierungen auch finanziell unterstützt wurde. Zwar war diese Festung strategisch keineswegs von hervorgehobener Bedeutung, zur Zeit der Sowjetunion und auch heute noch gilt die Verteidigung der Festung jedoch als Paradebeispiel für russischen Heldenmut und Widerstandsgeist. So verwundert es dann auch nicht, dass der Film mit folgender Widmung beginnt: "Im Gedenken an die Helden der Festung von Brest und all die tapferen Helden, die das Vaterland verteidigt haben." Leider ist die mit nur rund sieben Millionen US-Dollar budgetierte Kriegsfilmproduktion, die jedoch deutlich teurer aussieht und an Originalschauplätzen gedreht wurde, auch wieder einmal der Ausdruck einer äußerst einseitigen, patriotisch überhöhten russischen Geschichtsschreibung. Während im Film der Eindruck vermittelt wird, hier würde ureigenstes russisches Territorium, quasi schon stellvertretend für die Landeshauptstadt Moskau, verteidigt, fiel den Russen diese Festung tatsächlich erst durch die Mitarbeit der Deutschen, bzw. ihre im Hitler-Stalin-Pakt festgeschriebene Zusammenarbeit, in die Hände, also durch die gewaltsame Teilung bzw. Besetzung Polens. So wurde die Festung am 17. September 1939 von der deutschen Wehrmacht den polnischen Verteidigern entrissen und dann am 22. September vertragsgemäß der Roten Armee übergeben. Somit war diese Festung zum Zeitpunkt des Angriffs noch keine zwei Jahre in russischer Hand und zudem in völkerrechtswidriger Manier angeeignet worden.
Handwerklich macht Alexander Kott („Geroy nashego vremeni“) in seinem Kinodebüt als Regisseur vieles richtig, stößt jedoch hinsichtlich des Drehbuchs an die Grenzen seiner narrativen Fähigkeiten. So beginnt der Film mit einem sehr geruhsamen Einstieg, der die Situation innerhalb der Festung eher idyllisch darstellt. Lediglich Major Gawrilow verbreitet als Schwarzmaler Gerüchte über eine deutsche Invasion, aber so wirklich rechnet damit eigentlich niemand, zumindest nicht zu diesem Zeitpunkt. Erst nach 24 Minuten bricht dann der 22. Juni 1941 an und die Deutschen attackieren völlig überraschend aus der Luft mit Stukas, direkt hinein in den vermeintlichen Frieden. Ab diesem Zeitpunkt ist der Film erzählerisch im Grunde eine filmische Darstellung des Belagerungszustands innerhalb der Festung. Keiner der Verteidiger verlässt das Areal und was der deutsche Generalstab plant oder der einfache Landser über diesen Einsatz denken mag, ist für die Erzählung aus russischer Perspektive nicht von Belang. Stattdessen wird die Erzählung mit Hilfe einiger Charaktere personalisiert. Zunächst gibt es einen rückblickenden Erzähler, der auch selbst eine der Hauptrollen des Films ausfüllt, nämlich als Sashka Akimov (Aleksei Kopashov), der höchstens 15 Jahre alt ist, den Krieg jetzt hautnah miterlebt und dessen Handeln zunehmend heldenhaftere Züge annimmt. Die weiteren Hauptcharaktere sind die Offiziere Fomin, Gawrilow und Kischewatow, die den heldenhaften Widerstand der Verteidiger illustrieren sollen, darüber hinaus aber als Menschen aus Fleisch und Blut völlig blass bleiben. Einige weitere Figuren rücken zeitweise in den Fokus des Betrachters, hinterlassen aber keinen tieferen Eindruck, was vor allem auch der Tatsache geschuldet ist, dass es innerhalb der Einführung versäumt wurde, diese Charaktere dem Zuschauer wirklich emotional näher zu bringen.
Seine wahren Stärken zeigt der Film vor allem in den Kampfsequenzen, die extrem dynamisch inszeniert wurden, jedoch glücklicherweise eher an den gekonnten Handkameraeinsatz eines „Der Soldat James Ryan“ als an das hektische, neumodische Kameragewackel aktueller Hollywoodfilme erinnern. Pyrotechnisch sowie akustisch wird hier einiges geboten und diese ständigen, den gesamten Film durchziehenden Scharmützel sind so effektiv inszeniert, dass es beinahe gar nicht auffällt, wie hier teilweise an der Realität vorbei gedreht wurde. Abgesehen von Kämpfen aus befestigten Stellungen heraus gibt es nämlich eigentlich nur zwei kleinere Infanteriegefechte, die zwar von den Russen gewonnen werden, jedoch selbst zusammengenommen keine 80 deutschen Soldaten das Leben kosten. Hingegen sind von den trotz CGIs optisch weitestgehend überzeugend umgesetzten Luftangriffen, die nur hinsichtlich der aberwitzigen Geschwindigkeit der Stukas übertrieben wirken, und insgesamt vier deutschen Panzern einmal abgesehen, keine schweren Kräfte der Wehrmacht auszumachen und dementsprechend halten sich auch deren Verluste stark in Grenzen. Der historisch korrekte ausbleibende Sturm auf die Festung wird also durch die wohl budgetbedingt eingeschränkte Darstellung der Gefechte hinsichtlich ihres Umfangs eher schwerlich nachvollziehbar. Neben den Kampfsequenzen dominieren Szenen, die das Leiden der Zivilbevölkerung und die Entbehrungen der Verteidiger hervorheben, was anfangs noch sehr effektiv wirkt, mit zunehmender Spieldauer dieses übertrieben langen Kriegsfilms aber auch an den Nerven des Zuschauers zehrt. Leider gibt es zudem immer wieder überflüssige patriotische Ausreißer, wenn beispielsweise alle Soldaten, die sich innerhalb dieses eigentlich strategisch tatsächlich völlig aussichtslosen Kampfes ergeben wollen, pauschal als Feiglinge dargestellt werden, die „schon bekommen werden, was sie verdienen“.
Digitale Aufarbeitung:
Die vorliegende Blu-ray im 1080p-Format bietet eine richtig gute Bildqualität mit absolut überzeugender Schärfe und vielen feinen Details. Die Farbgebung wirkt sehr kräftig und natürlich, Bildrauschen ist in eher geringem Ausmaß vorhanden, stört aber keinesfalls. Die Kontrastwerte hinterlassen ebenfalls einen weitgehend ausgewogenen Eindruck, lediglich bei einigen sehr hellen Außenszenen kommt es doch zu einigen Überstrahlungen. Auch die beiden DTS-HD-Master-Audio-5.1-Tonspuren hinterlassen einen richtig guten Eindruck und lassen es gerade in den Actionsequenzen auch ordentlich krachen. Der Beschuss kommt hier aus allen Richtungen und bietet einen äußerst effektiven Raumklang und die basslastigen Bombardierungen werden äußerst wuchtig zur Geltung gebracht. Die Dialogverständlichkeit ist insgesamt ebenfalls gut gelungen, allerdings kommt es bei einigen Kampfhandlungen zu etwas unverständlichen Wortwechseln, was aber weniger dem Lärm des Schlachtfeldes, sondern vielmehr der übertrieben lauten Musikabmischung geschuldet ist. Optional gibt es auch deutsche Untertitel.
Auf der Blu-ray befinden sich lediglich das Making Of (55:05), inklusive deutscher Untertitel, und der deutsche Kinotrailer. Leider ist das Making Of trotz seiner langen Laufzeit ziemlich enttäuschend ausgefallen und schneidet viele Themen an, wie z.B. die historischen Hintergründe, das Make-up, oder die Filmmusik, ohne jedoch auch nur eines davon wirklich erschöpfend zu behandeln. Erschwerend hinzu tritt die hohe Zahl an Filmausschnitten, die auch erst die lange Laufzeit ermöglicht. So bleibt es bei ein paar kurzen Einblicken in die Dreharbeiten vor Ort und einigen oberflächlichen Äußerungen der Verantwortlichen und Mitwirkenden. Die Veröffentlichung besitzt ein Wendecover.
Fazit:
„Sturm auf Festung Brest“ ist handwerklich sehr gelungen und kann bezüglich der Drehorte, Ausstattung, Pyrotechnik und Kampfsequenzen locker mit weit höher budgetierten Hollywoodproduktionen mithalten. Auch das Elend und die Entbehrungen innerhalb der Festung werden anfangs dramaturgisch einwandfrei eingearbeitet, leider ist der Film aber deutlich zu lang geraten und zerrt auch deshalb an den Nerven des Zuschauers, weil die Personalisierung und damit einhergehende Emotionalisierung der Geschehnisse, z.B. aufgrund fehlender Hintergründe der Hauptcharaktere und aufgesetztem Pathos, leider nicht wirklich gelingt. Technisch kann die vorliegende Blu-ray visuell und akustisch voll überzeugen, lediglich das Bonusmaterial enttäuscht.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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2,35:1
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138:17 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch DTS-HD Master Audio 5.1 | Russisch DTS-HD Master Audio 5.1 |
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Untertitel:
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Deutsch |
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Bonusmaterial:
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- Making Of
- Deutscher Kinotrailer
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Sturm auf Festung Brest
Brestskaya krepost
Handwerklich blitzsauberer, aber mit einigen Längen versehener und inhaltlich oft fragwürdiger russischer Kriegsfilm
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Russland / Weissrussland, 2010 Regie: Alexander Kott Drehbuch: Aleksey Dudarev, Ekaterina Tirdatova, Igor Ugolnikov, Konstantin Vorobiov, Vladimir Yeryomin Darsteller: Andrey Merzlikin, Pavel Derevyanko, Veronika Nikonova, Aleksei Kopashov, Anna Tsukanova, Sergey Taramaev, Yana Yesipovich, Madlen Dzhabrailova
Label :
Ascot Elite
Verkaufsstart : 27.09.2011
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