 |
DVD-Besprechung - Ninja - The Dark Warrior
Story:
Joe Craven (Frank Raffel) war einst der beste Killer seines Ninja-Clans. Doch nach seinem Ausstieg aus der Geheimorganisation wird er von seinen ehemaligen Mitstreitern gnadenlos gejagt. Eines Tages gerät der Geschäftsmann Kevin Murphy (Stefan Aumüller) zufällig zwischen die Fronten. Er und seine Freundin (Anja Reißig) schweben fortan in Lebensgefahr. Joe versucht beide zu beschützen, muss aber auch erkennen, dass es auf Dauer keinen Sinn ergibt, immer nur auf die Angriffe des Clans zu reagieren.
Meinung zum Film:
Ein „Ninjafilm“ aus Deutschland? Das dürfte den feuchten Traum so manches Trashfans bzw. ehemaligen Dudikoff-Verehrers („American Ninja“) darstellen. Und dieser Traum geht nun Dank des filmisch bisher noch nicht in Erscheinung getretenen Franken Frank Raffel tatsächlich in Erfüllung. Leider ist das Endergebnis selbst für die hartgesottensten Trashliebhaber eine Zumutung. Gegen das vorliegende, bestenfalls auf Amateurniveau befindliche Machwerk sind selbst die grottenschlechten, zusammengestümperten Ninjafilme von Joseph Lai („Golden Ninja Warrior“) und Godfrey Ho („Diamond Ninja Force“) die reinste Offenbarung. Raffel ließ es sich hier auch nicht nehmen, neben der Regieführung auch noch das Drehbuch zu schreiben und die Hauptrolle zu bekleiden. Die zweite Hauptrolle spielt Stefan Aumüller, gleichzeitig auch der Kameramann. Die Tatsache, dass hier vor und hinter der Kamera nur Laien im Filmgeschäft agieren, ist dabei auch zu jeder Sekunde des Werks offenkundig.
Mit den Verfehlungen der vorliegenden Produktion könnte problemlos ein mehrbändiges Buch gefüllt werden, das wohl auch hervorragendes Anschauungsmaterial für Filmhochschulen darstellen würde. Ein treffender Titel wäre dabei wohl in etwa „Something went totally wrong – Wie ein Film auf keinen Fall aussehen sollte“. Bereits der Einstieg in den Film ist eine totale Katastrophe. Es dauert geschlagene 36 Minuten, bis der Film endlich mal seine peinliche Hintergrundgeschichte verlauten lässt, die allerdings auch bereits von Anfang an in gebündelter Form auf der Cover-Rückseite zu lesen ist. Weiterhin herrschen die ersten zwölf Minuten des Films über auch völliges Schweigen. Keine Geschichte, keine Dialoge, nur ein schweigsamer Pseudo-Held, der sich mit Ninjas in irgendeinem fränkischen Kuhkaff Gefechte vor einem Discounter liefert. „Frisch und aktuell – Hier kauf ich gern!“, mit solchen Bildschirmhintergründen kommt natürlich auch echtes fernöstliches Kampfkunstfeeling auf. Beginnt allerdings der erste Filmdialog, wünscht sich der Zuschauer ziemlich schnell, alle Beteiligten hätten zumindest bis zum Filmende ein Schweigegelübde verordnet bekommen. Diese offensichtlich nachträglich synchronisierten Sequenzen mit dem für Ninjas typischen fränkischen Akzent klingen qualitativ in etwa so wie ein Talentlosigkeitswettbewerb im Ablesen an einer Sonderschule für durch Ninjafilme traumatisierte Schulversager.
Nun ja, werden jetzt viele sagen, die „guten“ Ninjafilme waren auch nicht unbedingt Musterbeispiele für gute Drehbücher und großartige Schauspielkunst, Hauptsache die Kämpfe rocken ordentlich. Leider sind die Kämpfe, die übrigens häufig in fast völliger Dunkelheit stattfinden und dadurch noch stärker unter den technischen Schwächen der Produktion leiden, jedoch auch nicht besser als der Rest des Films. Angeblich haben so ziemlich alle Mitwirkenden des Films, wobei es sich allerdings auch nur um eine Handvoll davon handelt, die meistens auch noch Ninja-Masken tragen, einen Kampfsporthintergrund. Die dargebotene Monotonie der ewig gleichen Basis an Schlag-, Tritt- und noch weit seltener Wurftechniken hätte allerdings auch jeder Laie auf die Reihe bekommen. Und den Auseinandersetzungen im Film mangelt es auch völlig an Druck, Power, Präzision und Speed, kurz gesagt die Choreographie ist schlechter als die in Prügelszenen aus deutschen Krimis der 60er-Jahre. Leider ist das Ganze hier keineswegs als Parodie auf alberne Ninjafilme gedacht, sondern von den Machern absolut bierernst aufbereitet, aber leider auch völlig lieblos. Bereits die total austauschbaren Namen der Protagonisten, wie Kevin Murphy, die fehlende Betitelung des Ninja-Clans, die albernen Spielzeugwaffen, oder völlig droge Locations wie irgendwelche Waldgebiete zeugen von völliger Gleichgültigkeit gegenüber potentiellen Interessenten. Tiefpunkt des Films ist jedoch der angeblich in Japan (!!!) stattfindende Showdown, der natürlich wieder in genau dem gleichen deutschen Waldgebiet spielt und in dem ein übergewichtiger Obermotz im zeltgroßen Ninjakostüm den Helden der Geschichte zum „Tänzchen“ fordert. Was folgt, ist die wohl miserabelste Köpfungsszene der Filmgeschichte. Aber immerhin beendet sie den mit Worten kaum noch zu beschreibenden Auftritt von Anja Reißig, die selbst mit ihren drei Zeilen Text noch völlig überfordert ist. Die „To be continued ...“-Textzeile am Filmende ist hoffentlich nur eine leere Drohung.
Digitale Aufarbeitung:
Die inhaltliche Qualität des Films findet leider in seiner technischen Aufbereitung ihre Entsprechung, wobei fairerweise erwähnt werden muss, dass diese Limitierung sicherlich größtenteils dem verwendeten kostengünstigen Equipment geschuldet sein dürfte. Einen Film für den Heimkinobereich im Jahr 2010 noch im Vollbildformat zu drehen, zeugt schon nicht gerade von großer visionärer Kraft, dann jedoch auch noch eine Kamera zu wählen, die bei schnellen Bewegungen in einem relativ kampflastigen Film nur Pixelbrei und Artefakte produziert, ist jedoch endgültig nicht mehr nachvollziehbar. Auch für Nachtaufnahmen ist die verwendete Kamera offensichtlich nicht zu gebrauchen, nur dumm, dass es sehr viele dunkle Szenen gibt und etliche davon Kämpfe sind. Die grundsätzliche Bildschärfe liegt aber auch lediglich auf dem Niveau einer abgenudelten VHS-Kassette. Mit etwas Ironie bei den Produzenten hätte hier sicherlich stilistisch eine Hommage an den 80er-Jahre-Videomarkt vermutet werden können, das ist jedoch leider mit Sicherheit nicht der Fall. Bildrauschen ist in starkem Maß vorhanden und die Kompression bewegt sich, wie bereits angedeutet, auf indiskutablem Niveau. Auch die Farbgebung besitzt keinerlei Ausdruckskraft. Die deutsche Tonspur ist relativ gut verständlich, trägt aber eben den ständigen Makel der Nachvertonung und klingt somit sehr künstlich. Die Abmischung kann ebenfalls nicht überzeugen, so übertönt die überlaute Musik ständig die frontlastigen Kampfsounds und auch die Dialoge wirken sehr leise abgemischt. Auch wenn im Film nur sehr wenig gesprochen wird, besitzt die amateurhafte englische Tonspur der Marke „Broken English“ wohl noch am ehesten Partyfilmpotential.
Im Bonusmaterial der DVD findet sich doch allen Ernstes ein Ninjafilm von Joseph Lai, genauer „Kampf der Ninja“ (77:19) alias „Ninja Kill“ aus dem Jahr 1987. Und da es diesen Film bisher nicht auf DVD gab und den Hauptfilm lediglich eine FSK 16 ziert, war sich der Hersteller tatsächlich nicht zu schade, die alte, stark verstümmelte Videofassung von „VTD“ 1:1, und somit auch bildtechnisch völlig indiskutabel, mit auf den Datenträger zu packen. Das deutsche Making Of zum Hauptfilm (18:54) ist völlig unkommentiert und bietet auch keine wirklichen Einblicke in die Dreharbeiten. Die Veröffentlichung besitzt ein Wendecover.
Fazit:
„Ninja – The Dark Warrior“ ist nicht nur der erste deutsche, sondern gleichzeitig auch der schlechteste Ninjafilm aller Zeiten. Die allen Ernstes zum Vollpreis angebotene Produktion aus dem Frankenland bewegt sich selbst auf dem Amateurfilmsektor nur im Hinterbänklerbereich und hat leider trotz unfähiger Darsteller, einer bodenlos peinlichen Pornosynchronisation, vermasselten Kampfszenen und atmosphärekillenden Locations nicht einmal wirkliches Trashpotential in unterhaltsamer Form zu bieten. Technisch ist die DVD ebenfalls völlig indiskutabel und bietet u.a. einen Pixelbrei, der an uralte Videospielexplosionen erinnert.
Technische Daten:
|
FSK-Freigabe:
|
Bildformat:
|
Laufzeit:
|
|
|
1,33:1
|
101:35 Minuten
|
|
Sprachen / Tonformate:
|
Deutsch Dolby Digital 2.0 | Englisch Dolby Digital 2.0 |
|
Untertitel:
|
|
Keine |
|
Bonusmaterial:
|
- Bonusfilm "Kampf der Ninja"
- Making Of
|
|  |
The Dark Warrior
The Dark Warrior
Dieser Ninjafilm ist ein Attentatsversuch, der sich gegen jeden unbedarften Zuschauer richtet
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland, 2010 Regie: Frank Raffel Drehbuch: Frank Raffel Darsteller: Frank Raffel, Stefan Aumüller, Anja Reißig, Michael Zwingmann, Alexander Rüger, Alexander Grober, Volker Raffel,
Label :
Movie Power Verkaufsstart : 15.09.2011
|