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DVD-Besprechung - Tolldreiste Kerle in rasselnden Raketen

Story:
Im ausgehenden 19. Jahrhundert gerät der berühmte Zirkusdirektor Phineas T. Barnum (Burl Ives) in große finanzielle Schwierigkeiten, als seine Show ein Raub der Flammen wird, weshalb er sich vor seinen Gläubigern nach England absetzen muss. In diesem vom wissenschaftlichen Pioniergeist durchdrungenen Land nimmt er, anlässlich eines Vortrags des kaiserlichen deutschen Sprengmeisters Professor Siegfried von Bulow (Gert Fröbe), den kühnen und revolutionären Plan in Angriff, mit Hilfe eines Raumschiffs zum Mond zu reisen. Zu diesem Zweck sammelt er weitere Mitstreiter um sich, darunter so klangvolle Namen und anerkannte Wissenschaftler wie den Duke of Barset (Dennis Price), Sir Charles Dillworthy (Lionel Jeffries) und Captain Sir Harry Washington Smythe (Terry-Thomas).

Meinung zum Film:
„Tolldreiste Kerle in rasselnden Raketen“ basiert recht lose auf dem Jules-Verne-Roman „Von der Erde zum Mond“ aus dem Jahr 1865 und könnte seinen extravaganten Titel einer Anlehnung an den Erfolgstitel „Die tollkühnen Männer in ihren fliegenden Kisten“ aus dem Jahr 1965 verdanken, obwohl beide Titel außer der humorvollen Auseinandersetzung mit forscherischem Pioniergeist sowie der Mitwirkung von Gert Fröbe („Goldfinger“) und Terry-Thomas („Eine total, total verrückte Welt“) wenig Gemeinsamkeiten aufweisen. Im Original heißt das Werk des britischen Regisseurs Don Sharp („Der Kuss des Vampirs“) aus dem Jahr 1967 auch schlicht „Rocket to the Moon“ und basiert auf einem Drehbuch von Dave Freeman („Carry on Laughing!“), der vor allem im TV-Comedy-Bereich recht rührig war, und dem als Produzenten äußerst bekannten Harry Alan Towers („Sanders und das Schiff des Todes“). In den Hauptrollen agieren neben den beiden bereits angeführten Vollblutkomikern auch noch Darsteller wie Burl Ives („Die Katze auf dem heißen Blechdach“), Troy Donahue („Der Schrecken schleicht durch die Nacht“), Lionel Jeffries („Gentlemen Killers“) und Dennis Price („Draculas Hexenjagd“).

„Tolldreiste Kerle in rasselnden Raketen“ ist ein nostalgischer Trip in die Vergangenheit, der vor allem mit seiner liebevollen zeitgenössischen Aufmachung und den phantasievollen Erfindungen punkten kann. Gasbetriebene Automobile, Helmkanonen, ein Raumschiff mit äußerst ungewöhnlicher „Andruckliege“ und schrullige Wissenschaftler, die bei ihren Konstruktionsplänen auch schon mal übersehen, dass der eingeplante Astronaut auch irgendwie zurückkehren muss, bürgen für einige Schmunzler. Besonders Gert Fröbe und Terry-Thomas werden ihrem Ruf als Vollblutkomiker gerecht und dominieren mit ihren schrulligen Charakteren schon bald den Film. Während Professor Bulow aufgrund der eher sorglosen Natur der Experimente mit seinem patentierten Megasprengstoff „Bulovite“, der als Antriebskraft für die Rakete dienen soll, immer wieder Angst und Schrecken unter den eigenen Leuten verbreitet, lässt Smythe keine Gelegenheit für Lug und Betrug ungenutzt verstreichen, nur bitter, dass ausgerechnet er die Finanzen des Projekts verwaltet. Gegen diese beiden vor Spiellaune sprühenden Akteure geraten die beiden eigentlichen Hauptdarsteller, der blasse Burl Ives und der eher geckenhaft agierende Troy Donahue, der als Wissenschaftler Gaylord Sullivan bald zur treibenden Kraft des Projekts wird, leider völlig ins Hintertreffen.

Das ist allerdings leider auch in weiten Teilen dem schwachen Drehbuch geschuldet. Zwar ist das Umfeld mit der liebevollen Ausstattung, fähigen Darstellern und einer augenzwinkernden Erzählweise eigentlich bereitet, das dramaturgisch lahme und leidenschaftslose Drehbuch versteht es jedoch nicht, dieses Kapital auch narrativ auszuschlachten. Inhaltlich liefert es alberne, ständig wiederkehrende Nebenschauplätze wie den Wettstreit einiger Gentlemen um Madelaine (Daliah Lavi), während ihm bei dem eigentlichen Haupterzählstrang schnell die Puste ausgeht, da keine Konkurrenten für einen Wettlauf zum Mond existieren. Zwar kommt es innerhalb der Forschergruppe zu einem Zerwürfnis und die ausgebootete Partei plant auch eine Sabotageaktion, diese legt sich jedoch darauf fest, diese erst zum Start der Rakete, der erst zum Filmende erfolgt, wirksam werden zu lassen. So plätschert der Film dann weitgehend vor sich hin und überlässt es den skurillen Persönlichkeiten, die weitgehend leeren Seiten des Drehbuchs auszufüllen, was teilweise allerdings noch erstaunlich gut gelingt.

Digitale Aufarbeitung:
Die Bildschärfe der DVD bewegt sich für einen fast 45 Jahre alten Titel auf einem ordentlichen Niveau und stellt im Vergleich zum mitgelieferten, nicht restaurierten Kinotrailer einen regelrechten Quantensprung dar. Die DVD ist aber trotzdem mit diversen Schwächen gesegnet. So wirkt das Bild teilweise etwas weich sowie unruhig (0:56) und weist ein deutliches, aber nicht wirklich störendes Bildrauschen auf. Weiterhin beinhaltet die Vorlage auch leichtere Verschmutzungen sowie Beschädigungen und es liegen auch einige Überstrahlungen vor (1:12). Auch die eigentlich recht kräftige Farbgebung leidet ein wenig unter den schwankenden Kontrastwerten. Die deutsche Dolby-Digital-2.0-Tonspur hinterlässt hingegen einen richtig guten Eindruck und überzeugt mit einwandfreier Verständlichkeit und einer ausgewogenen Abmischung.

Auf der DVD befindet sich neben dem unrestaurierten deutschen Kinotrailer und einer Bildergalerie mit seltenem Werbematerial auch noch die englische Alternativfassung des Hauptfilms (104:15), ebenfalls in Dolby Digital 2.0 und im Bildformat 2,35:1. Diese enthält neben ein paar kleineren Erweiterungen und einem abweichenden Vorspann auch noch ein alternatives bzw. erweitertes Ende. Die Veröffentlichung besitzt ein Wendecover.

Fazit:
„Tolldreiste Kerle in rasselnden Raketen“ ist eine sehr freie Adaption des weltbekannten Romans von Jules Verne und bemüht sich als Abenteuerfilm eher um die satirische Aufarbeitung des wissenschaftlichen Pioniergeistes. Der von amüsant-schrägen Charakteren bevölkerte Film punktet nicht nur mit seinen spielfreudigen Darstellern, sondern auch mit seiner liebevoll zeitgenössischen Aufmachung, nur schade, dass das dramaturgisch schwache und eher einfallslos wirkende Drehbuch hier nicht mithalten kann. Technisch ist die DVD sicherlich kein Highlight, bietet aber für einen über 40 Jahre alten Film eine ordentliche Bildqualität und enthält zudem die englische Alternativfassung als reizvolles Extra.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 06
2,35:1
2,35:1
94:46 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Keine
Bonusmaterial:
  • Englische Alternativfassung
  • Deutscher Kinotrailer
  • Bildergalerie mit seltenem Werbematerial
Tolldreiste Kerle in rasselnden Raketen - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Tolldreiste Kerle in rasselnden Raketen
Rocket to the Moon

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Humorvolle, wenn auch sehr freie Verfilmung nach Jules Verne mit äußerst spielfreudigen Akteuren


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Großbritannien, 1967
Regie:
Don Sharp
Drehbuch:
Dave Freeman, Harry Alan Towers (basierend auf einem Roman von Jules Verne)
Darsteller:
Burl Ives, Gert Fröbe, Terry-Thomas, Troy Donahue, Lionel Jeffries, Dennis Price, Daliah Lavi, Jimmy Clitheroe, Graham Stark

Label Deutschland :
Koch Media Entertainment
Verkaufsstart Deutschland :
02.09.2011