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DVD-Besprechung - Studentin, 19, sucht...
Story:
Laura (Déborah François) bricht während einer Vorlesung zusammen. Die junge Studentin steht finanziell mit dem Rücken zu Wand und kann sich noch nicht einmal die tägliche Mahlzeit leisten. Die Hoffnung auf Hilfe schwindet, als die Studienberatung wenig Kooperationsbereitschaft zeigt. Laura kommt weder an öffentliche Mittel heran, noch sind ihre Eltern in der Lage, sie finanziell zu unterstützen, auch der Nebenjob wirft nicht genug ab. Während der Jobrecherche im Internet stösst sie auf Kontaktanzeigen. Widerwillig verabredet sich Laura mit einem älteren Mann. Zunächst angewidert, bringen sie jedoch die lukrativen Verdienstmöglichkeiten dazu, weitere Termine auszumachen. Bald versinkt Laura in ihrem Zwiespalt, das persönliche Leben gerät völlig ausser Kontrolle. Als sich die Treffen mit den Fremden immer weiter zuspitzen, weiß Laura schließlich nicht mehr weiter.
Meinung zum Film:
Der unter dem deutschen Titel "Studentin, 19, sucht..." veröffentlichte TV-Film aus Frankreich behandelt ein im Ursprungsland hitzig diskutiertes Thema. Viele französische Studentinnen rutschen in die Prostitution ab, weil ihnen schlichtweg das Geld für Leben und Ausbildung fehlt. Da weder eine vernünftige staatliche Förderung existiert, noch gängige Nebenjobs die hohen Kosten der Studierenden auffangen, scheint das auf einer wahren Begebenheit beruhende Szenario nicht weit von realen Zuständen entfernt. Regisseurin Emmanuelle Bercot ("Backstage") verfolgt Lauras schrittweises Absinken, kleidet die Geschichte in düstere, farbschwache Bilder, die eine desolate Stimmung erzeugen. Damit liegt Bercot nicht nur nah am inneren Zustand ihrer Protagonistin, sondern vermittelt auch einen Eindruck der gesellschaftlichen Zustände. Wenn Laure mir ihren zumeist älteren Kunden intim werden muss, entsteht durch die visuelle Bildgestaltung eine beklemmende Kühle. Dadurch wird sowohl die Verzweiflung als auch der Zweispalt der jungen Frau vermittelt. Zusätzlich wird eine moralische Wertung des tristen aber dennoch zutiefst dramatischen Szenarios abgegeben..
Wer den französischen Thriller "Das Mädchen, das die Seiten umblättert" gesehen hat, erlebte Mimin Déborah François in einer Paraderolle. Als psychotische Klavierschülerin bewies die heute 24-jährige Belgierin bereits 2006 ihr feines Gespür für das verschachtelte Innenleben ihrer Figuren. Gleiches Talent beweist sie in "Studentin, 19, sucht..." durch ihre authentische Darstellung der Laura. Ihren stetigen innerer Konflikt verdeutlicht François immer wieder durch betone Mimik und gefühlvolle Ausdrucksformen. Doch so plausibel der Hauptcharakter auch erscheint, der Film bleibt im Allgemeinen hinter seinen Möglichkeiten zurück. Die Konzentration auf Laura erscheint zu zwanghaft. Bercot hätte durch die Erweiterung des Handlungsrahmen auf das allgemeine Dilemma ein noch genaueres Bild der Zustände zeigen können. Dass hier gewaltiges Potential schlummert beweist die Aufnahme des Films in Frankreich, wo die Geschichte eine heftige gesellschaftliche Debatte auslöste. Fragen nach dem Grund der finanziellen Misere unter den Studierenden oder weshalb die staatliche Unterstützung derart verpufft, dass derartige Einkommensquellen erschlossen werden müssen, werden nicht beachtet.
Eine entsprechend tiefergreifende Analyse hätte dem Film ein sicheres Fundament gegeben, auf dem Lauras Schicksal als exemplarisches Muster ausgebaut werden könnte. Das Drama-Element schlägt wirkungsvoll ein, das Schicksal der jungen Frau berührt den Zuschauer schnell, doch der weitere Handlungsfortschritt gelingt nicht zufriedenstellend. Nachdem Laura erkennt, welche Gefahr ihr "Nebenjob" birgt, versucht Bercot den schweren Weg zum Ausstieg einzuleiten, verharrt dabei aber immer wieder auf dem ständigen Leiden der Hauptfigur. Diese sich wiederholenden Elemente sind erzählerisch nur wenig zielführend. Das mutige Spiel der Hauptdarstellerin Déborah François verbleibt noch lange in den Köpfen des Zuschauers. Ihren feinfühligen Ausdrucksformen ist es zu verdanken, dass das Schicksal der Laura-Figur derart an die Nieren geht. Eine solche Rolle verlangt viel ab, eine Herausforderung, die François über die Gesamtlänge des Films zu bestehen weiß. Auch die bereits angesprochene formale Gestaltung trägt zur Vermittlung des glaubhaften Settings bei. Der deutsche Titel birgt dabei einen unnötigen und vor allem unpassenden erotischen Unterton.
Digitale Aufarbeitung:
Die vorliegende DVD überzeugt durch ihre gute Bildqualität. Obwohl überwiegend dunkel und in der farblichen Gestaltung reduziert, schleichen sich keine Fehler oder unsauberen Abschnitte ein. Schwarze Flächen erscheinen kräftig, ruhig und glatt, Artefakte sind nicht auszumachen. Der Zuschauer hat die Wahl zwischen dem französischen Originalton und der deutschen Synchronisation, die gut gelungen ist. Beide Spuren sind im Standardformat Dolby Digital 5.1 vorhanden, ordentliche Sprachverständlichkeit ist immer gegeben. Für Sound-Fans bietet der Film allerdings nur wenige Gelegenheiten, die heimische Anlage zum Zuge kommen zu lassen, was jedoch bei einem Drama nicht überrascht. Deutsche Untertitel können je nach Vorliebe ein- oder ausgeblendet werden.
Hinter dem Menüpunkt "Bonus" verbringt sich lediglich ein 10-minütiger Clip. Dieser zeigt Déborah François beim Vorsprechen. Dieser Einblick in die Entstehung des Films ist sicher nicht uninteressant, insgesamt aber doch zu wenig für eine besondere Erwähnung.
Fazit:
"Studentin, 19, sucht..." ist ein auf dem autobiografischen Roman "Mein teures Studium" basierender französischer TV-Film, der von der Studentin Laura erzählt, die wegen finanzieller Engpässe in die Prostitution abrutscht. Obwohl die Hauptfigur von Déborah François feinfühlig gespielt wird, kann der Film nicht gänzlich überzeugen, da er zu sehr auf sich wiederholende Elemente setzt, ohne die mehr als genug vorhandenen Facetten des Themas weiter zu beleuchten. Die DVD überzeugt technisch, das Bonusmaterial enttäuscht allerdings.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,78:1
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103:17 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 5.1 | Englisch Dolby Digital 5.1 |
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Untertitel:
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Keine |
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Bonusmaterial:
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- Zwei Clips vom Casting / Vorsprechen
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Studentin, 19, sucht...
Mes chères études
Ein zu einseitig erzähltes Drama, das aber dennoch berührt
Autor der Besprechung:
Marcus Offermanns
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Frankreich, 2010 Regie: Emmanuelle Bercot Drehbuch: Emmanuelle Bercot Darsteller: Déborah François, Mathieu Demy, Alain Cauchi, Benjamin Siksou, Anna Sigalevitch, Lou Bohringer, Marc Chapiteau, Massimiliano Verardi
Label :
Pierrot Le Fou Verkaufsstart : 30.09.2011
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