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DVD-Besprechung - Das Syndikat
Story:
Kommissar Bertone (Enrico Maria Salerno) ist Leiter der Mordkommission in Rom und befindet sich in einem sich stetig vertiefenden Zustand der Verbitterung. Seine Arbeit wird fortwährend von der Justiz torpediert, die eiskalte Mörder immer wieder wegen fehlender Beweise, Formfehlern oder angeblichen polizeilichen Übergriffen nicht nur freispricht, sondern auch noch in die Opferrolle drängt. Trotzdem handelt Bertone immer streng nach Vorschrift und gerät auf der Jagd nach dem jungen Mörder und Geiselnehmer Michele Settecamini (Jürgen Drews) schließlich zwischen alle Fronten. Denn mittlerweile treibt in Rom eine Art Geheimbund sein Unwesen, der freigelassene Kriminelle einfach exekutiert. Und Bertone muss schon bald erkennen, dass diese Gruppe offensichtlich im Namen einflussreicher Persönlichkeiten aus den höchsten Gesellschaftsschichten agiert.
Meinung zum Film:
„Das Syndikat“, im Original „La Polizia ringrazia“, was sinngemäß etwa „Die Polizei bedankt sich“ bedeutet, ist eine deutsch-italienisch-französische Koproduktion und das Werk des italienischen Komödienspezialisten Steno alias Stefano Vanzina („Banana Joe“), der hier neben der Regie in Zusammenarbeit mit Lucio De Caro („Sie nannten ihn Plattfuß“), mit dem er regelmäßig Filmprojekte realisierte, auch für das Drehbuch verantwortlich war. Dabei gilt der Film heute als erster „Poliziesco“ bzw. „Poliziottesco“ überhaupt, begründete also das Genre des zwischenzeitlich äußerst populären italienischen Polizeifilms und ebnete damit den Weg für spätere Highlights wie „Der Berserker“ von Umberto Lenzi („Camorra – Ein Bulle räumt auf“), „Milano Kaliber 9“ von Fernando Di Leo („Der Mafiaboss – Sie töten wie Schakale“) oder „Eiskalte Typen auf heißen Öfen“ von Ruggero Deodato („Cut and Run“). Die wichtigsten Rollen des Films besetzen Enrico Maria Salerno („Gewalt – Die fünfte Macht im Staat“), Mariangela Melato („The Tree of Guernica“), Mario Adorf („Die Blechtrommel“), Franco Fabrizi („Der Tod trägt schwarzes Leder“), Cyril Cusack („Fahrenheit 451“), Laura Belli („Der Berserker“) und der zu dieser Zeit im Filmgeschäft völlig unerfahrene heutige Schlagerbarde Jürgen Drews („Es knallt und die Engel singen“), dem allerdings durchaus eine gute Leistung attestiert werden kann. Der Film erscheint in der vorliegenden Fassung erstmals ungeschnitten in Deutschland. Dementsprechend werden bisher entfernte Szenen, die nur im italienischen Originalton vorliegen, deutsch untertitelt.
Anders als spätere Genrewerke gibt sich „Das Syndikat“ noch eher actionarm und auch Kommissar Bertone entpuppt sich als äußerst gewissenhafter und vorschriftsgemäßer Staatsdiener. In späteren Genrewerken zogen in den Hauptrollen hingegen zunehmend Kommissare in den Kampf gegen das Verbrechen, die sich in ihren Methoden nicht mehr sonderlich von gewaltsamen Kriminellen unterschieden und Don Siegels „Dirty Harry“ ernsthafte Konkurrenz machten, während sich diese Werke zunehmend eher wie in urbane Metropolregionen verlegte Italo-Western gebärdeten. Das spiegelte natürlich auch den realen Wunsch nach politischer Stabilität und einer Exekutive mit harter Hand innerhalb der Bevölkerung in einer Zeit großer gesellschaftlicher Instabilität, was natürlich vor allem konservativen Kräften Vorschub leistete. Der vorliegende Film beschäftigt sich nun allerdings sehr stark mit der inneren Zerrissenheit von Bertone, der von Enrico Maria Salerno äußerst effektiv zwischen zornerfüllter Verbitterung und grimmiger Entschlossenheit, gepaart mit eherner Pflichtversessenheit, angelegt wird. Die verhältnismäßige Dialoglastigkeit des Films speist sich vor allem aus Bertones zahlreichen Reibereien mit der Presse, inklusive sehr ungewöhnlicher improvisierter Pressekonferenzen, z.B. innerhalb eines Busses, der die Reporter ins Rotlichtmilieu transportiert, und den Auseinandersetzungen mit Staatsanwalt Ricciuti (Mario Adorf).
Diese inhaltlich ergiebigen Wortgefechte und die ambivalente Persönlichkeitsstruktur von Bertone verleihen dem Werk eine Tiefe, die den meisten späteren Vertretern des Genres völlig abgeht. Gerade gegen Ende wird der Film jedoch atmosphärisch immer dichter, nicht zuletzt auch durch die sehr gelungene Musikuntermalung von Stelvio Cipriani („Kaliber 38 - Genau zwischen die Augen“), und gewinnt zunehmend an Brisanz. Und besonders das intelligente Ende, irgendwo zwischen Resignation und Widerstand, sorgt dafür, dass der Film auch nach dem Abspann noch nachhaltig im Gedächtnis verbleibt. Was als Polizeiroutine in einem Mordfall beginnt, steigert sich zunehmend in eine handfeste Verschwörung hinein, bei der zahlreiche Interessen miteinander kollidieren, Bertone letztendlich aber eigentlich auf verlorenem Posten kämpft. Trotzdem scheut der Kommissar niemals vor klaren, harten Worten zurück und auch nicht vor Auseinandersetzungen mit seinen Vorgesetzten. Er ist ein aufrechter Polizist, der aber auch stets seiner eigenen Schwächen gewahr ist.
Digitale Aufarbeitung:
Der mittlerweile bereits fast 40 Jahre alte Film wurde digital remastered und präsentiert sich somit insgesamt in einer wirklich überzeugenden Bildqualität, trotzdem sollten die Ansprüche natürlich nicht zu hoch geschraubt werden. Zunächst fällt die sehr saubere Vorlage, die offensichtlich komplett von Schmutz und analogen Defekten befreit wurde, sehr positiv ins Auge. Auch die Bildschärfe bewegt sich auf einem guten Niveau, auch wenn das Bild in einigen Sequenzen durchaus schonmal etwas weich erscheint. Die Farbgebung macht einen natürlichen sowie relativ kräftigen Eindruck und auch die Kontrastwerte können bis auf leichte Überstrahlungen überzeugen. Bildrauschen ist hingegen in stärkerem Ausmaß vorhanden, fällt aber nur selten wirklich ins Gewicht. Der Film verfügt neben der deutschen Synchronisation auch noch über italienische und englische Sprachfassungen, alle in Dolby Digital 2.0, mit optionalen deutschen Untertiteln. Dabei sind alle drei Tonspuren sehr ausgewogen abgemischt und verfügen über eine wirklich gute Verständlichkeit.
Auf der ersten DVD, auf der sich auch der Hauptfilm befindet, gibt es lediglich den italienischen Kinotrailer. Der Veröffentlichung liegt aber auch noch eine zweite, randvolle Bonus-DVD bei. Diese enthält exklusiv für diese Veröffentlichung das Feature „The Way We Were“ (67:51) und ein Interview mit Jürgen Drews (56:36), beide stammen aus dem Jahr 2011 und liegen in deutscher Sprache vor. Ferner befindet sich auf der zweiten DVD noch eine selbstlaufende, mit Musik unterlegte Bildergalerie (1:46), die diverse Kinoplakate, Szenenfotos und anderes Werbematerial zum Film enthält. „The Way We Were“ ist eine Zusammenstellung von Interviewsequenzen mit den Darstellern Mario Adorf und Jürgen Drews sowie dem Produzenten Dieter Geissler und Bestsellerautor Peter Berling mit thematischen Schwerpunkten. „The Way We Were“ ist eine äußerst unterhaltsame und ergiebige Zusammenstellung von Erfahrungen der vier Interviewpartner, allgemein mit dem italienischen Filmgeschäft dieser Zeit und speziell bezüglich der Dreharbeiten zu „Das Syndikat“. Besonders Peter Berling gibt so manche Anekdote zum Besten und schwelgt in mafiösen Strukturen. Das Interview mit Jürgen Drews ist hingegen im Hinblick auf den Hauptfilm weniger ergiebig, da die entsprechenden, also identischen Sequenzen bereits in dem Feature enthalten sind. Drews spricht hier mit viel Wehmut von seiner abgebrochenen Karriere als Darsteller und gibt sich überhaupt in dem Interview sehr persönlich und umgänglich. Trotzdem geht es hier vor allem um seine Karriere als Sänger und allgemeiner um seine Biographie. Die Veröffentlichung wird in einem ansprechend im zeitgenössischen Design illustrierten Schuber ausgeliefert, den auch ein FSK-Sticker ziert, der jedoch ablösbar ist. Die Amaray-Hülle enthält ein abweichendes Motiv und es handelt sich hier um ein Wendecover.
Fazit:
„Das Syndikat“ ist nicht nur der Urvater aller Poliziottesci, sondern auch einer der interessantesten Vertreter dieses Genres, obwohl er sich von späteren Mustern des italienischen Polizeifilms, teilweise durchaus wohltuend, abhebt. So ist das vorliegende Werk erstaunlich dialoglastig ausgefallen und bietet nicht nur anhand der zerrissenen Figur des Kommissar Bertone einiges an erzählerischer Tiefe, sondern beinhaltet auch eine handfeste Verschwörung inklusive interessanter Wendungen und einem dramaturgisch äußerst effektiven Ende. Technisch hinterlässt die insgesamt äußerst liebevoll und gewissenhaft zusammengestellte Veröffentlichung einen wirklich guten Eindruck und verfügt zudem noch über äußerst ergiebiges sowie unterhaltsames Bonusmaterial.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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2,35:1
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93:42 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 2.0 | Englisch Dolby Digital 2.0 | Italienisch Dolby Digital 2.0 |
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Untertitel:
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Deutsch |
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Bonusmaterial:
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- Italienischer Kinotrailer
- "The Way We Were"
- Interview mit Jürgen Drews
- Bildergalerie
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Das Syndikat
La Polizia ringrazia
Die rundum gelungene Veröffentlichung des Urvaters aller italienischen Polizeifilme!
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Italien / Deutschland / Frankreich, 1972 Regie: Steno Drehbuch: Steno, Lucio De Caro Darsteller: Enrico Maria Salerno, Mariangela Melato, Mario Adorf, Franco Fabrizi, Cyril Cusack, Jürgen Drews, Laura Belli, Ezio Sancrotti
Label :
Colosseo Film
Verkaufsstart : 30.09.2011
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