Kino-Besprechung - Melancholia
Story:
Justine (Kirsten Dunst, „Virgin
Suicides“) und ihr Gemahl (Alexander Skarsgard ) feiern ihre
Hochzeit. Während des Fests verstärken sich Justines Depressionen
und es kommt zum Bruch zwischen ihr und ihrer Schwester Claire
(Charlotte Gainsbourg, „Antichrist“). Dann taucht ein bisher
verborgener Planet am Himmel auf, der mit der Erde zu kollidieren
droht.
Meinung zum Film:
„Melancholia“ gefalle ihm schon gar
nicht mehr, sagt Regisseur Lars von Trier. Noch vor dem eigentlichen
Kinostart distanziert sich der Filmemacher von seinem neuen Epos, in
dem er nicht weniger als den Weltuntergang zelebriert. Eigentlich
wollte er einen ungeschliffenen Film drehen, ähnlich wie
„Antichrist“ - und stattdessen: die Bilder seien zu schön
geworden, die Story zu schwülstig . Schlagsahne, mit Schlagsahne
obendrauf, nennt von Trier das, und führt die verkitschten Filme
seiner Kollegen Luchino Visconti und Douglas Sirk als Beispiele an.
Er hat Recht: „Melancholia“ ist
eine Untergangsfantasie, wie sie sich kein deutscher Romantiker hätte
pompöser ersinnen können, Wagner inklusive. Bereits im Intro,
unterlegt mit der Ouvertüre aus „Tristan und Isolde“, findet die
verheerende Kollision mit dem Planeten statt. In traumgleicher
Zeitlupe verfolgen wir die Protagonisten bei ihren allerletzten
Tätigkeiten, stilisiert zu Tableaux vivants von berauschender
Schönheit. „In gewisser Weise ein Happy End“, sagt von Trier,
denn ein endgültigeres Ende gibt es nicht.
Was von Trier bei aller Selbstkritik
unterschlägt, ist die Tatsache, dass die Apokalypse ihm lediglich
als Rahmenhandlung für einen Film dient, der von subtilem Schauspiel
getragen wird und die Kraft besitzt, über die gesamte Laufzeit eine
bedrückende Stimmung aufrecht zu erhalten. Nicht umsonst ist Kirsten
Dunst für ihre Rolle als Justine in Cannes mit der Silbernen Palme
ausgezeichnet worden. Der Sturz Justines in die Depression, ihr
Scheitern an den Alltagsritualen und die langsam aufkeimende
Souveränität, als der Planet näher kommt, sind die eigentlichen
Handlungsträger von "Melancholia". Die Apokalypse sorgt
nur für das passende Ende, denn Justine hat sowieso nichts zu verlieren.
Fazit:
„Melancholia“ ist pompös,
ausufernd, voller Symbolismen und dabei nicht weniger intensiv als
von Triers karge Dogma-Filme. Seine Kritik am eigenen Film ist
ungerechtfertigt, bleibt doch neben den schönen Bildern noch genug
Raum für seine eigentlichen Anliegen: Hässliches und Abgründiges. „Der Knochensplitter zwischen all der
Schlagsahne“, wie es von Trier nennt.
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