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DVD-Besprechung - Richelieu
Story:
Armand-Jean du Plessis de Richelieu (Pierre Vernier) wird als Sprössling einer reichen und angesehenen französischen Adelsfamilie am 9. September 1585 in Paris geboren. Aufgrund seiner edlen Herkunft besucht er nur die besten Schulen und tritt schon bald durch seinen herausragenden Intellekt hervor. Er wird jedoch durch die Umstände seiner Zeit, wie blutige Religionskriege, Bandenwesen und Revolten des Adels, nachhaltig geprägt und leidet Zeit seines Lebens unter Anfällen von Melancholie. Sein ehrgeiziges Ziel, Frankreich als Weltmacht zu etablieren und im Inneren zu einen, verliert er dabei jedoch nie aus den Augen. So wird er trotz zahlreicher Widersacher zunächst Bischof von Luçon (1608), dann Kardinal (1622) und schließlich Herzog von Richelieu (1631). Außerdem ist er bis zu seinem Tod am 4. Dezember 1642 der engste Berater und erste Minister von König Ludwig XIII. (Jacques Rosny) und vereint somit klerikale und weltliche Macht größten Ausmaßes in seinen Händen.
Meinung zum Film:
„Richelieu“ ist eine französische TV-Produktion in sechs Teilen aus dem Jahr 1977, mit einer Gesamtlaufzeit von etwa 290 Minuten. Das Werk beruht auf der Richelieu-Biographie des französischen Historikers Philippe Erlanger aus dem Jahr 1967 (Dt.: „Richelieu. Der Ehrgeizige. Der Revolutionär. Der Diktator“). Regie führte Jean-Pierre Decourt („Michael Strogoff“), der auch gemeinsam mit Jean-François Chiappe („Cadoudal“) auf Basis der Biographie das Drehbuch schrieb. Die titelgebende Hauptrolle spielt Pierre Vernier („Der Puppenspieler“) und in weiteren wichtigen Rollen sind Schauspieler wie Jacques Rosny („Der Mieter“) oder die deutsche Fraktion, vertreten durch Hans Caninenberg („Die Nibelungen“) als Kaiser Ferdinand II. und Maria Wimmer („Die Dämonen“) als Ludwigs Mutter Maria de’ Medici, zu sehen. Gedreht wurde an Originalschauplätzen was den Authentizitätsanspruch der Produktion weiter unterstreicht. Die vorliegende Veröffentlichung verteilt die sechs Folgen mit einer Laufzeit von jeweils 48-49 Minuten auf insgesamt drei DVDs.
„Richelieu“ erfordert vom Zuschauer höchste Konzentration und ist mit heutigen historischen „Event-Movies“ in keinster Weise zu vergleichen. Die fünf Stunden Spielzeit wirken auf den ersten Blick recht umfangreich. Bei näherer Betrachtung entpuppt sich die Verfilmung jedoch als extrem verdichtete Erzählung ohne größere Längen und hegt immerhin auch den Anspruch, den Großteil der späteren, insgesamt 57 Lebensjahre Richelieus detailgetreu abzubilden. Das geht im ersten Teil vor allem zu Lasten von Richelieus Kindheit und Jugend, da hier in nur 49 Minuten Spielzeit gleich seine ersten 30 Lebensjahre abgehandelt werden. Der zweite Teil schließt direkt an und endet im April 1624 mit der Ernennung von Richelieu zum ersten Minister von König Ludwig XIII., womit sich auch der innenpolitische Schwerpunkt der Produktion, z.B. die Auseinandersetzungen zwischen Katholiken und Protestanten, zunehmend hin zu Richelieus Außen- bzw. Bündnispolitik verschiebt. Viele Zuschauer, die Richelieu bisher nur als machthungrigen Intriganten aus „Die drei Musketiere“ von Alexandre Dumas dem Älteren kennen, wird die vielschichtige Darstellung des (Staats-)Mannes in der vorliegenden Verfilmung eher überrumpeln. Das Streben nach Macht und Einfluss ist Richelieu auch hier in die Wiege gelegt, jedoch unterwirft er diesen Ehrgeiz und seine vielseitigen Talente dem Ziel, Frankreich im Inneren zu einigen, die Grenzen seines Landes zu sichern und Frankreich innerhalb Europas als feste Größe zu etablieren.
Dabei geht Richelieu aber im wahrsten Sinne des Wortes über Leichen, wird von den einfachen Untertanen gehasst und ist in der Tat auch hier ein Meister der Intrige, derer er sich allerdings auch selbst pausenlos erwehren muss. Pierre Vernier liefert hier in der Hauptrolle eine überragende Darbietung seines Könnens und verstrickt sich keineswegs in den Widersprüchen der vielschichtigen Persönlichkeit, die trotz ihres eisernen Willens auch immer wieder Momente der Schwäche und Verzweiflung oder als schleicherischer Opportunist auch trügerische Emotionen offenbart. Auch wenn die Produktion keine einzige wirkliche Massenszene aufweist und das ständig thematisierte Kriegsgeschehen innerhalb Europas eigentlich nie zu sehen ist, wirkt die Ausstattung bezüglich der Locations und Kostüme sehr aufwändig und äußerst authentisch. Bei aller Klasse erfordert die vorliegende Verfilmung aber auch ein sehr hohes Maß an Konzentration. So werden wichtige Hintergründe zu den europäischen Kräfteverhältnissen, in Bezug auf Gegner und Verbündete, oft in Nebensätzen versteckt, da die zentrale Erzählperspektive eben vom stets gut informierten Richelieu eingenommen wird. Trotz aller Ausführlichkeit der Darstellung sowie hinsichtlich der Vielschichtigkeit der Hauptperson verliert das Werk aber auch nie die anderen prägenden Charaktere dieser Epoche, wie eben z.B. Kaiser Ferdinand II, Maria de’ Medici, den kaiserlichen Feldherrn Wallenstein oder auch den Schwedenkönig Gustav II. Adolf, aus den Augen.
Digitale Aufarbeitung:
Für eine 34 Jahre alte, selten gezeigte TV-Produktion hinterlässt die Bildschärfe einen sehr ordentlichen Eindruck und auch die Farbgebung wirkt weitgehend natürlich. Auch die Kompression und die Kontrastwerte besitzen eine zufriedenstellende Qualität, lediglich ein stärkeres Bildrauschen und ein leicht unruhiger Bildstand fallen etwas negativ ins Gewicht. Die Vorlage ist hingegen erstaunlich sauber und die seltenen Beschädigungen sowie leichten Verschmutzungen stören nicht wirklich. Auf den DVDs befindet sich lediglich die deutsche Synchronfassung in Dolby Digital 2.0, auf die französische Originalfassung müssen die Käufer verzichten. Der deutschen Tonspur ist das Alter allerdings keinesfalls anzumerken und sie klingt gut verständlich aus den Boxen. Auch die Abmischung kann voll überzeugen, wobei diese dialoglastige TV-Produktion natürlich nicht mit räumlichen Effekten aufwarten kann.
Es gibt keinerlei Bonusmaterial. Die Veröffentlichung besitzt ein Wendecover.
Fazit:
„Richelieu“ ist ein aufwändiger historischer Mehrteiler der zwar durchgehend gut unterhält, den Zuschauer aber vor allem mit seiner vielschichtigen Darstellung der damaligen innen- und außenpolitischen Verhältnisse geradezu erschlägt und teilweise wohl auch etwas überfordert. Pierre Vernier glänzt in der titelgebenden Hauptrolle als Richelieu und erweckt diesen großen Staatsmann mit all seinen Widersprüchen äußerst anschaulich auf den heimischen Bildschirmen wieder zum Leben. Technisch hinterlässt die DVD zudem einen zufriedenstellenden Eindruck, auch wenn leider kein ergänzendes Bonusmaterial vorliegt.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,33:1
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6 Folgen à ca. 48-49 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 2.0 |
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Untertitel:
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Keine |
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Bonusmaterial:
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Richelieu
Richelieu
Geschichte zum Anfassen und die unauflösbaren Widersprüche innerhalb der Persönlichkeitsstruktur eines großen Staatsmanns
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Frankreich, 1977 Regie: Jean-Pierre Decourt Drehbuch: Jean-Pierre Decourt, Jean-François Chiappe (basierend auf der Biographie von Philippe Erlanger) Darsteller: Pierre Vernier, Jacques Rosny, Maria Wimmer, Jean-Pierre Bernard, Marie-Christine Demarest, Hans Caninenberg, François Guizerix, Marco Perrin, Maryvonne Schiltz
Label :
Pidax film
Verkaufsstart : 07.10.2011
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