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Blu-ray-Besprechung - Caged
Story:
Carole (Zoé Félix), Mathias (Eric Savin) und Samir (Arié Elmaleh) arbeiten für drei Monate als Ärzte im Rahmen eines humanitären Einsatzes im ehemaligen Jugoslawien. Auf ihrem Rückweg nach Frankreich werden sie jedoch irgendwo im Kosovo von schwer bewaffneten und vermummten Männern entführt. Mathias erleidet dabei aufgrund seines Fluchtversuchs eine Schusswunde am Bein. Alle drei erwachen in Zellen innerhalb eines kellerartigen Gewölbes und sind ihren Wärtern völlig schutzlos ausgeliefert. Eine Zeit zwischen Bangen und Hoffen beginnt, in der ein Fluchtversuch jedoch ein großes Wagnis darstellt.
Meinung zum Film:
„Caged“ ist das Langfilmdebüt des französischen Regisseurs Yann Gozlan („Echo“), der zusammen mit Guillaume Lemans („72 Stunden - The Next Three Days“) auch das Drehbuch schrieb. „Caged“ war in Deutschland auch im Rahmen des Fantasy Filmfest 2010 auf der großen Leinwand zu sehen. Der Film fällt dabei inhaltlich zunächst in das Sub-Horror-Genre des „Torture Porn“, weist in dieser Hinsicht allerdings ein paar Besonderheiten auf, auf die später noch eingegangen wird. Hauptdarstellerin und Filmheldin Zoé Félix kennen deutsche Zuschauer am ehesten aus „Willkommen bei den Sch'tis“. Die weiteren Opferrollen bekleiden Eric Savin („Intimate Enemies - Der Feind in den eigenen Reihen“) und der in unseren Breitengraden eher unbekannte Arié Elmaleh („Die Liebesabenteuer des Herrn Molière“). Der Film beruht lose auf realen Vorkommnissen im Kosovo, mit denen sich sogar der Europarat beschäftigte. Allerdings waren - genau entgegengesetzt der Darstellung im Film - die Serben hier die Opfer, weshalb der vorliegende Titel, wohl auch wegen der extrem eindimensional negativen Darstellung der Täter, in deren Heimat wenig Anklang fand.
„Caged“ beginnt mit einer kurzen, aber knackigen Einführung seiner drei Hauptfiguren. Effektiv ist sie vor allem deshalb, weil die drei bei ihrer Arbeit sowie Interaktion und Kommunikation gezeigt werden. Daraus ergibt sich zwar noch keine vielschichtige Charakterstudie, doch die drei Protagonisten bekommen ein menschliches Gesicht und es wird erfolgreich eine gewisse emotionale Bindung zum Zuschauer hergestellt. Auch die eigentliche Entführung und die erste Zeit in ihrem Verlies wurden gelungen umgesetzt. Denn der Zuschauer ist jetzt ebenso ahnungslos wie die Opfer, deren Hilflosigkeit anschaulich dargestellt wird. Hinzu kommt das geographisch relativ unverbrauchte Szenario, das zudem in dieser gefährlichen Gegend keineswegs so furchtbar weit hergeholt erscheint. Leider bemerkt der Zuschauer aber recht schnell, dass Gozlan dem Kurzfilmbereich entstammt, und das keineswegs nur, weil bereits nach lediglich 78 Minuten die Credits über den Bildschirm laufen. Er verliert nämlich leider nach dem effektiven Einstieg den Plot und seine Charaktere weitgehend aus den Augen und es gelingt ihm auch nicht, weitere davon ablenkende Schauwerte zu liefern. „Caged“ ist nicht wie andere Genrevertreter daran interessiert, möglichst brutale Foltermethoden auszuwalzen oder ihre Peiniger als besonders psychotische Ausgeburten der Hölle übermenschenhaft zu dämonisieren. Vielmehr konzentriert sich das Drehbuch auf die Opferperspektive und deren Hilflosigkeit. Hinzu tritt bei der Hauptperson Carole ein klischeehaftes Kindheitstrauma, das vorhersehbarerweise natürlich im weiteren Verlauf des Films noch eine größere Rolle spielen wird und den gesamten Geschehnissen einen nervigen symbolhaften Anstrich verleiht.
Jedoch müssen nicht nur Freunde des gepflegten Geschnetzels lange vor sich hindarben, denn richtig ans Eingemachte - und somit dem roten FSK-Siegel entsprechend - geht es erst nach etwa einer Stunde, also wenn der Film schon beinahe vorbei ist. Gefoltert wird allerdings auch in dieser Phase nicht. Trotzdem gestaltet sich der Film gegen Ende zunehmend wie „TCM“ im Kosovo und natürlich wird schon quasi zwangsläufig aus der verschüchterten Carole, die von Zoé Félix bis dahin überzeugend verletztlich dargestellt wird, ein bluttriefender Racheengel. Und hier offenbaren sich nun auch sehr viele Schwächen des wohl nur papierdünnen Drehbuchs. Die Spannungskurve verläuft deutlich zu niedrig, weil ihre Entführer zum einen völlig gesichtslos und eindimensional dargestellt werden und zum anderen bereits nach 32 Minuten verraten wird, welches Schicksal die Gefangenen erwartet. Bis zum Ende gibt es dann auch keine weitergehenden Erklärungsversuche mehr zur Motivation der Täter. Weiterhin wird eine der drei Figuren recht früh aus der Handlung genommen, während die beiden anderen nur noch spärlich miteinander kommunizieren, mit ihren Bewachern hingegen überhaupt nicht. Aufgrund der Vorhersehbarkeit der Handlung und diversen Klischees ist völlig klar, dass es zu einem gewaltsamen Fluchtversuch kommen wird. Hier wird der Film dann nicht nur wegen hilfreicher Zufälle immer unglaubwürdiger. So darf sich der Zuschauer schon fragen, wie es in diesen Filmen Frauen immer wieder gelingt, Dutzende von körperlich überlegenen und bewaffneten Peinigern zu überwältigen. Auch im enttäuschenden Finale gibt es keinerlei Überraschungen und nicht den geringsten Versuch, aus eingefahrenen Genrekonventionen zu entfliehen.
Digitale Aufarbeitung:
Grundsätzlich besitzt die Blu-ray von „Caged“ eine diesem HD-Medium durchaus angemessene Bildqualität und überzeugt mit guter Schärfe, auch im Detail, unterkühlt-deprimierender Farbgebung und ausgewogenen Kontrastwerten. Gerade Letzteres ist dabei keinesfalls eine Selbstverständlichkeit, da der Film größtenteils in sehr düsteren Umgebungen spielt. Leider sind eben diese aber auch der Grund, warum der Film seine Stärken eigentlich niemals großartig ausspielen kann, denn finstere Kellergewölbe mit Zellen sind nicht gerade optimal, um die Augen des Zuschauers zu verwöhnen. So präsentiert die Blu-ray den Film zwar bestmöglich, wirkliche visuelle Leckerbissen gibt es allerdings nicht zu entdecken. Bildrauschen ist lediglich minimal vorhanden. Auch beim Ton gibt sich die vorliegende Blu-ray eher zurückhaltend bzw. ruhig, dementsprechend sind hier keine nervenzerfetzenden Soundeffekte wie in anderen Genrefilmen vorhanden. Die Abmischung ist jedoch grundsätzlich gut gelungen und die Verständlichkeit einwandfrei, allerdings ist auch die Musikuntermalung recht zurückhaltend ausgefallen.
Auf der Blu-ray befinden sich lediglich der deutsche Trailer und der französische Kinotrailer. Die Veröffentlichung besitzt ein Wendecover.
Fazit:
„Caged“ ist rein handwerklich gar nicht schlecht umgesetzt, auch wenn er visuell mit Sicherheit keine Argumente für das Medium Blu-ray liefert. Leider hätte das Drehbuch bestenfalls für einen Kurzfilm ausgereicht und hat gerade zu Beginn des Films seine größten Stärken, während lediglich das Finale auch Freunde handfesterer Kost ansprechen dürfte. Besonders die zahlreichen Klischees vergällen das Filmvergnügen und zerstören auch die interessanten Ansätze für einen rein atmosphärischen Opferfilm ohne ständige sadistische Foltersequenzen.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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2,35:1
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83:10 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch DTS-HD Master Audio 5.1 | Französisch DTS-HD Master Audio 5.1 |
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Untertitel:
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Deutsch |
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Bonusmaterial:
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- Französischer Kinotrailer
- Deutscher Trailer
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Caged
Captifs
"TCM" im Kosovo
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Frankreich, 2010 Regie: Yann Gozlan Drehbuch: Yann Gozlan, Guillaume Lemans Darsteller: Zoé Félix, Eric Savin, Arié Elmaleh, Ivan Franek, Igor Skreblin, Philippe Krhajac, Margaux Guenier, Goran Kostic, Jana Bittnerova, Sacha Mijovic
Label :
Koch Media Entertainment
Verkaufsstart : 30.09.2011
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