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Blu-ray-Besprechung - The Dead - Limited 2 Disc Edition

Story:
Der Ingenieur Brian Murphy (Rob Freeman) strandet nach der Bruchlandung des letzten Evakuierungsflugzeugs irgendwo an der Küste Westafrikas. Fortan kämpft er in dieser von Zombiehorden völlig überrannten Region nur noch ums nackte Überleben. Als der desertierte einheimische Soldat Sergeant Daniel Dembele (Prince David Oseia), der sich auf der Suche nach seinem Sohn befindet, ihn rettet, schließen sich beide Männer zusammen und hoffen, einen angeblich noch sicheren Militärstützpunkt im Norden des Landes zu erreichen.

Meinung zum Film:
„The Dead“ ist ein britischer Zombiefilm aus dem Jahr 2010, der allerdings fast komplett auf dem afrikanischen Kontinent, genauer in Burkina Faso, gedreht wurde. Diese Gattung des Horrorfilms erfreute sich besonders in den 70er- und 80er-Jahren großer Beliebtheit und erlangte nicht zuletzt durch die Werke von George A. Romero („Dawn of the Dead“) auch filmhistorische Bedeutung. Fehlende Innovationen und billige Nachahmer führten jedoch zu einem Niedergang dieser filmischen Gattung und auch Romero konnte mit seinen Fortsetzungen nicht mehr an die eigenen Glanzzeiten anknüpfen. In den letzten Jahren gab es allerdings auch gelungene Produktionen, wie z.B. das Remake von „Dawn of the Dead“ von Zack Snyder („Sucker Punch“) oder die aktuelle Pay-TV-Adaption der Comicreihe „The Walking Dead“. Allerdings geriet das Zombiegenre auch immer mehr zur Experimentierstube. Das beinhaltete Komödien wie „Shaun of the Dead“, Werke aus der Sicht der Zombies, wie z.B. „Colin – Der Weg des Zombie“, Titel mit Arthouse-Einschlag („Küss mich, Zombie!“), aber auch die Zombies selbst veränderten zunehmend ihre Gestalt und wurden auch immer agiler und/oder intelligenter („28 Days Later“) und somit auch schon als Einzelgänger zu einer Gefahr.

Der vorliegende Film der bisher im Filmbusiness weitgehend unbekannten Ford-Brüder, Howard J. und Jonathan („Mainline Run“), setzt jedoch den eher stupiden, bewegungstechnisch gehandicapt vor sich hin wankenden klassischen Zombie in den Mittelpunkt. Zudem tritt der Kampf ums Überleben wieder deutlich in den Vordergrund, die Macher sehen „The Dead“ sogar eher als Abenteuerfilm denn als Horrorfilm und es herrscht wieder eine eindeutig apokalyptische Atmosphäre innerhalb einer Umgebung, die sprichwörtlich dem Verfall preisgegeben ist. Gesellschaftskritik im Stil eines George A. Romero findet sich hingegen nicht und auch über die Hintergründe dieser Zombie-Epidemie gibt es keinerlei Informationen für den Zuschauer. Dass der Film in Deutschland auf dem Fantasy Filmfest 2011 gezeigt wurde und auch auf diversen internationalen Festivals über die Leinwände flimmerte, verdankt er neben seinem unverbrauchten Afrika-Szenario sicher nicht zuletzt auch seinen deftigen, weitgehend handgemachten Effekten. Zwar ist der Film keineswegs ein Festival des Splatters und die Qualität der Gore-Einlagen schwankt von solide bis gut, ohne die Referenzen des Genres zu erreichen, im Rahmen des nicht gerade üppigen Budgets kann das blutige Endergebnis allerdings durchaus überzeugen. Lediglich die Zombies, die außer ihrem starren Blick einzig durch einige Wunden bzw. „Kampfspuren“ auffallen, hätten wohl noch etwas mehr Arbeit vertragen können.

Handwerklich und atmosphärisch ist der Film also grundsätzlich effektiv in Szene gesetzt und auch die beiden Hauptdarsteller, Rob Freeman („Der Opiumkrieg“) und der Ghanaer Prince David Oseia, wissen in den Hauptrollen zu überzeugen. Allerdings zeigt sich hier auch bereits der erste große konzeptionelle Fehler, denn durch den Fokus auf lediglich zwei Hauptfiguren fehlt nicht nur jegliche für dieses Genre prägende Gruppendynamik, sondern es kommt auch nur zu einem Minimum an Dialogen und die Figuren verlieren dadurch an Tiefe. Ein weiteres Problem ist die weitgehende Ziellosigkeit des Drehbuchs, das die Protagonisten in der Tat vor allem kreuz und quer durch die lebensfeindliche Savanne reisen lässt, ganz wie in einem Abenteuerfilm eben. Während die ersten 40 Minuten noch interessant und effektiv aufbereitet werden, kommt es danach zu einem immer größeren Leerlauf. Es mangelt an direkten Schockmomenten, dem Gefühl allgegenwärtiger Bedrohung, da die Zombies einfach zu dumm und langsam agieren, tiefergehenden Motiven der Protagonisten und einer weitergehenden Suche nach der Ursache der Zombie-Epidemie.

Digitale Aufarbeitung:
Die Blu-ray von „The Dead“ geht wie der Film technisch einen Mittelweg. Einerseits präsentiert sich das Werk nativ in Full-HD-Auflösung, andererseits weist das vorliegende Material aber auch eine starke Körnung auf. Die Bildschärfe ist für eine Produktion dieser Budgetklasse allerdings wirklich gut ausgefallen, bietet einige feine Details und hinterlässt sogar ab und an einen plastischen Eindruck. Die starke Körnung macht sich allerdings bei Nachtsequenzen oder besonders in einer schlecht ausgeleuchteten Unterwassersequenz zu Beginn (9:25) durchaus negativ bemerkbar. Die Kontrastwerte schlagen sich allerdings auch im Verlauf dieser Abschnitte durchaus wacker. Die Farbgebung hinterlässt zudem einen natürlichen und kräftigen Eindruck. Die Abmischung der beiden DTS-HD-Master-Audio-5.1-Tonspuren ist ziemlich minimalistisch ausgefallen. Zwar wird stets eine gute Verständlichkeit geboten, die Musik zur Untermalung ist allerdings eher dezent eingebaut. Die verwendeten Soundeffekte werden hingegen sehr atmosphärisch in den Mix integriert und wandern auch über sämtliche Boxen. Die Actionszenen hätten allerdings durchaus noch etwas mehr Druck und Bass vertragen können.

Auf der Film-Blu-ray befindet sich lediglich der englischsprachige Trailer zum Film. Für eine „Limited 2 Disc Edition“ birgt diese Veröffentlichung zudem direkt eine Enttäuschung, denn es handelt sich bei dem zweiten Datenträger lediglich um eine DVD, die in identischer Form auch der Limited Edition der reinen DVD-Ausführung beiliegt, weshalb auch sämtliches Bonusmaterial nur in SD-Qualität vorliegt, wenn auch immerhin mit deutschen Untertiteln. Besonders gegenüber der UK-BD von Anchor Bay fallen die Extras äußerst enttäuschend aus, denn dort lagen diese nicht nur teilweise in HD-Qualität vor, sondern es fehlt hier auch der dort enthaltene Audiokommentar der Ford-Brüder. Das Making Of zum Film (59:15) ist zwar recht lang ausgefallen, bietet aber keinen durchgehenden Kommentar und verfügt teilweise über eine richtig schwache Bildqualität. So gibt es zwar einige Einblicke in die Dreharbeiten, einen Blick über die Schulter der Maskenbildner und eine längere Videotagebuchsequenz von Howard J. Ford, der Informationswert hält sich allerdings insgesamt arg in Grenzen. Auch die Interviews mit Howard J. Ford (3:13), John Ford (1:43), Prince David Oseia (10:44) und Rob Freeman (3:11) sind aufgrund ihrer Kürze und Oberflächlichkeit eine einzige Enttäuschung. Oseia wird zwar etwas mehr Redezeit zugestanden, dieser geht aber kaum auf den Film ein und übertreibt es zudem mit dem Lob gegenüber seinen britischen Kollegen. Neben der Bildergalerie mit Szenen von den Dreharbeiten gibt es auch noch zwei Bonusfilme zu entdecken. „Revolt of the Zombies“ aus dem Jahr 1937 von Victor Halperin, dem Macher des Klassikers „White Zombie“, wurde dreisterweise als „Die Revolte der Zombies“ eingedeutscht. Dabei wurde dieser Public Domain-Film noch nie deutsch synchronisiert und es sind lediglich optionale deutsche Untertitel dafür verfügbar. Die nicht restaurierte Vorlage lässt zudem bildtechnisch zu wünschen übrig, echte Zombies gibt es im Film gar nicht und der Film ist sowohl inhaltlich als auch handwerklich ein echter Totalausfall. Der zweite Bonusfilm ist „Zombie – Das Tor zur Hölle“ (2:58), der bereits in den 80er-Jahren entstand und aussieht wie ein Super-8-Werk. Wie eine nachfolgende Texttafel informiert, bedauern die Macher - Ingo Trendelbernd, der zweite Geschäftsführer von MiG himself, und Thomas Hardy - sehr, dass dieses Fragment niemals fertiggestellt wurde. Den Zuschauern blieb angesichts der nicht vorhandenen Qualitäten dieses Spaßdrehs somit allerdings auch eine weitere deutsche „Regiegröße“ vom Kaliber eines Uwe Boll („Postal“) oder Oliver Krekel („Fog² - Revenge of the Executed“) erspart. Die Auslieferung erfolgt in einem einfachen, nicht besonders ansprechend designten Schuber mit FSK-Aufdruck. Die enthaltene BD-Hülle, in der sich die beiden Datenträger befinden, verfügt hingegen über ein Wendecover.

Fazit:
„The Dead“ ist ein handwerklich effektiv in Szene gesetzter Zombiefilm mit einer Ausrichtung, die sich eher an den Klassikern des Genres orientiert, aber gerade visuell mit dem afrikanischen Kontinent ein unverbrauchtes Szenario entfaltet. Der Film ist zwar recht deftig ausgefallen und beinhaltet auch ordentlich umgesetzte Splatter-Effekte, hat aber inhaltlich mit sehr viel Leerlauf zu kämpfen, besitzt hinsichtlich seiner Hauptcharaktere zu wenig Dynamik und wirkt häufig eher wie ein überlanger Abenteuerfilm. Technisch macht die vorliegende Blu-ray einen überzeugenden Eindruck, das Bonusmaterial der „Limited 2 Disc Edition“ kann aber bei genauerer Betrachtung nicht überzeugen.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 18
1,78:1
1,78:1
104:57 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
DTS-HD  Master Audio 5.1
DTS-HD Master Audio 5.1
Englisch
DTS-HD  Master Audio 5.1
DTS-HD Master Audio 5.1
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Englischsprachiger Trailer
  • Making Of
  • Bildergalerie
  • Interviews mit den Regisseuren Howard J. Ford und John Ford sowie den Hauptdarstellern Prince David Oseia und Rob Freeman
  • Bonusfilm "Die Revolter der Zombies"
  • Bonusfilm "Zombie - Das Tor zur Hölle"
The Dead - Limited 2 Disc Edition - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
The Dead
The Dead

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Klassische Zombies und handgemachte Effekte, aber auch viel Leerlauf innerhalb der endlosen Weiten Afrikas


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Großbritannien, 2010
Regie:
Howard J. Ford, Jonathan Ford
Drehbuch:
Howard J. Ford, Jonathan Ford
Darsteller:
Rob Freeman, Prince David Oseia, David Dontoh, Glenn Salvage, Dan Morgan, Benjamin James Elliot, Mark Chapman, Amir Moallemi

Label Deutschland :
Savoy Film
Verkaufsstart Deutschland :
07.10.2011