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DVD-Besprechung - Der stille Don

Story:
Teil 1
Der Donkosake Grigori (Rupert Everett) hat ein Problem: Er ist verliebt in Aksinja (Delphine Forest), die Ehefrau seines Nachbarn. Als dieser zum Militärdienst im Ersten Weltkrieg eingezogen wird, kommt es zum Seitensprung. Grigoris Vater Pantaley (F. Murray Abraham) zwingt seinen Sohn zur Heirat mit der wohlhabenden Natalja (Alyona Bondarchuk), doch bei einer günstigen Gelegenheit suchen Grigori und Aksinja ihr Glück bei General Listnitsky (Gennadi Karnovich-Valua) und bekommen dort Arbeit. Als Grigori schließlich doch zum Kriegsdienst einberufen wird, macht Evgeny Listnitsky (Andrey Rudenskiy), der Sohn des Generals, Aksinja zu seiner Geliebten.

Teil 2
Es herrscht Bruderkrieg zwischen den Donkosaken. Grigori kämpft als Offizier für die Weiße Armee, deren Ideale er aber nicht vertritt. Als der Kampf entschieden zu sein scheint, wechselt er schließlich zur gegnerischen Roten Armee, deren Überzeugung er auch nicht teilt. Diesen Verrat nimmt ihm sein Schwager, der Bolschewik Mikhail (Lorenzo Amato), übel und möchte ihm ans Leben.

Meinung zum Film:
"Der stille Don" ist die Verfilmung eines gleichnamigen Roman aus der Feder Mikhail Sholokhov. Da seine späteren Romane weitaus mehr Propaganda enthielten und einen etwas anderen Schreibstil besaßen, wird ihm häufig bei dem Werk von 1.500 Seiten Plagiarismus vorgeworfen. Dagegen spricht allerdings, dass Scholochow die ganzen historischen und geografischen Details hautnah miterlebt hatte und so natürlich zu einem Roman im Ausmaße von "Krieg und Frieden" in der Lage war. Auch konnte noch immer kein weiterer Autor gefunden werden, zu dem der Schreibstil und das Thema passen würde. In den insgesamt vier Bänden werden die landesinternen Konflikte der Zeit wertfrei beschrieben und es wird auf die Traditionen und Gebräuche der Donkosaken eingegangen. Dafür gewann der Autor auch 1941 den Stalin-Preis und 1965 den Nobelpreis für Literatur. Bisher gibt es drei Filmadaptionen. Eine Musicalversion von Ivan Dzerzhinsky gewann ebenfalls den Stalin-Preis. Die letzte Verfilmung fand 1992 bis 1993 statt, wurde aber nicht vor 2006 zu Ende bearbeitet. Der Film lief im russischen Fernsehen als Siebenteiler, bevor er auf DVD international vertrieben wurde.

Auf der DVD wurde die siebenteilige Verfilmung eines Vierteilers auf nur zwei Spielfilmlängen umverteilt, welche inhaltlich aber auch problemlos zusammenzufassen gewesen wären. Der Schnitt wirkt ein wenig willkürlich, dafür kommt der Film in der zweiten Hälfte schnell wieder auf den Punkt. Im Zentrum des Geschehens steht die Familie Melechow, welche durch viele Einberufungen auch Schwägerinnen und Kinder aufnimmt. So werden nicht nur Natalja, die Frau des geflohenen Grigori, aufgenommen, sondern auch seine Affäre Aksinja. Als Grigoris Schwester bemerkt, dass ihr aus Liebe geheirateter Mikhail ihren Bruder töten möchte, gibt sie sofort Grigori Bescheid. Umso tragischer wird es dann, wenn nach und nach viele Mitglieder der großen Familie durch Krieg, Krankheit und Selbstmord sterben. Obwohl es einen Erzähler gibt, geht dieser nie auf die Motive der einzelnen Figuren ein, sondern lässt wie im Roman Taten sprechen.

Dort können vor allem Grigoris-Darsteller Rupert Everett ("Die Hochzeit meines besten Freundes") und Pantaley-Darsteller F. Murray Abraham ("Der Name der Rose") glänzen. Während der Handlung vergehen nach und nach fast zwanzig Jahre, was besonders gut an Abraham und an Natalja-Darstellerin Alyona Bondarchuk zu sehen ist, allerdings überhaupt nicht an Aksinja-Darstellerin Delphine Forest ("Europa Europa"). Forest verändert sich optisch von Anfang bis Ende des Films wenig, was besonders auffällt, wenn ihre Filmfigur mit Grigori verglichen wird. Dem Kriegsveteran konnte sein Alter bereits angesehen werden, was Aksinja häufig betont. Leider verrät der Rückentext schon beinahe alle wichtigen Wendepunkte der Geschichte. Dennoch ist die Handlung nicht vorhersehbar und bietet sich, nicht zuletzt wegen der intensiven Auseinandersetzung mit der Familie in über drei Stunden, zum Vergleich mit "Dr. Schiwago" und "Vom Winde verweht" an. Die Romanzen, die zweifellos vorhanden sind, werden auch hier vom Krieg in den Schatten gestellt. Durch Grigoris politische Gleichgültigkeit wird zusätzlich betont, wie unsinnig der Bruderkrieg war, der direkt dem ersten Weltkrieg folgte.

Digitale Aufarbeitung:
Für eine Nachbearbeitungszeit von einem Jahrzehnt ist die Bildqualität an einigen Stellen erschreckend mies. In dunklen Szenen rauscht das Bild, bei den Slow-Motion-Szenen stockt Frame für Frame, die Farben werden je nach Stimmung ge- und entsättigt, sodass die Landschaften künstlich wirken. Bei einer Fernsehproduktion ist das aber entschuldbar. Sehr gut ist dafür die Einarbeitung von Filmmaterial aus der damaligen Zeit, welche leider nur im ersten Teil vorliegt. Der deutsche Ton wird durch die Musik gelegentlich übertönt, bleibt jedoch natürlich. Die auf dem Backcover angeführte zusätzliche deutsche Tonspur in DD 2.0 ist nicht auf der DVD enthalten, sondern lediglich die DD 5.1-Variante.

Die Veröffentlichung besitzt ein Wendecover.

Fazit:
"Der stille Don" erzählt die Geschichte von Liebe und Krieg im langsamen und ausführlichen, aber dafür umso intensiveren Stil. Der Film entführt in die Welt der Donkosaken und zu ihrem Krieg gegen die Bolchewiken, lässt Einblicke in Traditionen und die damalige Gesellschaft zu und verliert dabei bis zur letzten Minute nichts von seiner fast schon exotischen Spannung. Die Sonderausstattung lässt dafür leider zu wünschen übrig. Bei einer russischen Fernsehserie, die mehr als doppelt so lang ist wie der Hauptfilm, wäre sicherlich noch interessantes Material für eine zweite DVD zur Hand gewesen.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
1,78:1
1,78:1
Teil 1:
91:03 Minuten

Teil 2:
86:20 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Englisch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
-
Der stille Don - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Der stille Don
Quiet Flows the Don

Bild unseres Mitarbeiters David Bühring
Vom Unsinn des Krieges: "Vom Winde verweht" in russischer Variation


Autor der Besprechung:
David Bühring

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Großbritannien, 2006
Regie:
Sergei Bondarchuk
Drehbuch:
Sergei Bondarchuk, Nicola Badalucco und Robert Balchus (basierend auf einem Roman von Michail Sholokhov)
Darsteller:
Rupert Everett, Delphine Forest, F. Murray Abraham, Ben Gazzara, Lorenzo Amato, Natalya Andreychenko, Mikhail Baskov, Alexander Bespalis, Alyona Bondarchuk, Sergei Bondarchuk, Vladimir Gostyukhin, Alexander Jharkov

Label Deutschland :
MiG Film
Verkaufsstart Deutschland :
29.09.2011