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Blu-ray-Besprechung - Life in a Day - Ein Tag auf unserer Erde

Story:
Inspiriert durch YouTube wurden Menschen in der ganzen Welt dazu aufgerufen, am 24.10.2010 ihren Tag zu filmen und die Aufnahmen Regisseur Kevin MacDonald zur Verfügung zu stellen. Daraus ließ dieser das Portrait eines Tages entstehen.

Meinung zum Film:
Der 24. Juli 2010 war für viele ein Tag wie jeder andere, bzw. ein ganz gewöhnlicher Samstag. Doch Produzent Ridley Scott („Alien“) und Regisseur Kevin Macdonald („Der letzte König von Schottland“) hatten die Idee etwas Besonderes aus diesem Tag zu machen. Inspiriert wurden sie dadurch, dass sich täglich Millionen von Menschen Banalitäten aus dem Leben anderer auf dem Videokanal YouTube ansehen, und diese teils auch auf ihren Pinnwänden bei Facebook posten. Die beiden Filmemacher haben sich wahrscheinlich gedacht, dass wenn sich die Menschen so etwas Tag für Tag heraussuchen, könnten sie ihnen auch genauso gut einfach eine bunte Collage aus unterschiedlichen Alltagssituationen präsentieren. Also wurde ein Aufruf gestartet und aus über 80.000 Einsendungen aus insgesamt 190 Ländern entstand eine bunte Zusammenstellung der Impressionen aus einem Tag im Leben vieler Menschen. Die Frage, die sich manch einer nun stellen mag, ist „Kann der Alltag von Menschen wirklich so interessant sein, dass 95 Minuten Film damit gefüllt werden können?“

Wie der Tag selbst beginnt auch der Film mit einigen Szenen aus den noch sehr frühen Morgenstunden und geht dann über in den frühen Morgen. Dabei wird gezeigt wie ein Mann aus Asien mit seinem Sohn in vollgestopften Räumen lebt. Zum morgigen Ritual gehört es bei ihnen einen Duftstab für die wahrscheinlich verstorbene Frau/Mutter anzuzünden. Eine andere Frau genießt den Morgen mit ihren beiden kleinen Kindern auf dem Bett liegend, während sich die Geburt eines weiteren Kindes ankündigt. Andere morgendliche Rituale zeugen vom Comiclesen auf dem Klo, dem Haarewaschen in einem Eimer, bis hin zu verschiedensten Arten sich die Zähne zu putzen. Als kleines Highlight gibt es dann das erste Mal eines Teenagers zu sehen, der sich als Premiere nass rasiert und dabei sichtliche Spuren im Gesicht hinterlässt. Eine Mutter nutzt ihre paar Sekunden Ruhm dazu ihren Sohn zu zeigen, der übernächtigt und noch vollkommen verschlafen aus dem Bett steigt. In dieser Art und Weise geht es in einem bunten, stimmungsvoll gewebten Videoteppich quer durch die Welt, bis der Tag in der späten Nacht mit den letzten Bildern beendet wird. Dass der Tag nicht für alle Menschen ein Tag wird jeder andere war, ist zwischenzeitlich aber schon deutlich geworden. Denn an jenem 24.07.2010 fand in Duisburg die Love Parade statt, die ein äußerst tragisches Ende fand. Auch hiervon sind vereinzelte Aufnahmen zu sehen, ohne dass dabei jedoch der Anstand gegenüber den Toten vergessen wird. Es gibt jedoch eine Sequenz, die zumindest fragwürdig erscheint. Denn ob Zuschauer ab 6 Jahren unbedingt gesehen haben müssen, wie ein Rind im Schlachthof getötet und anschließend die Kehle aufgeschlitzt wird, bleibt zumindest diskussionswürdig.

Die Art wie die Kleinkünstler an der Darstellung ihres Tages gingen ist höchst unterschiedlich. Einige stellten sich vor die Kamera und erzählten ihre Geschichte. Andere führten ihre materiellen Statussymbole vor, während wieder andere von den tragischen Seiten ihres Lebens berichteten. Manche nutzten den Tag um interessante Menschen aus ihrem Umfeld zu zeigen, während einige einfach nur die Kamera als drittes Auge mit auf ihrem alltäglichen Weg nahmen. Einige Amateurfilmer versuchten sich gar selbst als Künstler und fingen sehr ästhetische Bilder ein. Die Zusammensetzung der einzelnen Clips zu einem Ganzen, inklusive des Einsatzes von passender Musik sorgt dann dafür, dass der banale Alltag in dieser Form zu einer interessanten Reise durch verschiedenste Lebensumstände, Emotionslagen und Kulturen gerät. Das ist teilweise schön anzusehen, teilweise emotional, oft bewegend, manchmal nachdenklich machend, aber stets interessant ausgefallen. Um die anfänglich in den Raum gestellte Frage schlussendlich auch noch zu beantworten – ja, der Alltag durchschnittlicher Menschen kann 95 Minuten Film auf interessante Weise füllen. Sei es der voyeuristische Teil in uns, der auf diese Weise mit Reizen förmlich überflutet wird oder einfach nur ein Interesse daran zu sehen, wie andere Menschen ihren Samstag im Vergleich zu einem selbst verbringen, das Projekt funktioniert letztendlich äußerst gut.


Digitale Aufarbeitung:
Das Bild kann bei einem solchen Projekt natürlich keinen hochwertigen HD-Eindruck hinterlassen. Es gibt zwar durchaus Momente, in denen natives HD-Material genutzt wurde, aber die meiste Zeit über lag das Bild nur im SD-Format vor und wurde für die Blu-ray hochskaliert. Bei einem solchen Werk stellt dies aber in keinem Fall einen Makel dar. Der Ton liegt im jeweiligen O-Ton auf einer DTS-HD Master Audio 5.1 Tonspur vor und für ihn gilt vergleichbares wie für das Bild. Die Qualität ist schwankend, was aber am Ausgangsmaterial liegt. Optional können deutsche Untertitel eingeschaltet werden.

Als Extra gibt es unter dem Namen Interviews eine Art Making Of mit Editor Joe Walker und Regisseur Kevin Macdonald zu sehen, in dem beide ausführlich darauf eingehen wie das Projekt gehandhabt wurde und welchen Aufwand alleine das Sichten und Bearbeiten der einzelnen Clips bedeutete. Am Ende kommt auch noch Produzent Ridley Scott zu Wort, der auch noch einmal seine eigene Sichtweise schildert. Bei den Deleted Scenes handelt es sich um rund 37 Minuten bereits fertig zusammengeschnittener Clips, die es letzten Endes dann nicht in den Film geschafft haben, bzw. die nur in gekürzter Form übernommen wurden. Abschließend gibt es noch den Trailer zum Film. Der Blu-ray liegt außerdem ein Postkarten-Set mit Motiven aus dem Film bei.

Fazit:
„Life in a Day“ beweist, dass es oftmals die einfachen Dinge im Leben sind, die zu unterhalten verstehen. In diesem Fall sind es Momente aus dem Alltag vereinzelter Menschen rund um den Erdball, die in kurzen Videosequenzen präsentiert werden. Das Gesamtergebnis ist eine bunte Reise rund um den Globus, die ohne jede Längen über die gesamte Laufzeit zu unterhalten weiß.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 06
1,85:1
1,85:1
94:54 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Englisch
DTS-HD  Master Audio 5.1
DTS-HD Master Audio 5.1
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Interviews
  • Geschnittene Szenen
  • Kinotrailer
  • Postkarten
Life in a Day - Ein Tag auf unserer Erde - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Life in a Day
Life in a Day

Dieser Film wurde mit dem Splash-Hit ausgezeichnet


Bild unseres Mitarbeiters Michael Tomiak
Eine bunte Collage aus persönlichen Alltagserlebnissen als filmisches Ereignis


Autor der Besprechung:
Michael Tomiak

Filmdaten:

Regie:
Kevin Macdonald
Drehbuch:
-
Darsteller:
-

Label Deutschland :
Rapid Eye Movies
Verkaufsstart Deutschland :
10.10.2011