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Blu-ray-Besprechung - Happiness Runs

Story:
Der Jugendliche Victor (Mark L. Young) lebt zusammen mit seiner Familie in der zu Hippiezeiten entstandenen Kommune des dubiosen Gurus Insley (Rutger Hauer) und merkt langsam, dass die utopischen Ideale dieser Gemeinde - in der freie Liebe und freier Drogenkonsum großgeschrieben werden - vielleicht doch nicht so ganz das Wahre sind. Dann taucht seine einst weggezogene Kindheitsliebe Becky (Hanna Hall) wieder in der Kommune auf, um sich um ihren krebskranken Vater zu kümmern. Anscheinend haben die früheren Einflüsse immer noch Einfluß auf sie, denn sie bietet sich allen Männern als williges Lustobjekt an. Victor versucht Geld aufzutreiben, um zusammen mit Becky, die davon allerdings noch gar nichts weiß, aus der Kommune zu flüchten. Doch dieser Plan ist gar nicht so leicht in die Tat umzusetzen.

Meinung zum Film:
Wenn es eine Hitliste langweiliger, sinnfreier und ausgesprochen dämlicher Filme gäbe, würde "Happiness Runs" auf dieser mit Sicherheit sehr weit oben stehen. Eigentlich bietet die Geschichte, die auf wahren Begebenheiten aus dem Leben von Regisseur und Drehbuchautor Adam Sherman basiert, einiges an Potenzial: Eine gestörte Jugend, die durch das Aufwachsen in einer Art Hippie-Kommune verursacht wurde, hätte sicherlich zu einem gelungenen filmischen Kommentar gegenüber den entsprechenden Konzepten und Idealen dieser Gemeinschaft verarbeitet werden können. "Happiness Runs", das Spielfilmdebüt des Amerikaners Sherman, ist jedoch das genaue Gegenteil und stellt sich lediglich als weinerliches Herumgejammere darüber heraus, wie krank Eltern doch sein können.

Die nervige Erzählweise hilft dem Ganzen auch nicht weiter. Zu Beginn gibt es einige "Archivaufnahmen", die die Anfänge der Kommune zeigen sollen, ansonsten bleiben die Hintergründe dieser aber weitgehend unerklärt und schon bald findet sich der Zuschauer 20 Jahre später wieder, nämlich in der Zeit, zu der die eigentliche Handlung des Films spielt. Die ursprünglichen Kommunenmitglieder haben inzwischen Kinder, die sich im Teenageralter befinden und alle ziemlich gestört sind. Da wird mit Drogen gedealt, sämtliche Halluzinogene, die man in die Finger bekommt, werden sich eingeworfen - und wenn wie so oft noch dazu Alkohol im Spiel ist, kann es auch schon mal vorkommen, dass einfach eine lebende Kuh mit Benzin übergossen und angezündet wird. Im Prinzip läuft das Ganze darauf hinaus, dass gegen die Eltern, die ihren Kindern sämtliche erträumten Freiheiten lassen, der implizierte anklagende Zeigefinger erhoben wird, und dass diese offensichtlich noch schlimmer sind als solche, die mit strenger Hand eine genau entgegengesetzte Erziehungsmethode vertreten.

Für einen halbwegs mittelmäßigen Film hätte es vielleicht trotzdem noch gereicht, wenn Sherman zumindest die grundlegendsten Anforderungen erfüllen würde, sowohl  im Hinblick auf das Drehbuch als auch bezüglich der Inszenierung. Doch die Dichte der Erzählung entspricht in etwa der eines sehr weitmaschigen Netzes, wodurch bei einem Großteil der Figuren unklar bleibt, wer sie eigentlich sind, was sie machen, warum sie auftauchen oder in welchem Verhältnis sie zu Shermans Film-Alter-Ego Victor (Mark L. Young) stehen. Sie sind eben einfach da, weiterführende Fragen sollten daher besser gar nicht erst gestellt werden. Statt Erklärungen bietet Sherman lieber jede Menge Traumsequenzen, oder besser gesagt Drogenrauschsequenzen, die nichts weiter als ein Mittel zum Zweck darstellen und keinen tieferen Sinn besitzen, als den Zuschauer mit sämtlichen visuellen Spielereien zu langweilen, die gerade zur Hand waren. Da werden Sequenzen rückwärts abgespielt, diverse Farbfilter und Übersättigungseffekte benutzt und um besonders cool zu wirken, wurde auch noch extra grobkörniges Filmmaterial benutzt. Der "Cool-Faktor" ist dann aber doch nichts weiter als ein zusätzlicher "Nerv-Faktor" und auch die kurzen Auftritte von Andie MacDowell ("Und täglich grüßt das Murmeltier"), Rutger Hauer ("Batman Begins") und Richard Edson ("Ferris macht blau") können nicht mal im Ansatz eine Rechtfertigung dafür bieten, sich diesen Film zu Gemüte zu führen. Selbst, wer sich 90 Minuten lang schweigend und nichtstuend vor eine Wand setzt, zieht daraus eine größeren persönliche Erfüllung, als beim Anschauen von "Happiness Runs".

Digitale Aufarbeitung:
Technisch bietet "Happiness Runs" mittelprächtige Qualität. Der HD-Transfer ist dem Bild zwar anzusehen, zu besonders guten Werten reicht es jedoch nicht. Die Schärfe ist in Ordnung, wirkt aber im Detailbereich immer etwas zu weich. Die Farben sind, zumindest außerhalb der Drogenszenen, größtenteils natürlich, erscheinen allerdings deutlich entsättigt und nicht wirklich kräftig. Der Transfer rauscht stark und macht der Kompression, die damit nicht gut zurechtkommt, deutliche Probleme. Des Weiteren ist der Bildstand etwas unruhig und es fallen immer wieder mal Verschmutzungen auf. Der Ton liegt auf Deutsch und Englisch in Dolby Digital 2.0 vor, die deutsche Fassung gibt es zudem als 5.1-Variante, bei der es sich vermutlich um einen Upmix handelt. Alle Spuren bieten klar verständliche Dialoge und passend abgemischte Musik, sind aber durchweg stark frontlastig.

Als Bonusmaterial gibt es lediglich den Trailer zum Film.

Fazit:
"Happiness Runs" hätte ein kritischer Filmkommentar zu den Idealen der Hippiebewegung und der späteren Kommunen werden können, im Endeffekt hat es bei dem teilweise autobiografischen Werk von Regisseur und Autor Adam Sherman aber doch zu nichts weiter als zu ein bisschen Herumgejammere, Selbstmitleid und Elternbeschuldigungen gereicht. Dass der Film zudem als lückenhafte, schlecht erzählte und amateurhaft inszenierte Geschichte daherkommt, die zum Großteil aus experimentellen Drogenrauschsequenzen besteht, setzt dem Fass die Krone auf. Da helfen selbst die Miniauftritte der paar bekannteren Darsteller nichts mehr. Zumindest technisch bietet die Blu-ray aber befriedigende Qualität, Bonusmaterial ist jedoch,  mit Ausnahme des Filmtrailers, nicht vorhanden.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
1,78:1
1,78:1
89:25 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Deutsch
DTS-HD  Master Audio 5.1
DTS-HD Master Audio 5.1
Englisch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Trailer
Happiness Runs - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Happiness Runs
Happiness Runs

Bild unseres Mitarbeiters Jano Rohleder
Sinnfreies und schlecht inszeniertes Herumgejammere über böse, böse Hippie-Eltern


Autor der Besprechung:
Jano Rohleder

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 2010
Regie:
Adam Sherman
Drehbuch:
Adam Sherman
Darsteller:
Mark L. Young, Hanna Hall, Shiloh Fernandez, Jesse Plemons, Steven Christopher Parker, Laura Peters, Andie MacDowell, Rutger Hauer,

Label Deutschland :
MiG Film
Verkaufsstart Deutschland :
13.10.2011