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Blu-ray-Besprechung - Nydenion - Krieg der Kolonien

Story:
Im Jahr 2630 herrscht Krieg im Weltraum und eigentlich weiß kaum noch jemand, welche Ziele die einzelnen Kolonien dabei eigentlich verfolgen. In diesem Kampf jeder gegen jeden erhält ausgerechnet der ehemalige Kampfpilot und mittlerweile völlig desillusionierte Freiberufler Rick Walker (Jack Moik) den Auftrag, die Botschafterin Cynthia Perkins (Annette Schmiedel) zu geheimen, bahnbrechenden Friedensverhandlungen zu eskortieren. Allerdings sehnen sich längst nicht alle Parteien nach Frieden und Nathan Gallagher (Marcos Koutelas), der mit Walker noch eine alte Rechnung offen hat, ist auch nicht gerade der optimale Auftraggeber für eine solche Mission.

Meinung zum Film:
„Nydenion – Krieg der Kolonien“ begann als kleines deutsches Fan-Projekt einer Gruppe Science-Fiction-Freaks unter Leitung von Regisseur und Hauptdarsteller Jack Moik, wuchs und professionalisierte sich aber stetig über einen beinahe unglaublich erscheinenden Zeitraum von 15 Jahren. Letztendlich wurde der Film mit Hilfe der Firma Magna Mana FX GmbH, wo Moik mittlerweile zu einem der Gesellschafter aufstieg, und deren Chefs, bzw. hier Produzenten, Caspar Arnhold, Frank Vogt und Alexander Roeder aber endlich fertiggestellt und wird jetzt im Vertrieb von NewKSM als reguläres Vollpreisprodukt im Heimkinosektor auf Blu-ray und DVD ins Rennen um die Käufergunst geschickt. Der Großteil der Rollen im Film wurde mit Laiendarstellern bzw. Mitwirkenden der Produktion besetzt, um deren Eindruck allerdings aufzupolieren wurde der Film mit professionellen deutschen Sprechern nachsynchronisiert. Tricktechnisch gibt sich der Film äußerst experimentierfreudig und besteht neben Realfilmsequenzen bzw. Green- und Blue-Screen-Aufnahmen auch noch aus CGI-Animationen und Modellbauten, während bei den Hintergründen auf Matte-Paintings gesetzt wird. Alle diese einzelnen Elemente werden im fertigen Film immer wieder auf vielfältige Weise miteinander kombiniert und sollen ein homogenes Ganzes ergeben.

„Nydenion“ begann zwar mit vielen Freiwilligen und mikroskopischen finanziellen Aufwendungen quasi als Amateurfilmprojekt, kostete aber über 15 Jahre eine große Anzahl von Menschen eine erhebliche Menge an (Herz-)Blut, Schweiß und Tränen und professionalisierte sich im Rahmen einer entwicklungstechnischen Evolution immer stärker bis zum heutigen fertiggestellten Produkt im kommerziellen Heimkinosektor. Dabei wird „Nydenion“ nicht einfach als kleines, innovatives deutsches Science-Fiction-Projekt vermarktet, sondern würde gerne direkt als Space-Opera im „Star Wars“-Stil aufgenommen. Ein solches Selbstverständnis ist natürlich von Anfang am zum Scheitern verurteilt und als Vollpreisprodukt muss sich „Nydenion“ eben auch mit aktuellen Blockbustern messen, ganz zu Schweigen von Sci-Fi-Klassikern der 80er- und 90er-Jahre, die dem Projekt bzw. seinem geistigen Vater Jack Moik als Inspirationsquelle dienten. Nun ist es natürlich unfair, die Effekte des vorliegenden Werkes 1:1 mit Großproduktionen wie eben „Star Wars“, „Starship Troopers“, oder „Event Horizon“ zu vergleichen. Trotzdem muss in diesem Sektor bereits konzeptionell ein Scheitern des Mixed-Technology-Ansatzes attestiert werden. Die Realfilmsequenzen und die Verwendung der Green- bzw. Blue-Screens wirken äußerst billig und erinnern qualitativ an die damals in dieser Hinsicht noch revolutionären Zwischensequenzen der Computerspiele „Wing Commander 3-5“ (1994-1997). Die CGIs sind von sehr wechselhafter Qualität. Sie kommen allerdings im Normalfall auch kaum über das Niveau nicht mehr ganz taufrischer Videospiele hinaus und enttäuschen besonders im Hinblick auf ihre äußerst limitierten Animationsphasen. Zudem sind die Matte Paintings stets deutlich als künstliche Elemente erkennbar und fallen auch nicht besonders detailliert aus. Tricktechnisches Highlight sind daher noch am ehesten die Raumschiffe, die mit viel Liebe zum Detail aus bestehenden Science-Fiction-Baukästen diverser Genre-Blockbuster zu neuen Modellen kombiniert, umgebaut und erweitert wurden. Bei der Kombination der einzelnen Stilrichtungen bzw. Techniken ergeben sich jedoch fast durchgehend Probleme bzw. letztendlich entsteht ein unbefriedigendes Gesamtergebnis.

Auf der inhaltlichen Ebene kann „Nydenion“ jedoch noch deutlich weniger überzeugen. Zunächst einmal wirken fast alle (Laien-)Darsteller durch die Bank sehr steif und unglaubwürdig, die professionelle Nachsynchronisation verhindert zwar ein Absinken bis zum Amateurfilmsektor, allerdings wird hier nie mehr als unteres TV-Niveau erreicht. Nun präsentieren sich Fanfilme ja häufig, bei allen handwerklichen Problemen, als augenzwinkernde Hommage an ihre Vorbilder und als zitierfreudige Verbeugung vor dem Genre. „Nydenion“ bietet hingegen inhaltlich leider nur ein großes Nichts. Der Film nimmt sich mit seiner Simpelstory um einen ehemaligen Kampfpiloten, der lediglich eine Botschafterin gegen alle Widrigkeiten im Verlauf einer langen Odyssee zu Friedensverhandlungen geleitet, viel zu ernst. Die lakonische Art von Walker ist der einzige Anflug von Selbstironie und auch anfängliche Ausflüge ins Genre des Buddy-Films enden so abrupt wie endgültig. Die Dialoge wirken im Aufbau dermaßen gestelzt, künstlich und naiv, dass hier wirklich die Frage erlaubt sein muss, wer sich in den 15 Jahren eigentlich um das verstaubte Drehbuch bemühte. Denn auch dramaturgisch gibt es hier keine Überraschungen und „Kleinigkeiten“ wie die Planetennamen schüttelte Moik einfach so aus dem Ärmel. So kann natürlich kein glaubwürdige und authentisch anmutende fiktive Realität oder Zukunftsvision entstehen, schon gar nicht, wenn sie mit nerdigem Techievokabular wie „Photonenschatten“ hier und „Quantendingsbums“ dort oder ähnlichem Blödsinn durchsetzt wird.

Digitale Aufarbeitung:
Zwar begann „Nydenion“ als kleines Amateurprojekt, der Vertrieb platziert den Film jedoch nicht nur auf dem Vollpreissektor, sondern wagt auch direkt den Sprung auf das High-End-Medium der Blu-ray. Leider kann das Ergebnis nicht überzeugen, wobei nicht ohne Weiteres zu klären ist, ob das lediglich in den teilweise semi-professionellen Produktionsbedingungen begründet liegt. Das größte und wirklich extrem störende Problem ist zunächst das sehr starke Bildrauschen, das in dieser Form selbst bei älteren Produktionen nur äußerst selten anzutreffen sein dürfte und die Bildqualität massiv negativ beeinträchtigt, besonders bei dunkleren Sequenzen. Weitere Kritikpunkte sind die seltsam blasse Farbgebung und die leider ziemlich unausgewogenen Kontrastwerte. Oft leidet das Bild unter Überstrahlungen und bei schlecht ausgeleuchteten Szenen gehen Bildinformationen in erheblichem Ausmaß verloren. Die Bildschärfe in den Realfilmsequenzen ist einfach nur enttäuschend und stünde selbst einer DVD alles andere als gut zu Gesicht. Tricksequenzen hinterlassen hier einen deutlich besseren Eindruck bzw. gilt: je geringer der Realfilmanteil, desto besser die Bildqualität. Trotzdem wird hier nirgends normales HD- bzw. Blu-ray-Niveau erreicht. Die deutsche DTS-HD-Master-Audio-5.1-Tonspur ist ausgewogen abgemischt und bietet eine gute Verständlichkeit, kocht aber effekttechnisch eher auf Sparflamme, sowohl was deren Umsetzung, als auch ihre räumliche Qualitäten betrifft.

Das Bonusmaterial der BD ist äußerst umfangreich ausgefallen. Den Anfang macht der deutsche Audiokommentar von Regisseur Jack Moik, der äußerst interessant, aber auch durchaus unterhaltsam ausgefallen ist. Neben sehr vielen technischen Hintergründen gibt es hier auch Informationen zum sehr langwierigen Produktionsprozess des Films. Auffällig ist allerdings die sparsame Kommentierung inhaltlicher Aspekte. Der zweite deutsche Audiokommentar, mit dem Modellbauer bzw. Set-Designer Benjamin Goetzky und dem Co-Autor Marcus Grebe, ist jedoch noch deutlich technokratischer ausgefallen. Allerdings wird hier teilweise so sehr ins technische Detail gegangen, dass dieser Audiokommentar vom Unterhaltungswert eher ermüdend ausfällt. Weitere Hintergründe zu seinem Lebenswerk, Infos zu seinem Modellbauhintergrund und der Entstehung des Drehbuchs liefert Regisseur Moik höchstselbst in einem Interview (19:40). Ein weiteres Interview mit den Produzenten Caspar Arnhold und Frank Vogt (18:43) beschäftigt sich vor allem mit Fragen der Budgetierung, Vermarktung und der letztendlichen Fertigstellung des Films. Neben einem Teaser, dem Trailer und einer Bildergalerie mit Artwork, Szenenfotos und Aufnahmen vom Dreh gibt es auch noch ein ausführliches neunteiliges Making Of (59:32). Dieses beschäftigt sich u.a. mit den Filmstunts, Greenscreen-Aufnahmen, dem Equipment, das in „Nydenion“ zu sehen ist, den verwendeten Modellen, z.B. für die Schiffstypen, den Motion-Control-Aufnahmen mit eben diesen Kreationen, einem Auftritt auf der „Fed Con 2010“, der Effektarbeit am PC sowie der Erstellung von Storyboards und den verwendeten Sets.

Fazit:
„Nydenion – Krieg der Kolonien“ begann als kleines, unabhängiges Fanprojekt und ist über einen Zeitraum von 15 Jahren offensichtlich zu unkontrolliert und zu vielfältig gewachsen, um daraus letztendlich noch ein stimmiges Gesamtbild erzeugen zu können. Gerade der Übergang in den kommerziellen Sektor ist für diesen Film einige Nummern zu groß ausgefallen, was sich neben handwerklichen Mängeln eben vor allem auch in großen inhaltlichen Problemen sowie fehlender kritischer Distanz zu und Selbstironie gegenüber dem Endprodukt äußert. Technisch kann die vorliegende Blu-ray überhaupt nicht überzeugen, erschlägt den Käufer allerdings mit umfassendem und durchaus interessantem Bonusmaterial.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
1,78:1
1,78:1
90:04 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
DTS-HD  Master Audio 5.1
DTS-HD Master Audio 5.1
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Audiokommentar von Regisseur Jack Moik
  • Audiokommentar von Modellbauer / Set-Designer Benjamin Goetzky und Co-Autor Marcus Grebe
  • Teaser
  • Interview mit Regisseur Jack Moik
  • Interview mit den Produzenten Caspar Arnhold und Frank Vogt
  • Making Of-Featurettes
  • Trailer
  • Bildergalerie
Nydenion - Krieg der Kolonien - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Nydenion - Krieg der Kolonien
Nydenion - Krieg der Kolonien

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Bei allem Respekt gegenüber dem großen Engagement der Beteiligten - Nicht jedes Fanprojekt taugt auch zum Blockbuster!


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland, 2010
Regie:
Jack Moik
Drehbuch:
Marcus Grebe, Jack Moik, Eva Maria Peters, Thomas Rushforth
Darsteller:
Jack Moik, Annette Schmiedel, Marcos Koutelas, Stefanie Dal Canton, Andreas Arens, Axel Mertes, Axel Loh, Andreas Konzack

Label Deutschland :
NewKSM
Verkaufsstart Deutschland :
07.11.2011