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Blu-ray-Besprechung - Island 63° 66° N (3-Disc Set)

Story:
Stefan Erdmann, ursprünglich gelernter Grafiker und ausgebildeter Drucker, entdeckte irgendwann zu Beginn des neuen Jahrtausends seine Liebe für Island. Der Inselstaat tat es ihm bereits beim ersten Besuch an und so begab er sich in den Folgejahren immer wieder dorthin, mit dem ehrgeizigen Ziel, ganz allein einen Film über die Insel zu drehen. Nur er war dort unterwegs, weitere Teammitglieder o.Ä. gab es nicht und auch die Postproduktion einschließlich des Komponierens der Hintergrundmusik übernahm der gebürtige Münchner selbst, letzteres allerdings zusammen mit einem Bekannten. Dabei entstanden die drei Filme "Eine phantastische Reise durch ein phantastisches Land", "Der Laugavegur - Weg der heißen Quellen" und "Island von oben". Während "Eine phantastische Reise" allgemeine Impressionen der Insel zeigt, folgt "Der Laugavegur" der gleichnamigen 70 Kilometer langen Wanderstrecke und "Island von oben" präsentiert Aufnahmen, die beim Flug mit einem Ultralight-Flugzeug entstanden sind.

Meinung zum Film:
Eines muss Stefan Erdmann zugestanden werden, sein ehrgeiziges "Island"-Projekt verfügt über eine beeindruckende Optik und wenn man sich vor Augen hält, dass alle drei Filme komplett von ihm allein ohne Hilfe produziert wurden, kann nur respektvoll der Hut gezogen werden. Eigentlich sind die drei Teile auch gar nicht mal übermäßig schlecht, wenn man nur das Visuelle in Betracht zieht. In jeder einzelnen Aufnahme ist zu spüren, dass der Filmemacher die Insel liebt und ihr mit seinem ehrgeizigen Projekt ein episches Denkmal setzen wollte. Seine Leistung dabei ist zunächst erstaunlich und bewundernswert, denn alle drei Teile verfügen über einen äußerst professionellen Look, der sich vor groß angelegten Mainstream-Dokumentationen nicht verstecken muss.

Allerdings zeigt seine Produktionsweise auch deutliche Nachteile, die ein bisschen an das ebenfalls von New KSM veröffentlichte ehemalige Fanfilm-Projekt "Nydenion - Krieg der Kolonien" erinnern. Dadurch, dass keine Profis an den Filmen beteiligt waren und Erdmann alles selbst gemacht hat, fehlte leider offensichtlich auch die kritische Hinterfragung des eigenen Werks. Zu viele Köche verderben zwar den Brei, davon können so manche Filmschaffende ein Lied singen. Aber zu wenige Köche bzw. nur ein einziger ist dann auch nicht so ganz das Wahre. Besonders deutlich wird das daran, dass alle drei "Island"-Teile weder über irgendeine Art von Dramaturgie noch über tatsächlichen Informationsgehalt verfügen. Zwar können die Filme mit optionalem deutschen, oder englischen, Erzählkommentar angeschaut werden, doch wirklich informativ ist dieser nicht ausgefallen. Und dass als gleichwertige Tonspur eine kommentarlose Fassung anwählbar ist, deutet ebenfalls darauf hin, dass die entsprechenden Anmerkungen des Regisseurs - der auch noch furchtbar ruhig-zurückhaltend und mit anstrengendem "S"-Fehler spricht - sowieso nicht von nennenswerter inhaltlicher Bedeutung sind.

Das Ganze ist also als eine visuelle Hommage gedacht, was ja auch schön und gut ist. Allerdings stellt sich schnell die Frage, wer sich das ansehen soll und vor allem auch freiwillig will. Selbst Hardcore-Islandfans dürfte die Tatsache abschrecken, dass hier zu anderweltlichen Traumklängen nur eine endlose Aneinanderreihung zwar wirklich schöner, aber dabei leider auch furchtbar lahmer Aufnahmen zu sehen ist. Zumindest ein bisschen Erzähltempo - oder überhaupt irgendeine Art von "Erzählung" oder Informationsvermittlung - hätte es schon sein dürfen, denn die endlos langen Einstellungen, die einfach gefühlte Ewigkeiten auf ein bestimmtes Motiv halten, bevor zum nächsten übergeblendet wird, gehen allerspätestens nach einer Viertelstunde gehörig auf die Nerven. Dumm nur, dass allein der erste Teil, "Eine phantastische Reise durch ein phantastisches Land", bereits knapp zwei Stunden dauert und auch die Folgeteile nochmals jeweils rund anderthalb Stunden mitbringen. Hinzu tritt außerdem noch sehr umfangreiches "nicht verwendetes Material" bei den Extras. Als Zuschauer tut einem Stefan Erdmann fast schon leid, denn in Anbetracht seiner Bemühungen würde man gerne bei der Sache bleiben und nicht schon nach einem Achtel jedes Films wegdösen. Doch hat sich der Regisseur selbst zuzuschreiben, dass er im Gegensatz zu den spannenden und faszinierenden BBC-Produktionen, deren Niveau nunmal bei einem Vollpreisprodukt im Dokubereich als Vergleich angelegt werden muss, keinerlei Unterhaltungswert, sondern lediglich einen hübschen und extrem überlangen Bildschirmschoner bietet.

Digitale Aufarbeitung:
Den "Island"-Transfers ist zwar ihre HD-Herkunft anzumerken, allerdings müssen dennoch ein paar Abstriche in Kauf genommen werden, die wohl in der verhältnismäßig günstigen Filmausrüstung von Stefan Erdmann begründet liegen. Die Farben wissen zu gefallen und sind kräftig und leuchtend. Rauschen macht sich nicht bemerkbar, auch Kompressionsprobleme fallen nicht auf. Das große Problem ist allerdings die Schärfe, die vor allem bei Nahaufnahmen und im Detailbereich nicht ausreicht. Das Bild wirkt zwar nie übertrieben weich, aber gerade bei den vielen feinen Strukturen - wie Steinen, Grashalmen u.Ä. - fällt stark auf, dass diese nicht wirklich gut durchzeichnet sind und eher breiig wirken. Dadurch entsteht sogar manchmal in wenigen Szenen der Eindruck eines hochskalierten SD-Transfers, was für eine HD-Produktion etwas unschön ist. Die Tonspuren sind hingegen durchweg gut abgemischt und die Hintergrundmusik, die auch den Großteil des akustischen Geschehens ausmacht, verteilt sich druckvoll im Raum.

Als Bonusmaterial verfügt die erste BD über zusätzliche nicht verwendete Aufnahmen sowie über die Trailer zur Reihe. Letztere sind auch auf den Discs zwei und drei zu finden. Außerdem bietet jeder Teil eine interaktive Islandkarte, mittels derer über Hotspots zu Filmstellen gesprungen werden kann, die die jeweils abgebildeten Lokalitäten zeigen.

Fazit:
"Island 36° 66° N", die dreiteilige Dokumentation von Stefan Erdmann, ist zwar wirklich liebevoll gemacht, aber leider viel zu lahm, lang und uninteressant, um für ein nicht extrem umfassend an Island interessiertes Publikum erträglich zu sein. Und selbst Zuschauer, die die Insel genauso lieben wie der Filmemacher, werden die langen, zähen Einstellungen ohne Dramaturgie irgendwann zu anstrengend finden, um sich das Ganze insgesamt rund fünf Stunden lang anzutun. Schade, hier wäre Potenzial für etwas deutlich Packenderes vorhanden gewesen, wie die spektakuläre Optik erahnen lässt. Technisch bewegt sich die Blu-ray-Box auf befriedigendem bis gutem Niveau, das Bonusmaterial hätte aber etwas umfangreicher ausfallen können.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK INFO-Programm
1,78:1
1,78:1
287:26 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
DTS-HD  Master Audio 5.1
DTS-HD Master Audio 5.1
Englisch
DTS-HD  Master Audio 5.1
DTS-HD Master Audio 5.1
Untertitel:
Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch
Bonusmaterial:
  • Entferntes Filmmaterial
  • Virtuelle Islandkarte
  • Trailer
Island 63 66 N (3-Disc Set) - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Island 63° 66° N
Island 63° 66° N

Bild unseres Mitarbeiters Jano Rohleder
Optisch wunderschöne, aber inhaltlich völlig einschläfernde Island-Trilogie


Autor der Besprechung:
Jano Rohleder

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland, 2011
Regie:
Stefan Erdmann
Drehbuch:
Stefan Erdmann

Label Deutschland :
NewKSM
Verkaufsstart Deutschland :
07.11.2011