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Blu-ray-Besprechung - Fat Pizza

Story:
Pauly (Paul Fenech), Sleek (Paul Nakad) und Davo (Jason „Jabba“ Davis) sind Pizzaboten bei „Fat Pizza“. Die schmierige Imbissbude wird von Bobo Gigliotti (John Boxer) geleitet, der immer noch Jungfrau ist und gerade sehnsüchtig seine chinesische Katalogbraut aus dem Internet erwartet. Allerdings ist seine Mutter (Maria Venuti) wenig erbaut über diese Verbindung. Zudem befindet sich eben jene Ling (Jo Jo Yee) gegenwärtig mit ihrer gesamten Großfamilie auf der Flucht vor der Einwanderungsbehörde. Keine guten Aussichten für die anstehende Hochzeit und ausgerechnet Pauly den Trauring anzuvertrauen, erscheint auch nicht als die wirklich cleverste Idee. Währenddessen bekommen Oberchecker Sleek und sein Sidekick Habib (Tahir Bilgic) Probleme mit der Russenmafia und den Triaden, weil Sleek einige ihrer Töchter durchgenudelt und Habib diese Sexvideos dann auch noch im Internet hochgeladen hat.

Meinung zum Film:
„Fat Pizza“ ist eine australische Produktion aus dem Jahr 2003, die mit einem Budget von lediglich etwa 400.000 Dollar realisiert wurde, alleine in Australien aber bereits beinahe das Zehnfache dieser Summe wieder eingespielt hat. Dieser Erfolg speist sich sicherlich zu einem großen Teil daraus, dass es sich hier um den Kinoableger der in Australien sehr erfolgreichen SBS-Comedy-Serie „Pizza“ handelt, die natürlich auch alle wichtigen Charaktere der Fernsehserie enthält. Inhaltlich lässt sich der Film am ehesten mit „New Kids Turbo“ vergleichen, dem ja ebenfalls eine TV-Serie zugrunde lag. Entsprechend episodisch sind auch hier die Geschehnisse, die mit einem sehr dezent verlaufenden roten Faden zusammengehalten werden, vor allem mit dem übergeordneten Motiv von Bobos anstehender Hochzeit. Dazu kommt dann aber in Bezug auf die Gags auch noch eine gehörige Prise „Dei Mudder sei Gesicht“. Der Film bedient sich also massiv ethnischer Stereotypen, was aber hier wie dort aufgrund des entsprechenden Hintergrunds der Macher rassistischen Motiven gegenüber unverdächtig ausfällt. Bei der deutschen Synchronisation versuchte der Vertrieb dann auch noch mal entsprechend einen draufzusetzen und präsentiert eine Art Ethno-Asi-Slang, zudem teilweise mit dialektischer Einfärbung (Ossis, Holländer, Ösis). Paul Fenech führte nicht nur Regie und schrieb gemeinsam mit Tahir Bilgic das Drehbuch, sondern ist auch als Hauptdarsteller aktiv, während Bilgic ebenfalls eine der größeren Rollen im Film übernahm.

„Fat Pizza“ versteht sich als schwarze Komödie, die mit rassistischen Stereotypen spielt, und setzt auf eine Kombination aus pubertären, schlüpfrigen Anspielungen auf sexuelle Praktiken, Fäkalhumor und diverse Slapstick-Einlagen und bedient sich dabei völlig überzeichneter Charaktere, die von einem Fettnäpfchen ins nächste treten. Rein optisch wirkt die „Fat Pizza“-Truppe mit libanesischem Hintergrund, als wären sie gerade vom Dreh mit „Ali G“ eingeflogen worden, „todschicke“ Trainingsanzüge, Goldketten, gepimpte Asi-Karren, lediglich Davo, der neue Pizzabote, ist dem „White Trash“-Sektor zuzuordnen und ständig auf Droge. Der hier aufgefahrene Humor richtet sich dabei grundsätzlich eher an schlichte Gemüter und versucht mit billigen Gags unter der Gürtellinie zu punkten. Die stupiden Geschehnisse, denen leider jede Subtilität abgeht, reihen sich dabei endlos und weitgehend episodisch aneinander und ermüden daher sogar schnell die Zuschauer, die sich gerne auf diese pubertäre Humorschiene einlassen möchten. Die ursprüngliche Herkunft des Szenarios als TV-Serie ist hier nicht zu übersehen und es ist den Machern leider zu keiner Zeit gelungen, einen wirklich durchgehenden Film zu kreieren. Vielmehr wirkt es, als wären einfach diverse Episoden der Serie aneinandergeklatscht worden.

Freunde von „American Pie“ und Konsorten sollten zudem angesichts der FSK 18 nicht der irrigen Annahme verfallen, sie würden hier mit nackten Tatsachen überschüttet. Zwar wird hier ständig über Sex geredet und es kommt auch ab und an zum Beischlaf, die visuelle Darstellung fällt allerdings dermaßen züchtig aus, dass selbst eine Altersfreigabe ab 12 Jahren durchaus vertretbar gewesen wäre. Insofern versteht sich die hohe Altersfreigabe als offensichtliches Zugeständnis an das angepeilte Videothekenpublikum, das gerne in dieser Ecke zu wildern pflegt. Zwar gibt es mit Sicherheit noch deutlich debilere Komödien auf dem Markt, die endlose Aneinanderreihung von Zoten, Stereotypen und der akustischen Vergewaltigung der deutschen Sprache werden jedoch im Verbund mit der fragmentarischen Aufbereitung des Films mit zunehmender Zeit immer mehr zum nervtötenden Ärgernis. Zudem dürfen optisch angesichts des Budgets eben auch keine Highlights erwartet werden und eine in Ansätzen witzige Parodie auf David Copperfield ist hier humoristisch bereits das obere Ende der Fahnenstange. Zudem zeigt sich beispielsweise in Person der indischen Konkurrenz von „Phat Pizza“, dass das Heranziehen eines Klischees an sich eben auch noch keine Parodie darstellt, auch nicht durch stetige Wiederholung.

Digitale Aufarbeitung:
Der Film liegt lediglich im 1080i-Halbbildformat vor und sieht aus wie eine angesichts des Budgets halbwegs ordentliche DVD, aber sicherlich nicht wie eine Blu-ray. Detailschärfe und Plastizität sind eigentlich gar nicht vorhanden, das Bild wirkt ziemlich weich, außerdem stören Kantenflimmern, Artefakte und ein stärkeres Rauschen den Seheindruck. Zudem gibt es deutliche Bewegungsunschärfen und die Farben wirken zwar weitgehend natürlich, aber auch etwas verwaschen. Die Kontrastwerte schlagen sich hingegen ziemlich wacker. Entgegen den Herstellerangaben befindet sich auf der BD neben den deutschen DTS-HD-Master-Audio-5.1- und Dolby-Digital-2.0-Tonspuren lediglich noch eine englischsprachige DTS-5.1-Fassung. Das spielt allerdings bei dieser Produktion eh keine große Rolle, denn außer ein paar eingestreuten kräftigeren Bässen, z.B. in den Discosequenzen, kocht der Film soundtechnisch eher auf Sparflamme. Die Dialoge sind allerdings stets gut verständlich.

Die Menüpunkte „Salami“ (7:10) und „Schinken“ (9:49) enthalten nichts anderes als Deleted Scenes bzw. erweiterte Szenen und sind ebenso unlustig wie der Hauptfilm. „Oliven“ (22:34) ist hingegen eine willkürliche Aneinanderreihung verschiedener Elemente, die z.B. ein Interview mit dem Regisseur, ein Musikvideo zum Film oder Filmtrailer enthält. Das gesamte Bonusmaterial liegt nur in englischer Sprache ohne Untertitel vor. Die Veröffentlichung verfügt über ein Wendecover.

Fazit:
„Fat Pizza“ ist die Kino-Auskopplung einer zumindest in Australien sehr erfolgreichen TV-Serie. Das Werk strotzt vor ethnischen Stereotypen, Zoten, Fäkalhumor und pubertärem Beischlafgehabe, vergrätzt aber auch Zuschauer, die sich auf diese Unterhaltungsschiene begeben wollen, durch seine simple Machart und seine episodisch angelegte Struktur ohne wirklich dominanten roten Faden. Technisch ist diese Blu-ray dem Medium keinesfalls würdig und dürfte so gut wie keine Vorteile gegenüber der DVD-Fassung bieten.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 18
1,78:1
1,78:1
93:24 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Deutsch
DTS-HD  Master Audio 5.1
DTS-HD Master Audio 5.1
Englisch
DTS 5.1
DTS 5.1
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • "Salami"
  • "Schinken"
  • "Oliven"
Fat Pizza - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Fat Pizza
Fat Pizza

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Hier bleiben dem Zuschauer die Pizza und das Lachen im Halse stecken!


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Australien, 2003
Regie:
Paul Fenech
Drehbuch:
Paul Fenech, Tahir Bilgic
Darsteller:
Paul Fenech, Paul Nakad, Tahir Bilgic, Jason "Jabba" Davis, Maria Venuti, Annalise Braakensiek, Kirsty Lee Allan, George Kapiniaris

Label Deutschland :
MiG Film
Verkaufsstart Deutschland :
10.11.2011