Splashpages  Home Movies  Rezensionen  Rezension  Winter's Bone
Partner von Entertain Web
http://www.splashmovies.de/php/images/spacer.gif
The DescendantsLucky TroubleDas Todesspiel

In der Datenbank befinden sich derzeit 3.899 Rezensionen. Alle Rezensionen anzeigen...

Blu-ray-Besprechung - Winter's Bone

Story:
Es ist nicht ungewöhnlich, dass der Vater der 17-jährigen Ree Dolly (Jennifer Lawrence) Ärger mit dem Gesetz hat. Doch diesmal könnte sein Ärger zum Problem für die ganze Familie werden, da er Haus und Hof für seine Kaution verpfändet hat. Und trotz der in einer Woche gegen ihn beginnenden Gerichtsverhandlung ist er nicht aufzufinden. Um die einzig noch gebliebene Lebensgrundlage ihrer Familie zu retten, macht sich Ree auf die Suche nach ihrem Vater und begibt sich dadurch zusehends in Gefahr.

Meinung zum Film:
„Winter’s Bone“ war der Überraschungsfilm bei den Oscar-Nominierungen 2011, wo die kleine Produktion in den großen Kategorien „Bester Film“, „Bestes Drehbuch nach einer Vorlage“, „Beste Hauptdarstellerin“ und „Bester Nebendarsteller“ nominiert wurde. Mit nach Hause nehmen konnte der Film letzten Endes zwar keinen der Preise, doch Jennifer Lawrence („X-Men: Erste Entscheidung“) durfte sich immerhin die Golden Globe-Trophäe für die beste Hauptdarstellerin in die Vitrine stellen. Der Film handelt vom trostlosen Leben eines Teenagers, der sich in den armen Backwoods Amerikas durchboxen muss. Ihr Vater ist selten zu Hause, ihre Mutter ist apathisch und spricht schon seit längerem nicht mehr. Geld und Lebensmittel sind ein seltenes Gut in der Familie. Es liegt an Ree das fragile Familiengebilde zusammen zu halten und ihre zwei jüngeren Geschwister und ihre Mutter durch den Tag zu bringen. Eichhörnchen gehören im Leben von Ree und ihren Geschwistern dabei nicht zu den possierlichen Tierchen, die man gerne streicheln möchte. Bei den Dollys zählen sie zur Nahrungskette und werden von den drei Geschwistern geschossen, gehäutet und ausgenommen. Doch durch das Verschwinden ihres Vaters und der dadurch verfallenden Kaution wird ihnen bald auch Haus und Hof genommen, wodurch die Familie obdachlos auf den Feldern als Vagabunden enden würde.

Dass Ree nach ihrem Vater sucht ist für sie gleich selbstverständlich. Denn das Geld zur Auslösung der Kaution anders aufzubringen ist schier unmöglich. In naiver Weise versucht Ree sogar verzweifelt beim Militär anzuheuern um die dort versprochenen $ 40.000 als Prämie zu bekommen und dadurch die Kaution zurückzahlen zu können. Furchtlos begibt sie sich bei ihrer Suche in eine raue, dreckige Welt, die sie alles andere als willkommen heißt. Wie sich immer mehr herausstellt war ihr Vater offensichtlich bereit, Informationen über illegale Vorgehensweisen in der Nachbarschaft an die Polizei zu verraten. Damit einher geht dann die sichere Einsicht, dass ihr Vater getötet wurde. Dies macht ihre Sache aber keinesfalls leichter. Denn nun muss sie seine Leiche finden um den Tod zu beweisen, ohne dabei aber den Mördern das Gefühl zu geben, sie ebenfalls ausliefern zu wollen. Die einzige Hilfe die sie bei ihrer Suche bekommt ist die von ihrem Onkel Teardrop (John Hawkes / „Identität“), den sie immer als bedrohlich eingestuft hat, was sie ihm auch direkt so ins Gesicht sagt. Doch dieser antwortet darauf nur wie selbstverständlich „Natürlich hast du das. Du bist ja auch ein kluges Mädchen“.

Die Suche nach ihrem Vater, bzw. dem Verbleib seiner Leiche ist keinesfalls als schweißtreibende, spannende Suche angelegt. Der Film fungiert vielmehr als schicksalhaftes Bild einer geschändeten Kindheit. Obwohl sie selbst noch die Unbeschwertheit ihrer Jugend genießen sollte, steckt Ree schon mitten in den Verpflichtungen einer zweifachen Mutter ohne Einkommen, ohne dass sie sich selbst in diese Situation gebracht hätte. Sie hat sich aber längst damit abgefunden den Platz ihrer Mutter einzunehmen und das Überleben der Familie zu sichern. Ihr gesamtes Umfeld wird in schmutzigen Bildern gezeigt. Die Kleidung ist durchweg vom Schmutz getränkt, die Häuser sind einfache Blockhütten ohne großen Komfort, auch die Finger und Gesichter sind vom Schmutz geprägt. Und so dreckig und unwirtlich wie sich die Personen und Gegenden äußerlich darstellen, so finster und düster sind auch die Seelen der Menschen, mit denen es Ree zu tun bekommt. Der Film verzichtet nahezu vollständig auf einen Soundtrack, was der Trostlosigkeit weiteren Ausdruck verleiht. Ähnlich wie bei „Tannöd“ geht es auch in „Winter’s Bone“ darum, im Zuge einer Suche in einem Todesfall durch die Seele einer Gemeinde zu wandern. Spannung kommt dabei keine auf und wer auf der Suche nach dieser ist wird zweifelsfrei gelangweilt. Wer aber eine moralische Perspektive auf Menschen in abgelegenen Waldgebieten im Nirgendwo Amerikas sucht, ist hier genau richtig.

Digitale Aufarbeitung:
Das Bild wirkt, was die Farben betrifft, passend zum Inhalt des Films trostlos und dreckig. Es wird dominiert von irdenen Tönen und besitzt keinerlei Strahlkraft in seinen Farben. Die angenehme Schärfe und die gut gezeichneten Konturen belegen aber die überzeugende technische Seite der Blu-ray. Der durchweg gut verständliche Ton liegt in DTS-HD Master Audio 5.1 vor, hält sich aber fast ausschließlich in der Front auf.

Den Beginn bei den Extras macht ein sehr interessanter Audiokommentar mit Regisseurin Debra Granik und Kameramann Michael McDonough in dem sehr viel über die Entstehung des Filmes zu erfahren ist und wie bei der Umsetzung vorgegangen wurde. Das ebenso interessante, 46-minütige Making Of erweitert diese Informationen und zeigt einige Aufnahmen von den Dreharbeiten und Statements unterschiedlicher am Film beteiligter Personen. Es folgen fünf Deleted Scenes plus einem alternativen Anfang, das Musikvideo "Hardscabble Elegy" von Dickon Hinchliffe und der Trailer zum Film.

Fazit:
„Winter’s Bone“ ist ein ruhiger Film über das trostlose Leben eines 17-jährigen Mädchens, das ihre Jugend für den Platz als Ersatzmutter und Familienoberhaupt eingetauscht hat. Hauptdarstellerin Jennifer Lawrence überzeugt durchweg mit ihrer Darstellung eines starken Teenagers der es gewohnt ist ums tägliche Überleben zu kämpfen. Wer fesselnde, düstere Dramen mag sollte sich die Geschichte der Ree Dolly nicht entgehen lassen.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
2,35:1
2,35:1
99:57 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
DTS-HD  Master Audio 5.1
DTS-HD Master Audio 5.1
Englisch
DTS-HD  Master Audio 5.1
DTS-HD Master Audio 5.1
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Audiokommentar mit Regisseurin Debra Granik und Kameramann Michael McDonough
  • Making Of
  • Deleted Scenes
  • Musikvideo "Hardscabble Elegy" von Dickon Hinchliffe
Winter's Bone - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Winter's Bone
Winter's Bone

Bild unseres Mitarbeiters Michael Tomiak
Ruhiges, dreckiges Familiendrama mit einer hervorragenden Hauptdarstellerin


Autor der Besprechung:
Michael Tomiak

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 2010
Regie:
Debra Granik
Drehbuch:
Debra Granik, Anne Rosellini (basierend auf dem Roman von Daniel Woodrell)
Darsteller:
Jennifer Lawrence, Isaiah Stone, Ashlee Thompson, John Hawkes, Valerie Richards, Sheryl Lee, Shelley Waggener, Garret Dillahunt, Lauren Sweetser, Casey MacLaren, Kevin Breznahan, Dale Dickey, Tate Taylor

Label Deutschland :
Ascot Elite
Verkaufsstart Deutschland :
18.10.2011