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Blu-ray-Besprechung - Hells Angels vs. Bandidos - Der Rockerkrieg

Story:
Die verfeindeten weltweit organisierten Rockerclubs „Hells Angels“ und „Bandidos“ bezeichnen sich selbst als Biker-Bruderschaften und sehen sich als Rebellen mit großem Freiheitsdrang. Gesellschaftlich positionieren sich diese Vereinigungen jedoch zunehmend im Dunstkreis des organisierten Verbrechens mit Schwerpunkten wie Drogenhandel und Prostitution. Die blutige Fehde zwischen beiden Bikergruppen wurde dabei in der Vergangenheit auch bevorzugt auf dem „Schlachtfeld Deutschland“ ausgetragen und zwar keineswegs mit Samthandschuhen. In anderen Ländern, wie z.B. Frankreich, haben sich die Gruppierungen hingegen gütlich geeinigt und ihre Reviere aufgeteilt.

Meinung zum Film:
Der französische Dokumentarfilmer Xavier Deleu („Marie, mère des apparitions“), selbst ein begeisterter Motorradfahrer, nähert sich in seiner Dokumentation „Hells Angels vs. Bandidos – Der Rockerkrieg“ dem Phänomen gewaltbereiter Rockerclubs bzw. Biker-Vereinigungen wie den „Hells Angels“ oder „Bandidos“ an. Er wirft dabei nicht nur einen Blick auf ihre weltweiten Aktivitäten und interviewt Kriminalbeamte zu deren Einschätzung der Lage, sondern versucht auch direkt mit diesen Gruppierungen in Kontakt zu treten. Und es gelingt ihm im Verlauf der Dokumentation tatsächlich, einige Mitglieder der „Bandidos“ vor die Kamera zu holen und gemeinsamen Aktivitäten dieser Bruderschaft beizuwohnen. Die Dokumentation wirft dabei auch einen kurzen Blick auf die Ursprünge dieser Organisationen, setzt aber größtenteils auf aktuelle Filmaufnahmen. Diese beinhalten z.B. einen Besuch bei dem größten Bikertreffen der Welt in Sturgis (South Dakota, USA) und Ausflüge nach Dänemark, Frankreich, aber auch nach Deutschland, hier anlässlich des Auftakts im Gerichtsprozess wegen Mordes in Duisburg gegen ein Mitglied der „Bandidos“ (März 2010), wo beide Gruppierungen nur Dank eines massiven Polizeiaufgebots voneinander separiert werden konnten.

Die Dokumentation von Xavier Deleu hat ein großes Problem. Sie bewegt sich kreuz und quer über den Erdball, schneidet viele interessante Themenfelder an und lässt fast alle Seiten zu Wort kommen, handelt dieses breite Spektrum aber in einer Laufzeit von lediglich unter einer Stunde ab. Darunter leidet natürlich die Tiefgründigkeit einer solch eher vielschichtig angelegten Dokumentation. Weiterhin ist der Titel dieses Dokumentarfilms eher irreführend, zwar spielen die „Hells Angels“ und besonders die „Bandidos“ in der Tat die Hauptrolle innerhalb der Betrachtung, deren gewaltsame Auseinandersetzung, die Ursprünge dieser Feindschaft und die tiefergehende Motivation der einzelnen Mitglieder für ihren Beitrag zu diesem Kriegszustand werden jedoch eher am Rande oder gar nicht behandelt. Im Fokus stehen vielmehr die weltweite Organisation dieser Bruderschaften, ihre Strukturen, Aktivitäten, ihr Selbstverständnis, ihre Einordnung durch behördliche Einrichtungen und der Versuch, sich diesen Vereinigungen durch persönliche Einblicke bzw. Zusammentreffen anzunähern.

Gerade letzterer Punkt mutet natürlich eher naiv an und wie zu erwarten geben sich die „Bandidos“ vor der Kamera auch sehr abgeklärt und nahezu lammfromm, zwischen den Zeilen und auch aufgrund der Vehemenz einiger Statements kann der Zuschauer aber schon einige gefährliche Tendenzen herauslesen. So sind diese Bikerclubs nicht nur streng hierarchisch gegliedert und geradezu militärisch durchstrukturiert, inklusive entsprechender Gewaltbereitschaft, sondern geben sich mit ihrer nicht-gesellschaftskonformen Ideologie und ihrem exkludierenden Mitgliedschaftsschema geradezu sektenähnlich. Leider ergeben sich gerade bezüglich einer detaillierteren Darstellung ihrer kriminellen Aktivitäten, hinsichtlich ihrer hierarchischen Strukturen sowie Zielfestsetzungen, und bezüglich der Aufnahmeriten und Aufstiegsvoraussetzungen doch deutliche Lücken innerhalb dieser trotzdem insgesamt interessanten und erhellenden Dokumentation.

Digitale Aufarbeitung:
Die Blu-ray zu dieser Dokumentation profitiert davon, dass in erster Linie aktuelles Material verwendet wurde, während Archivquellen nur einen kleinen Anteil des Films ausmachen. Die HD-Herkunft des Materials ist dabei offenkundig und bietet dementsprechend eine gute Bildschärfe, zumindest im Vordergrund, kräftige Farben und einen ausgewogenen Kontrast. Gerade in von der Kamera weiter entfernten Ebenen des Films bis zum Hintergrund ist die Schärfe allerdings weniger überzeugend ausgefallen. Bildrauschen tritt hingegen kaum in Erscheinung. Die Dokumentation liegt neben der englischsprachigen Originalfassung auch in einer komplett eingedeutschten Fassung vor. Beide Tonspuren im DTS-HD-Master-Audio-5.1-Format bieten eine gute Verständlichkeit und die deutsche Synchronfassung bedient sich bei Interviewsequenzen des Voice-over-Verfahrens. Die Abmischung ist zwar gelungen, aber auch wie bei vielen Dokumentationen eher unspektakulär ausgefallen. Neben der dezenten Musikuntermalung gibt es als akustische Highlights lediglich ab und an mal das eine oder andere vor sich hin blubbernde Motorrad.

Auf der BD befindet sich neben dem deutschen Trailer und dem Originaltrailer auch noch die Dokumentation „Die inoffizielle Geschichte der Harley Davidson“ (56:26) aus dem Jahr 1990. Dieses Feature liegt allerdings nicht nur lediglich in SD-Qualität vor, sondern platziert sich auch eher auf dem Niveau einer unterdurchschnittlichen DVD. Inhaltlich richtet sich diese Dokumentation zudem vor allem an Biker und technophile Menschen, da hier letztlich neben einer kurzen Firmengeschichte vor allem die technische Evolution der Harley Davidson seit ihren Anfängen und deren Besonderheiten von Modellwechsel zu Modellwechsel thematisiert wird. Somit gibt es hier sehr viele klassische Modelle bzw. Oldtimer zu sehen und es kommen auch immer wieder Besitzer der Maschinen zu Wort. Im Endeffekt werden hier vor allem die „Legenden“ um diese besondere Marke genährt und ihr Kultstatus wird noch mal unterstrichen. Für den nicht motorradfahrenden Otto-Normal-Verbraucher ist dieses Feature deshalb herzlich uninteressant und dürfte auch eher weniger der Zielgruppe des Hauptfilms entsprechen. Die Veröffentlichung besitzt ein Wendecover.

Fazit:
„Hells Angels vs. Bandidos – Der Rockerkrieg“ ist grundsätzlich ein interessanter Beitrag in der Diskussion um gewaltbereite, dem organisierten Verbrechen nahestehende Bikerclubs, der jedoch gerade aufgrund seines vielschichtigen Ansatzes gepaart mit einer ziemlich kurzen Spielzeit viele Fragen unbeantwortet lässt. Auch der Selbstdarstellung dieser Gruppierungen, die sich natürlich vor allem umgänglich und von der Gesellschaft unverstanden geben, wurde eher etwas zu viel Platz eingeräumt, auch wenn teilweise durchaus entlarvende Äußerungen fallen. Technisch hinterlässt die Dokumentation grundsätzlich den Eindruck einer HD-Dokumentation, ist aber keineswegs ohne Schwächen, das Bonusmaterial wirkt hingegen eher unzureichend bzw. in Form der Zusatzdokumentation eher deplaziert.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
1,78:1
1,78:1
59:58 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
DTS-HD  Master Audio 5.1
DTS-HD Master Audio 5.1
Englisch / Malaysisch
DTS-HD  Master Audio 5.1
DTS-HD Master Audio 5.1
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Deutscher Trailer
  • Originaltrailer
  • Dokumentation: "Die inoffizielle Geschichte der Harley Davidson"
Hells Angels vs. Bandidos - Der Rockerkrieg - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Hells Angels vs. Bandidos - Der Rockerkrieg
Hells Angels Against Bandidos - The Merciless Law of the Bikers

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Interessantes Thema und vielschichtiger Ansatz, aber leider auch etwas kurz und nicht immer tiefgründig


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Frankreich, 2011
Regie:
Xavier Deleu
Drehbuch:
Xavier Deleu

Label Deutschland :
Ascot Elite
Verkaufsstart Deutschland :
08.11.2011