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The DescendantsLucky TroubleDas Todesspiel

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DVD-Besprechung - Churchills Verrat an Polen

Story:
Am 4. Juli 1943 um 23:07 Uhr, lediglich 16 Sekunden nach ihrem Start, stürzt eine britische Liberator AL 523 ins Meer vor Gibraltar. An Bord war General Wladyslaw Sikorski, der Oberbefehlshaber der polnischen Exil-Armee und gleichzeitig der Ministerpräsident der polnischen Exil-Regierung. Neben Sikorski kommen auch alle anderen Insassen um, abgesehen vom tschechoslowakischen Piloten Edward Prchal. Eine zeitnahe Untersuchung der Briten ergibt, die Steuerung des Flugzeugs war blockiert und es handelte sich um einen Unfall. Aber bis heute gilt das Unglück aufgrund mysteriöser Begleitumstände als nicht wirklich aufgeklärt und es ranken sich zahlreiche Verschwörungstheorien um den Tod Sikorskis. Dabei zählen Stalin, Churchill und polnische Oppositionspolitiker zu den potentiell verdächtigen Drahtziehern eines Attentats bzw. von Sabotage.

Meinung zum Film:
„Churchills Verrat an Polen“ ist eigentlich kein besonders guter Titel für die deutsch-polnische Dokumentation von Dierk Ludwig Schaaf und Christoph Weinert („Geheimsache Mauer“) aus dem Jahr 2011, die von LOOKS Film & TV GmbH in Co-Produktion mit dem NDR und in Zusammenarbeit mit ARTE und dem polnischen Privatsender TVN produziert wurde. Der Untertitel „Der mysteriöse Tod des Generals Sikorski“ trifft es da hingegen schon deutlich besser. Er enthält zwar noch keine eindeutige Wertung aber eine klare Tendenz, die von den beiden Autoren auch systematisch ausgebaut wird. Die von ihnen vertretene These ist jedoch keineswegs neu und offensichtlich auch keineswegs auf ihrem eigenen Mist gewachsen. Vielmehr stützt sich die Dokumentation auf die Nachforschungen und Theorien des polnischen Historikers und Journalisten Dariusz Baliszewski, der im Film auch ausführlich und persönlich zu Wort kommt. Bereits im Jahr 2009 entstand der polnische Spielfilm „Absturz vor Gibraltar“, der die letzten Tage von Sikorski nach Baliszweskis Ermittlungen szenisch rekonstruierte und die These vertrat, er sei bereits vor dem Start der Maschine getötet worden.

Die Dokumentation setzt formal auf eine Mischung aus altem Schwarz-Weiß-Archivmaterial, in Form von zeitgenössischen Filmausschnitten und Fotos, Experteninterviews und szenischen Rekonstruktionen. Letztere erzeugen jedoch bereits einen schalen Beigeschmack, denn die Farbsequenzen wirken eher wie Füllmasse, da hier in den meisten Szenen nicht mal geredet wird und der inhaltliche Wert gegen Null geht, während gestellte Aufnahmen des Absturzes künstlich auf alt getrimmt wurden und natürlich der Deutung Baliszewskis entsprechen. Bei der Auswahl der Experten fällt auf, dass deren Hintergrund weitgehend ausgeblendet wird, aber alle Fürsprecher der Thesen um eine Ermordung Sikorskis darstellen. So kommen beispielsweise auch der deutsche Historiker Bernd Martin und der Leiter des Sikorski-Museums in London, Andrzej Suchcitz, zu Wort. Es gibt also zahlreiche Anzeichen dafür, dass es den Machern weniger um eine objektive Darstellung bzw. Interpretation der Geschehnisse gegangen ist. Das entspricht auch der Aufbereitung der Dokumentation, die zwar überraschend unterhaltsam ausgefallen ist, das aber u.a. immer wieder damit erreicht, dass mysteriöse Widersprüche und verschwörungstheoretische Ansätze überbetont werden. Ärgerlich ist in dieser Hinsicht aber vor allem, dass es den Autoren nicht gelingt, über Baliszewskis Erkenntnisse hinauszugehen, vor allem bezüglich der Recherche fallen hier eindeutige Mängel auf.

Zentrales Element der Verschwörungstheorien ist die Tatsache, dass Sikorski kurz vor seinem Tod im Nahen Osten über deutsche Vermittler in den Besitz der Akten über das Massaker von Katyn gelangt sei, bei dem im Mai 1940 Tausende von polnischen Offizieren von den Russen ermordet wurden. Während Sikorski nun auf Aufklärung der Ereignisse und Veröffentlichung der Akten gedrängt haben soll, vertrat Churchill eine Appeasement-Politik gegenüber Stalin und wollte keinen Keil zwischen den Verbündeten, den die Deutschen natürlich im Sinn hatten. Somit wurde Sikorski zunehmend zur Gefahr für dieses Bündnis, unbequem für Stalin und Churchill und sollte, so die These, an der Spitze gegen einen weniger populären, schwächeren Vertreter der Polen ausgetauscht werden. Die Autoren machen jedoch beispielsweise keinen Versuch, in deutschen Archiven Spuren dieser Übergabe oder entsprechende Planungen der deutschen Seite auszumachen, sondern stützen sich lieber auf Indizien, die für eine Sabotage der Maschine sprechen könnten, außerdem wird immer wieder die Geheimhaltung wichtiger Akten durch die Russen und Engländer betont. Insgesamt erscheint eine solche Theorie eines gewaltsamen Todes Sikorskis in dieser Darstellung durchaus nachvollziehbar, zum Thema existieren jedoch auch völlig andere Thesen, die beispielsweise Sikorskis Meinung über eine weitere Zusammenarbeit mit den Russen deutlich positiver bewerteten und sogar baldige Geheimverhandlungen beider Seiten in Aussicht stellten. Und auch Churchill habe ihn nach Erkenntnissen aus dieser Richtung als unverzichtbares Bindeglied zur russischen Führung betrachtet. Eine letztliche Bewertung dieser konkurrierenden Theorien mag für den Laien nicht möglich sein, Tatsache ist aber, dass auch die vorliegende Dokumentation keinerlei Beweise für den gewaltsamen Tod Sikorskis erbringen kann und zudem alle abweichenden Theorien einer inhaltlich möglichst spannenden und verschwörungstheoretischen Darstellung opfert, sodass hier leider nicht von einer neutralen Betrachtung der Geschehnisse gesprochen werden kann.

Digitale Aufarbeitung:
Die Dokumentation bedient sich alten Schwarz-Weiß-Archivmaterials, das bisher wohl eher selten zu sehen war. Das stellt zwar einerseits eine Abwechslung dar, andererseits befindet es sich dadurch in einem teils sehr schlechten, unrestaurierten Zustand und weist zahlreiche Verschmutzungen und Beschädigungen auf. Die aktuellen Sequenzen, also Interviews und nachgestellte Szenen, sind hingegen erwartungsgemäß von ordentlicher TV-Qualität, weisen jedoch ein relativ deutliches Bildrauschen auf. Die deutsche Dolby-Digital-2.0-Tonspur der Dokumentation bedient sich bei Originaltönen des Voice-over-Verfahrens und klingt insgesamt gut verständlich, wenn auch erwartungsgemäß völlig unspektakulär. Musik wird eher unauffällig beigemischt, sodass der deutsche Kommentator immer gut zu verstehen ist.

Im Bonusmaterial befindet sich das Feature „Die Exhumierung Sikorskis, Krakau 2008“ (11:28), das allerdings keineswegs die Öffnung des Sarges und die Untersuchung der Leiche zeigt, sondern lediglich die komplizierte Öffnung des Sarkophages von Sikorski, also eher einen handwerklichen Fokus besitzt. Zudem gibt es keine Kommentierung des Beitrags, sondern lediglich deutsche Untertitel zu den polnischen Äußerungen der Personen, die vor Ort die Arbeiten durchführen. Die „Vorstellung des Polnischen Instituts und Sikorski Museum, London“ (2:17) bietet nur ein paar Bilder vom Inneren des Museums und zu den wichtigsten Ausstellungsstücken gepaart mit ein paar deutschen Texteinblendungen und ist wenig ergiebig und zudem sehr kurz ausgefallen. Die selbstlaufende spärliche Bildergalerie (2:01) enttäuscht ebenfalls und bietet nichts außer ein paar Schwarz-Weiß-Portraits von Politikern wie Sikorski oder Churchill sowie ein paar Fotos von wichtigen politischen Konferenzen dieser Zeit. Die Veröffentlichung besitzt kein Wendecover.

Fazit:
„Churchills Verrat an Polen“ beschäftigt sich ziemlich einseitig mit einer angeblichen Verschwörungstheorie zur Ermordung Wladyslaw Sikorskis, die hier vor allem Stalin oder Churchill selbst als potentielle Auftraggeber in den Fokus rückt. Die Darstellung bedient sich dabei zahlreicher Indizien und mysteriöser Umstände des Unglücks, liefert aber leider weder wirklich neue Erkenntnisse noch echte Beweise und leidet zudem unter ihrer sehr einseitigen sowie alles andere als objektiven Betrachtungsweise, auch wenn die Dokumentation inhaltlich sehr unterhaltsam und spannend aufbereitet wurde. Technisch ist die Veröffentlichung zufriedenstellend ausgefallen, das Bonusmaterial enttäuscht allerdings.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
1,78:1
1,78:1
52:02 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Keine
Bonusmaterial:
  • Die Exhumierung Sikorskis, Krakau 2008
  • Vorstellung des Polnischen Instituts und Sikorski Museum, London
  • Bildergalerie
Churchills Verrat an Polen - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Churchills Verrat an Polen
Churchills Verrat an Polen

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Alter Wein in neuen Schläuchen - jedoch in zweifelhafter Auslese


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland / Polen, 2011
Regie:
Christoph Weinert
Drehbuch:
Dierk Ludwig Schaaf, Christoph Weinert

Label Deutschland :
Polyband
Verkaufsstart Deutschland :
28.10.2011