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Blu-ray-Besprechung - Die Triffids - Pflanzen des Schreckens

Story:
In der Zukunft stellen die Triffids, riesige, mit einem Giftstachel von fünf Metern Reichweite versehene fleischfressende Pflanzen die wichtigste Energiequelle der Menschheit dar, da sie Öl produzieren. Die Kultivierung dieser Pflanzen in Farmen stoppte auch die globale Erwärmung. Der Experte Dr. Bill Masen (Dougray Scott) erforscht die mittlerweile genetisch manipulierten Triffids, die auch in der Lage sind, sich fortzubewegen und untereinander zu kommunizieren. Masens Augenlicht wird jedoch durch das Gift einer Pflanze beeinträchtigt und er verbringt eine Nacht mit Bandagen im Krankenhaus. So verpasst er einen spektakulären Kometenregen bzw. Sonnensturm, der jedoch fatalerweise beinahe die gesamte Weltbevölkerung erblinden lässt. Fortan herrscht in Großbritannien Chaos und Anarchie in apokalyptischen Ausmaßen und die mittlerweile durch einen Öko-Terrroristen befreiten Triffids werden zu einer globalen Bedrohung größten Ausmaßes.

Meinung zum Film:
„Die Triffids – Pflanzen des Schreckens“ beruht auf dem Science-Fiction-Kultroman „The Day of the Triffids“ des Briten John Wyndham aus dem Jahr 1951. Dieser wurde zuvor bereits zweimal filmisch aufbereitet, relativ frei und mit besonderer Betonung der mutierten Pflanzen als „Monster“ in dem Spielfilm „Blumen des Schreckens“ von 1962 und relativ werkgetreu als sechsteilige TV-Mini-Serie der BBC, „The Day of the Triffids“ im Jahr 1981. Die vorliegende Fassung ist erneut eine britische TV-Produktion der BBC, diesmal allerdings mit kanadischen Co-Produzenten und einem relativ hohen Budget von immerhin rund 15 Millionen US-Dollar, die im Jahr 2009 als Zweiteiler mit einer Laufzeit von etwa drei Stunden entstand. Der bisher ausschließlich im TV-Geschäft tätige Regisseur Nick Copus weist mit „4400 – Die Rückkehrer“ genauso Erfahrungen im Science-Fiction-Genre auf wie Drehbuchautor Patrick Harbinson („Dark Angel“). Die Hauptrollen besetzen Dougray Scott („Hitman – Jeder stirbt alleine“), Joely Richardson („Event Horizon – Am Rande des Universums“), Eddie Izzard („Die Super-Ex“) und der einstige Mr. „Beverly Hills, 90210“ Jason Priestley. In kleineren Rollen agieren bekannte Darsteller wie Brian Cox („Red“), Vanessa Redgrave („Blow Up“) und Nora-Jane Noone („Die unbarmherzigen Schwestern“).

„Die Triffids – Pflanzen des Schreckens“ hält sich bezüglich der Hauptpersonen und des Verlaufs der Handlung weitgehend an den Roman, nimmt aber beispielsweise an den Hintergründen der einzelnen Personen oder bezüglich der Herkunft der Triffids durchaus auch einige Veränderungen bzw. Modernisierungen vor, hält sich also nicht sklavisch an die Vorlage. Zu Beginn punktet die Neuverfilmung mit gerade für eine Fernsehproduktion wertigen Locations und einer guten Kombination aus handgemachten Effekten und CGI-Elementen. Das betrifft natürlich zum einen die Triffids selbst, zum anderen die endzeitgemäß aufbereiteten Straßenzüge Londons. Menschenleere Stadteile einerseits, von blinden, panischen Menschen beseelte und von Anzeichen des Verfalls wie kollidierten Autos gezeichnete Straßen andererseits. Das wirkt atmosphärisch durchaus eindringlich und diese Endzeitstimmung spiegelt auch den sozialkritischen Ansatz der Buchvorlage, die sich eben auch massiv mit dem Zusammenbruch der menschlichen Gesellschaft auseinandersetzt und innerhalb einer endzeitlichen Dimension den Verfall moralischer Werte nachzeichnet. Auch die Einführung der wichtigsten Charaktere, neben Bill Masen sind das vor allem die Radiomoderatorin Jo Playton (Joely Richardson), der zunächst undurchschaubare und rücksichtslose Torrence (Eddie Izzard) sowie Major Coker (Jason Priestley), der versucht, eine neue Gemeinschaft zu begründen, in der die Sehenden auch für die weitgehend hilflosen Erblindeten sorgen, gelingt relativ reibungslos und schlüssig.

Leider vernachlässigt der Zweiteiler im weiteren Verlauf und besonders in der qualitativ stark abfallenden zweiten Folge diese Tugenden zunehmend und verlässt diese solide Basis für einige typische Klischees, nicht nur des Genres an sich, wobei diese teilweise durchaus auch bereits in der Buchvorlage zu finden waren, aber nicht unbedingt so hervorgehoben wurden. Ein Kardinalfehler in dieser Hinsicht ist aber in jedem Falle, wie bereits bei der Verfilmung von 1962, die starke Betonung der Bedrohung durch die Triffids, was den Faktor Anarchie und die Endzeitstimmung deutlich abschwächt. Das führt dazu, dass sich die vorliegende Verfilmung, trotz ordentlicher Effekte, wertiger Visualisierung und guter Leistungen der Darsteller, doch wieder stark wie ein monsterlastiges B-Movie anfühlt, das allerdings auch noch damit zu kämpfen hat, dass sich bewegende, riesige Fleischfresser-Pflanzen bereits eine gewisse Komik in sich tragen und zudem hier auch fast nie wirklich bedrohlich wirken. Der klischeehafte Oberschurke, der sich schließlich zum Despoten aufschwingt, ein vorhersehbarer Verlauf der Geschehnisse allgemein, inklusive der obligatorischen Suche nach einem Mittel, um die Triffids besiegen zu können, sowie die unvermeidliche begleitende Lovestory lassen den Unterhaltungswert der Produktion dann auch stetig und fortlaufend in den Keller absinken. Und gerade das Finale mit einem übertriebenen Showdown, nebst Triffid-Massenansammlung, fällt leider ebenfalls entsprechend unbefriedigend aus.

Digitale Aufarbeitung:
Der Zweiteiler wurde mit der Sony CineAlta F35 und somit auf 35-mm-HD-Material gedreht, was sich auch bei der Bildqualität der Blu-ray positiv bemerkbar macht. Das Bild wirkt scharf und liefert gerade im Vordergrund, beispielsweise bei Gesichtern, viele Details, kann sich aber auch in der Totale durchaus sehen lassen. Auch die Farbgebung hinterlässt einen kräftigen Eindruck, während die Kontrastwerte stets ein gutes Niveau halten. Plastisch wirkt das Bild allerdings eher weniger und es fehlen die ganz großen Schauwerte als besonderer Hingucker. Die Intensität des Bildrauschens variiert, ist teilweise durchaus nicht zu übersehen, wirkt aber nie wirklich störend. Die Blu-ray enthält neben der deutschen Synchronfassung auch die englische Originaltonspur und beide liegen im DTS-HD-Master-Audio-5.1-Format vor. Die Verständlichkeit ist stets einwandfrei und die Abmischung wirkt sehr harmonisch. Die Actionsequenzen mit den Triffids wirken zudem druckvoll und bieten auch ansprechende Raumklangeffekte.

Auf der BD befindet sich neben sechs nicht untertitelten Deleted Scenes (6:15) im Originalton auch noch ein deutsch untertiteltes Making Of (34:05) zum Film. Leider nehmen hier aber, trotz der formidablen Laufzeit, die eingestreuten Filmszenen sowie Inhaltswiedergaben und oberflächliche Beschreibungen der Filmfiguren zu viel Raum ein. Die Szenen vom Dreh, Stimmen der Verantwortlichen bzw. Mitwirkenden oder Abschnitte zu den Greenscreen-Effekten werden hingegen weder besonders unterhaltsam noch wirklich informativ aufbereitet. Unter dem Strich bleibt leider ein Feature der verschenkten Möglichkeiten für tiefere Einblicke in die Entstehung und Konzeption des Films. Zudem fehlen gegenüber der britischen Blu-ray gleich drei Stunden an weiterem Bonusmaterial in Form von Interviews mit den Darstellern und Verantwortlichen. Die Veröffentlichung besitzt kein Wendecover.

Fazit:
„Die Triffids – Pflanzen des Schreckens“ punktet zu Beginn mit einer dichten Endzeitatmosphäre, guten Effekten, einer überzeugenden Besetzung und einer allgemein hochwertigen Bildsprache. Leider wandelt sich der Film aber zunehmend zu einem klischeebeladenen und vorhersehbaren B-Movie mit besonderer Betonung der Triffids, die zwar sicherlich nicht so urkomisch wirken wie ihre „Killertomaten“-Kollegen, aber auch selten wirklich bedrohlich in Szene gesetzt werden. Technisch macht die Blu-ray gerade visuell für eine Fernsehproduktion einen starken Eindruck, auch wenn hier die ganz großen Aha-Effekte fehlen, das Bonusmaterial enttäuscht aber dafür auf ganzer Linie.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
1,78:1
1,78:1
180:30 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
DTS-HD  Master Audio 5.1
DTS-HD Master Audio 5.1
Englisch
DTS-HD  Master Audio 5.1
DTS-HD Master Audio 5.1
Untertitel:
Keine
Bonusmaterial:
  • Making Of
  • Deleted Scenes
Die Triffids - Pflanzen des Schreckens - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Die Triffids - Pflanzen des Schreckens
The Day of the Triffids

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Zu Beginn mit gedrückter Endzeitstimmung gesegnet, später eher ein klischeebeladenes, monsterlastiges B-Movie


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Großbritannien, 2009
Regie:
Nick Copus
Drehbuch:
Patrick Harbinson, Richard Mewis (basierend auf dem Roman von John Wyndham)
Darsteller:
Dougray Scott, Joely Richardson, Eddie Izzard, Jason Priestley, Brian Cox, Vanessa Redgrave, Nora-Jane Noone, Shane Taylor

Label Deutschland :
Polyband
Verkaufsstart Deutschland :
28.10.2011