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DVD-Besprechung - Merkwürdige Geschichten
Story:
Wenn sich Verstorbene aus dem Totenreich zu Wort melden oder vermeintliche Zufälle Leben retten, wenn Briefe aus der Vergangenheit Kriminalfälle lösen oder wenn ein toter Bahnhofsvorsteher über den Tod hinaus pflichtbewusst seinen Dienst versieht, dann ist es wieder Zeit für „Merkwürdige Geschichten“, bei denen ein übernatürliches Element selten von der Hand zu weisen ist.
Meinung zum Film:
„Merkwürdige Geschichten“ ist eine mittlerweile über 40 Jahre alte TV-Mystery-Serie aus Deutschland, kann in unseren Breitengraden also als echter Genrepionier gelten, und entstand mit Sicherheit auch als Reaktion auf die beliebte US-Serie „Twilight Zone“ (Dt. „Unwahrscheinliche Geschichten“). Regie führte Fritz Umgelter („So weit die Füße tragen“), während Jan Lester die Drehbücher zur Reihe schrieb. Eben jener Lester verfasste auch zehn Jahre später die Vorlagen zur Quasi-Nachfolgeserie „Unheimliche Geschichten“, die erneut 13 Folgen umfasste. In der vorliegenden Reihe, die seit Ewigkeiten nicht mehr im Fernsehen ausgestrahlt wurde, geben sich auch einige prominente deutsche Schauspieler der 60er- und 70er-Jahre die Ehre. Dabei handelt es sich um Darsteller wie z.B. Hellmut Lange („Die Lederstrumpferzählungen“), Günter Mack („Der Stoff, aus dem die Träume sind“), Konrad Georg („Und Jimmy ging zum Regenbogen“), Karl-Walter Diess („Fabrik der Offiziere“), Sky du Mont („Otto – Der Film“), Volkert Kraeft („Buddenbrooks“), oder Monica Bleibtreu („Vier Minuten“). „Pidax film“ veröffentlicht nun alle 13 Episoden der Serie verteilt auf zwei DVDs.
Jede Folge der Reihe umfasst lediglich eine Laufzeit von 24-27 Minuten, ist in sich abgeschlossen und weist weder im Hinblick auf die Personen noch auf die geschilderten Ereignisse irgendeine Verbindung zu den restlichen Episoden der Serie auf. Dementsprechend wechseln auch regelmäßig die Darsteller, es gibt also kein markantes Gesicht für diese Reihe. Wie z.B. auch bei Filmvertretern des Episodenhorrorfilms, ist den Geschichten jeweils eine Einführung vorangestellt, in der mehrere Personen zu einem Kreis zusammenkommen, und einer dieser Vertreter, der mittelbar oder unmittelbar an den nachfolgend geschilderten übernatürlichen Ereignissen beteiligt war, seine Geschichte erzählt. Das mag für einen Spielfilm durchaus sinnvoll sein, da diese Rahmenhandlung normalerweise die einzelnen Episoden zusammenhält und letztendlich selbst noch mit einer Pointe den Film beschließt, für die vorliegende Serie ist dieser Kunstgriff allerdings schlichtweg überflüssig. Durch Vor-, Abspann und diese Einführung bleiben für die eigentliche Erzählung gerade mal noch 20-23 Minuten übrig. Und da in dieser Kürze die am Erzählkreis beteiligten, ständig wechselnden Personen natürlich eh nicht ausführlicher vorgestellt werden können und zudem auch nicht wirklich eine Rahmenhandlung bevölkern, wird hier schlichtweg Spielzeit verschenkt und der eigentliche Vortrag verschleppt, was von Folge zu Folge immer nerviger anmutet. Das größte Problem der Reihe sind jedoch die extrem spannungsarmen und einfallslosen Drehbücher. Konzeptionell, und wahrscheinlich auch aus Budgetgründen, verzichtet die Reihe bewusst auf Spezialeffekte, Masken/Kostüme und Gewalt. Das wäre kein Problem, solange die Folgen dramaturgisch dicht aufbereitet sind und am Ende eine clevere Pointe zu bieten haben. Das ist bei dieser Serie aber leider nie der Fall.
Gleich acht von den dreizehn Folgen liefern als Erklärung der Geschehnisse direkt auch das Symptom, durch das sie erst in Gang gesetzt wurden. Das Stichwort lautet hier übersinnliche Wahrnehmung. Personen nehmen quasi telepathisch etwas wahr, teilweise auch von Toten, was sie zu bestimmten Handlungen animiert. Diese retten entweder sie selbst, den Sender dieses Signals oder Personen, die diesem nahestanden. Hier wird also ein übernatürliches Phänomen zum Normalfall und es werden keine weiteren Erklärungsversuche unternommen. Es gilt einfach, dass unter besonderem emotionalen Druck, kurz vor dem Tod oder auch post mortem, diese Menschen in der Lage sind, besondere Fähigkeiten zu entwickeln, und damit andere Menschen zu kontaktieren bzw. zu bestimmten Aktionen anzuleiten. Dabei gerät die inhaltliche Aufbereitung allerdings im Normalfall keineswegs mysteriös, sondern erinnert eher an verstaubte Fernsehkrimis, in denen der Protagonist von A nach B eilt und wie auf Schienen unbeirrt Spuren nachgeht, um dann am Ende das vermeintliche Geheimnis natürlich zu entlarven. Das klingt nicht nur dröge, das ist es auch. So können auch etwas mehr als 20 Minuten zu einer Qual werden, besonders wenn das einzige spannungssteigernde Element eingespielte Soundeffekte darstellen, die direkt aus einem alten „Europa“-Jugendhörspiel zu stammen scheinen. Es ist der Serie folgerichtig in ihrer Biederkeit auch deutlich anzumerken, dass sie sich nicht wirklich entscheiden kann, ob sie den Mystery-Faktor betonen oder nicht lieber einfach ein biederes Kriminalstück darstellen möchte, das diesen übernatürlichen Effekt marginalisiert. Auf Außerirdische, Monster, Dimensionstore, Zeitreisen, Magie, verrückte Wissenschaftler oder wirklich handfesten Grusel muss der Zuschauer hier jedenfalls genauso verzichten wie auf jede Art von Spannung, Dramaturgie, interessante Charaktere, unvorhersehbare Wendungen oder gar intelligente Pointen.
Digitale Aufarbeitung:
Die mittlerweile 41 Jahre alte, in Farbe gedrehte Serie hinterlässt auf DVD einen erstaunlich guten Eindruck. Die Bildschärfe bewegt sich auf einem überzeugenden Niveau, die Farbgebung wirkt natürlich sowie kräftig und auch Kontrastwerte und Kompression leisten sich keine Schwächen. Weiterhin präsentiert sich die Vorlage weitgehend sauber, Verschmutzungen fallen überhaupt nicht ins Gewicht und Bildfehler in Form von Beschädigungen sind die seltene Ausnahme. Lediglich mit einem gewissen Bildrauschen muss der Zuschauer leben, wirklich störend fällt es allerdings nicht aus. Die frontlastige Dolby-Digital-2.0-Mono-Tonspur klingt sehr klar aus den Lautsprechern und wirkt erstaunlich frisch. Die Verständlichkeit ist sehr gut ausgefallen und auch die Abmischung gibt sich sehr harmonisch.
Die Veröffentlichung beinhaltet keinerlei Bonusmaterial, es gibt aber ein Wendecover.
Fazit:
Es gibt wahre Schätze der Fernsehgeschichte, die oft jahrzehntelang in irgendwelchen Archiven vor sich hin verstauben, und es gibt Serien, die niemand vermissen muss und deren Sichtung heutzutage nur noch ein gequältes Gähnen hervorruft. „Merkwürdige Geschichten“ fällt dabei ganz eindeutig in letztere Kategorie. Eine kreuzbiedere Aufbereitung, die mehr an alte Krimis als an eine übernatürlich angehauchte Mystery-Serie erinnert, weitgehende Spannungs- und Dramaturgiefreiheit, ohne jede Form von visuellen Effekten, eine inhaltlich wendungsarme, vorhersehbare und pointenlose Aufbereitung, die zudem durch die ständige Wiederholung des ewig gleichförmig auftretenden Phänomens verärgert, verwandeln eine Zeitspanne von etwas mehr als 20 Minuten in eine quälend anmutende Ewigkeit. Da hilft auch die technisch wirklich erstaunlich gute Aufbereitung der Serie auf DVD nicht mehr weiter.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,33:1
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13 Folgen à ca. 24-27 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 2.0 |
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Untertitel:
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Keine |
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Bonusmaterial:
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Merkwürdige Geschichten
Merkwürdige Geschichten
Diese vermeintlichen "Grusel"-Geschichten sind vor allem einfallslos, spannungsfrei und bieder!
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland, 1970 Regie: Fritz Umgelter Drehbuch: Jan Lester Darsteller: Hellmut Lange, Günter Mack, Konrad Georg, Karl-Walter Diess, Sky du Mont, Helmut Schneider, Bruno Dietrich, Volkert Kraeft, Monica Bleibtreu
Label :
Pidax film
Verkaufsstart : 04.11.2011
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