 |
DVD-Besprechung - Der Dreckspatz und die Königin
Story:
Wheeler (Andrew Ray) ist ein kleiner Waisenjunge, der sich mehr schlecht als Recht durchs Leben schlägt. Eines Tages findet er ein Bild der Queen Victoria in einem Medaillon und man erzählt ihm sie wäre die „Mutter aller Engländer“. Daraufhin begibt er sich auf den Weg nach Schloss Windsor, um diese großartige Frau kennen zu lernen, die sich jedoch nach dem Tod ihres Prinzengemahls völlig in sich zurückgezogen hat. Doch die Wachen im Schloss sehen in dem Jungen eine Gefahr und wittern ein Komplott, die Königin zu ermorden. Wheeler wird unschuldig in den Tower geworfen, aber er hat sich inzwischen einige Freunde gemacht, die alles daran setzen ihm zu helfen.
Meinung zum Film:
Die Adaption des Kinderbuchklassikers von Theodore Bonnet „Der Dreckspatz und die Königin“ ist eine liebevolle Hommage an Königin Victoria, wie es schon viele gegeben hat, so beispielsweise „Mädchenjahre einer Königin“ (Ernst Marischka) oder „Victoria the Great“ (Herbert Wilcox). Das viktorianische Zeitalter, unter dem das englische Empire seine größte geographische Ausdehnung erlangte, war eines der glorreichsten in der Geschichte des Landes. Es verwundert deshalb also nicht, dass viele Literaten und Filmemacher sich dieser faszinierenden Person, die die „Mutter aller Engländer“ darstellte, annehmen. Die Handlung des Films dreht sich demnach genau um diesen Punkt: Ein kleiner Junge, der niemanden mehr auf der Welt besitzt, wendet sich in seiner Not an seine seelisch verletzte, trauernde Übermutter, die ihm helfen soll, seinen Platz im Leben zu finden. So sahen die Engländer ihre Königin. Sie war jemand, der ihnen half und ihr Leben ordnete, und so sollte sie nun auch die Welt, vor allem aber das amerikanische Kinopublikum sehen.
Die Besetzungsliste war ursprünglich als rein englische Angelegenheit angedacht. Da der Film jedoch in erster Linie in Amerika ein Erfolg werden sollte, warnte der damalige Studiochef von 20th Century Fox, Darrly F. Zanuck, Regisseur Jean Negulesco („Hello-Goodbye“) davor, einen allzu ausgeprägten britischen Akzent zur Schau zu stellen, da dies beim amerikanischen Publikum nicht unbedingt auf Verständnis stoßen würde. Die einzige Ausnahme innerhalb des Casts war die amerikanische Schauspielerin Irene Dunne („Unser Leben mit Vater“) in der Rolle als Königin Victoria. Dunne konnte sich trotz ihres Alters noch immer eines großen Bekanntheitsgrades in den Staaten rühmen. Obwohl die damaligen Kritiker ihre Leistung nicht wirklich würdigten, verkörpert Dunne die Königin aus heutiger Sicht authentisch und überaus glaubwürdig. Auch der Charakterdarsteller und Oscarpreisträger Alec Guinness („Der kleine Lord“) liefert als Premierminister Benjamin Disraeli eine hervorragende Leistung ab.
Da das Studio viel Wert auf Authentizität legte, wurde neben der fast ausschließlich britischen Schauspielercrew, auch nur an Originalschauplätzen in England gedreht. Besonders gut gelungen ist dabei die Atmosphäre in den Slums von London, bei denen der Zuschauer fast meint den Geruch der schmutzigen Gassen und der fehlenden Kanalisation riechen zu können. Die Handlung entfaltet sich beinahe schon in der Manier eines Charles Dickens, was die Qualität des Films zusätzlich steigert. Die Kamera tut ihr Bestes, um den Film entsprechend in Szene zu setzen, was ihr auch hervorragend gelingt. Als Würdigung für die großartigen Kostüme, die den Originalen in nichts nach zu stehen scheinen, bekam der Film eine Oscarnominierung, ebenso wie auch die Gesamtinszenierung. Dieses Lob der Jury können sich sowohl die Schauspieler, als auch der Regisseur, aber vor allem der Drehbuchautor Nunnally Johnson („Henrys Liebesleben“) auf die Fahnen schreiben, denen es gelang einen Klassiker der Literatur mit extremer Sorgfalt zu verfilmen.
Digitale Aufarbeitung:
Das Bild hat altersbedingte Schwächen mit leichten Schwarzeinfärbungen an den Rändern und partiellen Verschmutzungen. Der Film ist in Schwarz-Weiß gedreht, was dem Kontrast einen besonderen Stellenwert zuspricht. Dieser hält jedoch ein gutes Niveau, was besonders in den Nachtszenen gut zur Geltung kommt. Der Ton klingt zwar ein wenig dumpf, aber dafür gleichmäßig aus allen Boxen, ohne nennenswerte Störungen. Der Mix zwischen Musik, Hintergrundgeräuschen und Dialogen ist hervorragend gelungen.
Die DVD enthält als Extras den Originaltrailer und eine musikuntermalte Bildergalerie, die Fotos, Kinoplakate und andere seltene Pressematerialien enthält.
Fazit:
„Der Dreckspatz und die Königin“ ist ein liebevoll inszenierter Film, dessen fantastisch märchenhafte Stimmung sich voll auf den Zuschauer überträgt. Regisseur Jean Negulesco gelang es eine hervorragende Schauspielcrew für dieses Projekt zu engagieren, deren Talent die Qualität des Film nicht nur um einiges steigert, sondern den Film erst vollendet. Die Geschichte ist ein wahres Vergnügen, nicht nur für Dickens-Fans.
Technische Daten:
|
FSK-Freigabe:
|
Bildformat:
|
Laufzeit:
|
|
|
1,33:1
|
97:43 Minuten
|
|
Sprachen / Tonformate:
|
Deutsch Dolby Digital 2.0 | Englisch Dolby Digital 2.0 |
|
Untertitel:
|
|
Keine |
|
Bonusmaterial:
|
- Originaltrailer
- Bildergalerie
|
|  |
Der Dreckspatz und die Königin
The Mudlark
Eine herzerwärmende Geschichte!
Autor der Besprechung:
Yatiker Yildiz
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
England, 1950 Regie: Jean Negulesco Drehbuch: Nunnally Johnson Darsteller: Irene Dunne, Alec Guinness, Andrew Ray, Beatrice Campbell, Finlay Currie, Anthony Steel, Raymond Lovell, Marjorie Fielding, Constance Smith, Edward Rigby, Ronan O`Casey, Pamela Arliss, Michael Brooke, Ernest Clark, Patricia Davidson, George Dillon, Howard Douglas, Paul Garrard, Alan Gordon, Bob Head
Label :
Koch Media Entertainment
Verkaufsstart : 21.10.2011
|