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Blu-ray-Besprechung - Elephant White

Story:
Curtie Church (Djimon Hounsou) ist als Profikiller ein Meister seines Fachs und gegenwärtig in Bangkok für einen reichen und etwas undurchsichtigen einheimischen Geschäftsmann (Sahajak Boonthanakit) aktiv. Er soll dessen ermordete Tochter rächen, die von einer thailändischen Bande, die auf Minderjährige spezialisiert ist, mittels Drogenabhängigkeit in die Kinderprostitution gezwungen wurde. Da Church von Geistern aus seiner Vergangenheit gequält wird, nimmt dieser Rachefeldzug auch schnell sehr persönliche Züge an und gerät dementsprechend blutig und gnadenlos. Während ihn der großmäulige Engländer Jimmy (Kevin Bacon), ein Freund aus lange zurückliegender Zeit, mit Waffen versorgt, wird auch die junge und naive Mae (Jirantanin Pitakporntrakul) zu einer wichtigen Hilfe, da sie als ehemaliges Opfer gut über die Organisation der Bande Bescheid weiß.

Meinung zum Film:
„Elephant White“ ist eine US-Produktion, die allerdings komplett in Thailand bzw. genauer Bangkok gedreht wurde, und zwar unter der Regie des einheimischen Erfolgsregisseurs Prachya Pinkaew („Chocolate - ...süß und tödlich“). Das Drehbuch stammt von Kevin Bernhardt („Jill Rips“), der zwar schon für einige Actionfilme die Vorlage lieferte, die jedoch allesamt von äußerst zweifelhafter Qualität und deutlich geringer budgetiert waren. Die Hauptrollen wurden mit den beiden amerikanischen Stars Djimon Hounsou („Blood Diamond“) und Kevin Bacon („Death Sentence – Todesurteil“) besetzt, bei einem kolportierten Budget von lediglich rund zehn Millionen Dollar, trotz der sicherlich günstigeren Drehbedingungen vor Ort, durchaus bemerkenswert.

„Elephant White“ ist ein lupenreiner Actionfilm, jedoch handwerklich eher ungewöhnlich und drehbuchtechnisch leider ein totaler Schuss in den Ofen. Hauptdarsteller Djimon Hounsou ist eigentlich eher für anspruchsvollere Rollen bekannt, gibt den einsilbigen, grimmigen Profikiller allerdings recht überzeugend und wirkt auch körperlich relativ austrainiert. Allerdings ist die Rolle leider dermaßen eindimensional ausgearbeitet worden, dass es hier äußerst schwerfällt, echte Sympathien für den Charakter zu entwickeln, der eigentlich nicht viel mehr tut, als Bangkoks Unterwelt systematisch gewaltsam auszuradieren. Durch die Gespräche mit Mae soll Church zwar etwas mehr Tiefe erhalten, aber gerade diese Dialogsequenzen sind inhaltlich äußerst peinlich ausgefallen und strotzen vor Naivität und mythologisch überladener Symbolik, was allerdings gerade für thailändische Actionfilme nicht wirklich eine Neuigkeit darstellt. Gerade die junge Darstellerin von Mae agiert hier auch äußerst laienhaft und entrückt, was selbst die Aufdeckung ihrer wahren Identität gegen Ende nicht wieder gerade biegen kann. Kevin Bacon hat zu Beginn wenig prägende Auftritte, agiert hier aber sowieso vor allem als lockerer Sprücheklopfer mit äußerst loser Zunge, der mit Ironie versucht, Church emotional etwas aus der Reserve zu locken. Actionsequenzen bestreitet er jedoch keine und insgesamt ist diese Produktion von seiner Seite aus auch keine Sternstunde der Schauspielkunst.

Die hohe Altersfreigabe verdankt „Elephant White“ wohl vor allem seinem gnadenlos und völlig unreflektiert vor sich hin exekutierenden Antihelden, der dazu am liebsten aus großer Entfernung mit dem Scharfschützengewehr agiert, was die Dynamik und Choreografie der Actionsequenzen doch arg begrenzt erscheinen lässt. Angereichert wird diese Seite des Films noch mit kurzen im Stil von Werken wie „96 Hours“ inszenierten Nahkampfsequenzen, die allerdings nativen Produktionen von Pinkaew überhaupt nicht das Wasser reichen können und in denen Hounsou auch zu schwerfällig wirkt. Die seltenen reinen Shootouts sind ebenfalls äußerst lahm inszeniert. Dabei gibt sich der Film aber durchaus gewalttätig, allerdings keinesfalls immer explizit und bluttriefend. Die Story entpuppt sich hingegen lediglich als grober roter Faden, der Mordsequenzen und pseudo-religiöse bzw. -mythologische Gespräche mehr schlecht als recht zusammenhält, Kevin Bacon hin und wieder ein paar vorwitzige Sprüche in den Mund legt und ansonsten spannungsarm sowie vorhersehbar dem Ende entgegengesponnen wird. Dabei versteht sich das Werk auch noch als Plädoyer gegen Menschenhandel und Kinderprostitution, was innerhalb dieses aufgespannten Rahmens doch eher deplatziert wirkt.

Digitale Aufarbeitung:
Auch „Elephant White“ gehört zu den Filmen, die mit der „Red One“-Kamera gedreht wurden und besitzt auf den ersten Blick eine wirklich gute Schärfe, die teilweise bei Nahaufnahmen von Gesichtern sogar erstaunliche Details liefert. Der Schärfegrad schwankt allerdings und kann auch schon mal etwas weich erscheinen, zudem wirkt die Optik teilweise etwas zu glatt und steril. Dadurch wirkt das Bild nicht besonders plastisch. Die Farbgebung wirkt kräftig und gibt sich sehr dynamisch, teilweise haben es die Verantwortlichen mit dem Kunstlicht oder der Neonbeleuchtung als Stilmittel jedoch auch etwas übertrieben. Erstaunlicherweise gibt sich der Kontrast trotz dieses Phänomen aber sehr gutmütig und ausgewogen. Bildrauschen tritt nur in geringer Form in Erscheinung. Die deutsche DTS-HD-Master-Audio-5.1-Tonspur präsentiert sich gut verständlich und ausgewogen abgemischt. Während sie bei Musiksequenzen und Umgebungsgeräuschen in der Stadt auch einen durchaus räumlichen Effekt beinhaltet, enttäuscht sie jedoch in den Actionsequenzen und das nicht nur aufgrund von deren etwas ungewöhnlicher Inszenierung. So hätte sich der Betrachter bzw. Zuhörer hier nicht nur mehr direktionale Effekte, sondern bei den Schusswechseln auch eine deutlich druckvollere Abmischung der Waffensounds gewünscht, stattdessen übernimmt hier häufiger die Musik den dominanten Part.

Das Bonusmaterial besteht aus einem viel zu kurzen deutsch untertitelten „Behind the Scenes“-Feature (4:59), in dem die Hauptdarsteller und Produzenten kurz zu Wort kommen. Es folgen erneut deutsch untertitelte „Interviews“ (19:26) mit gleich sieben Personen, u.a. erneut mit den Hauptdarstellern, den Produzenten und auch dem Kameramann. Das sind pro Interviewpartner im Durchschnitt gerade einmal zwei bis drei Minuten Redezeit und dementsprechend oberflächlich und nichtssagend sind diese Sequenzen auch ausgefallen. Auch die abschließende B-Roll (9:01) kann nicht überzeugen und liefert lediglich ein paar unkommentierte Sequenzen von den Dreharbeiten. Die Veröffentlichung besitzt ein Wendecover.

Fazit:
„Elephant White“ ist leider kein neuer Actionkracher von Prachya Pinkaew, sondern ein moralinsaures, esoterisch angehauchtes Plädoyer für mehr Menschlichkeit, das diese Ansage inhaltlich kontraproduktiverweise mit Hilfe aneinandergereihter gnadenloser Exekutionen illustrieren möchte. Die Story ist dabei erschreckend schwach, bietet emotional kaum Anknüpfungspunkte und liefert auch mit den Actionsequenzen, einer Mischung aus Sniper- und Nahkampfaktionen, keine wirklichen Schauwerte. Technisch kann die Blu-ray trotz kleinerer Schwächen gerade hinsichtlich des eher geringen Budgets durchaus überzeugen, das mitgelieferte Bonusmaterial ist allerdings keines Blickes wert.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 18
2,35:1
2,35:1
91:26 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
DTS-HD  Master Audio 5.1
DTS-HD Master Audio 5.1
Englisch
DTS-HD  Master Audio 5.1
DTS-HD Master Audio 5.1
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Behind the Scenes
  • Interviews
  • B-Roll
Elephant White - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Elephant White
Elephant White

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Ein wenig einladender, aber leider auch wenig unterhaltsamer Einblick in die dunklen Seiten Bangkoks


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 2011
Regie:
Prachya Pinkaew
Drehbuch:
Kevin Bernhardt
Darsteller:
Djimon Hounsou, Kevin Bacon, Jirantanin Pitakporntrakul, Sahajak Boonthanakit, Weeraprawat Wongpuapan, Abhijati 'Meuk' Jusakul, Suteerush Channukool

Label Deutschland :
Koch Media Entertainment
Verkaufsstart Deutschland :
21.10.2011