 |
Blu-ray-Besprechung - Doctor Dolittle
Story:
Doctor Dolittle (Rex Harrison) ist nicht einfach nur ein Tierarzt, nein, er kann mit den Tieren sprechen, genauer beherrscht er fast 500 ihrer Dialekte und sein Haus mit angeschlossener Praxis gleicht eher einem Zoo. Er lebt im England des Jahres 1845, im fiktiven Ort Puddleby-on-the-Marsh, und lässt nur wenige Menschen an sich heran, darunter seinen treuen Freund, den „Katzenfütterer“ Matthew Mugg (Anthony Newley), und den kleinen Jungen Tommy Stubbins (William Dix). Er ist jedoch auch ein unermüdlicher Forscher und plant gegenwärtig eine Expedition zur rosa Riesenseeschnecke, die allerdings erstmal finanziert werden möchte. Dolittle muss allerdings bald auch feststellen, dass er nicht nur Zuneigung für Tiere empfindet, als er Emma Fairfax (Samantha Eggar) kennenlernt, obwohl sich beide zunächst auf den Tod nicht ausstehen können.
Meinung zum Film:
„Doctor Dolittle“ war einer der letzten großen Studiofilme des klassischen Hollywoods und entstand zu einer Zeit, als Musicals wie „West Side Story“ oder „Mary Poppins“ noch volle Kinokassen garantierten und bei Oscar-Verleihungen regelmäßig abräumten. Gemäß dem Motto „Nicht kleckern, sondern klotzen!“ wurde der Film mit einem damals unglaublichen Budget von 18 Millionen Dollar zum teuersten Musical aller Zeiten. Allerdings spielte er gerade mal die Hälfte dieser Kosten wieder ein, wurde somit finanziell ein Riesenflop und die Produktionsfirma 20th Century Fox ging daran beinahe zugrunde. Immerhin wurde das Werk jedoch gleich für neun der begehrten Trophäen nominiert und errang letztlich immerhin zwei davon, den Oscar für die besten Spezialeffekte und den Oscar für die beste Musik bzw. den besten Song für „Talk to the Animals“ von Leslie Bricusse („Derek Flint – Hart wie Feuerstein“), der eben nicht nur das Drehbuch schrieb, sondern auch sämtliche Songtexte des Films. Dabei versuchte Produzent Arthur P. Jacobs („Planet der Affen“) sich doch von Anfang auf die sichere Seite zu begeben. Neben der prächtigen Ausstattung und den liebevollen Kostümen wurden auch Dreharbeiten in England nicht gescheut, gleich 4000 dressierte Tiere aus 150 unterschiedlichen Gattungen herangeschafft und zudem mit Rex Harrison in der Hauptrolle der große Star des Erfolgsmusicals „My Fair Lady“ für die Hauptrolle verpflichtet. Allerdings stand die Produktion unter keinem guten Stern und Regisseur Richard Fleischer („Die Phantastische Reise“) litt unter den Eskapaden seines menschlichen Stars ebenso wie unter den strengen Quarantäneverordnungen der britischen Insel für seine tierischen Protagonisten.
„Doctor Dolittle“ beruht auf den bekannten Geschichten bzw. Jugendliteraturklassikern von Hugh Lofting, die z.B. auch bereits 1928 von Lotte Reiniger im Scherenschnittverfahren filmisch adaptiert worden waren. Allerdings scheint dem Drehbuch dieser Produktion deutlich weniger Aufmerksamkeit zuteil geworden sein als den Schauwerten. So reiht das Musical wahllos Episoden aus dem Leben des eigentlich eher pummeligen Doktors, der hier vom 1,86 m großen Harrison visuell nicht gerade vorlagengetreu verkörpert wird, aneinander, was über die gesamte Spielzeit der mit zweieinhalb Stunden eher ausufernden Produktion doch schon recht ermüdend wirken kann. Überhaupt ist die Machart dieses Musicals einerseits ungewöhnlich, andererseits aber auch bezeichnend für dieses Genre. Zunächst singt hier im klassischen Sinne eigentlich niemand außer der weiblichen Hauptrolle, denn Rex Harrison setzt, wie bereits bei „My Fair Lady“, auf eine Art Sprechgesang, der hier inhaltlich durch die Reimform wohl noch melodischer klingen soll. Zumindest in der deutschen Synchronfassung stiehlt Harald Juhnke („Der Trinker“) als Stimme von Matthew Mugg dem Hauptakteur zudem zumindest musikalisch deutlich die Show. Eben jene ist aber zentral für das Gelingen des Films und so wird hier zwar auch nicht mal wirklich getanzt, doch wie so häufig verkommen die optisch ansprechenden, liebevollen Locations dafür zur reinen Kulisse. So durchschreiten die mehr oder weniger ansprechend vor sich hinträllernden Akteure im Stil einer Revue eben jene Schauplätze, leiern ihre Texte wie aufgesagt herunter und lassen dabei häufig überhaupt keinen Bezug zu ihrer Umgebung erkennen. Abgesehen vom prämierten Titelsong mangelt es dem Film allerdings auch an wirklich schmissigen, für sich wirkenden Musikeinlagen und auch bezüglich ihres Inhalts und Reimschemas sind die Songs wahrlich keine Ohrwürmer.
Getreu dem Motto „Der Star bin ich!“ wirkt die Produktion übrigens keineswegs immer so wie ein besserer Tierfilm, denn auch wenn der Film vor allem Respekt vor der Tierwelt predigt, gewinnt keiner ihrer vorkommenden Vertreter eine wirkliche Persönlichkeit. Dafür agiert Rex Harrison einfach zu dominant, wenn auch darstellerisch durchaus überzeugend, für die Rolle des Doctor Dolittle allerdings eigentlich auch schon wieder etwas zu enthoben und souverän. Trotz der ansprechenden Locations und opulenten Ausstattung (Kostüme, Innenarchitektur, etc.) sorgen die Spezialeffekte heutzutage nur noch für Kopfschütteln. Das Stoßmich-Ziehdich, ein Lama mit einem Kopf an jedem Ende, ist einfach ein billiges Kostüm mit Menschen darin. Dolittles Ansprache zu einem riesigen Wal ist eine miese Bluescreen-Aufnahme und die rosa Riesenseeschnecke wird zwar durch ein riesiges Modell dargestellt, würde sich in ihrer billigen Machart allerdings auch eher in einem alten „Godzilla“-Streifen zuhause fühlen. Auch die unterentwickelte Beziehung Dolittles zu seinem Love-Interest Emma Fairfax hätten sich die Macher eher sparen sollen.
Digitale Aufarbeitung:
Technisch besitzt die vorliegende Blu-ray ihre Licht- und Schattenseiten, auch wenn alle bisherigen DVD-Veröffentlichungen des Titels klar abgehängt werden. Den über zweieinhalbstündigen Film allerdings mit einer Datenrate von durchschnittlich nur um die 12 Mbps, und somit nicht mehr allzu weit weg von einer richtig guten DVD, auf eine BD-25 zu „quetschen“, war allerdings mit Sicherheit keine sehr weise Entscheidung, auch wenn keine offensichtlichen Artefakte ins Auge fallen. Die grundsätzliche Bildschärfe hinterlässt dann zwar auch für einen beinahe 45 Jahre alten Film einen durchaus guten Eindruck und wirkt keinesfalls wie eine DVD - es entsteht teilweise sogar durchaus ein plastischer Eindruck -, doch liegen auch immer wieder deutliche Schwankungen in der Qualität vor. Beispielsweise wird der Transfer an den Bildrändern oder im Hintergrund teilweise richtig unscharf und auch der Detailgrad fällt selten besonders hoch aus. Die Farbgebung wirkt allerdings wieder sehr kräftig und farbenprächtig. Bildrauschen fällt kaum ins Gewicht, hier wurde wohl nachgeschärft, mit den oben angeführten Nebeneffekten. Verschmutzungen und kleinere Defekte sind jedoch in größerer Anzahl vorhanden, sodass hier keinesfalls von einer sauberen Vorlage die Rede sein kann, Freunde älterer Filme wird deren Ausmaß aber mit Sicherheit nicht großartig stören. Die Kontrastwerte hinterlassen einen ausgewogenen Eindruck, das Bild wirkt allerdings insgesamt verhältnismäßig hell. Alle drei Tonspuren, die deutsche im DTS-HD-Master-Audio-2.0-Format, überzeugen mit klarem Klang, ausgewogener Abmischung und guter Verständlichkeit, die auch die Songs akustisch sehr überzeugend zur Geltung bringen.
Die Veröffentlichung wird in einem ansprechend illustrierten weißen Mediabook mit integriertem zwölfseitigen Booklet ausgeliefert, das neben Farbfotos u.a. einige Hintergrundinformationen zum Produzenten Arthur P. Jacobs, zur Herstellung des Films und zur Weltpremiere in London beinhaltet. Es sollte aber in keinem Fall vor der Sichtung des Films gelesen werden, da hier auch eine komplette Inhaltsangabe enthalten ist. Auf der Blu-ray selbst befinden sich dagegen lediglich der deutsche Trailer, ein englischsprachiger Trailer und eine Bildergalerie mit Szenenfotos, Aushangfotos und Filmplakaten.
Fazit:
„Doctor Dolittle“ war nicht nur finanziell ein großer Flop, sondern kann auch als Mix aus Musical, Komödie sowie Tier- und Familienfilm nicht wirklich überzeugen. Das liegt vor allem an dem episodischen, wenig fantasievollen Drehbuch, Schwächen bei der Konzeption und Umsetzung der musikalischen Sequenzen, altbackenen Special-Effects, einem zu dominanten Hauptdarsteller und einer Unterrepräsentation der tierischen Charaktere, während die opulente Ausstattung und der größte Teil der Darsteller durchaus überzeugen können. Technisch besitzt die Blu-ray ihre Stärken und Schwächen, verleugnet ihren HD-Charakter allerdings keineswegs und stellt auch alle bisherigen Veröffentlichungen des Films qualitativ in den Schatten.
Technische Daten:
|
FSK-Freigabe:
|
Bildformat:
|
Laufzeit:
|
|
|
2,35:1
|
131:08 Minuten
|
|
Sprachen / Tonformate:
|
Deutsch DTS-HD Master Audio 2.0 | Englisch DTS-HD Master Audio 4.0 | Italienisch DTS-HD Master Audio 2.0 |
|
Untertitel:
|
|
Deutsch, Englisch, Italienisch |
|
Bonusmaterial:
|
- 12-seitiges Booklet
- Deutscher Trailer
- Englischsprachiger Originaltrailer
- Bildergalerie mit seltenem Werbematerial
|
|  |
Doctor Dolittle
Doctor Dolittle
So hätte sich Hugh Lofting eine filmische Umsetzung seiner Vorlage wohl eher nicht vorgestellt
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 1967 Regie: Richard Fleischer Drehbuch: Leslie Brecusse (basierend auf den Vorlagen von Hugh Lofting) Darsteller: Rex Harrison, Anthony Newley, Samantha Eggar, Richard Attenborough, William Dix, Peter Bull, Muriel Landers, Geoffrey Holder, Portia Nelson, Norma Varden
Label :
Koch Media Entertainment
Verkaufsstart : 21.10.2011
|