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DVD-Besprechung - Miss Texas
Story:
Teil 1: Als hätte er etwas geahnt, verlobt sich Katharinas (Natalia Wörner) Freund mit ihr, bevor sie zwei Wochen für eine Fotoreportage nach Texas reisen muss. Dort lernt sie auf der Farm einer Freundin den etwas mürrischen Cowboy Greg (Robert Seeliger) kennen, der sie als Cowgirl auf Probe mit seinen Kollegen und den Rinderherden quer durch Texas führt. Ein Schlangenbiss am vorletzten Tag beschleunigt ihre Heimkehr und sie sucht jede Gelegenheit, um wieder nach Texas zurückzukehren.
Teil 2: Eigentlich sollte sie nach der Heirat in Texas glücklich sein, doch die schwangere Katharina juckt es, die Kamera wieder in die Hand zu nehmen und so fotografiert sie für eine Dokumentation über illegale Einwanderer. Dabei sorgt ein plötzlicher Unfall für eine Fehlgeburt, welche nur den Anfang für die Konflikte zwischen dem frisch verheirateten Paar bilden soll. Schließlich fragt sich Katharina, wo sie nun eigentlich wirklich daheim ist.
Meinung zum Film:
"Miss Texas" ist die Verfilmung des Romans "Kiss me, Kat" von Claudia Kratochil, welcher auf dem Musical "Kiss me, Kate" von Cole Porter basiert, was wiederum eine Adaption von Shakespeares "Des Widerspenstigen Zähmung" darstellt. Dass die Vorlage eine Biografie wäre, wie das DVD-Cover erzählt, ist also mit einem Augenzwinkern zu betrachten. Genauso ist der Titel dier Reihe unter der "Miss Texas" erscheint mit Vorsicht zu genießen. Unter den "Juwelen der Fernsehgeschichte" erwartet der Interessent sicher nicht unbedingt eine Sat1-Produktion aus dem Jahr 2005. Zwischen Buchveröffentlichung und der Erstausstrahlung der Verfilmung liegt nur ein Jahr, ungewohnterweise soll dabei der Fernsehfilm gelungener sein als der Roman. Das macht schon alleine die atemberaubende Landschaft von Texas aus, in der die Häuser selten, aber die Canyons umso häufiger sind. Zwischen diesen gewaltigen Gebirgen und einigen Gewässern leben aber auch illegale mexikanische Einwanderer, welche der Film nicht ignoriert. Der Job des Cowboys ist hier zudem dreckig und undankbar, also keineswegs so verklärt wie in Western-Filmen. Untermalt wird die herrliche Szenerie von Country-Musik, die immer jene Emotion und jenes Tempo zeigt, das der Film gerade benötigt. "Miss Texas" überzeugt jeden Zweifler, dass auch Country eine beeindruckend vielseitige Musikrichtung ist. Das ist allerdings auch notwendig, denn die Handlung mit ihren vielen Wendungen und Krisen, wäre mit den richtigen Hauptdarstellern sicherlich auch deutlich spannender geworden.
Bei vielen Filmen werden zu Beginn Dinge angedeutet, welche noch große Bedeutung haben werden. So tanzt beim "Herrn der Ringe: Die Gefährten" Sam mit Rosie, welche er am Ende von "Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs" heiratet. Jeder Nachrichtenbericht und jede Anekdote von "Zurück in die Zukunft" wird im Laufe der Handlung noch einmal aufgegriffen. "Miss Texas" hat leider etliche Szenen, die zu nichts führen. Wenn Katharina sich also im Gebüsch erleichtert und ein Cowboy nachher prahlt, dass Cowboys wegen der vielen Reiterei keine Unterhosen tragen, wenn Katharinas Pferd Blaze in einem Augenblick Angst vor dem Kamera-Klicken hat und es im nächsten Moment reaktionslos hinnimmt, bleibt es einfach bei den genannten Szenen. Dieses ganze szenenlange Füllmaterial dient nicht der Atmosphäre des Films, sondern verlängert ihn nur, um zwei Teile daraus machen zu können. Und bei einer solchen Länge fällt auch auf, was für schreckliche Figuren Journalistin Katharina und Kuhhirte Greg eigentlich verkörpern. Katharina gelingt grundsätzlich alles nach einem Fehlschlag. Noch in Deutschland lernte sie Reiten und Tanzen, weshalb sie das schwierigste Pferd und Country-Tanz bereits nach wenigen Minuten beherrscht. Obwohl sie sich vor Schlangen fürchtet, fasst sie diese sogar an und bekommt nebenbei jeden Job in den Schoß gelegt. Dankbarkeit zeigt sie dabei selten, sondern schnappt vielmehr schnell ein. Das wäre nicht weiter schlimm, wenn sie aus ihren Charakterschwächen lernen würde und eine Entwicklung während der Handlung durchlebt, aber beim Abspann ist sie noch genauso biestig wie zu Beginn.
Über Greg ist hingegen kaum etwas zu erfahren. Als geschiedener Mann einer Karrierefrau hat er etwas dagegen, wenn Katharina arbeitet. Warum, wird nie ausreichend geklärt, ebensowenig wie seine Wünsche und Ziele. Greg sieht gut aus, kann kochen, ist kinderfreundlich, hat ordentlich Mumm in den Knochen und wirkt selbstständig, während er Katharina überall hinterher reist. Greg ist die pure Frauenfantasie ohne jede Tiefe, obwohl zwei Filme locker dazu reichen müssten, seine Charakterisierung über den Traumtypen hinauswachsen zu lassen. Die Hauptdarsteller Natalia Wörner ("Die Säulen der Erde") und Robert Seeliger ("Die Rebellin") heirateten übrigens 2006 und bekamen einen Sohn, bis sie sich Anfang 2008 wieder scheiden ließen. Leider ist von diesen Gefühlen, die beide in Wirklichkeit verbanden, im Film sehr wenig zu sehen. Die anderen Cowboys können im Vergleich zu Greg durch Humor und sehr menschlichen Reaktionen punkten, gerade der etwas ältere Joey, welcher als erster Katharinas Talente erkennt und sie immer wieder für wichtige Aufgaben vorschlägt. Seine Kollegen gammeln gerne, lästern über Gott und die Welt und akzeptieren Katharina als eine von ihnen, auch wenn sie zwischendurch als Einzige während der Arbeit wildpinkelt oder abends in Unterwäsche vor ihr Zimmer geht. Besonders deutlich ist das beim Kuhhirten Erik, der zwar anfangs gerne dumme Sprüche lässt, aber Katharina mit gutem Rat zu Seite steht und trotz Katharinas Geschlecht auch typische Männergespräche mit ihr führen kann, etwa über Kate-Lynn mit den "schönsten Titten von ganz Texas". Oscar-Darsteller Michael Gwisdek ("Herr Lehmann") und Lily-Darstellerin Susanna Simon ("Manata: Nur die Wahrheit rettet dich") überzeugen schnell in ihren Rollen, wodurch beim Zuschauer fast der Wunsch geweckt wird, dass die Romanze von Katharinas Freundin glücklich endet und nicht die ihre.
Digitale Aufarbeitung:
Leider ist der Breitbild-Film (1.66:1) dank schwarzer Balken oben und unten hier nur im 4:3-Format vorhanden. Das Bild wurde farblich abgeschwächt und dann leicht bräunlich eingefärbt, was es passend zum dreckigen Hirtenjob leicht schmutzig wirken lässt. Die Qualität schwankt zwischen scharfen Landschaftsaufnahmen und durchschnittlichen Innenaufnahmen, sieht aber fachmännischer aus als Katharinas Treffen mit ihren Freunden, bei der die handgeführte Kamera hin- und herschwenkt und die Dialoge vollkommen überlappen. Was vermutlich Party-Atmosphäre bringen sollte, wirkt insgesamt einfach nur furchtbar und trägt nicht zur Verständlichkeit bei. Der restliche Ton ist klar verständlich, auch bei eher schwierigeren Situationen wie einer texanischen Party.
Die zweite DVD bietet zwei Extras, einmal einen Trailer, der in Wirklichkeit nur die Rückblende am Anfang der zweiten Filmhälfte darstellt und somit die zweite Hälfte nicht thematisiert, und ein Interview mit der Autorin, das knapp über eine Stunde geht und neben allgemeinen auch durchaus kritische Fragen stellt.
Fazit:
"Miss Texas" hat einige Schwächen, welche die Zuschauer polarisieren dürften. Fans können sich auf Texas und Greg konzentrieren und deshalb mit Hauptfigur Katharina leiden, beide bieten aber bei näherer Betrachtung nicht genug Charakterstärke, um drei Stunden alleine unterhalten zu können. Sehr schade, denn die Idee und die vielen Wendungen wären gut genug, um würdig umgesetzt zu werden. Anstatt also eine komplizierte Romanze in widrigen Umständen wie etwa "Vom Winde verweht" zu bekommen, stellt sich jede Minute die Frage "Was finden die beiden nur aneinander?". So bietet sich die DVD wohl hauptsächlich Buchfans an, für die auch das einstündige Interview mit der Autorin interessant sein könnte.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,33:1
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Teil 1: 93:22 Minuten
Teil 2: 91:50 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 2.0 |
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Untertitel:
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Keine |
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Bonusmaterial:
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- Trailer
- Interview mit Claudia Kratochvil
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Miss Texas
Miss Texas
Weniger "Miss" und mehr Texas, bitte!
Autor der Besprechung:
David Bühring
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland / Kanada, 2005 Regie: Ute Wieland Drehbuch: Claudia Kratochvil (nach ihrem eigenen Roman) Darsteller: Natalia Wörner, Robert Seeliger, Ben Cardinal, Carol Campbell, Maria Dimou, David Longworth, Frank Muche, Cassandra Sawtell, Kavan Smith, Peter Wingfield
Label :
fernsehjuwelen
Verkaufsstart : 28.10.2011
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