 |
DVD-Besprechung - Anthony - Experiment des Todes
Story:
Die schwerkranke Wissenschaftlerin Amanda Hollins (Kim Hunter) bittet ihren Sohn John (David Allen Brooks), der sein Leben selbst der Forschung verschrieben hat, ihr Labor nebst Proben und die zugehörigen Aufzeichnungen ihrer Versuchsreihen komplett zu vernichten. Sie selbst spricht im Zusammenhang mit dem Inhalt ihrer Experimente von der Substanz Hämocyanin und dem Forschungsziel der Hybridzucht. Demnach soll John auch einen Bruder namens Anthony haben, den seine Mutter durch Zellentnahme von ihm selbst erschaffen hat. Für John klingt das zunächst alles sehr abstrus, er beschließt jedoch trotzdem ein Team zusammenzustellen, dass die Arbeit von Amanda genauer durchleuchten soll. Diesem Team gehört auch die undurchsichtige Melissa Leftridge (Amanda Pays) an, eine Expertin für Hämocyanin. Aber auch der mehrfach ausgezeichnete Wissenschaftler Dr. Phillip Lloyd (Rod Steiger) zeigt reges Interesse an Melissas Experimenten.
Meinung zum Film:
„Anthony – Experiment des Todes“ hieß im Original sinnigerweise ursprünglich einfach „The Kindred“ („Die Blutsverwandtschaft“). Der deutsche Verleiher machte daraus schlichtweg „Anthony“ und begründete damit auch eine konstruierte, zusammenhanglose Trilogie bestehend aus den Einzeltiteln „The Cellar“ („Anthony 2 – Die Bestie kehrt zurück“) und „The Runestone“ („Anthony 3“). Der vorliegende erste Teil der Regisseure Stephen Carpenter („Soul Survivors“) und Jeffrey Obrow („Dark Colony – Saat des Bösen“), die auch mit weiterer personeller Unterstützung das Drehbuch schrieben, erscheint nun erstmals ungeschnitten in Deutschland als DVD. Aus der Besetzungsliste sticht besonders der Name von Hollywoodveteran Rod Steiger („Doktor Schiwago“) hervor, während Amanda Pays dem einen oder anderen Genrefreund zumindest noch aus „Leviathan“ bekannt sein könnte. Kim Hunter ist als Dr. Zira aus „Planet der Affen“ zwar ihr Platz in der Filmgeschichte sicher, wiedererkennen dürfte ihr Gesicht aufgrund der dort verwendeten aufwendigen Maskerade allerdings wohl niemand.
„Anthony – Experiment des Todes“ ist ein Horrorfilm aus den späten 80er-Jahren und bürgt leider weder für hochwertige Unterhaltung noch für einen trashigen Partyspaß. Ein Grundproblem ist vor allem die komplett spannungsfreie Inszenierung mit endlosem Leerlauf und die einschläfernde Einführungsphase. Zwar gibt es an zwei, drei Stellen mal ein Tentakelchen vom titelgebenden Anthony zu sehen, in den ersten 40 Minuten passiert aber eigentlich gar nichts, wenn davon abgesehen wird, dass drei Nebencharaktere gewaltsam aus der Geschichte entfernt werden, übrigens völlig unblutig bzw. zwei davon komplett außerhalb des Bildschirms. Auch die Integration der Hauptcharaktere kann trotz ordentlicher Darsteller überhaupt nicht überzeugen. John Hollins sprüht weder vor Ehrgeiz und Energie noch ist er der tiefgründige, intellektuelle Typ. Ausgerechnet als Titelheld ist er eigentlich eine ziemlich müde Nummer. Sein persönlicher Hintergrund spielt so gut wie keine Rolle und seine Freundin Sharon Raymond (Talia Balsam) ist eigentlich mehr ein Platzhalter, darf aber zumindest einmal herumzicken, weil die attraktive und manipulative Melissa John schöne Augen macht. Ein Konfliktherd, der allerdings auch frühzeitig und leichtfertig beiseite geschoben wird und somit ebenfalls keine dramaturgischen Höhenflüge einleitet. Der Rest des Teams, zwei Weiblein und zwei Männlein, bleibt völlig gesichtslos und komplett austauschbar. Rod Steiger ist hingegen mit seiner Rolle als „Mad Scientist“ total unterfordert und mehr die große Eminenz, die im Hintergrund ihre Fäden spinnt. Wahrscheinlich war sein Honorar selbst zu dieser Zeit für eine solche Low-Budget-Produktion noch zu teuer oder ihn quälten gerade irgendwelche gesundheitlichen Probleme, die keine dauerhafte Präsenz am Set erlaubten.
Die im Film kolportierte Anwendung von Hämocyanin, einem Blutfarbstoff von Meerestieren, ergibt irgendwie wissenschaftlich keinen großen Sinn, dient aber wie die ganze unterentwickelte Hybridstory und der „Bruder-Mythos“ um Anthony sowieso nur dazu, ein Monsterchen auf die Truppe loszulassen. Und wenn so ein Horrorfilm schon inhaltlich, dramaturgisch und personell komplett versagt, sollten doch zumindest ein paar ordentliche Effekte etwas Unterhaltung garantieren. Leider sorgen allerdings auch das Creature Design von Michael John McCracken („Die Eispiraten“) und die Make-up-Effekte von Matthew W. Mungle („Das Kindermädchen“) nicht für die ganz große Begeisterung, auch wenn sie den Rest der Produktion schon deutlich überragen. Hier ein bisschen Schleim, da ein paar Tentakel und am Ende noch ein paar nette Melting-Effekte sorgen zumindest bei Oldschool-Freunden noch für leicht erhöhten Puls. Die Kreatur, wenn sie denn mal zu sehen bzw. angesichts der miesen Bildqualität der DVD überhaupt mal zu erkennen ist, wirkt allerdings eher wie eine bemitleidenswerte Kreuzung aus einem von Gigers „Aliens“ und einem Fötus. Besonders harte Effekte sollte hier auch niemand erwarten und die hohe Altersfreigabe wirkt heutzutage nur noch wie ein schlechter Scherz.
Digitale Aufarbeitung:
Die Bildqualität der vorliegenden DVD ist leider ein absolutes Trauerspiel und dieses Mediums technisch völlig unwürdig. Das Bild ist breiig, matschig und konturlos, nicht zuletzt auch wegen der absolut unzureichenden Kontrastwerte, die bei dunkleren Szenen gerne massiv Bildinformationen verschlucken. Das Bild wirkt zudem seltsam überbelichtet, komplett verrauscht und auch die Farbgebung hinterlässt einen alles andere als kräftigen Eindruck. Gerade bei Gesichtern liegt auch ein deutlicher Rotstich vor. Die Vorlage weist darüber hinaus auch zahlreiche Verschmutzungen und leichte Beschädigungen auf, die allerdings angesichts des allgemein miserablen optischen Eindrucks gar nicht immer so leicht auszumachen sind. Die deutsche Dolby-Digital-2.0-Tonspur ist natürlich komplett frontlastig ausgefallen, wirkt aber ausgewogen abgemischt und, abgesehen von leichten Verzerrungen, wirklich gut verständlich. Die englischsprachige Originaltonspur klingt im direkten Vergleich nicht nur ebenfalls leicht verzerrt, sondern zudem auch etwas übersteuert und in geringem Maße blechern.
Bonusmaterial gibt es bei dieser Veröffentlichung, die aber immerhin ein Wendecover besitzt, leider keines.
Fazit:
„Anthony – Experiment des Todes“ ist ein deutlich in die Jahre gekommener 80er-Jahre-Horrorfilm über einen optisch eher bemitleidenswert anmutenden, tentakelbewehrten Hybriden, der - warum auch immer - gerne Menschen um die Ecke bringt. Die lahme Einführung mündet in einen dramaturgisch einschläfernden Hauptteil ohne echte Identifikationsfiguren und Höhepunkte, der auch mit Effekten und Auftritten des Monsters eher sparsam umgeht, weshalb der Film letztlich weder Freunde ernstzunehmender blutiger Genrefilme noch Anhänger trashiger Produktionen vom Hocker reißen wird. Technisch ist die DVD, trotz ihres nicht gerade hohen Anschaffungspreises, am Rande der Unzumutbarkeit anzusiedeln, für solche Veröffentlichungen hätte wirklich
niemand seinen Videorekorder entsorgen müssen.
Technische Daten:
|
FSK-Freigabe:
|
Bildformat:
|
Laufzeit:
|
|
|
1,33:1
|
88:26 Minuten
|
|
Sprachen / Tonformate:
|
Deutsch Dolby Digital 2.0 | Englisch Dolby Digital 2.0 |
|
Untertitel:
|
|
Keine |
|
Bonusmaterial:
|
|
|
|  |
Anthony
The Kindred
Der Horrorfaktor stellt sich hier lediglich aufgrund der minderwertigen technischen Qualität der DVD ein
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 1987 Regie: Stephen Carpenter, Jeffrey Obrow Drehbuch: Stephen Carpenter, Jeffrey Obrow, John Penney, Earl Ghaffari, Joseph Stefano Darsteller: David Allen Brooks, Amanda Pays, Rod Steiger, Talia Balsam, Kim Hunter, Timothy Gibbs, Peter Frechette, Julia Montgomery, Bunki Z
Label :
Savoy Film Verkaufsstart : 04.11.2011
|