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DVD-Besprechung - Polnische Ostern

Story:
Der kleinen Mathilda Grabosch (Paraschiva Dragus) steht eine große Überraschung bevor, denn nach dem überraschenden Tod ihrer Mutter, soll sie zu ihrem Vater nach Polen ziehen. So haben es die deutschen und die polnischen Behörden beschlossen. Ihr Großvater, der Witwer Werner Grabosch (Henry Hübchen), ist dagegen und kann nicht begreifen, warum seine Mathilda nicht bei ihm bleiben kann. Er bekommt aber einen Tipp, denn wenn er nachweisen kann, dass die Verhältnisse in Polen nicht gut für das Kindeswohl sind, dann könne er darauf hoffen, dass die Kleine aus der polnische Familie geholt wird. Da ihr Vater Tadeuz (Adrian Topol) ihn eingeladen hat, fährt er kurzerhand zu seiner Enkelin, um zu dokumentieren wie schlecht es ihr dort geht. Und seine Befürchtungen scheinen sich zu bestätigen, doch er lernt auch etwas ganz anderes kennen, etwas was ihn sehr überrascht.

Meinung zum Film:
„Polnische Ostern“ ist eine grenzübergreifende Familienkomödie, mit einem leichten melodramatischen Einschlag. Der Grundtenor ist so einfach wie die Meinungen der Völker übereinander. Ein Großvater soll seine Enkelin zu ihrem Erzeuger abgeben, da die Mutter des Mädchens bei einem Unfall starb. Doch die Kleine soll nicht nur einfach zu dem Mann und seiner Familie, der sich lange nicht um seine Tochter gekümmert hat, nein, es ist alles noch viel schlimmer, denn sie soll auch nach Polen übersiedeln. Die Figur des Werner Grabosch ist voll von den typischen Ansichten über Polen, die man in der überwiegenden Zahl der deutschen Köpfe finden wird. Grabosch erzählt seiner Enkelin dann auch gerne die bekanntesten Polenwitze, die diese schließlich gegenüber ihrem Vater rezitiert, was zu peinlicher Betretenheit auf allen Seiten führt. Regisseur Jakob Ziemnicki nimmt diese Ansichten auf und verarbeitet sie mit einem erträglichen Sarkasmus, ohne zu sehr zu ermahnen.

Vielmehr findet er einen versöhnlichen Ansatz und kommt fast ohne die oft strapazierte polnisch-deutsche Vergangenheit aus. Ja er bringt sogar eine neue Komponente ein, die hierzulande noch nicht richtig angekommen ist, den Konsum in Polen. Er übt sogar Kritik an dem Boom, der bei den östlichen Nachbarn stattfindet. Vieles geht ihm augenscheinlich zu schnell. Die Versöhnung kommt schleichend und geht von beiden Seiten aus, allen voran aber von Werner Grabosch, der von einem bestens aufgelegten Henry Hübchen („Alles auf Zucker“) gespielt wird. Angetreten um die Missstände in Polen aufzudecken und zu beweisen, dass seine Enkelin eine Zukunft in Dreck und Elend erwartet, erkennt der verbitterte Alte, dass auch in Polen Menschen mit Herz und Hirn existieren. Ja er erkennt zudem, dass dort ebenfalls auf die Familienbande geachtet wird und dass aus einer starken Familie heraus vieles möglich ist.

Der vermittelte Humor ist sehr fein und nicht grobschlächtig, was durchaus angebracht ist. Die Dialoge und ihr Witz treffen punktgenau ins Ziel und der Zuschauer bekommt mehr als einmal einen Grund zum Schmunzeln. Jakob Ziemnicki hat sehr auf ein flüssiges Erzähltempo geachtet und in den Extras erklärt er, warum eigentlich gute und sinnige Szenen nicht in den Film aufgenommen wurden. Diese Straffung spricht für ihn und seinen Anspruch sein Publikum zu unterhalten und nicht zu langweilen. In einer Nebenhandlung gibt es auch ein kleines Plätzchen für Romantik, denn der Nörgler Grabosch entdeckt seine Zuneigung zu Tadeuz Mutter Irena, die von Grazyna Szapolowska („80 Husaren“) verkörpert wird. Erst stehen sie sich ablehnend gegenüber, doch ein Tänzchen in Ehren offenbart erste Gemeinsamkeiten. Und das ist doch recht nahe an der Realität, wenn Menschen irgendwann anfangen zu menscheln und nicht in gegenseitigen Vorbehalten verharren.

Digitale Aufarbeitung:
Das Bild ist gut gelungen und zeigt keine Schwächen. Die Schärfe und der Kontrast führen jederzeit zu dem notwendigen Durchblick für den Zuschauer. Zusammen mit den sauber abgemischten Farben ergibt sich ein sehr schöner Gesamteindruck. Der Ton ist kein High-End-Produkt, aber er leistet das was er in einer Familienkomödie abzuliefern hat. Die Dialoge sind klar und deutlich verständlich.

Zunächst kann der Zuschauer sich die geschnittenen Szenen ansehen, wobei die Option zusammen mit dem Kommentar die bessere Wahl darstellt. Hier erfährt das Publikum warum und wieso diese Szenen nicht im Film enthalten sind. Natürlich gibt es auch Outtakes in denen gezeigt wird, was so alles schief gehen kann. Weiterhin steht noch der Trailer und eine Bildergalerie zur Verfügung. Der Hauptfilm kann zudem mit einem Audiokommentar von Regisseur Jakob Ziemnicki und Hauptdarsteller Henry Hübchen angesehen werden.

Fazit:
„Polnische Ostern“ ist keine große Komödie, aber eine sehr unterhaltsame die mit den bekannten Vorurteilen der Menschen antritt um sie am Ende aufzuweichen. Humorvoll agieren die Protagonisten, allen voran ein Henry Hübchen in Spiellaune. Technisch ist die DVD in Ordnung.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 06
2,00:1
2,00:1
90:20 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Deutsch, Polnisch
Bonusmaterial:
  • Audiokommentar mit Jakob Ziemnicki und Henry Hübchen
  • Deleted Scenes
  • Deleted Scenes mit Audiokommentar
  • B-Roll / Outtakes
  • Trailer
  • Bildergalerie mit Blick hinter die Kulissen
Polnische Ostern - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Polnische Ostern
Polnische Ostern

Bild unseres Mitarbeiters Jörg Hesse
Schöne Komödie, starke Darsteller


Autor der Besprechung:
Jörg Hesse

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Deutschland, 2011
Regie:
Jakob Ziemnicki
Drehbuch:
Katrin Mihlhahn, Jakob Ziemnicki
Darsteller:
Henry Hübchen, Paraschiwa Dragus, Adrian Topol, Grazyna Szapolowska, Barbara Wysocka, Violetta Gräfin Tarnowska Bronner, Leonie Brandis

Label Deutschland :
good!movies
Verkaufsstart Deutschland :
18.11.2011