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Blu-ray-Besprechung - Der Mann aus dem Westen

Story:
Link Jones (Gary Cooper) reist im Auftrag einer kleinen Gemeinde aus dem tiefen Westen nach Fort Worth, Texas, um dort mit dem ihm anvertrauten Geld eine Lehrerin für den Ort anzuwerben. Sein Zug wird jedoch von Banditen überfallen, das Geld wird ihm geraubt und er strandet mit den beiden kurz zuvor kennengelernten Fahrgästen Billie Ellis (Julie London), einer Barsängerin, und Sam Beasley (Arthur O'Connell), einem Falschspieler, irgendwo im Nirgendwo. Auf ihrem Weg, den Schienen folgend, stoßen sie ausgerechnet auf eine Farm, wo sich die Zugräuber, Angehörige der berüchtigten Tobin-Bande, verschanzt haben. Und für die ist Link keineswegs ein Unbekannter, denn er war einst die rechte Hand ihres Anführers Dock Tobin (Lee J. Cobb).

Meinung zum Film:
„Der Mann aus dem Westen“ ist ein amerikanischer Western aus dem Jahr 1958 und entstand unter der Regie von Anthony Mann („Tag ohne Ende“), der ein Drehbuch von Reginald Rose („Die zwölf Geschworenen“) verfilmte, das wiederum auf dem Roman „The Border Jumpers“ von Will C. Brown beruht. In den Hauptrollen agieren Gary Cooper („12 Uhr Mittags“), Lee J. Cobb („Derek Flint schickt seine Leiche“), Julie London („Vom Teufel geritten“), John Dehner („Einer muss dran glauben“) und Arthur O'Connell („Cimarron“). Das Werk gilt nicht nur als das Meisterstück des genreerfahrenen Anthony Mann, sondern auch allgemein als einer der besten Western überhaupt. Dabei ist der Film, gerade für seine Zeit, ein eher ungewöhnlicher Beitrag zum Western-Genre.

Link Jones ist ein eher ungewöhnlicher Held für Western amerikanischer Prägung. Er wirkt am Anfang nicht nur introvertiert, sondern regelrecht etwas schüchtern und verunsichert. Und natürlich darf Gary Cooper hier zudem auch wieder mal einen eher schweigsamen Vertreter seiner Zunft zum Besten geben. Allerdings trägt Link auch eine finstere Vergangenheit mit sich herum, die ihn schon recht bald wieder einholen soll. Er war selbst einst ein Mitglied der Tobin-Bande und Dock Tobin quasi ein Vaterersatz für ihn, der ihn großzog. Somit kommt es nach dem Zugüberfall auf der Farm zu einer schicksalhaften Begegnung mit Links eigener Vergangenheit. Aber nicht nur der geläuterte Link ist mittlerweile ein anderer, denn Dock Tobin lebt mittlerweile in seiner eigenen Fantasiewelt, geprägt von Altersstarrsinn und der Beschwörung einstiger Größe. Im Stile eines Psychogramms oder Kammerspiels gilt es fortan für Link Jones in seine alte Rolle zu schlüpfen, um Dock Tobin zu besänftigen und seine beiden Begleiter vor der Bande zu schützen. Aber mit Claude Tobin (John Dehner) und Coaley (Jack Lord) gibt es gleich zwei Bandenmitglieder, die ihn lieber heute als morgen beseitigen würden und ihren zukünftigen Führungsanspruch innerhalb der Bande gefährdet sehen.

Es gibt im Grunde bei diesem Western lediglich drei Actionszenen: den Zugüberfall zu Beginn, eine ausufernde Schlägerei zwischen Link und Coaley sowie immerhin auch einen längeren unvermeidlichen Showdown in Form eines Feuergefechts. Ansonsten präsentiert sich der Film allerdings partiell geradezu surreal, das betrifft neben eben jenem Showdown in einer menschenverlassenen Geisterstadt vor allem die Figur des Dock Tobin, bei dem die Grenzen zwischen Realität, Wunschdenken und idealisierter Vergangenheit zunehmend zu verschwimmen beginnen. Sämtliche Hauptfiguren besitzen deutlich mehr Tiefgang als in vergleichbaren konventionellen Western dieser Periode. Nicht nur der Held, sondern selbst die vermeintlichen Schurken tragen verschiedene Gesichter zur Schau, eine einfache Schwarz-Weiß-Zeichnung entfällt hier komplett. Allerdings besitzt das Werk, das sich überwiegend als fesselndes Kammerspiel mit psychologischer Subtilität und großartigen Darstellern entpuppt, auch seine Schwächen. Wie Billie beispielsweise Link anschmachtet, ohne dass sich daraus jemals eine Romanze entwickeln kann, wirkt ihrer Situation nicht angemessen und auch Dock Tobins Verrücktheiten wirken mit zunehmender Spielzeit teilweise, dem angedachten Fortgang der Story zuliebe, etwas zu berechenbar. Auch Nebenhandlungen bzw. -schauplätze werden leichtfertig beiseite geschoben, wie z.B. Links familiärer Hintergrund, das ihm anvertraute Geld, oder gar die Tatsache, dass Sam und Billie ursprünglich keineswegs Gutes mit ihm im Schilde führten.

Digitale Aufarbeitung:
Für einen rund 53 Jahre alten Film bietet die vorliegende Blu-ray ein durchaus zufriedenstellendes Bild und schlägt qualitativ auch die bisherigen DVD-Veröffentlichungen. Allerdings sollte hier weder eine neue Referenzrestauration wie bei „Ben Hur“ als Vorlage erwartet werden noch ein durchgehend detailliertes Bild mit zahlreichen Aha-Effekten. Erfreut sein dürften zunächst die Freunde von klassischem Filmkorn, denn davon gibt es hier einiges zu sehen und es wurde nicht der Versuch unternommen, das Bild kaputtzufiltern. Die Bildschärfe unterliegt kleineren Schwankungen, bewegt sich aber insgesamt auf einem zufriedenstellenden Niveau, wobei auch durchaus mal ein plastischer Eindruck hervorgerufen wird (13:37). Es gibt allerdings auch Szenen, wo das Bild relativ weich ausfällt (31:25) oder der Bildhintergrund einen sehr unscharfen Eindruck hinterlässt (19:50). Trotz der zufriedenstellenden Grundschärfe gibt es keine wirklich feine Detailzeichnung zu erspähen. Bei der Farbgebung gibt sich der CinemaScope-Film etwas blass und auch bezüglich der Natürlichkeit nicht immer ganz treffsicher, diese eher zurückhaltende Einfärbung kommt dem Film aber stimmungsmäßig durchaus entgegen. Die Kompression arbeitet auf hohem Niveau und Beschädigungen der Vorlage sind, anders als beim US-Trailer im Bonusteil, nicht auszumachen. Regelmäßige leichte Verschmutzungen sind hingegen vorhanden, allerdings nie in störendem Ausmaß. Die Kontrastwerte hinterlassen zudem einen relativ ausgewogenen Eindruck. Die beiden DTS-HD-Master-Audio-2.0-Tonspuren verrichten ebenfalls einen ordentlichen Job und überzeugen mit einer einwandfreien Verständlichkeit und gut austarierten Abmischung. Die deutsche Tonspur klingt allerdings, trotz leichter Verzerrungen, deutlich kräftiger und auch natürlicher.

Auf der Blu-ray befinden sich lediglich der US-Trailer in unrestaurierter Form und eine Bildergalerie mit Werbematerial, Szenenfotos sowie ein paar Bildern von den Dreharbeiten. Weiterhin gibt es noch ein beiliegendes 12-seitiges Booklet, welches neben ein paar Schwarz-Weiß-Fotos vor allem ein Essay zum Film von Jean-Luc Godard („Außer Atem“) in deutscher Sprache enthält. Leider wurde dieser Text aber scheinbar durch einen automatischen Übersetzer gejagt und bietet sprachlich ein absolut grausames Niveau, in dem auch Rechtschreibfehler wie „Der Mann des Gesetztes“ konsequent bis zum Ende durchgehalten werden. Allerdings ist auch Godards Text selbst geradezu schwärmerisch nichtssagender Natur. Die Veröffentlichung besitzt ein Wendecover.

Fazit:
„Der Mann aus dem Westen“ ist vielleicht nicht unbedingt einer der besten Western aller Zeiten, bietet aber einen für das Genre sehr ungewöhnlichen Ansatz, relativ tiefschürfende Charaktere und eindrucksvolle darstellerische Leistungen, wodurch eine geradezu kammerspielartige Konfrontation durchaus packend in Szene gesetzt wird. Dass dabei einige Nebenhandlungsstränge nicht wirklich zu Ende gedacht werden und nicht alle Figuren immer ganz schlüssig agieren, kann dem Film deshalb durchaus verziehen werden, Freunde actionlastiger Western von der Stange sollten aber eher Abstand halten. Technisch hinterlässt die Blu-ray-Fassung des Films einen zufriedenstellenden Eindruck, ohne annähernd Referenzniveau zu erreichen, schlägt aber alle bisherigen DVD-Veröffentlichungen deutlich, auch wenn das Bonusmaterial, wie bereits bei diesen Fassungen, ziemlich enttäuscht.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
2,35:1
2,35:1
99:17 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
DTS-HD Master Audio 2.0
DTS-HD Master Audio 2.0
Englisch
DTS-HD Master Audio 2.0
DTS-HD Master Audio 2.0
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • US-Trailer
  • Bildergalerie mit seltenem Werbematerial und Fotos von den Dreharbeiten
  • 12-seitiges Booklet
Der Mann aus dem Westen - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Der Mann aus dem Westen
Man of the West

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Gary Cooper mal ohne komplett weiße Weste


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 1958
Regie:
Anthony Mann
Drehbuch:
Reginald Rose (basierend auf einem Roman von Will C. Brown)
Darsteller:
Gary Cooper, Julie London, Lee J. Cobb, John Dehner, Arthur O'Connell, Jack Lord, Royal Dano, Robert J. Wilke

Label Deutschland :
Koch Media Entertainment
Verkaufsstart Deutschland :
04.11.2011