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Blu-ray-Besprechung - My Fair Lady

Story:
Eliza Doolittle (Audrey Hepburn) ist eine arme junge Frau, die in den Straßen Londons Blumen verkauft. Eines Tages begegnet sie dort dem Sprachwissenschaftler Professor Higgins (Rex Harrison), der sich über ihren Dialekt lustig macht und behauptet, er könne aus ihr eine feine Dame machen - einfach, indem er ihr die korrekte Aussprache beibringt. Was Higgins so leichtfertig vor sich hin sagt, nimmt Eliza sehr ernst und taucht kurze Zeit später beim Haus des Professors auf, um Sprachunterricht zu nehmen. Der ist davon alles andere als begeistert und will das Mädchen schon nach Hause schicken, als ihm sein Freund Colonel Pickering (Wilfrid Hyde-White) eine Wette vorschlägt. Gelingt es Higgins, innerhalb von sechs Monaten aus Eliza tatsächlich eine gesellschaftsfähige, vorzeigbare Dame zu machen, übernimmt der Colonel sämtliche Kosten der Ausbildung. Higgins nimmt die Wette an und so wird Eliza zu seinem neuesten "Projekt".

Meinung zum Film:
Pygmalion war der Name eines mythischen Königs von Zypern, irgendwann in der Antike. Laut Ovid hatte er aufgrund schlechter Erfahrungen den Frauen abgeschworen und erging sich stattdessen in seiner Kunst, der Bildhauerei. Eines Tages schuf er die Elfenbeinstatue einer Frau, die lebensecht aussah und die er in der Folge nicht nur so behandelte, als ob sie tatsächlich lebendig wäre, sondern sich schließlich sogar in sie verliebte. Am Ende erfüllte ihm Aphrodite seinen Wunsch und ließ sein Kunstgeschöpf zu einer echten Frau werden. Auf dieser Legende basierend schrieb George Bernard Shaw sein 1913 erstmals aufgeführtes Schauspiel "Pygmalion". In dem Stück geht es um den selbstverliebten Linguisten Professor Higgins, der auf der Straße dem armen Blumenverkäufermädchen Eliza Doolittle begegnet und wettet, aus ihr eine "Herzogin" machen zu können, indem er ihr beibringt, ihren Londoner "Cockney"-Straßenslang loszuwerden und stattdessen feines Englisch zu sprechen.

In Shaws Original werden die Parallelen zum Pygmalion-Mythos ganz klar deutlich, verliebt sich doch Higgins - ganz wie sein antikes Vorbild - in seine eigene Kreation, sein Kunstobjekt. Den Menschen dahinter sieht er jedoch nicht. Auf Basis von Shaws Stück erschien 1938 bereits ein oscarprämierter Schwarzweiß-Film, bevor "Pygmalion" 1956 schließlich in seine heute besser bekannte Form - das Musical "My Fair Lady" - umgearbeitet wurde. Mit Julie "Mary Poppins" Andrews und Rex Harrison ("Doctor Dolittle") in den Hauptrollen lief das Stück mehrere Jahre lang erfolgreich am Broadway und später auch im Londoner West End. In der hier vorliegenden Verfilmung "My Fair Lady" von 1964 übernahm Rex Harrison seine angestammte Rolle als Professor Higgins, statt Julie Andrews holten die Produzenten jedoch Audrey Hepburn ("Frühstück bei Tiffany") ins Boot, obwohl ihre Lieder von einer anderen Sängerin nachsynchronisiert werden mussten, da Hepburns Stimmlage nicht zur Tonlage der Stücke passte und diese für den Film auch nicht transponiert wurden.

Inhaltlich muss man ganz klar sagen, dass von der implizierten Kritik aus Shaws "Pygmalion" nicht mehr wirklich viel in "My Fair Lady" enthalten ist. Klar, es handelt sich nun mal um ein Musical mit Wohlfühlfaktor und so ist es auch kein Wunder, dass das offene Ende des Originals, Eliza läuft aus Higgins' Heim weg, weil dieser sie schlecht behandelt, in dieser Variante einem deutlich versöhnlicheren Ausgang weichen musste. Das Grundprinzip der Handlung blieb jedoch erhalten, selbst wenn Higgins hier deutlich weniger selbstsüchtig und barsch ist als in "Pygmalion". Zudem ist der Film einfach herrlich anzusehen. Die Musicalnummern machen Spaß und passen inhaltlich gut, zudem wissen die großartigen Darsteller zu gefallen, allen voran natürlich Rex Harrison und die wie immer bezaubernde Audrey Hepburn. Auch das Set- und Kostümdesign ist hervorragend ausgefallen, genau wie die Kameraführung und die Inszenierung im Allgemeinen. Acht Oscars, einschließlich "Bester Film", "Beste Regie" und "Bester Hauptdarsteller" waren der verdiente Lohn. Wer des Englischen mächtig ist, sollte sich den Film übrigens unbedingt in der Originalfassung ansehen. So berühmt "Es grünt so grün, wenn Spaniens Blumen blühen" auch geworden sein mag, die deutsche Fassung, die die komplette - offensichtlich in London spielende Handlung - nach Berlin versetzt, einschließlich entsprechendem Dialekt, ergibt bei diesem Stück nicht nur äußerst wenig Sinn, sondern lässt auch jeglichen Charme des Originals und seiner verschiedenen britischen Sprachvariationen vermissen.

Digitale Aufarbeitung:
Für die Blu-ray wurde das Mitte der 1990er restaurierte Master verwendet und während dieses insgesamt noch ganz zufriedenstellende Ergebnisse liefert, wäre mit einer aktuellen Neuabtastung wahrscheinlich deutlich mehr herauszuholen gewesen. Die Farben wirken kräftig und natürlich und auch die Schärfe bewegt sich im guten Bereich, wirkliche Aha-Erlebnisse beschert das Bild jedoch nicht. Dazu ist der Bildstand insgesamt etwas zu unruhig, außerdem sind immer wieder Helligkeitsschwankungen zu bemerken und analoge Defekte lassen sich auch öfter noch erkennen. Zudem wirkt der Transfer zum Rand hin gelegentlich seltsam überbelichtet, was sicher auch keine Absicht war. Der Ton liegt auf Deutsch in Dolby Digital 2.0 vor und bietet die bereits von früheren DVDs bekannte Kost. Die Dialoge sind verständlich, die Abmischung leidet aber natürlich unter den Beschränkungen des Systems. Deutlich besser klingt da schon die neue englische HD-Tonspur, die eine wunderbar räumliche Musikkulisse bildet. Bei ihr ist jedoch das Problem, dass die Dialoge öfter etwas zu leise abgemischt wurden und angesichts der brachialen Musik fast schon untergehen.

Das Bonusmaterial ist bereits von der alten Special-Edition-DVD bekannt. Neben dem Trailer zum Film gibt es einen Audiokommentar von Art Director Gene Allen, Sängerin Marni Nixon, die Audrey Hepburns Gesangspart übernahm, und dem Produzenten des restaurierten Transfers. Das "Making Of damals und heute" ist eine interessante einstündige Dokumentation, die ebenfalls Mitte der 1990er aus Anlass der Restaurierung entstand. Zudem können zwei Lieder mit Audrey Hepburns Originalgesang angesehen werden, es gibt einige Featurettes aus den 1960ern zur Premiere des Films und schließlich noch eine Bildergalerie mit Promomaterial und Ähnlichem. Außerdem gibt es auch noch zwei erweiterte Interviews mit Andrew Lloyd Webber und Martin Scorsese zu sehen, die in gekürzter Fassung bereits im Making Of enthalten waren. Ansonsten verfügt die Blu-ray, wie bei Paramount üblich, über ein Wendecover. Allerdings wurde bei der Produktion wohl nicht so ganz aufgepasst, wodurch nicht nur beide Seiten vom gleichen hässlichen Covermotiv geziert werden, sondern auch beide über das FSK-Logo verfügen, also identisch sind.

Fazit:
"My Fair Lady" ist einer der größten Klassiker Hollywoods und wurde seinerzeit mit acht Oscars ausgezeichnet. Wer Musicals mag, wird den Film lieben, und auch Zuschauer, die dem Genre eher nicht so zugewandt sind, dürften hier ihren Spaß haben. Etwas enttäuschend ist, dass für die Blu-ray-Veröffentlichung kein neues Master erstellt wurde, sondern lediglich auf den restaurierten Transfer von Mitte der 1990er zurückgegriffen wurde, der über einige Probleme verfügt. Dennoch stellt die vorliegende Veröffentlichung von "My Fair Lady" die bisher technisch beste Heimkinovariante des Films dar. Das Bonusmaterial ist umfangreich und entspricht der früheren Special-Edition-DVD.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
2,35:1
2,35:1
173:01 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Englisch
DTS-HD Master Audio 7.1
DTS-HD Master Audio 7.1
Französisch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Italienisch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Spanisch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Dänisch, Deutsch, Englisch, Finnisch, Französisch, Italienisch, Japanisch, Niederländisch, Norwegisch, Portugiesisch, Schwedisch
Bonusmaterial:
  • Audiokommentar mit Gene Allen, Marni Nixon, Robert A. Harris und James C. Katz
  • Wundascheener als jemals zuvor - Das Making-Of von My Fair Lady damals und heute
  • Vintage 1963/64 Featurettes, Footage & Audio
  • Alternative Audrey-Hepburn-Vocals
  • "Show me"-Galerien
  • "Comments on a Lady"
  • Trailer
My Fair Lady - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
My Fair Lady
My Fair Lady

Bild unseres Mitarbeiters Jano Rohleder
Großartiges Musical nach einer Vorlage von G. B. Shaw


Autor der Besprechung:
Jano Rohleder

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
USA, 1964
Regie:
George Cukor
Drehbuch:
Alan Jay Lerner (nach dem Schauspiel "Pygmalion" von George Bernard Shaw)
Darsteller:
Audrey Hepburn, Rex Harrison, Stanley Holloway, Wilfrid Hyde-White, Gladys Cooper, Jeremy Brett, Theodore Bikel, Mona Washbourne

Label Deutschland :
Paramount Home Entertainment
Verkaufsstart Deutschland :
17.11.2011