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Blu-ray-Besprechung - Codename: Fox - Die letzte Schlacht im Pazifik

Story:
Auch nach dem offiziellen Fall der Insel Saipan kämpft Captain Sake Oba (Yutaka Takenouchi), tief zurückgezogen in den bergigen Dschungel, mit wenigen Getreuen weiter gegen die Amerikaner. Auf Seiten dieser versucht Captain Lewis (Sean McGowan), ein Kenner der japanischen Mentalität, ihn und seine Leute zur Aufgabe zu bewegen, aber Oba denkt nicht an Aufgabe, ist nicht zu fassen und versetzt den Amerikanern immer wieder Nadelstiche.

Meinung zum Film:
„Codename: Fox – Die letzte Schlacht im Pazifik“ ist ein japanischer Kriegsfilm aus dem Jahr 2011, der jedoch nicht nur aus einem Cast japanischer und amerikanischer Darsteller besteht, sondern auch von zwei Filmteams, einem japanischen unter der Regie von Hideyuki Hirayama („Samurai Resurrection“) und einem amerikanischen unter der Regie von Cellin Gluck („Sideways), gedreht wurde. Der Film basiert auf einem Buch von Don Jones bzw. auf dessen Militärerfahrungen auf der Insel Saipan und beschäftigt sich mit der zugehörigen Schlacht, die am 13. Juni 1944 mit einer US-Bombardierung der Insel begann und am 7. Juli 1944 offiziell für die siegreichen Amerikaner endete. Der eigentliche „Held“ des Films, Captain Sakae Oba, leistete jedoch mit lediglich 47 Kämpfern noch 512 Tage Widerstand, bis auch er sich am 1. Dezember 1945, also erst drei Monate nach der offiziellen Kapitulation Japans, den Amerikanern ergab. Oba war an dem tatsachenbasierten Buch von Jones beteiligt und beide wurden auch zu engen Freunden. Die japanischen Hauptrollen bekleiden die in westlichen Gefilden weitgehend unbekannten Takenouchi Yutaka („Samayou yaiba“), Karasawa Toshiaki („Radio-Zeit“) und Inoue Mao („Momi no ki wa nokotta“), während auf amerikanischer Seite neben Sean McGowan („Fortress“) Daniel Baldwin („Phoenix – Blutige Stadt“) und Treat Williams („Das Phantom“) als bekannteste Schauspieler auftreten.

„Codename: Fox“ orientiert sich natürlich ganz eindeutig an Clint Eastwoods Meisterwerk „Letters from Iwo Jima“ und versucht die japanische Perspektive auf das Kriegsgeschehen bzw. die Mentalität der japanischen Streitkräfte westlichen Augen und Ohren näherzubringen. Dabei konzentriert sich das japanische Filmteam auf Captain Oba, der auch die zentrale Figur der Erzählung darstellt, während das amerikanische Team Captain Lewis in den Mittelpunkt rückt. Letzterer erzählt damit zwar quasi aus US-Perspektive, studierte jedoch selbst in Japan und beherrscht auch die japanische Sprache. Durch seine erweiterte Sichtweise und von ihm getätigte Erläuterungen wird dieser Charakter somit zu einer Art „Mentalitätsübersetzer“ und entschlüsselt die japanische Position auch für westliche Zuschauer noch über die Eigendarstellung der japanischen Seite hinaus. Seltsamerweise wirkt jedoch insgesamt die US-Position dominanter, was sicherlich auch daran liegt, dass die Amerikaner aktiv Schritte unternehmen, die Insel zu befrieden und Oba dingfest zu machen, während Letzterer vor allem ums Überleben kämpft und mit seinen wenigen Getreuen natürlich auf dem Papier hoffnungslos unterlegen ist. Weiterhin wird Lewis als aufgeschlossener, eher intellektueller Gutmensch dargestellt, wirkt eigentlich gar nicht wie ein Militär und agiert zudem äußert rücksichtsvoll und umsichtig. Dadurch wird seine Figur greifbarer für den Zuschauer als Captain Oba, der sowieso schon sichtlich introvertierter daherkommt und zudem auch noch deutlich weniger Gelegenheit erhält, über Dialoge seine Persönlichkeit auszubreiten.

Doch bereits die Grundkonstellation ist schwierig, denn von japanischer Seite her wird Oba ganz klar als Held verehrt, während auch auf amerikanischer Seite der Respekt gegenüber seinen militärischen Fähigkeiten und seiner Taktik, die ihm den Ehrennamen „der Fuchs“ einbringt, stetig ansteigt, was gerade bei Lewis auch in eine starke Faszination gegenüber Oba mündet. Ganz neutral betrachtet, wirkt Obas Widerstand jedoch vollkommen sinnlos, denn er kämpft mit ein paar Männern einen weitgehend aussichtslosen Guerilla-Kampf, dessen Fortsetzung er aber als seine heilige Pflicht ansieht. Dabei wird das Ganze einerseits zum gnadenlosen Überlebenskampf hochstilisiert und andererseits hat Oba auch eine größere Gruppe von Zivilisten bei sich, die er angeblich schützt. Die These vom Überlebenskampf ist jedoch so nicht haltbar, da eine Gefangennahme durch die Amerikaner vielleicht unehrenhaft gewesen wäre, jedoch mit Sicherheit nicht tödlich. Der zweite Punkt fußt auf der Verbreitung japanischer Propaganda, nach der japanischen Zivilisten in amerikanischer Gefangenschaft furchtbare Folter und Misshandlungen drohen. Diese These ist aber auch für Oba bald schon nicht mehr haltbar, da er oder seine Leute regelmäßig amerikanische Gefangenenlager infiltrieren. Wieso er also die Zivilisten eigentlich eher dauerhaft durch seine Nähe gefährdet, wird nie wirklich nachvollziehbar. Das ist aber nur eines der vielen Problemen des Films, der einfach zu viele schablonenhafte Charaktere, wie z.B. den rassistischen US-Offizier oder eine verbitterte japanische Krankenschwester, aufbietet. Ergänzt durch die eher emotionale Auslegung und die erzählerische Langatmigkeit erscheint der Film äußerst oberflächlich und drückt dabei durch Actionarmut und klischeebehaftete Dialoge auch den reinen Unterhaltungswert der Produktion auf ein recht niedriges Level. Weiterhin drückt sich das Werk auch vor einer eindeutigen Aussage zu den Geschehnissen.

Digitale Aufarbeitung:
Die Blu-ray offeriert grundsätzlich eine zufriedenstellende Bildschärfe, eine kräftige Farbgebung und einen ausgewogenen Kontrast. Gerade im Detail und bei Nahaufnahmen enttäuscht die BD allerdings eher, bietet jedoch mit durchschnittlichen Kompressionsraten von 16 Mbps auch keine besonders guten Werte. Die deutsche DTS-HD-Master-Audio-7.1-Tonspur kann leider überhaupt nicht überzeugen. Die Abmischung ist phasenweise katastrophal und erfordert ständige manuelle Nachjustierungen des Zuschauers. Dialoge sind gegenüber Effekten und der sehr laut und aufdringlich eingespielten Musikuntermalung meist viel zu leise ausgefallen. Regelt der Zuschauer die Dialogsequenzen entsprechend hoch, reißen ihn nachfolgende Schüsse beinahe aus dem Sessel, direktes Herunterregeln resultiert dann jedoch wieder in der Unverständlichkeit anschließender Dialoge. Auch bei den wenigen Actionsequenzen ist offensichtlich einiges schiefgelaufen, zwar gibt es hier und dort auch ein paar Raumklangeffekte, die eigentlichen Effekte klingen aber nicht nur eher unspektakulär, sondern häufig ziemlich fehl am Platze. So hallt und dröhnt es hier bei Feuergefechten im Dschungel oder auf freier Fläche, als würden sich beide Seiten in einer Lagerhalle duellieren. Die englisch-japanische Tonspur, ebenfalls im DTS-HD-Master-Audio-7.1-Format, ist hier weit überlegen und klingt deutlich dynamischer, druckvoller und natürlicher.

Die Blu-ray enthält zwar nicht das in der Pressemitteilung angekündigte Making Of, dafür aber Interviews mit den Darstellern Takenouchi Yutaka (7:45), Karasawa Toshiaki (3:09), Inoue Mao (7:37), Yamada Takayuki (8:31), Nakajima Tomoko (5:36) und Okada Yoshinori (4:55) sowie ein gemeinsames Interview mit US-Regisseur Cellin Gluck und Darsteller Sean McGowan (27:04), wobei letzteres aufgrund der langen Übersetzungspassagen jedoch teilweise zum Geduldsspiel für den Zuschauer gerät. Alle Interviews sind deutsch untertitelt, fallen aber alles andere als informativ aus. Brauchbar sind noch am ehesten die Hintergründe zu den Drehbedingungen und den Mentalitätsunterschieden der beiden Filmteams. Weiterhin befinden sich auf der BD noch der deutsche und der englisch-japanische Trailer.

Fazit:
„Codename: Fox – Die letzte Schlacht im Pazifik“ ist ein durchschnittlicher bis oberflächlicher Beitrag zum Kriegsfilmgenre aus japanischer Produktion und wirkt optisch und inhaltlich meistenteils so unspektakulär wie eine TV-Produktion. Leider zeigt die vorliegende Produktion auch im Hinblick auf die japanische Perspektive auf das Kriegsgeschehen nichts, was Clint Eastwood nicht bereits im Jahr 2006 mit „Letters from Iwo Jima“ weit besser verdeutlicht hätte. Technisch ist die vorliegende Blu-ray bis auf die schwache deutsche Tonspur solide ausgefallen, kann allerdings nicht wirklich begeistern und das Bonusmaterial ist leider ziemlich uninteressant.

Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 16
2,35:1
2,35:1
128:33 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
DTS-HD Master Audio 7.1
DTS-HD Master Audio 7.1
Englisch / Japanisch
DTS-HD Master Audio 7.1
DTS-HD Master Audio 7.1
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Interviews mit Cast & Crew
  • Deutscher Trailer
  • Englisch-japanischer Trailer
Codename: Fox - Die letzte Schlacht im Pazifik - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Codename: Fox - Die letzte Schlacht im Pazifik
Taiheyô no kiseki: Fokkusu to yobareta otoko

Bild unseres Mitarbeiters Lennart Reimherr
Wahrscheinlich gut gemeinter, aber eher durchwachsen umgesetzter Kriegsfilm aus japanischer Produktion


Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Japan, 2011
Regie:
Hideyuki Hirayama
Drehbuch:
Takuya Nishioka, Gregory Marquette, Cellin Gluck (basierend auf der Buchvorlge von Don Jones)
Darsteller:
Yutaka Takenouchi, Sean McGowan, Mao Inoue, Daniel Baldwin, Treat Williams, Toshiaki Karasawa, Matthew R. Anderson, Satoko Tsuji

Label Deutschland :
Sunfilm Entertainment
Verkaufsstart Deutschland :
01.12.2011