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DVD-Besprechung - Doc West - Nobody ist zurück
Story:
Der Profi-Glücksspieler Doc West (Terence Hill) wird in Santa Fe das Opfer eines Banküberfalls. Bei der Verfolgung der Räuber landet er in der Kleinstadt Holysand, wo die Spur der Täter im wahrsten Sinne des Wortes im Sande verläuft. Allerdings sorgt eine Auseinandersetzung mit Garvey (Alessio Di Clemente), dem Vorarbeiter des dortigen Großgrundbesitzers Nathan Mitchell (Boots Southerland), für einen unfreiwilligen Gefängnisaufenthalt von Doc West, gesponsert von Sheriff Roy Basehart (Paul Sorvino). In der Stadt gibt es größere Streitigkeiten um Grundbesitz zwischen den Mitchells und den Bakers unter ihrem Familienoberhaupt Victor (Adam Taylor). Doc West hat aber auch genug eigene Probleme, denn der Bankräuber stammt offensichtlich tatsächlich aus Holysand.
Meinung zum Film:
„Doc West – Nobody ist zurück“ ist ein extrem hochtrabender und irreführender Titel, denn Terence Hill, die Ikone zahlloser Western-Komödien wie „Mein Name ist Nobody“, „Die Rechte und die linke Hand des Teufels“ oder „Vier Fäuste für ein Halleluja“, übernahm hier zwar die Hauptrolle und war auch als Co-Regisseur beteiligt, aber Slapstickeinlagen und Action Marke „Nobody“ sollten hier nicht erwartet werden, schon gar nicht im adäquat budgetierten Kinoformat. So handelt es sich bei „Doc West“ auch eigentlich um einen im Jahr 2009 für das italienische Fernsehen produzierten rund dreistündigen Zweiteiler vom nie besonders hervorgetretenen Regisseur Giulio Base („Das Ende der Götter“), der jedoch in Deutschland doppelt ausgewertet wird und dessen zweiter Teil als eigenständige Veröffentlichung, unter dem erneut irreführenden Titel „Doc West – Nobody schlägt zurück“, momentan von Sunfilm Entertainment bereits für den Januar bzw. Februar 2012 terminiert ist. Neben Terence Hill ist Paul Sorvino („GoodFellas - Drei Jahrzehnte in der Mafia“) als gemütlicher, aber standhafter Sheriff der einzige weitere wirklich prominente Darsteller im ersten Teil. Hingegen ist die oft mit angeführte Ornella Muti („Gib dem Affen Zucker“) erst im zweiten Teil zu sehen.
Die deutsche DVD ist insgesamt um beinahe neun Minuten kürzer als die Originalfassung und entspricht somit der US-DVD.
Um den mittlerweile 72-jährigen Terence Hill ist es in den letzten Jahren im Filmgeschäft sehr ruhig geworden. Produktionen aus den 90ern, wie „Lucky Luke“ und „Die Troublemaker“ mit Bud Spencer („Sie nannten ihn Mücke“), bei denen er auch selbst Regie führte, waren seine letzten wirklichen Arbeitsnachweise, konnten aber trotz dankbarer Fans nicht mehr an alte Glanzzeiten anknüpfen. Mit „Doc West“ wagte sich Terence Hill nun nach längerer schöpferischer Pause erneut vor und teilweise auch wieder hinter die Kamera. Das Ergebnis dürfte aber aus verschiedenen Gründen erneut nur die wirklich treuesten Fans begeistern. Das größte Problem bei dieser Produktion ist die Erwartungshaltung der Terence-Hill-Fans und die Stimmungslage innerhalb des Films selbst. Hill macht hier nicht den Fehler, sich durch Actionszenen und ein Feuerwerk lockerer Sprüche selbst zu demontieren - auch wenn er deutlich jünger wirkt, als sein Alter glauben machen mag, wäre diese Rolle vergangener Tage wohl einfach nicht mehr glaubwürdig gewesen. Im Ergebnis müssen Fans dadurch allerdings auch akzeptieren, dass in über 90 Minuten lediglich ein einziges Pistolenduell als Actionszene für Terence Hill zu verbuchen ist, welches zudem bezüglich der Kameraführung, Schnitttechnik und Choreografie schlichtweg enttäuschend ausfällt. Auch mit einem unverwechselbaren schelmischen Grinsen durch den Mann mit den stahlblauen Augen vorgetragene One-Liner sucht der Zuschauer hier vergeblich. Vielmehr liegt hier trotz des unterschwelligen Humors des Films immer eine gute Prise Melancholie und Rührseligkeit in der Luft. Nostalgiker dürften sich allerdings lediglich von wenigen Sequenzen, wie einer kurzen Kartentrick-Hommage oder den im wahrsten Sinne des Wortes entwaffnenden Schießkünsten von Doc West, angesprochen fühlen.
Wie in vielen Spät- oder Neo-Western gibt es jedoch auch bei „Doc West“ eine ernste Seite und eben deren Verbindung mit dem eher humorvollen Unterton des Films gelingt leider äußerst selten. So thematisiert das extrem vorhersehbare, offensichtlich aus dem Klischeebaukasten des Genres hervorgegangene Drehbuch auch ein altes Trauma von Doc West, unter dem dieser heute noch leidet und welches z.B. seine Tee-Bestellung im Saloon im Nachhinein alles andere als komisch erscheinen lässt. Für einen ernsthaften Spätwestern fehlt dem Film aber auch einfach der Tiefgang und eine weiterführende Figurenzeichnung. Überhaupt kann aus der Besetzungsliste lediglich Paul Sorvino gegen das nach wie vor vorhandene Charisma von Terence Hill anspielen, während die restlichen Darsteller weitgehend blass bleiben. Allerdings ist es auch schwer, mit Western-Serientätern wie der einsamen kultivierten Witwe, mit der sich natürlich ein amouröses Techtelmechtel anbahnt, dem schießwütigen Handlanger als fiesem Gegenspieler oder dem herrschsüchtigen Großgrundbesitzer als ständigem Unruheherd noch Zuschauer hinter dem Ofen hervorzulocken. Hinzu treten hier noch offensichtliche Budgetrestriktionen und das viel zu sehr vernachlässigte, weil zu selten eingebaute, landschaftliche Wüstenpanorama von New Mexico.
Digitale Aufarbeitung:
Die DVD überzeugt mit einer guten Bildschärfe und kräftigen Farben, der Kontrast wirkt aber, gerade innerhalb der häufig sonnendurchfluteten Szenerie, etwas zu steil und tendiert zu Überstrahlungen. Die Kompression bewegt sich auf einem guten Niveau und Bildrauschen ist nur in einem vertretbaren Ausmaß feststellbar. Die Tonspuren dieses actionarmen Werks geben sich hingegen erwartungsgemäß unspektakulär und frontlastig, aber auch stets gut verständlich. Die Abmischung ist insgesamt gelungen, teilweise spielt sich die Musik aber auch etwas zu sehr in den Vordergrund.
Auf der DVD befindet sich ein sowieso schon viel zu kurz geratenes „Behind the Scenes“-Feature (7:25), das zu allem Überfluss auch noch diverse Sequenzen aus dem zweiten Teil von „Doc West“ beinhaltet. Ansonsten werden außer ein paar Kurzkommentaren der Hauptdarsteller und des Regisseurs auch keine handfesten Informationen zum Film vermittelt. Weiterhin befinden sich auf der DVD lediglich noch der deutsche und der englischsprachige Trailer.
Fazit:
„Doc West – Nobody ist zurück“ stellt ein Spätwerk und gleichzeitig einen Comebackversuch der einstigen Genre-Ikone Terence Hill dar, der sich mit diesem Titel zwar nicht selbst nachhaltig demontiert, aber auch nicht mehr an alte Erfolge anknüpfen kann und zudem gegen ein geringes Budget und ein extrem vorhersehbares sowie einfallsloses Drehbuch anspielt. Eiserne Fans können durchaus einen Blick riskieren, neutral betrachtet hätte diese Genre-Produktion allerdings niemand gebraucht und es hat wohl deutlich mehr Sinn, Hills alte Klassiker ein weiteres Mal in den Player zu schieben. Technisch macht die DVD einen guten Eindruck, das Bonusmaterial enttäuscht aber auf ganzer Linie.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,85:1
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93:24 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 5.1 | Deutsch DTS 5.1 | Englisch Dolby Digital 5.1 |
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Untertitel:
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Deutsch |
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Bonusmaterial:
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- Behind the Scenes
- Deutscher Trailer
- Englischsprachiger Trailer
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Doc West - Nobody ist zurück
Doc West
Wenig stimmiges, aber extrem vorhersehbares Western-Spätwerk von Terence Hill
Autor der Besprechung:
Lennart Reimherr
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Italien, 2009 Regie: Giulio Base, Terence Hill Drehbuch: Marcello Olivieri, Luca Biglione, Marco Barboni, Stefano Voltaggio, Jess Hill Darsteller: Terence Hill, Paul Sorvino, Boots Southerland, Adam Taylor, Clare Carey, Alessio Di Clemente, Micah Alberti, Linus Huffman, Benjamin Petry, Maria P. Petruolo
Label :
Sunfilm Entertainment
Verkaufsstart : 01.12.2011
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