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DVD-Besprechung - Placid Lake

Story:
Placid Lake (Ben Lee) war schon immer etwas anders. Am ersten Schultag schickte ihn seine Mutter (Miranda Richardson) in einem seltsamen Kleid zum Unterricht und auch als Jugendlicher kümmerte er sich nie darum, die gleichen Interessen wie seine Mitschüler zu verfolgen. Seine einzige und beste Freundin ist Gemma (Rose Byrne), die auf andere Menschen ebenfalls etwas ungewöhnlich erscheint, da sie sich ausschließlich für Wissenschaft und Forschung interessiert. Als Placid am Tag des Schulabschlusses seinen preisgekrönten Film über das "superduper Schulleben" gegen eine Alternativfassung austauscht, in der der wahre Charakter seiner Mitschüler enthüllt wird, kommt es zu einer Verfolgungsjagd, an deren Ende Placid aus mehreren Stockwerken Höhe auf den Asphalt vor dem Schulgebäude knallt und sich sämtliche seiner Knochen bricht. Als er wieder gesund ist, hat er nur noch ein Ziel vor Augen. Er will um jeden Preis gewöhnlich werden. Dazu gehört auch ein neuer Job in einem Versicherungsunternehmen. Stinklangweilig, unkreativ, aber: Gewöhnlich! Denn wozu sollte man mutig sein oder aus der Masse herausstechen, wenn doch anscheinend Angepasstheit der wahre Weg zum Glück ist? Doch ist sie das wirklich?

Meinung zum Film:
Coming-of-Age-Geschichten gibt es nicht erst seit Bestehen Hollywoods. Der jugendliche (Anti-)Held, der auf dem Weg zum Erwachsenwerden sich selbst finden muss und dies schafft oder daran scheitert, ließ sich schon geraume Zeit vorher finden, beispielsweise in Goethes "Leiden des jungen Werther" oder Hermann Hesses "Unterm Rad". Wirklich Überhand genommen hat die Thematik allerdings erst, als sie von der Filmbranche entdeckt wurde. Und so werden den Zuschauern in schöner Regelmäßigkeit immer wieder Coming-of-Age-Dramen oder -Komödien vorgesetzt, die im Endeffekt leider fast alle mehr oder weniger austauschbar sind und in der Regel keinerlei bleibenden Eindruck hinterlassen. Der australische Independentfilm "Placid Lake" ist leider auch so ein Fall.

Dabei ist "Placid Lake" filmisch eigentlich durchaus in Ordnung und auch die Darsteller sind in ihren jeweiligen Rollen gut besetzt. Doch Drehbuchautor Tony McNamara, der hier auch zum ersten und bisher einzigen Mal Regie führte, schafft es leider überhaupt nicht, der Handlung irgendwelche interessanten Aspekte abzugewinnen. Zwar gibt es durchaus unterhaltsame Szenen, aber letztlich wirkt doch alles wie schon mal gesehen und nach Schema F realisiert. Zudem ist es der, laut Interviews im Bonusmaterial, angeblich angestrebten Realitätsnähe nicht unbedingt förderlich, völlig überzogene Figuren zu verwenden, die direkt dem Coming-of-Age-Komödien-Klischeehandbuch entsprungen zu sein scheinen. Die freigeistigen, hippiehaften Eltern auf Placids und der überzogen wissenschaftsvernarrte Vater auf Gemmas Seite unterstützen nicht die Message des Films, sondern sind ihr vielmehr hinderlich. Sie regen nicht dazu an, darüber nachzudenken, welchen Einfluss sie auf ihre jeweiligen Kinder haben, sondern provozieren beim Zuschauer nur ein genervtes Augenrollen, weil sie so übertrieben typisch und unoriginell ausgefallen sind.

Ein weiteres Problem ist, dass die über anderthalb Stunden ausgebreitete Handlung eigentlich in ein paar Sätzen komplett zusammengefasst werden kann, somit eigentlich nicht wirklich viel passiert und der Film sich ewig in die Länge zieht. McNamara hat es leider versäumt, in sein Drehbuch eine sinnvolle Dramaturgie einzubauen und die Handlung plätschert spätestens ab Placids Unfall nur noch vor sich hin. Es erscheint nämlich offensichtlich, wie die Sache ausgehen wird. Dass es sich bei dem plötzlich so angepassten Spießer-Placid nur um eine temporäre Phase handelt und ihm früher oder später klar wird, dass er nur dann zufrieden ist, wenn er wirklich er selbst ist, lässt sich bereits absehen, als er zum ersten Mal im Anzug auftaucht. Dadurch ist der Weg bis zu dieser Erkenntnis völlig uninteressant und das Drehbuch zollt dem auch noch Tribut, indem es gar nicht erst versucht, irgendwie glaubhaft zu machen, dass Placid von seinem neuen Ich selbst überzeugt ist. Was genau der Sinn davon ist, dass parallel dazu auch noch seine Freundin Gemma ihren Charakter komplett wandelt, weil sie urplötzlich merkt, dass die Wissenschaft, mit der sie sich ihr Leben lang beschäftigt hat, eigentlich gar nicht ihren eigenen Interessen entspricht, wird auch nicht so wirklich deutlich und wirkt sehr willkürlich und gezwungen. Zumindest an den darstellerischen Leistungen gibt es jedoch nichts auszusetzen. Die Schauspieler machen im Rahmen der Möglichkeiten, die ihnen das Drehbuch gelassen hat, einigermaßen das Beste aus ihren Figuren. Ben Lee, der hauptsächlich als Sänger und Komponist von Songs in TV-Serien wie "Smallville", "One Tree Hill" oder "Grey's Anatomy" tätig ist, gibt bei seinem ersten und einzigen Filmauftritt einen überzeugenden Placid ab, während Rose Byrne ("X-Men: Erste Entscheidung") seine Freundin Gemma zwar nicht glaubhafter machen kann, aber zumindest sympathisch ist. Miranda Richardson ("Sleepy Hollow") und Garry McDonald ("Moulin Rouge") liefern Routinearbeit als Placids Eltern ab. Für TV-Nostalgiker dürfte außerdem ganz interesant sein, dass Nicholas "70er-Jahre-Spider-Man" Hammond als Gemmas Vater zu sehen ist. Dieser erhält allerdings - genau wie Placids Eltern - keine wirkliche Charakterzeichnung und stellt lediglich ein wandelndes Klischee dar.

Digitale Aufarbeitung:
"Placid Lake" hat ein sehr seltsam wirkendes Bild, was vermutlich an dem unausgewogenen Kontrast liegen dürfte, der dem Ganzen zeitweilig ein bisschen Im-Kino-abgefilmt-"Charme" verleiht. In dunklen Bereichen gehen grundsätzlich Bildinformationen verloren, während helle zu Überstrahlungen neigen. Das beeinträchtigt auch die ansonsten einigermaßen natürlichen Farben. Die Schärfe ist hingegen für DVD-Verhältnisse recht gut, auch wenn es einige Szenen gibt, die etwas weicher wirken. Hier wurde allerdings wohl auch bewusst ein Weichzeichner eingesetzt. Der Ton liegt auf Deutsch in Dolby Digital 5.1 vor, die englische Originalfassung gibt es nur in 2.0. Beide Versionen bekleckern sich allerdings nicht gerade mit Ruhm. Während die deutsche Tonspur zu künstlich wirkt, was zum Teil auch an den unbeholfenen Sprechern liegt, die aufdringlich in den Vordergrund gemischt wurden, klingt der englische Originalton irgendwie abgestanden, centerbeschränkt und lässt jegliche Dynamik vermissen.

Als Bonusmaterial gibt es den Trailer zum Film sowie einige Interviews mit Cast & Crew, die eine Laufzeit von insgesamt knapp einer Stunde besitzen. Wirklich vielschichtig sind die Gespräche zwar nicht, wer sich für die Hintergründe der Produktion interessiert, bekommt hier jedoch zumindest ein paar halbwegs interessante Infos geboten.

Fazit:
"Placid Lake" ist kein wirklich schlechter Film, schafft es aber leider nicht, aus der Masse der Coming-of-Age-Komödien herauszustechen. Noch dazu sind die Elternfiguren mal wieder viel zu überzeichnet und klischeehaft umgesetzt worden, wodurch dem Zuschauer vieles schnell wie schon x-mal gesehen vorkommt. So können auch die guten darstellerischen Leistungen nicht mehr dazu verhelfen, dass der Film länger im Gedächtnis bleibt. Technisch bietet die DVD ausreichende bis befriedigende Qualität. Das Bonusmaterial ist zwar nicht sehr umfangreich, bietet aber zumindest einige informative Interviews.


Technische Daten:
FSK-Freigabe: Bildformat: Laufzeit:
FSK 12
1,85:1
1,85:1
86:24 Minuten
Sprachen / Tonformate:
Deutsch
Dolby Digital 5.1
Dolby Digital 5.1
Englisch
Dolby Digital 2.0
Dolby Digital 2.0
Untertitel:
Deutsch
Bonusmaterial:
  • Trailer
  • Interviews
Placid Lake - Hier klicken für die große Abbildung zur Rezension
Placid Lake
The Rage in Placid Lake

Bild unseres Mitarbeiters Jano Rohleder
Vor sich hinplätschernde Coming-of-Age-Komödie ohne jegliche Originalität


Autor der Besprechung:
Jano Rohleder

Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Australien, 2003
Regie:
Tony McNamara
Drehbuch:
Tony McNamara
Darsteller:
Ben Lee, Rose Byrne, Nicholas Hammond, Miranda Richardson, Garry McDonald, Francis McMahon, Christopher Stollery, Saskia Smith

Label Deutschland :
Infopictures
Verkaufsstart Deutschland :
11.11.2011