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DVD-Besprechung - Cruel Behaviour
Story:
Ein Auftragskiller, der nur als Hitman (Alexander Shevchenko) bekannt ist, wird nach seiner letzten Mission von Albträumen geplagt. Dank eines Artikels über eine recht unorthodoxe Methode, seine Probleme loszuwerden, kommt er auf die Idee, sich Nägel in den Schädel zu schlagen. Auf einmal erscheint ihm die Welt bunter und angenehmer, er lädt sogar seine Kollegin Hitgirl (Irina Nikitina) ein, um ihr die Methode zu erklären. Doch in seinen Visionen entpuppen sich Hitgirl und er als dämonische Kreaturen, sodass Hitman weiter daran arbeiten muss, seine Therapie unter Einsatz seines Lebens zu verfeinern.
Meinung zum Film:
"Cruel Behaviour" ist schwere Kost. Bei dem Film handelt es sich um einen Kunstfilm, bei dem die Reaktionen des Zuschauers schließlich wichtiger sind als der Film selbst. So ist der Kontext der Geschichte ärgerlicherweise nur auf dem DVD-Rücken und dem Trailer erklärt, letztgenannter besteht sogar komplett aus Material, das nicht im fertigen Film vorkommt. So erklärt sich, dass Hitman als sehr zuverlässiger Auftragsmörder nur die wichtigsten Arbeiten erledigt und seine damit verbundenen Albträume ihn schon lange plagen. Eine Situation, die dank der ungewöhnlichen Musik identifizierbar ist: Sehr surreal wechselt sie zwischen schrillen Tönen und dumpfen Schlägen, die schon in den ersten Filmminuten auf die Psyche schlagen. Die Effekte sind da wechselhafter. Nach dem Einschlagen ist etwa kein einziger Nagel mehr im Kopf des Hitmans zu sehen und der Einsatz von künstlichen Köpfen ist klar erkennbar, dafür drückt das Kopfkino die schlimmsten Eindrücke ins Zuschauer-Bewusstsein.
Sein Ausweg ist eine Metapher für Drogen. Aus seinem miserablen Leben befreien ihn nur nagelförmige Spritzen, die sein Bewusstsein erweitern und zu interessanten philosophischen Thesen verleiten, aber auch sein Essen in eine ungenießbare Glibbermasse verwandeln und das Hitgirl, Kollegin und Freundin zugleich, in eine unbeschreibliche Kreatur. Die Lösung scheint nur noch ein weiterer Nagel bzw. eine weitere Spritze zu sein, die Abhängigkeit nimmt nicht nur zu, sondern verleitet Hitman im Laufe der Handlung zu weitaus widerwärtigeren Taten. Doch so eindeutig, wie diese Interpretation sich liest, ist der Film noch lange nicht. So kann sich dank des Titels die Handlung auch wie die Rache seines Berufs zeigen. Denn wer Menschenleben beendet, verdient Schlimmeres als den Tod. Vielleicht geht es aber auch um Realitätsflucht und die verschiedenen Wege, die dazu eingeschlagen werden können. Der Film ist da unklar und lässt viel Raum für Gedankenspielereien, sodass der Zuschauer nach einer knappen Stunde mehr nach Hause mitnimmt als bei so manchem spielfilmlangen Blockbuster.
Der größte Makel der DVD ist allerdings, dass auf dem Cover mit einem blutigen Achtzehner-Streifen geworben wird und auf der Rückseite mit einem spannenden Thriller. "Cruel Behaviour" ist beides und nichts davon. Dass der Film ein Kunstfilm ist, der Bereitschaft und Interpretation erfordert, wird nirgendwo erwähnt. Das Coverbild ist so nicht im Film zu sehen, ebenso wenig wie drei von vier Bildern auf der Rückseite. Nichts macht den Eindruck, dass Popcorn hier unangebracht ist und eine schlaflose Nacht bevorsteht, zwar nicht wegen grauenvoller Albträume durch einen guten Horrorfilm, dafür aber wegen Überlegungen, was einem der Film eigentlich genau sagen wollte. Nichts hilft bei der Interpretation, was den Film einerseits zum anhaltenden Albtraum jedes kreativen Menschen macht, aber andererseits auch zu einer äußerst intensiven und interaktiven Erfahrung. Da niemand den Film erklärt, muss der Zuschauer hier ganz alleine seine Sicht auf den Film entwickeln.
Digitale Aufarbeitung:
Die Bildqualität ist an und für sich sehr gut, was allerdings durch Spielereien mit Farbe und Bildschärfe nur beim Vor- und Abspann zu erkennen ist. Dafür scheinen alle anderen Effekte, unter denen das Bild dazwischen leidet, vollkommen beabsichtigt zu sein. Der Film beginnt schwarzweiß und zeigt bei den Nagel-Trips der Hauptperson immer mehr Farben, bis das Bild manchmal sogar fast normal bunt zu erkennen ist. Der Dialog ist spärlich und etwas leise, aber dank guter Soundmischung trotzdem klar herauszuhören. Vielleicht sogar etwas zu klar, aber durch das Fehlen des russischen Originaltons lässt sich das leider nicht herausfinden.
Der Trailer besteht aus speziell dafür gedrehten Szenen und sollte vor dem Hauptfilm angesehen werden. Die DVD-Veröffentlichung besitzt ein Wendecover.
Fazit:
"Cruel Behaviour" ist ein schwierig anzusehender Kunstfilm, bei dem Wirkung und Absicht nicht immer notwendig übereinstimmen müssen. Einige Schock- und Gore-Elemente des Films fallen jedoch kontraproduktiv aus und es stellt sich die Frage ob hier Handlung oder Schockwirkung im Mittelpunkt stehen sollen. Die Vermarktung des Films ist an sich eher irreführend, allerdings entzieht sich das Werk auch einer abschließenden Bewertung oder eindeutigen Botschaft.
Technische Daten:
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FSK-Freigabe:
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Bildformat:
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Laufzeit:
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1,33:1
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59:37 Minuten
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Sprachen / Tonformate:
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Deutsch Dolby Digital 2.0 |
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Untertitel:
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Keine |
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Bonusmaterial:
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Cruel Behaviour - Kopf voller Nägel
Gvozdi
Wäre dieser Film mit Nägeln im Kopf leichter erträglich?
Autor der Besprechung:
David Bühring
Filmdaten:
Produktionsland,-jahr:
Russland, 2003 Regie: Andrey Iskanov Drehbuch: Andrey Iskanov Darsteller: Alexandra Batrumova, Svyatoslav Iliyasov, Andrey Iskanov, Irina Nikitina, Igor Orlov, Alexander Shevchenko, Victor Silkin
Label :
Infopictures
Verkaufsstart : 21.10.2011
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